Seit Ende des vergangenen Jahrhunderts hat die Pflege bedeutende und sich beschleunigende Schritte der Professionalisierung unternommen, die einen qualitativen Bruch mit ihrer traditionellen Rolle als Assistentin des Mediziners bedeuten. Damit versetzt sie sich zunehmend in die Lage, in Austausch mit benachbarten Disziplinen wie der Gesundheitswissenschaft eigene Lösungsansätze für die gesundheitlichen Probleme der modernen Gesellschaft zu entwickeln. Dabei muss die Pflegewissenschaft einerseits darauf achten, interdisziplinär anschlussfähig zu bleiben, andererseits kann sie mit neuen Forschungsperspektiven überkommene thematische Grenzziehungen wie im Fall der Prävention und Gesundheitsförderung auflockern. Dabei ist es hilfreich, auf Modelle wie PRECEDE- PROCEED zurückgreifen zu können, die sich ausdrücklich als Sammelstruktur für verschiedene theoretische Konzepte anbieten. In der Arbeit werden die Begriffe Gesundheits- und Pflegewissenschaft sowie Gesundheitsförderung und Prävention abgegrenzt und verschiedene Konzepte von Prävention vorgestellt. Abschließend wird das PRECEDE- PROCEED- Modell ausführlich erläutert, das die wesentlichen Elemente der verschiedenen Strategien integriert und darüber hinausweist, indem es „acknowledges the importance of environmental factors in determining behaviors“
Inhaltsverzeichnis
1 Erläuterung und Abgrenzung zentraler Begriffe
1.1 Gesundheitswissenschaft und Pflegewissenschaft
1.2 Gesundheitsförderung und Prävention
2 Konzepte von Prävention
2.1 Zielgrößen
2.2 Methoden
2.2.1 Gesundheitserziehung und -bildung
2.2.2 Gesundheitstraining
2.2.3 Gesundheitsselbsthilfe
2.2.4 Gesundheitsaufklärung und –beratung
2.2.5 Präventivmedizin
2.3 PRECEDE- PROCEED als Präventionskonzept
2.3.1 Bedeutung
2.3.2 Phasen
3. Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Gesundheitswissenschaft für die pflegerische Praxis, insbesondere unter dem Aspekt der Prävention, und analysiert das PRECEDE-PROCEED-Modell als strukturiertes Planungskonzept zur Implementierung von Gesundheitsmaßnahmen.
- Verhältnisbestimmung von Gesundheits- und Pflegewissenschaft
- Abgrenzung von Gesundheitsförderung und Prävention
- Analyse präventiver Interventionsmethoden in der Pflege
- Das PRECEDE-PROCEED-Modell als Planungs- und Evaluationsinstrument
Auszug aus dem Buch
2.3 PRECEDE- PROCEED als Präventionskonzept
Die geringe Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen schafft vermeidbares Leid, das die Notwendigkeit einer Verhaltensänderung für Teile der Bevölkerung begründet. Hier liegt eine wichtige Aufgabe für Gesundheits- und KrankenpflegerInnen: Sie müssen den Wert von Gesundheit vermitteln. „Gesundheitsrelevante Verhaltensweisen stellen soziale Akte dar, die im jeweilig gegebenen kulturellen Kontext betrachtet werden müssen. Die Annahme, dass Gesundheit für jeden einen hohen Wert darstellt und verhaltensmotivierend wirkt, wird zwar meist vorausgesetzt, aber selten empirisch überprüft“ (BENGEL 1992, 79). Folglich taucht sie bei der Nennung von Determinanten der Entscheidung über die Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen häufig nicht auf. Die Einstellung zu und Auffassung von Gesundheit ist etwa den von FLATTEN (1997, 419ff.) genannten Komponenten vorgelagert: Kognitive Komponenten (Kenntnisse über Krebsgefahr, -diagnostik, -therapie); Angst; situative Hindernisse.
Die Vorstellung der Pflege von Gesundheit als nicht nur aktuellem, gegebenem Zustand, der durch Abwesenheit von Krankheit gekennzeichnet ist, sondern als erhaltens- und schützenswertem Gut, das aktiv und prioritär zu beeinflussen ist, verdient mehr Aufmerksamkeit und Verbreitung in der Bevölkerung.
Von den oben vorgestellten Methoden stellen die Präventivmedizin sowie Gesundheitsaufklärung und –beratung und Gesundheitserziehung und –bildung am deutlichsten auf das Ziel einer Verhaltensänderung in diesem Sinne ab, wobei Gesundheitsaufklärung und –beratung eher dem Bereich der Prävention zuzurechnen ist, während Gesundheitserziehung und –bildung am Übergang zur Gesundheitsförderung steht.
Mit PRECEDE- PROCEED steht ein umfassendes Modell zur Verfügung, das die wesentlichen Elemente der verschiedenen Strategien integriert und darüber hinausweist, indem es „acknowledges the importance of environmental factors in determining behaviors“ (RANSDELL 2001, 277). Gleichzeitig kann es wiederum als Anknüpfungspunkt für pflegerische Konzepte genutzt werden, da es „ample opportunities for the use of multiple theories and methods“ (GLANZ/RIMER 2007) bietet.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Erläuterung und Abgrenzung zentraler Begriffe: Es erfolgt eine theoretische Einordnung der Gesundheits- und Pflegewissenschaft sowie die notwendige Unterscheidung zwischen Gesundheitsförderung und Prävention als zentrale Interventionsfelder.
2 Konzepte von Prävention: Dieses Kapitel erläutert verschiedene methodische Ansätze präventiven Handelns, von der Gesundheitserziehung bis zur Präventivmedizin, und stellt das Modell PRECEDE-PROCEED als planungstheoretischen Rahmen vor.
3. Ausblick: Der abschließende Teil thematisiert die zunehmende Professionalisierung der Pflege und deren Potenzial, durch fachlich fundierte Konzepte Einfluss auf die gesellschaftliche Gesundheitsdiskussion zu nehmen.
Schlüsselwörter
Gesundheitswissenschaft, Pflegewissenschaft, Prävention, Gesundheitsförderung, PRECEDE-PROCEED-Modell, Früherkennung, Verhaltensprävention, Verhältnisprävention, Gesundheitserziehung, Pflegepraxis, Interventionsplanung, Public Health, Partizipation, Evaluationsmodelle, Gesundheitsberatung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle der Pflegewissenschaft innerhalb der Gesundheitswissenschaften und der praktischen Umsetzung von Präventionsstrategien.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Abgrenzung von Präventionsbegriffen, die Analyse der Teilnahme an Früherkennungsprogrammen sowie die methodische Strukturierung von Gesundheitsprogrammen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, die Bedeutung der Prävention für die Pflege zu verdeutlichen und aufzuzeigen, wie das PRECEDE-PROCEED-Modell als Struktur für pflegerische Interventionen dienen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Grundlagen der Prävention mit dem Planungsmodell PRECEDE-PROCEED verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine Begriffsbestimmung, eine detaillierte Auflistung präventiver Methoden (z.B. Bildung, Beratung, Training) und eine phasenorientierte Darstellung des PRECEDE-PROCEED-Modells.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Gesundheitswissenschaft, Prävention, Pflegemanagement und das Planungsmodell PRECEDE-PROCEED.
Warum ist die Teilnahme an Krebsfrüherkennungsprogrammen laut Arbeit problematisch?
Die Arbeit identifiziert eine Diskrepanz zwischen dem Anspruch der Präventionsangebote und der Realität, insbesondere aufgrund geringer Teilnahmequoten, die durch unterschiedliche Altersgrenzen und Barrieren beeinflusst werden.
Welche Rolle spielt die Partizipation im PRECEDE-PROCEED-Modell?
Partizipation ist laut dem Modell die notwendige Grundlage für ein Vertrauensverhältnis, bei dem die Zielgruppe als aktiver Partner in den Informationsaustausch einbezogen wird.
Warum wird das PRECEDE-PROCEED-Modell als „Sammelstruktur“ bezeichnet?
Es wird so bezeichnet, da es keine starre Theorie darstellt, sondern einen Rahmen bietet, um verschiedene theoretische Ansätze und Interventionen passgenau für die jeweilige Zielgruppe zu implementieren.
- Arbeit zitieren
- Martin Braun (Autor:in), 2008, Zur Bedeutung der Gesundheitswissenschaft für die Pflege am Beispiel der Prävention: Das PRECEDE-PROCEED-Modell, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/150702