Obwohl erst ab dem 19. Jahrhundert die katholische Kirche und viele Rechtssysteme der Auffassung sind, dass „Abtreibung von der Empfängnis an eine Form der Tötung sei“, zeigt die Vergangenheit, dass dem nicht immer so war. So hat die jüdische Religion z.B. nie gelehrt, dass Abtreibung gleichbedeutend mit Mord sei. Auch Jesus sprach nie von Abtreibung. Und Liberale verwiesen lange Zeit auf Thomas v. Aquin, der die Ansicht vertrat, dass ein Fötus bzw. Embryo formlos und träge sei; erst wenn die Mutter es im Leib spürt, hat die Seele im Embryo Einzug gehalten. Der Schwangerschaftsabbruch vor dem Seeleneinzug galt damals als Geburtenkontrolle und nicht als Tötung. Die heutige Auffassung der Konservativen wird vor allem durch die „Heiligkeit des menschlichen Lebens“ begründet. Auch wird der Schwangerschaftsabbruch mit dem Tötungsverbot des christlichen 5. Gebotes „Du sollst nicht töten“ gleichgesetzt. Mit dem Hippokratischen Eid schwören Ärzte keine Abtreibungen durchzuführen. Die Richtlinien der Ärztegesellschaften sprechen sich unter anderem auch für das prinzipielle Tötungsverbot aus, welches eine deontologische Ethik begründet . Bis in die 60er Jahre stimmten die christlichen Lehren, das angloamerikanische Recht, die öffentliche Meinung und die medizinische Ethik darin überein, dass Abtreibung gleichbedeutend mit Tötung ist. Bis 1967 war die Abtreibung außer in Dänemark und Schweden verboten. Danach erlaubte Großbritannien den Abbruch bis zum sechsten Monat. Nach und nach wurde der Schwangerschaftsabbruch in den restlichen europäischen Ländern (mit der Ausnahme Irland) legalisiert. [...]
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der Schutz des menschlichen Lebens
- Der Beginn menschlichen Lebens
- Strafrechtliche Bestimmungen
- Der Wert des menschlichen Lebens
- Die theologische Position
- Ethische Überlegungen zum Strafrecht aus evangelisch- theologischer Sicht
- Die konservativ theologische Sicht
- Die ethische Position Peter Singers
- Der Wert des fötalen Lebens
- Das potenzielle Leben eines menschliches Wesens
- Die theologische Position
- Schlussbemerkung
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit befasst sich mit der ethischen und rechtlichen Problematik der Abtreibung. Sie analysiert die unterschiedlichen Positionen zum Schutz des menschlichen Lebens, insbesondere im Hinblick auf den Beginn des menschlichen Lebens und den Wert des fötalen Lebens. Die Arbeit beleuchtet die theologische Sichtweise, die den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an betont, sowie die ethische Position Peter Singers, der den Wert des fötalen Lebens in Frage stellt.
- Der Beginn menschlichen Lebens
- Der Wert des menschlichen Lebens
- Die theologische Position zur Abtreibung
- Die ethische Position Peter Singers
- Strafrechtliche Bestimmungen zur Abtreibung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Abtreibung ein und beleuchtet die historische Entwicklung der gesellschaftlichen und rechtlichen Sichtweisen auf den Schwangerschaftsabbruch. Sie stellt die zentrale Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens und den damit verbundenen ethischen und rechtlichen Dilemmata dar.
Das Kapitel "Der Schutz des menschlichen Lebens" befasst sich mit der Frage nach dem Beginn des menschlichen Lebens. Es analysiert verschiedene wissenschaftliche und ethische Perspektiven auf die Entwicklung des Embryos und Fötus, wobei insbesondere die Bedeutung der Corda dorsalis und der Entwicklung des Gehirns hervorgehoben werden. Das Kapitel beleuchtet auch die strafrechtlichen Bestimmungen des §218 des StGB, die den Schwangerschaftsabbruch regeln.
Das Kapitel "Der Wert des menschlichen Lebens" untersucht die theologische und ethische Position zum Wert des fötalen Lebens. Es analysiert die theologische Argumentation, die den Schutz des menschlichen Lebens von der Empfängnis an betont, und stellt die ethische Position Peter Singers dar, der den Wert des fötalen Lebens in Frage stellt. Singers Argumentation basiert auf der Unterscheidung zwischen Personen und nicht-personenhaften Wesen und der Frage nach der Leidensfähigkeit.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Abtreibung, den Schutz des menschlichen Lebens, den Beginn des menschlichen Lebens, den Wert des fötalen Lebens, die theologische Position, die ethische Position Peter Singers, das Strafrecht, §218 StGB, die Leidensfähigkeit, das potenzielle Leben, die Empfängnis, die Corda dorsalis, die Entwicklung des Gehirns.
Häufig gestellte Fragen
Was sind die zentralen Themenschwerpunkte dieser Arbeit über Abtreibung?
Die Arbeit befasst sich mit der ethischen und rechtlichen Problematik des Schwangerschaftsabbruchs. Schwerpunkte sind der Beginn menschlichen Lebens, der Wert des fötalen Lebens, theologische Positionen sowie die ethische Sichtweise von Peter Singer.
Wann beginnt laut der katholischen Kirche das menschliche Leben?
Seit dem 19. Jahrhundert vertritt die katholische Kirche die Auffassung, dass das menschliche Leben bereits mit der Empfängnis beginnt und Abtreibung somit eine Form der Tötung darstellt.
Welche Rolle spielt Thomas von Aquin in der historischen Debatte?
Thomas von Aquin vertrat die Ansicht, dass die Seele erst dann in den Embryo einzieht, wenn die Mutter Bewegungen im Leib spürt. Ein Abbruch vor diesem Zeitpunkt galt damals eher als Geburtenkontrolle denn als Tötung.
Was besagt der Paragraph 218 des StGB?
Der §218 des Strafgesetzbuches regelt die strafrechtlichen Bestimmungen zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland und definiert die rechtlichen Rahmenbedingungen für dessen Durchführung.
Wie begründen Konservative heute ihre Ablehnung von Abtreibungen?
Die heutige konservative Auffassung stützt sich vor allem auf die „Heiligkeit des menschlichen Lebens“ und setzt den Schwangerschaftsabbruch mit dem christlichen Tötungsverbot („Du sollst nicht töten“) gleich.
Welche Position vertritt Peter Singer zum Wert des fötalen Lebens?
Peter Singer stellt den Wert des fötalen Lebens in Frage, indem er zwischen Personen und nicht-personenhaften Wesen unterscheidet und die Leidensfähigkeit als zentrales Kriterium heranzieht.
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- Hannah Frenzel (Author), 2006, Abtreibung - der Wert des menschlichen Lebens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/149814