Die Texte, die zur „materiellen Hinterlassenschaft der Antike“1 gehören, können als Primärquellen angenommen werden und haben Mehrbedeutung, wie die archäologischen Funde. Einer von diesen ist das Martyrium Polykarps. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der religiösen Konstruktion des Raumes im Martyrium Polykarps. Des Weiteren stellt sich die Frage, ob neben den archäologischen Funden auch die Texte, die sich mit räumlichen Problemen beschäftigen, einen Ort religiös konstruieren können. Auf welche Weise wurde Smyrna im Martyrium Polykarps als religiöser Ort konstruiert?
Der Fokus dieser Arbeit richtet sich auf Gottes Ruf während der Hinrichtung des Polykarp. Zuerst wird die Bedeutung des Rufes herausgefunden. Ein anderes Forschungsobjekt ist das Ritual, das am Grab Polykarps durchgeführt wurde. Die Quelle zeigt auf der einen Seite ein heidnisches religiöses Ritual, wo Polykarp als Opfer hingerichtet wurde, andererseits wurde die Opferbereitschaft der Christen für ihren Glauben abgebildet. Aus dieser Parallele ergibt sich ein Bild vom heidnischen Ritual, das als barbarisch gelten könnte, und von christlicher Liebe zu Gott, die im Glauben monotheistische Züge stärkt und das Christentum als richtige Wahl darstellt. Es wird in dieser Arbeit ein Versuch unternommen, die Rolle dieser Abbildung und das Ritual bei der Sakralisierung des Raumes herauszufinden.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Die Hauptquelle: MartPol
- Bezeugung
- Datierung
- Aufbau
- Gattung
- Kurze Paraphrase
- Religiöse Konstruktion des Raumes
- Heiliger Ort
- Unbenannte Orte
- Gottes Ruf
- „Einmal heilig, immer heilig“
- Qualität des Ortes
- Dauerhafte Sakralität durch Ritual und Tradition
- Tradition als dauerhafte Sakralität
- Beispiel für sakrale Topografie
- Diskontinuität und Kontinuität paganer Tradition im MartPo
- Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Arbeit befasst sich mit der religiösen Konstruktion des Raumes im Martyrium Polykarps. Sie untersucht, wie Smyrna in diesem Text als religiöser Ort konstruiert wird und welche Rolle Gottes Ruf während der Hinrichtung Polykarps spielt. Darüber hinaus wird das Ritual am Grab Polykarps analysiert, das sowohl heidnische als auch christliche Elemente aufweist.
- Religiöse Konstruktion des Raumes im Martyrium Polykarps
- Bedeutung von Gottes Ruf während der Hinrichtung
- Heidnische und christliche Elemente im Ritual am Grab Polykarps
- Sakralisierung des Raumes durch Ritual und Tradition
- Diskontinuität und Kontinuität paganer Tradition im Martyrium Polykarps
Zusammenfassung der Kapitel
Das erste Kapitel beleuchtet die Hauptquelle, das Martyrium Polykarps, indem es die Bezeugung, Datierung, den Aufbau, die Gattung und eine kurze Paraphrase des Textes präsentiert. Das zweite Kapitel untersucht die religiöse Konstruktion des Raumes, wobei die Bedeutung und Qualität des Ortes sowie die Rolle von Gottes Ruf analysiert werden. Das dritte Kapitel fokussiert auf die Sakralisierung des Raumes durch Ritual und Tradition, indem es die Bedeutung der Tradition als dauerhafte Sakralität und ein Beispiel für sakrale Topografie beleuchtet.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen religiöse Konstruktion des Raumes, Martyrium, Polykarp, Smyrna, Gottes Ruf, Ritual, Tradition, Sakralisierung, heidnische und christliche Elemente, Diskontinuität und Kontinuität paganer Tradition.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es im „Martyrium Polykarps“ (MartPol)?
Der Text beschreibt die Hinrichtung des Bischofs Polykarp von Smyrna und dient als frühes Zeugnis christlicher Identitätsbildung und Sakralisierung von Räumen.
Wie wird Smyrna als religiöser Ort konstruiert?
Smyrna wird durch die Erzählung des Martyriums, insbesondere durch „Gottes Ruf“ während der Hinrichtung und das spätere Grabritual, als heiliger Ort sakralisiert.
Welche Bedeutung hat „Gottes Ruf“ im Text?
Der Ruf Gottes während der Hinrichtung dient als göttliche Bestätigung des Opfers und trägt maßgeblich zur religiösen Aufladung des Ortes bei.
Gibt es heidnische Elemente im Martyrium Polykarps?
Ja, die Arbeit zeigt Parallelen zwischen dem heidnischen Opferritual und der Darstellung von Polykarps Tod auf, wobei das Christentum als die „richtige Wahl“ gegenüber der Barbarei dargestellt wird.
Wie entsteht dauerhafte Sakralität an einem Ort?
Durch die Etablierung von Traditionen und regelmäßigen Ritualen am Gedenkort (z.B. am Grab) wird ein Raum dauerhaft als heilig definiert.
Können Texte Orte religiös konstruieren?
Die Arbeit bejaht dies: Neben archäologischen Funden sind es vor allem Texte, die räumliche Probleme thematisieren und die Bedeutung eines Ortes im kollektiven Gedächtnis verankern.
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- Elchan Gassanow (Autor), 2010, Religiöse Konstruktion des Raumes im Martyrium Polykarps, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148639