Nikolaus II. (Abb. 1) wurde im Jahre 1894 Zar des Russischen Reiches. Kurz nach seiner Thronbesteigung hielt er eine Rede vor Zemstwovertretern, in der er folgendes sagte: „Ich bin sehr glücklich, Vertreter aller Stände zu sehen, die gekommen sind, um mir ihre untertänigen Gefühle auszudrücken. Aber ich habe gehört, dass in letzter Zeit in einigen Zemstvo-Versammlungen Stimmen laut geworden sind, die sinnlosen Träumereien über eine Beteiligung von Zemstvo-Vertretern an der Staatslenkung nachhingen. Alle sollen wissen, dass ich mit allen meinen Kräften dem Wohl des Volkes dienen werde, aber deshalb das Prinzip der Autokratie ebenso fest und beständig hochhalten werde wie mein unvergesslicher Vater.“
Diese Rede gibt seinen höchsten Anspruch an seiner Herrschaft wieder, den Erhalt der Autokratie. Nach der restriktiven Regierungszeit Alexanders III. ächzte das Land nach politischer Veränderung. Liberale Kräfte setzten große Hoffnungen auf Nikolaus II. als Nachfolger Alexanders, die er mit dem Festhalten an der Autokratie enttäuschte. Leider sollte es Nikolaus nicht gelingen, sein Ziel in die Tat umzusetzen. Das Russische Reich ließ sich mit den alten Strukturen nicht mehr regieren, gleichzeitig sollte sich Nikolaus als schwacher und zögerlicher Monarch erweisen, der nach und nach seine Herrschaft teilen musste und zum Schluss sogar ganz verlor.
Ziel dieser Arbeit soll es sein, dass Verhalten Nikolaus II. auf die Revolution 1905 und die Februarrevolution 1917 zu untersuchen. Zunächst soll etwas über Zar Nikolaus gesagt werden: Seine Lebensdaten, wichtige Ereignisse die ihn prägten und auf seine späteren Entscheidungen Einfluss nahmen. Anschließend steht die Revolution von 1905 im Zentrum des Interesses. Danach wird das vorrevolutionäre Russland untersucht. Die Probleme und Ursachen des riesigen Reiches, die zur Revolution führten. Anschließend die Revolution selbst, ihr Verlauf, die entscheidendsten Ereignisse und damit die Reaktionen Nikolaus II. auf diese. Die Februarrevolution von 1917 wird im vorletzten Kapitel das bedeutende Ereignis sein, dass es zu betrachten gilt. Ursachen und Verlauf werden geschildert, sowie schließlich die Reaktion Nikolaus II., die in seiner Abdankung mündete.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Nikolaus II.
3. Die Revolution 1905
3.1. Ursachen und Verlauf
3.2. Das Oktobermanifest, das „Staatsgrundgesetz“ und die Duma
4. Die Februarrevolution 1917 und das Ende der Herrschaft der Romanows
5. Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht das politische Verhalten von Zar Nikolaus II. im Kontext der Revolution von 1905 sowie der Februarrevolution von 1917. Dabei wird analysiert, inwieweit seine Festhalten am Prinzip der Autokratie, seine politische Entscheidungsfindung und seine Reaktion auf gesellschaftliche Krisen zum Zusammenbruch der Zarenherrschaft beitrugen.
- Die Biografie und Erziehung von Nikolaus II. als prägende Faktoren für sein autokratisches Weltbild.
- Die sozioökonomischen und politischen Ursachen der Revolution von 1905.
- Die Rolle des Oktobermanifests und die Etablierung der ersten Duma als Scheinparlament.
- Die Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das russische Wirtschafts- und Regierungssystem.
- Der Eskalationsprozess der Februarrevolution von 1917 und die letztliche Abdankung des Zaren.
Auszug aus dem Buch
Die Revolution 1905
Wie wir gesehen haben, hielt Nikolaus II. nach seiner Thronbesteigung am Prinzip der Autokratie fest, obwohl überall im Land die Rufe nach Mitbestimmung und Reformen lauter wurden.
In den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts erlebte Russland einen ungeahnten wirtschaftlichen Boom. Die Industrie wies Zuwachsraten von durchschnittlich acht Prozent auf. Die Bedingungen des Proletariats verbesserten sich zunehmend. Dies sollte sich jedoch um die Jahrhundertwende ändern, als Missernten und eine allgemeine Rezession eine Wende herbeiführten. Es kam immer häufiger zu Protesten und Streiks, mit denen sich die Arbeiter gegen ihre missliche Lage wehrten.
Auf dem Land waren die Bauern mit der Bauernbefreiung von 1861 immer noch unzufrieden und verlangten die Aufteilung des Gutsbesitzes. Das Anwachsen der Landbevölkerung, die große Lasten zu tragen hatte, die sich in hohen Abgaben und Steuern äußerten, führten zu einem Anstieg der Unzufriedenheit. In den Jahren 1900 bis 1904, wurden etwa 670 Bauernaufstände gezählt.
Während die Arbeiter und Bauern mit ihren Unruhen und Aufständen vor allem auf wirtschaftliche und soziale Veränderungen abzielten, forderten Intelligenz und Zemstwos Teilhabe an der politischen Macht. 1902 schlossen sich Vertreter dieser beiden Gruppen zum „Bund der Befreiung“ zusammen und organisierten zwei Jahre später im ganzen Land eine Kampagne. Um das Versammlungsverbot zu umgehen, trafen sich die Mitglieder auf Banketten. Hier wurden die Einberufung einer Verfassungsgebenden Versammlung sowie das allgemeine, direkte, gleiche und geheime Wahlrecht gefordert.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung des Ziels der Arbeit, die Reaktionen von Nikolaus II. auf die revolutionären Ereignisse von 1905 und 1917 vor dem Hintergrund seines autokratischen Herrschaftsanspruchs zu untersuchen.
2. Nikolaus II.: Analyse der Kindheit, Erziehung und der prägenden Einflüsse auf den Zaren, die sein starres Festhalten an der Autokratie begründeten.
3. Die Revolution 1905: Untersuchung der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Ursachen der Unruhen sowie der Reaktion des Zaren durch das Oktobermanifest und die Einführung der Duma.
4. Die Februarrevolution 1917 und das Ende der Herrschaft der Romanows: Erörterung der Auswirkungen des Ersten Weltkriegs auf das instabile russische System, das schließlich zur Abdankung von Nikolaus II. führte.
5. Schlusswort: Resümee über die Unfähigkeit des Zaren, sich den Erfordernissen der Zeit anzupassen, was letztlich den Untergang der Zarenherrschaft besiegelte.
Schlüsselwörter
Nikolaus II., Russische Revolution, Autokratie, Februarrevolution, Oktobermanifest, Duma, Zarenherrschaft, Romanows, politische Reformen, Erste Weltkrieg, Bauernbefreiung, Parlamentarismus, Russland, Revolution 1905, Abdankung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert das politische Agieren des russischen Zaren Nikolaus II. im Kontext der zwei großen revolutionären Bewegungen des frühen 20. Jahrhunderts in Russland.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf der Erziehung des Zaren, der Revolution von 1905, der Einführung des russischen Parlamentarismus und dem Zusammenbruch der Monarchie im Zuge der Februarrevolution 1917.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit die Weigerung von Nikolaus II., von seinem autokratischen Herrschaftsstil abzurücken, maßgeblich zum Scheitern und Ende der Herrschaft der Romanows beigetragen hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine historisch-analytische Untersuchung, die auf der Auswertung von Fachliteratur und biographischen sowie epochenspezifischen Standardwerken basiert.
Welche Inhalte bilden den Kern des Hauptteils?
Der Hauptteil gliedert sich in die biographischen Grundlagen des Zaren, die Analyse der Revolution von 1905 inklusive der Entstehung des Oktobermanifests und die Untersuchung der destabilisierenden Faktoren des Ersten Weltkriegs für das Zarenreich.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Autokratie, Scheinparlamentarismus, Revolution, Reformverweigerung und gesellschaftliche Krisenbewältigung.
Welche Bedeutung hatte das Oktobermanifest für das Zarenregime?
Das Manifest war ein notwendiges Zugeständnis des Zaren, um die revolutionäre Welle von 1905 durch die Zusage bürgerlicher Freiheiten und einer Duma kurzzeitig zu schwächen, ohne jedoch die autokratische Grundstruktur aufzugeben.
Welche Rolle spielte der Erste Weltkrieg für den Fall der Monarchie?
Der Krieg wirkte als Katalysator, der die wirtschaftliche Rückständigkeit, die militärische Schwäche und die politische Führungslosigkeit des Zaren offenlegte, was die Unzufriedenheit in der Bevölkerung und beim Militär massiv verstärkte.
Warum wird Nikolaus II. als tragische Figur beschrieben?
Der Autor ordnet ihn so ein, da er als Herrscher in einer Zeit agierte, die ihn mit ihren komplexen Anforderungen maßlos überforderte, während er gleichzeitig unfähig war, die notwendigen politischen Reformen rechtzeitig einzuleiten.
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- Marcel Fidelak (Author), 2009, Zar Nikolaus II. und seine Reaktionen auf die Revolution 1905 und die Februarrevolution 1917, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148610