Die Anforderungen an neue Anwendungen ändern sich heute schneller als jemals zuvor. Neue Technologien, wie Twitter oder Facebook, müssen in flexible Geschäftsprozesse integriert werden. Das beeinflusst auch die Entwicklung neuer Softwareprodukte: Dabei müssen sich Funktionen und Design an den Anforderungen der Anwender orientieren und existierende Funktionalitäten in Software zur Unterstützung von Geschäftsprozessen integriert werden. Eine mögliche Lösung hierfür ist die modelbasierte Softwareentwicklung. Das Ziel dabei ist es, Quellcode oder sogar lauffähige Software auf Basis eines leicht verständlichen Modells zu erzeugen. Dadurch soll die Produktivität gesteigert und die Kommunikation zwischen Business und IT verbessert werden.
SAP bietet hierfür den Visual Composer als Teil des Composition Environment an. Der Visual Composer ist ein domänenspezifisches Werkzeug zur Modellierung von Geschäftslogik und Benutzeroberflächen zur Unterstützung von Geschäftsprozessen. Das Ergebnis sind lauffähige so genannte Composite Applications. Diese Anwendungen nutzen existierende Funktionen von SAP und Nicht-SAP Systemen unter Verwendung von Standardschnittstellen wie WebServices.
Diese Arbeit beschreibt die Beziehung zwischen dem Standard für modellbasierte Entwicklung „MDA“ (entwickelt von der OMG) und der Umsetzung von SAP, dem „Visual Composer“. Hierzu werden Konzepte aus beiden Welten beschrieben. Die Arbeit ordnet den Visual Composer in das SAP Universum ein und beschreibt grundlegende Konzepte der modellbasierten Softwareentwicklung mit SAP. Im Hauptteil der Arbeit werden die Möglichkeiten anhand eines kompletten Beispielszenarios dargestellt.
Der Visual Composer ist ein wertvolles Werkzeug in einem sehr speziellen Anwendungsgebiet: Er unterstützt Experten für die Modellierung von Geschäftsprozessen beim Design und der Umsetzung von Composite Applications und nutzt hierfür eine sehr intuitive Modellierungssprache.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Motivation
1.2 Überblick über die Arbeit
1.3 Zielbeschreibung
2 Konzepte und Terminologie
2.1 Ontologie MDSD
2.1.1 Modellierung
2.1.2 Transformationen
2.1.3 Abbildung MDA-Konzepte
2.2 SAP Universum
2.2.1 SAP Netweaver
2.2.2 Enterprise SOA
2.2.3 Composition Environment
2.2.4 Composite Applications
3 SAP Visual Composer
3.1 Einordnung in das SAP-Universum
3.2 Einordnung in die MDA
3.3 Architektur
3.3.1 Storyboard
3.3.2 Visual-Composer-Server
3.3.3 Laufzeitumgebung
4 Praxisbeispiel
4.1 Projektvision „Projekt-Wizard“
4.1.1 Problembeschreibung
4.1.2 Lösungsbeschreibung
4.1.3 Benutzerumgebung
4.1.4 Kernanforderungen
4.2 Datenobjekt
4.3 Modellierung der Anforderungen
4.3.1 Geschäftsobjekte
4.3.2 Ablauflogik
4.3.3 Oberfläche
4.4 Veröffentlichung der Anwendung
4.5 Planung Folgerelease
5 Ergebnisse und Perspektiven
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie SAP das Konzept der modellbasierten Softwareentwicklung (MDSD) und den MDA-Standard auf die Erstellung von Geschäftsanwendungen überträgt. Das primäre Ziel ist es, die Rolle des SAP Visual Composer im SAP-Universum zu beleuchten und anhand eines konkreten Praxisbeispiels aufzuzeigen, wie komplexe Prozesse durch intuitive, modellbasierte Benutzeroberflächen vereinfacht werden können.
- Grundlagen der modellbasierten Softwareentwicklung (MDSD) und MDA
- Integration des Visual Composer in das SAP NetWeaver- und Enterprise SOA-Ökosystem
- Architektur und Funktionsweise des Visual Composer (Storyboard, Server, Laufzeit)
- Praktische Implementierung einer Composite Application („Projekt-Wizard“)
- Bewertung von Produktivitätsvorteilen und Zukunftsperspektiven im SAP-Umfeld
Auszug aus dem Buch
3.1 Einordnung in das SAP-Universum
Der Visual Composer (VC) ist eingebettet in das Composition Environment. Er ist das Werkzeug für die modellbasierte Erstellung von SAP-Anwendungen. Mit dem VC generierte Anwendungen bündeln als Composite Applications die Funktionalitäten verschiedener Backend-Systeme. Wesentliches Merkmal des VC ist seine intuitive Benutzeroberfläche. Mit ihr werden sowohl die Oberflächenelemente als auch die Ablauflogik modelliert.
Ein Ziel bei der Verwendung des VC ist es, die Kommunikationslücken zwischen den verschiedenen Zielgruppen bei der Anwendungsentwicklung zu schließen. Dafür werden verschiedene Sichten bei der Modellierung angeboten, die sich an den Anforderungen der Zielgruppe orientieren. So können Entwickler, Experten für die Benutzerschnittstellen und Experten für die Geschäftslogik gemeinsam an einer Anwendung arbeiten (siehe Darst. 3-1). Dabei wird auch die Arbeit in großen und (örtlich) verteilten Teams unterstützt. Projektteams haben somit die Möglichkeit, gemeinsam an Modellen zu arbeiten.
Der Einsatz des VC ist natürlich auch für Einzelpersonen sinnvoll: Speziell bei kleineren Projekten kann der Geschäftsprozessexperte (Englisch: Business Process Expert, BPX) alle Schritte von der Analyse der Anforderungen bis zur Umsetzung eigenständig durchführen. Darüberhinaus kann der VC für das Prototyping genutzt werden, da hier Schnelligkeit und Flexibilität eine entscheidende Rolle spielen.
Anwendungen, die mit dem VC erstellt werden, bündeln die Informationen aus verschiedenen Systemen in einer Oberfläche. Ein Anwendungsbereich ist damit auch die Datenvisualisierung aus verschiedenen Business-Warehouses (BWs). Aber auch für die Unterstützung von eingabegetriebenen Geschäftsprozessen wird der VC verwendet: Kurze Geschäftsprozesse können in einer einzigen Anwendung realisiert werden (siehe Praxisbeispiel in Kapitel 0). Für komplexere Geschäftsprozesse werden Composite Applications in das Portal und die Prozesssteuerung des Composition Environment (SAP Netweaver BPM) eingebunden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung identifiziert die Herausforderungen moderner IT-Landschaften und stellt den Visual Composer als modellbasiertes Werkzeug zur Prozessunterstützung vor.
2 Konzepte und Terminologie: Hier werden die theoretischen Grundlagen der modellbasierten Softwareentwicklung, wie MDSD und MDA, sowie das technologische Ökosystem von SAP erläutert.
3 SAP Visual Composer: Dieses Kapitel ordnet den Visual Composer als domänenspezifisches Modellierungswerkzeug in das SAP-Universum und die MDA-Architektur ein und beschreibt dessen Architektur.
4 Praxisbeispiel: Anhand des Projekts „Projekt-Wizard“ wird die praktische Umsetzung von der Anforderung bis zur Veröffentlichung einer Composite Application detailliert demonstriert.
5 Ergebnisse und Perspektiven: Das Fazit bewertet den Visual Composer als wertvolles, spezialisiertes Werkzeug und gibt einen Ausblick auf künftige Entwicklungen im Bereich der Prozessmodellierung.
Schlüsselwörter
Visual Composer, SAP, Modellbasierte Softwareentwicklung, MDSD, MDA, Composite Applications, Composition Environment, WebServices, Geschäftsprozesse, Business Process Expert, BPX, GML, XGL, Enterprise SOA, Modellierung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Übertragung modellbasierter Softwareentwicklungskonzepte auf SAP-Anwendungen durch den Visual Composer.
Welche Themenbereiche stehen im Fokus?
Themen sind die MDA-Theorie, die SAP-NetWeaver-Architektur, der Visual Composer und die praktische Erstellung von Composite Applications.
Was ist das primäre Ziel des Visual Composer?
Das Ziel ist die intuitive Modellierung von Geschäftslogik und Benutzeroberflächen zur nahtlosen Unterstützung von Geschäftsprozessen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verfolgt?
Die Arbeit kombiniert eine theoretische Fundierung der MDSD-Begriffe mit einer praxisorientierten Fallstudie („Projekt-Wizard“).
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil beschreibt die Architektur des Visual Composer und demonstriert die Entwicklung einer Anwendung, inklusive Datenmodellierung und Laufzeitkonfiguration.
Durch welche Schlagworte lässt sich die Arbeit beschreiben?
Kernbegriffe sind Visual Composer, MDSD, SAP NetWeaver, Composite Applications und Geschäftsprozessmodellierung.
Wie unterscheidet sich der Ansatz des Visual Composer vom OMG-Standard?
Der Visual Composer folgt zwar MDA-Prinzipien, nutzt jedoch eine proprietäre Modellierungssprache und Metamodelle statt der standardisierten UML/QVT-Ansätze.
Welchen Vorteil bietet die im Praxisbeispiel gezeigte „Projekt-Wizard“-Lösung?
Sie ersetzt manuelle, redundante Dateneingaben in verschiedenen Systemen durch eine einheitliche, geführte Oberfläche, die automatisch Backend-Services anspricht.
- Arbeit zitieren
- Markus Kammermeier (Autor:in), 2010, Methoden der Modellbasierten Softwareentwicklung im SAP-Umfeld aufgezeigt anhand eines Beispielszenarios mit dem Visual Composer, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/148107