Das Ziel dieser Arbeit besteht darin, die verschiedenen theoretischen Grundlagen der Corporate Governance im Detail zu untersuchen und den Stewardship-Ansatz mit der Prinzipal-Agenten-Theorie zu vergleichen. Des Weiteren wird analysiert, wie diese Theorien in der Praxis umgesetzt werden und welche Auswirkungen sie auf die Gestaltung der Corporate Governance haben. Abschließend wird am Beispiel des Wirecard-Skandals untersucht, wie eine effektive Corporate-Governance-Theorie dazu beitragen kann, Skandale zu verhindern oder das Risiko zu minimieren.
In der heutigen Geschäftswelt ist Corporate Governance für jegliche Unternehmen ein sehr wichtiges und entscheidendes Thema. Corporate Governance beschäftigt sich damit, wie Unternehmen geführt werden und wie sie mit ihren Stakeholdern interagieren. Es umfasst die Regeln, Verfahren und Strukturen, die Unternehmen implementieren, um eine effektive Unternehmungsführung sicherzustellen. Das Hauptaugenmerk liegt auf den Interaktionen zwischen Vorstand, der Geschäftsführung, dem Aufsichtsrat, den Aktionären und anderen Stakeholdern eines Unternehmens. Die Bedeutung von Corporate Governance für das Vertrauen der Stakeholder und die Vermeidung von Skandalen ist unbestritten. Die jüngsten Skandale in der Geschäftswelt zeigen auf, wie schnell Stakeholder ihr Vertrauen in ein Unternehmen verlieren können. Als Beispiele können hier Enron, Wirecard oder die Credit Suisse genannt werden. Solche Skandale sollten durch ein effektives Corporate Governance-Konzept minimiert werden, indem sie die Transparenz erhöhen und die Verantwortlichkeit von Unternehmen und Führungskräften fördern.
Im Fall von Wirecard sind Lücken und Fehler im Corporate-Governance-System und bei den betroffenen Behörden aufgetreten. Im Jahr 2018 verdrängte das deutsche Fin-Tech-Unternehmen die Commerzbank aus dem DAX. Zwei Jahre später meldete das Unternehmen Insolvenz an und es wurden Ermittlungen bezüglich Bilanzfälschungen und weiteren Vergehen eingeleitet. Es ist schwer nachvollziehbar, wie das börsennotierte Unternehmen die Prüfungsbehörden täuschen und damit über mehrere Jahre gefälschte Bilanzen ausweisen konnte. Der Wirecard-Betrug wurde vor rund drei Jahren aufgedeckt, wobei der Fall juristisch immer noch nicht abgeschlossen ist. Erste Urteile, beispielsweise gegen die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, wurden bereits ausgesprochen. Dennoch laufen die Ermittlungen im Wirecard-Betrug weiter.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau dieser Arbeit
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Corporate Governance
2.1.1 Stewardship-Ansatz
2.1.2 Prinzipal-Agenten-Theorie
2.2 Gegenüberstellung
2.3 Analyse der Auswirkungen von Prinzipal-Agenten-Theorie und Stewardship-Ansatz auf die Corporate Governance
3. Fallstudie: Analyse eines Unternehmensskandal
3.1 Der Wirecard-Skandal
3.2 Missstände im Corporate-Governance-System von Wirecard
3.3 Erkenntnisse aus dem Fall Wirecard
4. Diskussion und Schlussfolgerungen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der Untersuchung theoretischer Grundlagen der Corporate Governance, wobei insbesondere der Stewardship-Ansatz der Prinzipal-Agenten-Theorie gegenübergestellt wird. Ziel ist es, die praktische Anwendung dieser Theorien zu analysieren und anhand der Fallstudie des Wirecard-Skandals zu evaluieren, wie eine effektive Corporate-Governance-Struktur dazu beitragen kann, Unternehmensskandale zu verhindern oder Risiken nachhaltig zu minimieren.
- Theoretische Fundierung von Corporate Governance
- Vergleichende Analyse: Prinzipal-Agenten-Theorie vs. Stewardship-Ansatz
- Systematische Aufarbeitung des Wirecard-Skandals
- Identifikation von Schwachstellen in Corporate-Governance-Systemen
- Diskussion über Regulierungsmaßnahmen und die Rolle der Prüf- und Aufsichtsbehörden
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Prinzipal-Agenten-Theorie
Die Prinzipal-Agenten-Problematik wurde erstmals im Jahr 1973 von Ross Stephen A. entdeckt (Ross, 1973, S. 138). Drei Jahre später wurde das erste theoretische Modell für die Agenten-Theorie von Jensen und Meckling veröffentlicht. Sie definierten die Manager eines Unternehmens als Agenten und die Eigentümer als Prinzipale. In der Prinzipal-Agenten-Theorie delegiert der Eigentümer eines Unternehmens die täglichen Aufgaben und Entscheidungen an die zuständigen Manager. Es entsteht also ein Vertragsverhältnis zwischen Agenten und Prinzipalen (Jensen & Meckling, 1976, S. 308). Die Finanztheorie unterstellt, dass das Hauptziel jedes Unternehmens die Gewinnmaximierung ist. In der Praxis ist dies jedoch nicht immer der Fall. Häufig stehen für Manager eines Unternehmens nicht die Gewinnmaximierung im Vordergrund, sondern eigene Interessen, wie beispielsweise die Maximierung der persönlichen Bonuszahlung. Aufgrund dieser Beziehung kann das Problem entstehen, dass der Manager nicht immer die besten Entscheidungen im Sinne des Eigentümers trifft und dies somit zu einem Konflikt zwischen Prinzipal und Agent führt (Solomon & Solomon, 2004, S. 17).
Grundsätzlich sind Manager durch die Annahme des Agenten-Status moralisch dazu verpflichtet, die Interessen des Eigentümers zu maximieren. Jedoch nehmen die Manager den Agenten-Status nur deshalb an, da sie damit auch ihre eigenen Interessen verfolgen und ausschöpfen können. Gemäss Davis et al. (1997, S. 22) investiert ein Prinzipal sein Vermögen in ein Unternehmen und formt dementsprechend auch das Corporate-Governance-System, um möglichst gewinnmaximierend zu wirtschaften. Auf der anderen Seite akzeptiert der Agent die auf ihn übertragene Verantwortung, das Vermögen des Prinzipals möglichst gut zu verwalten. Der Agent glaubt, dass er aus dieser Gelegenheit mehr Vorteile ziehen kann als aus anderen Gelegenheiten, die womöglich zur Verfügung stehen (Davis et al., 1997, S. 22). Dieser Interessenskonflikt ist ein wesentliches Merkmal der Prinzipal-Agenten-Theorie (Davis et al., 1997, S. 3).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Relevanz von Corporate Governance in der Geschäftswelt und führt in die Problematik sowie die Zielsetzung der Arbeit unter besonderer Berücksichtigung des Wirecard-Skandals ein.
2. Theoretische Grundlagen: Definiert die zentralen Begriffe und Theorien, namentlich den Stewardship-Ansatz und die Prinzipal-Agenten-Theorie, sowie deren Auswirkungen auf die Gestaltung von Corporate Governance.
3. Fallstudie: Analyse eines Unternehmensskandal: Untersucht den Wirecard-Skandal detailliert, identifiziert spezifische Schwachstellen im internen Kontrollgefüge und leitet zentrale Erkenntnisse für die Corporate Governance ab.
4. Diskussion und Schlussfolgerungen: Reflektiert die Ergebnisse unter theoretischen Gesichtspunkten und diskutiert die Schwachstellen sowie notwendige Regulierungsanpassungen nach dem Wirecard-Fall.
5. Fazit: Fasst die Kernergebnisse der Untersuchung zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit von Investitionen in gut durchdachte Corporate-Governance-Systeme für langfristigen Unternehmenserfolg.
Schlüsselwörter
Corporate Governance, Wirecard, Prinzipal-Agenten-Theorie, Stewardship-Ansatz, Aufsichtsrat, Bilanzbetrug, Unternehmensführung, Stakeholder, Risikomanagement, Unternehmenskontrolle, Finanzaufsicht, BaFin, DCGK, Wirtschaftsprüfung, FISG
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die theoretischen Grundlagen der Corporate Governance und vergleicht diese kritisch am Beispiel des Wirecard-Skandals.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die Prinzipal-Agenten-Theorie, den Stewardship-Ansatz, die Aufgaben und Pflichten der Unternehmensleitung und Aufsichtsratsgremien sowie Regulierungsmechanismen im Finanzsektor.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Untersuchung der theoretischen Grundlagen von Corporate Governance und die Analyse, wie effektive Governance-Strukturen dazu beitragen können, Unternehmensskandale zu minimieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer systematischen Literaturrecherche und einer gezielten Fallstudienanalyse zum Wirecard-Skandal.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Gegenüberstellung von Governance-Modellen sowie die detaillierte empirische Aufarbeitung der Missstände im Corporate-Governance-System der Wirecard AG.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich vor allem durch die Begriffe Corporate Governance, Wirecard, Prinzipal-Agenten-Theorie und Kontrollversagen charakterisieren.
Welche Rolle spielte der Aufsichtsrat im Fall Wirecard?
Der Aufsichtsrat von Wirecard war laut Arbeit unzureichend besetzt, verfügte über mangelnde Expertise und kam seiner Kontroll- und Beratungsfunktion gegenüber dem Vorstand über Jahre hinweg nicht nach.
Warum wird der Stewardship-Ansatz als mögliche Alternative diskutiert?
Der Stewardship-Ansatz wird diskutiert, da er auf Vertrauen und Identifikation basiert, was im Vergleich zur extrinsischen Anreizstruktur der Prinzipal-Agenten-Theorie möglicherweise zu einem verantwortungsbewussteren Managementverhalten hätte führen können.
Welche gesetzlichen Konsequenzen wurden infolge des Skandals thematisiert?
Als Konsequenz wurden insbesondere das Finanzmarktintegrationsstärkungsgesetz (FISG) eingeführt sowie die Kompetenzen der BaFin erweitert, um die Aufsicht zu verschärfen.
Wie bewertet der Autor die Rolle der Wirtschaftsprüfer?
Die Arbeit bewertet das Handeln der Wirtschaftsprüfer als grob fahrlässig, da trotz existierender Vorwürfe und Unregelmäßigkeiten über Jahre uneingeschränkte Prüfungen vorgenommen wurden.
- Arbeit zitieren
- Ron Delhees (Autor:in), 2023, Theorien der Corporate Governance am Beispiel von Wirecard. Gegenüberstellung des Stewardship-Ansatzes und der Prinzipal-Agenten-Theorie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1471275