Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage wie Frauen, die in einer Führungsposition tätig sind, von anderen Personen wahrgenommen werden und wie sie hinsichtlich ihrer Führungsqualitäten bewertet werden.
Die Untersuchung bzw. Beantwortung der Frage findet immer im Vergleich mit einer männlichen Führungsperson statt. Es werden Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten, aber auch Veränderungen in Wahrnehmung und Bewertung von Frauen und Männern in der Führung herausgearbeitet.
Die vorherrschenden Geschlechtsstereotype üben in diesem Zusammenhang einen bedeutsamen Einfluss auf das Bild der Managerin bzw. des Managers aus, doch ist dieser Einfluss recht unterschiedlich in Feld- und Laborstudien.
Verschiedene Untersuchungsergebnisse zeigen auf, dass sich das Bild der Managerin im Wandel befindet, aber immer noch der Mann in der Position des Managers eine so genannte Vormachtsstellung einnimmt. Einerseits wird eine Person in einer Führungsposition vorrangig mit einem Mann assoziiert, andererseits werden einem Mann die besseren Führungsqualitäten zugeschrieben.
Doch neuste Studien zeigen, dass nicht hauptsächlich das biologische Geschlecht einen Einfluss auf die Zuschreibung von Führungskompetenz hat.
Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
Einleitung
1. Theoretische Grundlagen
1.1 Deskriptive und präskriptive Normen als Klassifizierungsmöglichkeit
1.2 Soziale Stereotype
1.3 Geschlechtsstereotype
1.4 Labor- vs. Feldstudien
2. Befunde
2.1 Führungsmerkmale und Führungsstile
2.2 Das „think-manager-think-male“ Phänomen
2.3 Das physische Erscheinungsbild
2.4 Der „head-of-the-table“ Effekt (HOT)
2.5 Das “lack-of-fit”-Modell
2.6 Rollenkongruenztheorie
3. Diskussion
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Frauen in Führungspositionen wahrgenommen und hinsichtlich ihrer Führungsqualitäten bewertet werden, wobei ein besonderer Fokus auf dem Vergleich mit männlichen Führungspersonen unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Stereotype liegt.
- Deskriptive und präskriptive Normen bei der Führungswahrnehmung
- Einfluss von Geschlechtsstereotypen auf die Zuweisung von Führungskompetenz
- Differenzen in den Erkenntnissen aus Labor- und Feldstudien
- Bedeutung physischer Merkmale und Sitzpositionen für die Bewertung von Führungskräften
- Das „lack-of-fit“-Modell und die Rollenkongruenztheorie
Auszug aus dem Buch
1.4 Labor- vs. Feldstudien
Auffällig ist, dass bei den durchgeführten Studien zum Führungsverhalten unterschiedliche Ergebnisse erzielt wurden, je nachdem ob es sich um Feld- oder Laborstudien handelte. In Laborstudien ergaben sich häufiger Unterschiede im Führungsverhalten von Frauen und Männern, während sich wenig bis keine Unterschiede fanden, wenn nur Feldstudien betrachtet wurden.
Eine mögliche Erklärung geben Eagly und Johnson mit ihrer Geschlechtsrollen-Theorie. Das Verhalten von Individuen wird demnach von Erwartungen beeinflusst, die im Rahmen globaler Geschlechtsrollen an sie gestellt werden. Andere Rollen sind dabei untergeordnet, z.B. die Führungsrolle. Dies ist in Laborstudien der Fall, da hier keine klaren Rollenerwartungen vorhanden sind. Es nehmen meist Personen teil, die nicht in einer Führungsposition arbeiten und, anders als im beruflichen Umfeld, nicht miteinander bekannt sind. Dadurch würden im Laborumfeld eher Geschlechtsunterschiede produziert, die die Teilnehmenden möglicherweise nicht aufweisen würden, wenn sie in weniger artifiziellen Kontexten untersucht würden (zit. nach Spreemann, 2000. S. 7-8).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel definiert die zentralen psychologischen Konzepte wie deskriptive und präskriptive Normen, soziale Stereotype und Geschlechtsstereotype, die das Verständnis der Führungswahrnehmung ermöglichen.
2. Befunde: Dieser Abschnitt präsentiert empirische Ergebnisse zu Führungsstilen, dem „think-manager-think-male“-Phänomen, dem Einfluss des physischen Erscheinungsbilds, dem „head-of-the-table“-Effekt sowie theoretischen Modellen wie dem „lack-of-fit“-Modell und der Rollenkongruenztheorie.
3. Diskussion: Das Kapitel reflektiert die dargestellten Befunde kritisch, thematisiert die Diskrepanz zwischen Labor- und Feldstudien und hinterfragt die zukünftige Strategie weiblicher Führungskräfte im Umgang mit maskulin geprägten Rollenerwartungen.
Schlüsselwörter
Führungspositionen, Geschlechtsstereotype, Führungskompetenz, Sozialpsychologie, Laborstudien, Feldstudien, Rollenkongruenztheorie, Wahrnehmung, Bewertung, Management, Führungseigenschaften, Geschlechterrollen, lack-of-fit-Modell, Führungsstile, Personenwahrnehmung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht die geschlechtsspezifische Wahrnehmung und Bewertung von Frauen in Führungspositionen und vergleicht diese mit den Zuschreibungen gegenüber männlichen Führungskräften.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder umfassen den Einfluss von Geschlechtsstereotypen, die Wirkung von Persönlichkeitsmerkmalen und das Auftreten von Vorurteilen gegenüber weiblichen Führungskräften im beruflichen Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Diskrepanzen in der Wahrnehmung von Führungskompetenz zu analysieren und zu erklären, warum Frauen in Managementpositionen trotz vorhandener Qualifikationen häufig unterrepräsentiert oder anders bewertet werden.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene empirische Studien aus der Führungsforschung, insbesondere Labor- und Feldstudien, zusammenführt und deren Ergebnisse vergleichend diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit theoretischen Grundlagen wie Normen und Stereotypen sowie spezifischen Phänomenen wie dem „think-manager-think-male“-Ansatz, physischen Einflüssen auf die Bewertung und etablierten Modellen wie dem „lack-of-fit“-Modell.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Führungspositionen, Geschlechtsstereotype, Führungskompetenz, Rollenkongruenztheorie und Management sind die zentralen Begriffe der Analyse.
Warum gibt es Unterschiede in den Ergebnissen zwischen Labor- und Feldstudien?
Laborstudien sind oft artifiziell und produzieren durch fehlende reale Rollenkontexte eher Geschlechtsunterschiede, während in Feldstudien andere Facetten der Persönlichkeit das Urteil stärker beeinflussen als das bloße Geschlecht.
Welche Rolle spielt das physische Erscheinungsbild bei der Bewertung?
Visuell wahrnehmbare Merkmale beeinflussen die Zuschreibung von Führungskompetenz massiv; Personen mit maskulinem Erscheinungsbild werden dabei tendenziell positiver bewertet als solche mit femininem Erscheinungsbild.
Was besagt die Rollenkongruenztheorie?
Sie erklärt, dass Vorurteile gegenüber Frauen in Führung entstehen, wenn die traditionelle weibliche Geschlechterrolle als unvereinbar mit den Anforderungen einer Führungsposition wahrgenommen wird.
Ist der Wandel zu einer androgynen Führungswahrnehmung bereits abgeschlossen?
Nein, obwohl die Forschung einen Trend in Richtung einer androgynen Sichtweise beobachtet, zeigt die Realität, dass Frauen bei der Bewertung ihrer Führungsqualitäten im Schnitt noch immer benachteiligt werden.
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- Dipl.-Psychologin Franziska Sinnig (Author), 2007, Wahrnehmung und Bewertung von Frauen in Führungspositionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/146618