Die öffentliche Auseinandersetzung mit der Erbschaftsteuer und dem Bewertungsgesetz erfolgte, nach den Veröffentlichungen der Erbschaftsteuerreform und der Ländererlasse, oftmals nur hinsichtlich einer Untersuchung von Teilaspekten oder in Form einer groben, nicht immer profunden Darstellung.
Das Ziel dieser Arbeit ist daher die Durchführung einer umfassenden Analyse, die sich zum einen auf die zur Verfügung stehenden Bewertungsverfahren für Betriebsvermögen und zum anderen auf eine tiefgreifende Untersuchung bei der Begünstigung von Betriebsvermögen erstreckt. Dabei sollen Probleme und Zweifelsfragen, die sich z.B. aus den zuletzt veröffentlichten strittigen Ländererlassen hinsichtlich der Gesetzesanwendung ergeben, identifiziert und Lösungsansätze zur steuerlichen Gestaltung ergründet werden.
Die Arbeit beginnt mit einer Abgrenzung des Untersuchungsgegenstands und einer Darstellung der Grundsätze über die Bewertung des Betriebsvermögens im Erbschaft-steuerrecht. Im Anschluss erfolgt eine ausführliche und kritische Darstellung der erbschaftsteuerlichen Bewertungshierarchie. Hiernach werden die wichtigsten Bewertungsmethoden mit ihren wesentlichen Vor- und Nachteilen erläutert, um sodann, mit Hilfe diverser Berechnungsbeispielen, steuerliche Gestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Abschließend erfolgt eine detaillierte Ausführung zur Begünstigung von Betriebsvermögen im Hinblick auf steuerminimierenden Anwendungs- und Auslegungsfragen.
Nach der ganzheitlichen Darstellung der Bewertungsebene und der Begünstigungsebene wird in der Synthese sowie im Fazit, neben einer kritischen Würdigung der beiden Ebenen, auch die Frage beleuchtet, ob die Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts hinsichtlich des Gleichheitsgrundsatzes, sowie die, in der Gesetzesbegründung angepriesenen, Ziele vom Gesetzgeber erfüllt worden sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2. Bewertung von Betriebsvermögen
2.1 Begriff des Betriebsvermögens
2.2 Grundsätze der Bewertung
2.3 Hierarchie der Bewertungsmethoden
2.3.1 Prävalenz zeitnaher Transaktionswerte
2.3.2 Alternative Methoden
2.3.2.1 Marktübliche Methoden
2.3.2.2 Ertragswertmethoden
2.3.3 Entscheidungsbaum zur Bewertungshierarchie
3. Bewertungsmethoden im Erbschaftsteuerrecht
3.1 Wertableitung aus Verkäufen
3.2 Ertragswertverfahren
3.2.1 Bewertungsverfahren nach IDW S 1
3.2.1.1 Discounted Cash Flow-Verfahren nach IDW S 1
3.2.1.2 Ertragswertverfahren nach IDW S 1
3.2.1.3 Kapitalisierungszinssatz
3.2.2 Ertragswertverfahren nach AWH-Standard
3.2.3 Vereinfachtes Ertragswertverfahren
3.2.3.1 Ermittlung des zukünftig nachhaltig erzielbaren Jahresertrags
3.2.3.2 Hinzurechnungen und Kürzungen zum steuerbilanziellen Gewinn
3.2.3.3 Kapitalisierungsfaktor
3.3 Multiplikatorverfahren
3.4 Substanzwert
3.5 Wesentliche Determinanten bei der Wahl der Ertragswertmethode
3.5.1 Einfluss der Konjunktur
3.5.2 Einfluss des Kapitalisierungsfaktors
4. Begünstigung von Betriebsvermögen
4.1 Verwaltungsvermögen
4.2 Verschonungsabschlag
4.2.1 Regelverschonung
4.2.2 Optionsverschonung
4.3 Abzugsbetrag nach § 13 a Abs. 2 ErbStG
4.4 Entlastungsbetrag bei Betriebsvermögen
5. Verstöße und Gestaltung bei der Begünstigung
5.1 Schädliche Ereignisse bei der Lohnsummenregel
5.2 Verstöße gegen die Behaltensregel
5.3 Schädliche Überentnahmen
5.4 Gestaltungsmöglichkeiten
5.4.1 Verwaltungsvermögen
5.4.2 Lohnsummenklausel
5.4.3 Regierungsentwurf zur Gesetzesänderung
6. Synthese
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Bachelorarbeit ist eine umfassende Analyse der erbschaftsteuerlichen Bewertungsverfahren für Betriebsvermögen vor dem Hintergrund des Erbschaftsteuerreformgesetzes sowie eine Untersuchung der Begünstigungsregeln. Die Arbeit geht der Forschungsfrage nach, inwieweit die gesetzlichen Bewertungs- und Verschonungsregeln zu einer verfassungskonformen Besteuerung führen und welche steuerlichen Gestaltungsmöglichkeiten dem Steuerpflichtigen zur Optimierung der Bemessungsgrundlage zur Verfügung stehen.
- Bewertungshierarchie nach dem Bewertungsgesetz (BewG)
- Vergleich zwischen vereinfachtem Ertragswertverfahren und IDW S 1
- Einfluss von Konjunkturfaktoren und Diskontierungssätzen auf den Unternehmenswert
- Voraussetzungen und Gestaltungsmöglichkeiten bei der Begünstigung von Betriebsvermögen
- Analyse von Verstößen (Lohnsummenregel, Überentnahmen) und deren steuerliche Folgen
Auszug aus dem Buch
3.2.1.1 Discounted Cash Flow-Verfahren nach IDW S 1
Beim Discounted Cash Flow-Verfahren wird der Unternehmenswert durch die Diskontierung der Zahlungsmittelüberschüsse auf den Bewertungsstichtag bestimmt. Diese international anerkannte Methode hat den Nachteil der teilweise komplexen Prognose über den zukünftigen freien Cash Flow. Cash Flows sind die erwarteten zukünftigen Zahlungen an die Kapitalgeber. Je nach dem Berechnungskonzept unterscheidet man verschiedene Varianten. Beim Konzept der gewogenen Kapitalkosten (WACC-Ansatz) und dem Konzept des angepassten Barwerts (APV-Ansatz) wird von einer Bruttokapitalisierung ausgegangen. Dabei ergibt sich der Marktwert des Eigenkapitals indirekt als Differenz aus einem Gesamtkapitalwert und dem Marktwert des Fremdkapitals. Beim Konzept der direkten Ermittlung des Eigenkapitalwertes, dem sogenannten Equity-Ansatz wird der Eigenkapitalmarktwert durch Diskontierung der, um die Fremdkapitalkosten verringerten, Cash Flows mit der Rendite des Eigenkapitals ermittelt. Dieses Konzept geht von einer Nettokapitalisierung aus.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Problemstellung hinsichtlich der Verfassungswidrigkeit des alten Erbschaftsteuerrechts und der daraus resultierenden Neuregelungen zum gemeinen Wert.
2. Bewertung von Betriebsvermögen: Erläuterung der Grundsätze der Gesamtbewertung, der Rechtsformneutralität sowie der gesetzlichen Bewertungshierarchie.
3. Bewertungsmethoden im Erbschaftsteuerrecht: Detaillierte Analyse und Vergleich verschiedener Bewertungsverfahren, insbesondere des vereinfachten Ertragswertverfahrens und des IDW S 1-Verfahrens.
4. Begünstigung von Betriebsvermögen: Untersuchung der Voraussetzungen für Verschonungsabschläge sowie der Auswirkungen des Verwaltungsvermögenstests.
5. Verstöße und Gestaltung bei der Begünstigung: Diskussion von Lohnsummenregelungen, Behaltensfristen und Strategien zur steueroptimierten Gestaltung.
6. Synthese: Zusammenführende kritische Analyse der Bewertungs- und Begünstigungsebene sowie der Einflüsse der Konjunktur.
7. Fazit: Kritische Schlussfolgerung zur verfassungsrechtlichen Problematik und zum Bedarf eines Systemwechsels im Erbschaftsteuerrecht.
Schlüsselwörter
Erbschaftsteuer, Betriebsvermögen, Unternehmensbewertung, IDW S 1, Vereinfachtes Ertragswertverfahren, Gemeiner Wert, Verschonungsabschlag, Lohnsummenregel, Verwaltungsvermögen, Diskontierungszinssatz, Rechtsformneutralität, Steuergestaltung, Art. 3 GG, Erbschaftsteuerreformgesetz, Begünstigungsebene.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die erbschaftsteuerliche Bewertung von Betriebsvermögen und die Möglichkeiten zur steuerlichen Begünstigung nach dem Erbschaftsteuerreformgesetz von 2009.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Bewertungshierarchie, die Anwendung des vereinfachten Ertragswertverfahrens gegenüber dem IDW S 1-Standard sowie die kritische Analyse der Begünstigungsregeln und deren Gestaltungspotenziale.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob die neuen gesetzlichen Regelungen die vom Bundesverfassungsgericht geforderte horizontale und vertikale Steuergerechtigkeit erfüllen und welche Gestaltungsspielräume den Steuerpflichtigen bleiben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine umfassende Literaturanalyse sowie einen rechnerischen Vergleich mittels fiktiver Szenarien, um die Auswirkungen unterschiedlicher Bewertungsmethoden auf den Unternehmenswert zu veranschaulichen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Bewertungsebene (Methodenvergleich) und die Analyse der Begünstigungsebene (Verschonungsregeln, Lohnsummenklausel, Überentnahmen).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Erbschaftsteuer, Betriebsvermögen, Unternehmensbewertung, Gemeiner Wert, Verschonungsabschlag und Steuergestaltung.
Warum ist das vereinfachte Ertragswertverfahren in der Kritik?
Das Verfahren wird aufgrund seiner schematischen und starren Vorgaben, insbesondere bei der Festlegung des Kapitalisierungsfaktors, kritisiert, da es in vielen Fällen zu einer unangemessenen steuerlichen Mehrbelastung führt.
Welche Rolle spielt die Konjunktur bei der Bewertung?
Wie durch Vergleichsszenarien belegt, führt die Konjunkturlage zu einer extremen Streuung der Unternehmenswerte, wobei je nach Wirtschaftslage (expansiv oder rezessiv) unterschiedliche Verfahren zu niedrigeren, steuersparenden Werten führen.
Was ist das Ergebnis bezüglich des Verstoßes gegen Art. 3 GG?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass die Bewertungsebene die Vorgaben des BVerfG erfüllt, die Begünstigungsebene jedoch weiterhin das Risiko einer verfassungswidrigen Ungleichbehandlung birgt.
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- Andreas Meinecke (Author), 2009, Erbschaftsteuerliche Bewertung von Betriebsvermögen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145673