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Das Deutschlandbild im Doktor Faustus - dargestellt in Leben und Werk des Adrian Leverkühn

Titel: Das Deutschlandbild im Doktor Faustus - dargestellt in Leben und Werk des Adrian Leverkühn

Hausarbeit , 2009 , 14 Seiten , Note: 1,3

Autor:in: Christoph Adrian (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Thomas Mann schrieb sein Spätwerk "Doktor Faustus" zu einer Zeit, als sich der zweiteWeltkrieg auf seinem Höhepunkt befand und in Europa Millionen Menschen durchRechtslosigkeit, Krankheit und Hunger ihr Leben verloren. Zu dieser Zeit wurde dieeuropäische Zivilisation mit dem Schrecken der Verbrechen des Hitlerregimes konfrontiert,was auf kultureller, sozialer und politischer Ebene Erosionen nicht bekannten Ausmaßesbewirkten. Das europäische Bürgertum samt dessen Wertesystem, vom ruhigen späten19. in das wütende 20. Jahrhundert hinübergerettet, wurde durch Massendeportation,Mittäterschaft und immense Kriegszerstörungen im großen Maße um den Rest seinerExistenz gebracht. Wo sich aus jener Quelle akademischer Geist und Schöpferdrang inder Tradition humanistischer Ideale zur Triebfeder der mitteleuropäischen Kultur dervergangenen Jahrhunderte entwickelten, zeigte sich nun die häßliche Fratze des Kriegesmit all ihren gegenwärtigen und folgenden zivilisatorischen Entstellungen. Diesen kulturgeschichtlichen Hintergrund will ich berücksichtigen, wenn ich mich imFolgenden mit Teilen der biographischen und schöpferischen Existenz des im Romanauftretenden Protagonisten Adrian Leverkühn beschäftigen werde. Im Zentrum steht dieFrage, in welchem Ausmaß die Figur und deren musikalisches Werk Konstitution undWerdegang eines Deutschland nachzeichnet, das durch Entfesselung eines Weltkriegesund industriellen Massenmord die bürgerliche Ordnung niederreißt und sich dadurchselbst zerstört. Leverkühns kompositorischer Triumph, welcher zu gleicher Zeit dasendgültige Scheitern einer tragischen Figur bedeutet; "symbolisierten für Thomas Mann[...] die gleichzeitige Katastrophe in Europa, das durch den Hitler-Faschismus einenRückschritt in eine unvorstellbare Barbarei erlebte."1 Diese ebenfalls von Mann bemerkte allegorische Qualität wird erweitert durch die Betrachtung wichtiger Nebenfiguren und deren zeitlicher und politischer Spannungsfelder, in diese die Charaktere durch seinenVerfasser gesetzt wurden. Auf diese Weise wird es unumgänglich sein, nicht nur dasLeben der Hauptfigur zu beleuchten, sondern ebenso jene Umstände, in denen diesesstattfand.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Übersicht

2. Darstellung von Musik als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse

2.1 Musik im Umfeld des jungen Adrian Leverkühn

2.2 Teufelsgespräch und Kulturkritik

2.3 die psychophysische Konstitution Adrian Leverkühns im Rahmen seines kompositorischen Spätwerkes

3. Schlussbetrachtungen

4. Quellenverweise

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das in Thomas Manns Roman "Doktor Faustus" gezeichnete Deutschlandbild, indem sie das Leben und das musikalische Schaffen der Hauptfigur Adrian Leverkühn als Allegorie auf die politische und kulturelle Entwicklung Deutschlands im frühen 20. Jahrhundert analysiert.

  • Die Korrelation zwischen Leverkühns musikalischer Entwicklung und dem gesellschaftlichen Werteverfall.
  • Die Analyse des Paradigmenwechsels in der Musik und dessen Bezug zur deutschen Geschichte.
  • Die Rolle der literarischen Figuren und Orte als Bedeutungsträger für gesellschaftliche Umstände.
  • Die Verknüpfung von Musiktheorie, Kulturkritik und totalitären Tendenzen im Roman.

Auszug aus dem Buch

2.1 Musik im Umfeld des jungen Adrian Leverkühn

Bereits in dessen Kindheit wird Adrian Leverkühn von Figuren umgeben, die Hinweise auf eine Darstellung der deutschen Gesellschaft im Kontext der Musik um die Hauptfigur bereithält. Auf dem Hof Buchel ist es Leverkühns Mutter Elsbeth, die erste musikalische Eindrücke auf Adrian hat: "Das Schönste an ihr aber war ihre Stimme, ..., ganz außerordentlich gewinnend." Diese sonoren Erfahrungen werden erweitert durch die Gesellschaft der Hofmagd Hanne, welche "zu singen liebte", namentlich "allerlei Volks-, Soldaten- aber auch Gassenlieder". Hier wird erstmals aktives musikalisches Gestalten Leverkühns erwähnt, der mitzusingen pflegte aber seinerseits von der Magd durch den Fall in die Unterstimme, "in die Terz [...], Unterquint und Untersext [...] sehr ostentativ und ohrenfällig" begleitet wird. Zudem lehrte sie den auf dem Hof lebenden Kindern Kanons. Ein Umstand, der von der Erzählfigur Serenus Zeitblom mit erhöhter Bedeutung bedacht wird, da diese Adrian "zuerst mit einer 'Musik' von etwas künstlicherer Bewegungs-Organisation in Berührung brachten, als das bloße einhellige Absingen von Liedern sie aufweist."

Es ist jedoch der Vater, Jonathan Leverkühn, der seinem Sohn bereits in frühen Jahren zeigt, Musik selbst als aktiv zu beeinflussendes Instrument zu betrachten. In diesem Falle geschieht dies im Rahmen von Experimenten, die als Beispiel Luftschwingungen einer angeschlagenen Cellosaite mithilfe von auf die Vibrationen reagierendem feinen Sand zum Thema haben. Dessen Bruder und Onkel Adrians Nikolaus, gelernter Instrumentenbauer und Händler jener Produkte schenkt Adrian in dessen Fünfzehnten Lebensjahr ein Harmonium, nachdem dieser beim Experimentieren mit Modulationen ertappt wurde. Es war zudem das mannigfaltige Instrumentenmagazin des Onkels, daß den musikalischen Horizont des jungen Adrian erweitert hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung bettet den Roman in den historischen Kontext des Zweiten Weltkriegs ein und formuliert die Forschungsfrage, inwiefern Leverkühns Werk als Spiegelbild des deutschen Untergangs und der Barbarei verstanden werden kann.

1.1 Übersicht: Dieser Abschnitt skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit und die thematischen Schwerpunkte der Untersuchung.

2. Darstellung von Musik als Ausdruck gesellschaftlicher Verhältnisse: Das Hauptkapitel untersucht, wie Musik im Roman als gesellschaftliches Medium fungiert.

2.1 Musik im Umfeld des jungen Adrian Leverkühn: Die Analyse der frühen musikalischen Sozialisation Leverkühns zeigt die Verwurzelung der Figur in bürgerlichen Traditionen.

2.2 Teufelsgespräch und Kulturkritik: Dieser Teil beleuchtet den kulturtheoretischen Kern des Romans und die Kritik an einer erstarrten Bildungskultur.

2.3 die psychophysische Konstitution Adrian Leverkühns im Rahmen seines kompositorischen Spätwerkes: Hier wird der Zusammenhang zwischen der körperlichen Krankheit der Hauptfigur und dem künstlerischen sowie politischen Sündenfall hergestellt.

3. Schlussbetrachtungen: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Rolle Leverkühns als ambivalentes Spiegelbild der deutschen Geschichte.

4. Quellenverweise: Dieses Kapitel listet die für die Arbeit verwendete Primär- und Sekundärliteratur auf.

Schlüsselwörter

Doktor Faustus, Thomas Mann, Adrian Leverkühn, Musikgeschichte, Gesellschaftskritik, Nationalsozialismus, Zwölftontechnik, Dodekaphonie, Kulturtheorie, Bürgertum, Allegorie, Barbarei, Humanismus, Ideologie, Literaturwissenschaft.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Deutschlandbild im Roman "Doktor Faustus" von Thomas Mann, indem sie den Lebensweg und das kompositorische Werk der Hauptfigur Adrian Leverkühn als Allegorie auf die deutsche Geschichte des frühen 20. Jahrhunderts interpretiert.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zu den zentralen Themen gehören das Verhältnis von Musik und Gesellschaft, die Kulturkritik im 20. Jahrhundert, der Einfluss des Faschismus auf das bürgerliche Wertesystem sowie die künstlerische Entwicklung der Hauptfigur.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, in welchem Maße Adrian Leverkühn und sein musikalisches Werk die Transformation Deutschlands von einer bürgerlichen Ordnung hin zu totalitärer Barbarei nachzeichnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein literaturwissenschaftlicher Ansatz verfolgt, der durch musiktheoretische Einordnungen (insb. unter Bezugnahme auf Adorno und Schönberg) ergänzt wird, um die im Roman thematisierten Allegorien zu erschließen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Leverkühns musikalischer Sozialisation, die tiefgreifende Analyse des Teufelsgesprächs als kulturtheoretische Reflexion und die Verknüpfung von physischem Verfall und politischer Apokalypse.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Doktor Faustus, Adrian Leverkühn, Zwölftontechnik, Kulturkritik, Faschismus, Allegorie und bürgerliches Bildungsbürgertum.

Welche Rolle spielt die Syphilis-Infektion für die Interpretation?

Die Krankheit wird als dramatischer Wendepunkt und als "Sündenfall" gedeutet, der erst die Entwicklung der neuen, radikalen Kompositionsmethode ermöglicht, jedoch zugleich den physischen und geistigen Untergang der Figur besiegelt.

Warum ist das "Teufelsgespräch" für den Autor so bedeutsam?

Das Gespräch dient als kulturtheoretischer Ankerpunkt, in dem die Kritik an erstarrten künstlerischen Normen und der Verrat an humanistischen Idealen zugunsten eines absolutistischen Anspruchs verhandelt werden.

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Details

Titel
Das Deutschlandbild im Doktor Faustus - dargestellt in Leben und Werk des Adrian Leverkühn
Hochschule
Humboldt-Universität zu Berlin  (Musikwissenschaftliche Fakultät)
Veranstaltung
Musik in Märchen, Mythos, Epos und Roman
Note
1,3
Autor
Christoph Adrian (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
14
Katalognummer
V145437
ISBN (eBook)
9783640558261
ISBN (Buch)
9783640558865
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Deutschlandbild Doktor Faustus Leben Werk Adrian Leverkühn
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Christoph Adrian (Autor:in), 2009, Das Deutschlandbild im Doktor Faustus - dargestellt in Leben und Werk des Adrian Leverkühn, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145437
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