In dieser Seminararbeit wird erstmals die schwierige Beziehung zwischen der berühmten Psychoanalytikerin Alice Miller und ihrem - weitaus weniger - bekannten Sohn, Martin, aus psychoanalytischer Perspektive beleuchtet. Alice Miller hat Generationen mit ihren pointierten Beobachtungen geprägt und orthodoxe Freudianer in Aufruhr versetzt.
Noch nach ihrem selbstgewählten Tod im Jahr 2010 galt sie als kompromisslose Anwältin für Kinderrechte, als kämpferische Verfechterin der gewaltfreien Erziehung und weltweit bekannte Kindheitsforscherin. Dass sie selbst in der Rolle als Mutter desaströs versagte, wurde einem breiteren Publikum erst bekannt, nachdem ihr Sohn Martin im Jahr 2013, da war er bereits 63 und seine Mutter knapp drei Jahre tot, sein Buch "Das wahre 'Drama des begabten Kindes'. Die Tragödie Alice Millers" veröffentlichte.
Die Reaktionen auf die Enthüllung seiner Kindheit waren gespalten – konnte es denn sein, dass eine Frau, die so einfühlsam das Leiden der Kinder beschrieb, sich ihren eigenen Kindern gegenüber so kalt und empathielos verhielt und nichts gegen den brutalen Vater unternahm, der den Sohn physisch wie psychisch peinigte?
Auch Martin lässt diese Diskrepanz keine Ruhe und begibt sich weiter auf Spurensuche in die Vergangenheit seiner Eltern, die in dem Film "Who’s Afraid of Alice Miller" dokumentiert wird. Mit dieser Hausarbeit möchte auch ich mich Alice Miller annähern, indem ich versuche aufzuzeigen, inwieweit ihre neurotische Abwehr ihr Leben prägte und sich diese Prägung auf die Erziehung ihres Sohnes ausgewirkt hat.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Keine Subjektgenese ohne (Grund)Konflikte
- Die Abwehrmechanismen
- Subjektgenese am Beispiel von Alice Miller
- Alices Kindheit
- Alice als Mutter
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Hausarbeit widmet sich einer Annäherung an Alice Miller und untersucht, inwieweit ihre neurotische Abwehr ihr Leben prägte und sich diese Prägung auf die Erziehung ihres Sohnes auswirkte.
- Subjektgenese und die Rolle von (Grund)Konflikten in der Entwicklung
- Abwehrmechanismen in der psychoanalytischen Theorie
- Alice Millers Kindheitserfahrungen und deren Einfluss auf ihre eigene Persönlichkeitsentwicklung
- Alice Millers Rolle als Mutter und die Auswirkungen ihrer eigenen Abwehrmechanismen auf ihren Sohn
- Die Tragödie von Alice Millers Leben und die Ambivalenz ihrer Persönlichkeit
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung
Die Einleitung führt in die Thematik der Hausarbeit ein und beleuchtet Alice Millers Bedeutung als Kindheitsforscherin und ihre Kritik an traditionellen Erziehungspraktiken. Sie stellt die zentrale Frage nach der Prägung von Alice Millers Leben durch ihre eigene neurotische Abwehr und deren Auswirkungen auf die Erziehung ihres Sohnes.
Keine Subjektgenese ohne (Grund)Konflikte
Dieses Kapitel beleuchtet das Konzept der Subjektgenese und die Rolle von (Grund)Konflikten in der psychischen Entwicklung. Es werden verschiedene Entwicklungsphasen und ihre charakteristischen Konflikte erläutert, wobei der Fokus auf der Bedeutung früher Beziehungserfahrungen für die spätere Persönlichkeitsentwicklung liegt.
Die Abwehrmechanismen
Dieser Abschnitt beleuchtet die Rolle von Abwehrmechanismen in der psychoanalytischen Theorie. Er erläutert, wie Menschen mit emotionalen Nöten und unerfüllten Bedürfnissen umgehen, um ihre psychische Stabilität zu bewahren.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Schlüsselbegriffen Subjektgenese, Abwehrmechanismen, Kindheitsforschung, neurotische Entwicklung, empathische Erziehung und die Tragödie Alice Millers.
- Quote paper
- Kristin Freter (Author), 2022, Die Abwehrmechanismen von Alice Miller. Versuch einer Annäherung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1421753