Das Band zwischen Menschen und Pferden besteht schon seit Jahrtausenden. Der heutige Mensch beschäftigt sich überwiegend mit dem Training der Pferde als solches, doch ist dies gleichzeitig auch immer ein Training für den Menschen. Im Rahmen der pferdegestützten Persönlichkeitsentwicklung wird genau hierauf der Schwerpunkt gelegt. Die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit durch die Arbeit mit dem Pferd.
In dieser Bachelor-Thesis hat die Autorin elf Interviewpartner:innen aus dem Berufsbereich der pferdegestützten Interventionen in Form von halb-strukturierten Leitfadeninterviews befragt, um einen Einblick in die Möglichkeiten und Wirkweisen pferdegestützter Persönlichkeitsentwicklung zu erhalten. Die Theorie wurde aus verschiedenen Quellen aus dem Bereich des Pferdetrainings / Natural Horsemanship, sowie der Persönlichkeitsentwicklung und pferdegestützter Interventionen gefiltert. Die Interviews wurden mittels qualitativer Inhaltsanalyse analysiert und anschließend im Ergebnisteil ausgewertet. Dabei wurden die Effekte des Pferdes innerhalb der Therapie und des Coachings auf die Therapierenden und Coaches, sowie auch auf die Patienten:innen, sowie die Klient:innen untersucht und die Rolle des Pferdes innerhalb der Intervention beleuchtet. Dabei entstand die Annahme einer hohen Wirksamkeit pferdegestützter Interventionen auf die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit. Die Grenzen der pferdegestützten Arbeit wurden aufgezeigt und Zukunftswünsche in Bezug auf die weitere Entwicklung von pferdegestützten Interventionen seitens der Berufsgruppe pferdegestützt arbeitender Coaches und Therapierender benannt und somit Missstände aufgeführt.
Inhalt
1 Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Methodische Vorgehensweise
2 Persönlichkeitsentwicklung als Teilgebiet der Psychologie
2.1 Persönlichkeit & Persönlichkeitsentwicklung - Begriffsbestimmung
3 Pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung
3.1 Grundgedanken pferdegestützter Intervention
3.2 Beziehungsdreieck
3.3 Natural Horsemanship und pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung
3.4 Praktische Anwendungsbeispiele der pferdegestützten Persönlichkeitsentwicklung
3.5 Wirksamkeitshypothesen
3.6 Hypothesen dieser Thesis
3.7 Abgrenzung der verschiedenen Berufsbegriffe
3.7.1 Pferdegestützte Therapie
3.7.2 Pferdegestütztes Coaching
4 Methodisches Vorgehen
4.1 Überblick über das Untersuchungsdesign
4.2 Fallauswahl
4.3 Entwicklung eines Interviewleitfadens
5 Die Interviews
5.1 Durchführung der Interviews
5.2 Auswertung der Interviews
6 Ergebnisse
7 Diskussion
8 Fazit & Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den Einfluss pferdegestützter Interventionen auf die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit. Dabei wird der Frage nachgegangen, wie Pferde als Therapiemedium oder Coachingpartner fungieren und welche Wirkmechanismen dabei initiiert werden, um emotionale, kognitive und soziale Entwicklungsprozesse bei Klienten und Patienten anzustoßen.
- Wirkweise pferdegestützter Interventionen auf die Persönlichkeitsentwicklung
- Rolle des Pferdes als Spiegel und Motivator im Coaching und in der Therapie
- Unterschiede und Abgrenzung zwischen pferdegestützter Therapie und Coaching
- Methodologische Einblicke durch Experteninterviews mit Fachkräften
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundgedanken pferdegestützter Intervention
Pferdegestützte Interventionen bedienen sich den Vorteilen der nonverbalen Kommunikation, welche den Pferden eigen ist. Sowohl im Zwischenmenschlichen als auch in der Kommunikation zwischen Mensch und Pferd findet der Großteil der Kommunikation nonverbal statt. Aus dem Bereich des Natural Horsemanship, bei welchem es sich um die gewaltlose Kommunikation mit dem Pferd vom Boden aus, mit dem Ziel Vertrauen und Bindung zwischen Pferd und Mensch zu stärken, handelt, sind die Wirkmechanismen der nonverbalen Kommunikation bereits bekannt (Kaiser, 2016, o. S.). Diesen Erkenntnissen bedient man sich in der pferdegestützten Persönlichkeitsentwicklung. Denn die Wahrnehmung des Fluchttiers Pferd ist feiner als jene des Menschen. Dem Pferd entgehen keine Körpersignale, die ein Mensch zu verbergen versucht, oder Verhaltensweisen, die im Umgang mit anderen Menschen überspielt werden. Jede Körperreaktion und Nuance der Körperhaltung erwirkt ein direktes Feedback durch das Pferd (Ruschinski, 2020, o. S.) Das Feedback des Pferdes, welches mittels nonverbaler Verhaltensweisen erfolgt, ist immer unabhängig von den sozialen, kulturellen oder lebensbiografischen Hintergründen des betreffenden Menschen und stützt sich ausschließlich auf seine Verhaltensweisen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die intuitive Verbindung zwischen Mensch und Pferd und führt in das zentrale Anliegen ein, die Wirkkraft dieser Dynamik auf die menschliche Persönlichkeitsentwicklung zu untersuchen.
2 Persönlichkeitsentwicklung als Teilgebiet der Psychologie: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen der Persönlichkeitspsychologie und grenzt diese von klinischen Störungsbildern ab.
3 Pferdegestützte Persönlichkeitsentwicklung: Hier werden die theoretischen Ansätze, das Beziehungsdreieck sowie die Abgrenzung zwischen pferdegestützter Therapie und Coaching ausführlich erläutert.
4 Methodisches Vorgehen: Das Kapitel beschreibt das qualitative Forschungsdesign, die Fallauswahl der Experten sowie die Konzeption des Interviewleitfadens.
5 Die Interviews: Der Abschnitt dokumentiert die Durchführung der Interviews und legt die Grundlagen für die qualitative Inhaltsanalyse offen.
6 Ergebnisse: In diesem Teil werden die Erkenntnisse der Experteninterviews anhand von Haupt- und Subkategorien systematisch ausgewertet und präsentiert.
7 Diskussion: Die Diskussion reflektiert die Ergebnisse kritisch anhand wissenschaftlicher Gütekriterien und setzt diese in Bezug zur vorhandenen Literatur.
8 Fazit & Ausblick: Das Fazit fasst die Relevanz der pferdegestützten Arbeit zusammen und diskutiert notwendige regulatorische Schritte sowie Zukunftsperspektiven des Feldes.
Schlüsselwörter
Pferdegestützte Interventionen, Persönlichkeitsentwicklung, Nonverbale Kommunikation, Selbstwirksamkeit, Horse-human Bond, Führungskräfteentwicklung, Kinder- und Jugendtherapie, Einzelcoaching, Gruppencoaching, Pferdeverhalten, Coaching, Therapie, Psychologie, Natur, Spiegelung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Einfluss, den pferdegestützte Interventionen auf die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit ausüben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zu den Kernbereichen zählen die theoretische Einbettung in die Psychologie, die Rolle der nonverbalen Kommunikation zwischen Mensch und Pferd sowie der praktische Einsatz in verschiedenen therapeutischen und beratenden Kontexten.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Wirkmechanismen zu identifizieren, durch die Pferde als Coaching- oder Therapiepartner die Selbstreflexion und Persönlichkeitsentwicklung fördern, und diese durch Expertenbefragungen zu validieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Die Autorin wählte ein qualitatives Forschungsdesign, das auf halbstrukturierten Leitfadeninterviews mit elf Experten aus dem Bereich pferdegestützter Arbeit basiert.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst eine Literaturanalyse zu psychologischen Grundlagen und Natural Horsemanship sowie eine qualitative Inhaltsanalyse von Experteninterviews, die den Mehrwert und die Grenzen der pferdegestützten Arbeit diskutieren.
Welche Schlagworte charakterisieren die Untersuchung am besten?
Wichtige Begriffe sind Selbstwirksamkeit, Spiegelung, nonverbale Kommunikation, Horse-human Bond, Therapie, Coaching und Persönlichkeitsentwicklung.
Wie unterscheiden sich pferdegestützte Therapie und Coaching aus Sicht der Experten?
Die Experten heben hervor, dass die Therapie primär mit psychisch erkrankten Personen zur Linderung von Störungen arbeitet, während Coaching auf die Stärkung vorhandener Ressourcen bei grundsätzlich gesunden Menschen abzielt.
Welche Rolle spielt das Pferd im „Beziehungsdreieck“?
Das Pferd fungiert als neutraler, wertfreier Akteur, der als Spiegel für unbewusste Verhaltensweisen dient und somit den Zugang zwischen Coach/Therapeut und Klient erleichtert.
Welche Grenzen wurden im Hinblick auf diese Interventionsform benannt?
Kritische Grenzen liegen beim Tierschutz und der Belastbarkeit der Pferde, dem notwendigen Ausbildungsstand der Coaches sowie der finanziellen Erreichbarkeit dieser Angebote.
- Arbeit zitieren
- Lynn Kugler (Autor:in), 2023, Pferde als Spiegel der Persönlichkeit. Der Einfluss pferdegestützter Interventionen auf die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1420422