Diese Arbeit stellt vor, welche Konflikte aus dem geheimen Lehrplan im deutschen Schulsystem resultieren. Außerdem werden Handlungsmöglichkeiten für Lehrpersonen aufgezeigt. Da der Begriff der Chancengleichheit und auch die Theorie des sozialen Kapitals eine Relevanz für jenes Themas aufweisen, wird auch hierauf kurz und verständlich Bezug genommen. Ziel dieser Arbeit ist es außerdem, das Schulsystem in Deutschland mit Fokus auf dem "geheimen Lehrplan" und dem "Pygmalion-Effekt" zu untersuchen, daraus resultierende Konflikte, wie das Etikettierungsproblem, darzustellen und Handlungsmöglichkeiten für Lehrpersonen aufzuzeigen. Da der Begriff der Chancengleichheit sowie die Kapitaltheorie Bourdieus das Verstehen der Problematik erleichtern und in gewisser Weise das Fundament legen, wird im Folgenden auch auf diese beiden Thematiken kurz eingegangen.
Inhaltsverzeichnis
ABSTRACT
CHANCENGLEICHHEIT – ZWISCHEN UTOPIE UND NOTWENDIGKEIT
DER SOZIALE RAUM NACH BOURDIEU – EIN EXKURS
WIE SICH EIN GEHEIMER LEHRPLAN AUF DIE ZUKUNFT UNSERER SCHÜLER- UND GESELLSCHAFT AUSWIRKT
ETIKETTIERUNG DURCH DEN PYGMALION-EFFEKT
RESULTIERENDE HANDLUNGSFELDER FÜR PÄDAGOGINNEN – EIN AUSBLICK
LITERATURVERZEICHNIS
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das deutsche Schulsystem unter dem spezifischen Fokus des "geheimen Lehrplans" und des "Pygmalion-Effekts". Das primäre Ziel ist es, die daraus resultierenden Etikettierungsprozesse sowie die Bildungsungleichheit zu analysieren und Handlungsoptionen für Lehrkräfte aufzuzeigen, um eine faire und gerechte Erziehung zu fördern.
- Analyse der Chancengleichheit in Bildungssystemen
- Einfluss soziologischer Theorien (insb. Pierre Bourdieu) auf schulische Erfolge
- Funktionsweise und Konsequenzen des "geheimen Lehrplans"
- Psychologische Mechanismen der sozialen Etikettierung (Pygmalion-Effekt)
- Strategien zur professionellen Reflexion pädagogischen Handelns
Auszug aus dem Buch
Wie sich ein geheimer Lehrplan auf die Zukunft unserer Schüler- und Gesellschaft auswirkt
Neben dem, was gelernt (und meist durch schriftliche Überprüfungen bewertet) werden soll, existieren ungeschriebene Gesetze darüber, wie gelernt werden soll. Der sog. geheime Lehrplan umfasst nicht ausgesprochene Lernziele innerhalb eines Prozesses zur Erziehung des Subjekts. Kulturelle Erwartungen, Werte, Perspektiven und institutionelle Regeln werden der Schülerschaft durch ihn vermittelt (vgl. KANDZORA 1996, 71). Er hat Auswirkungen auf die Sozialisation, bzw. auf ihr Gelingen (vgl. HEITMEYER/HURRELMANN 1992, 109), beispielsweise durch das Einüben und Ausführen sozialer Regeln.
Hieraus ergeben sich Anpassungsstrategien – ist ein Individuum fähig, sich anzupassen, gelingt die Teilhabe am System Schule. Andere SchülerInnen akzeptieren einige Regeln nicht oder sind schlichtweg nicht in der Lage, ihnen zu folgen, da sie ihnen nicht bekannt sind. Diese Kinder fallen auf (vgl. VEITH 2008, 46). Schon 1925 wurde die Problematik durch den Psychoanalytiker Siegfried Bernfeld thematisiert: Schule würde immer, unabhängig von dem eigentlichen Lerninhalt, erziehen und disziplinieren (vgl. BERNFELD 1923, 23f.). Zinnecker fasst unter dem Begriff des heimlichen Lehrplans folgende Unterpunkte zusammen. So nennt er beispielsweise den Pflichtcharakter des schulischen Lernens, den es zu begreifen gilt, das Einüben von Konkurrenzverhalten, die Anpassung an Erwartungen, die Notwendigkeit, sich in institutionell vorgegebenen räumlichen/zeitlichen Strukturen zu bewegen, die Orientierung des Lernens auf Bewertung und formale Leistungskriterien (vgl. KANDZORA 1996, 71). Auf der einen Seite soll also eine Anpassung und Integration in System und Gesellschaft stattfinden; auf der anderen Seite steht Schule für Emanzipation, für Mündigkeit, für selbstständiges Denken und Handeln (vgl. REINHECKEL 2010, 116f.). Diese Punkte stehen gewisser Weise in einer dichotomen Beziehung zueinander. Der Schülerschaft wird dieser geheime Lehrplan nie explizit deutlich gemacht, was die Anpassung unter Umständen erschwert.
Zusammenfassung der Kapitel
ABSTRACT: Diese einleitende Zusammenfassung umreißt die Untersuchung des deutschen Schulsystems in Bezug auf den geheimen Lehrplan und den Pygmalion-Effekt.
CHANCENGLEICHHEIT – ZWISCHEN UTOPIE UND NOTWENDIGKEIT: Dieses Kapitel erläutert den normativen Anspruch der Chancengleichheit in Deutschland und kontrastiert diesen mit der soziologischen Realität von Bildungsdisparitäten.
DER SOZIALE RAUM NACH BOURDIEU – EIN EXKURS: Hier werden die Basiskonzepte Bourgdieus (kulturelles, soziales und ökonomisches Kapital) eingeführt, um zu verstehen, wie soziale Herkunft schulische Lernchancen beeinflusst.
WIE SICH EIN GEHEIMER LEHRPLAN AUF DIE ZUKUNFT UNSERER SCHÜLER- UND GESELLSCHAFT AUSWIRKT: Der Abschnitt geht auf die immanenten, inoffiziellen Normen der Schule ein, die zur sozialen Einordnung und Disziplinierung beitragen und Anpassung erzwingen.
ETIKETTIERUNG DURCH DEN PYGMALION-EFFEKT: Es wird analysiert, wie Lehrererwartungen und Zuschreibungen das Selbstbild von Schülern beeinflussen und zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung führen können.
RESULTIERENDE HANDLUNGSFELDER FÜR PÄDAGOGINNEN – EIN AUSBLICK: Das Fazit fordert ein verstärktes pädagogisches Selbstreflexionsvermögen, um Voreingenommenheiten und negative Etikettierungen zu minimieren.
Schlüsselwörter
Schulsystem, Chancengleichheit, Bildungsdisparitäten, Pierre Bourdieu, Kapitaltheorie, Sozialer Raum, Geheimer Lehrplan, Sozialisation, Pygmalion-Effekt, Etikettierung, Lehrererwartungen, Selbsterfüllende Prophezeiung, Pädagogische Reflexion, Bildungsungerechtigkeit, Habitus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden pädagogischen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie das deutsche Schulsystem durch inoffizielle Mechanismen wie den "geheimen Lehrplan" und das Bewertungshandeln von Lehrkräften (Pygmalion-Effekt) ungleiche Bildungschancen reproduziert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Diskrepanz zwischen dem Ideal der Chancengleichheit und der empirischen Realität von Bildungsungleichheit, die Soziologie nach Bourdieu sowie die psychologischen Faktoren der Lehrer-Schüler-Interaktion.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Analyse von Etikettierungsprozessen, um für Lehrpersonen Handlungsoptionen zu entwickeln, die zu einer gerechteren Bewertung und Förderung aller Lernenden beitragen.
Welche wissenschaftlichen theoretischen Hintergründe werden verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf Pierre Bourgdieus Theorie des sozialen Raums und die soziologischen Konzepte zum "geheimen Lehrplan", ergänzt durch psychologische Ansätze zum Pygmalion-Effekt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung zu Kapitalformen, die Erörterung des heimlichen Lehrplans als Disziplinierungsinstrument und eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Wirkung von Lehrererwartungen auf das Schüler-Selbstbild.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Chancengleichheit, Bildungsdisparitäten, Habitus, Etikettierung, Pygmalion-Effekt, Sozialisation und pädagogische Reflexionskompetenz.
Inwieweit beeinflusst das Kapital der Eltern laut Bourdieu den schulischen Erfolg?
Laut Bourdieu beeinflusst das kulturelle und soziale Kapital der Eltern das häusliche Umfeld, die Sprache und das Vorwissen der Kinder, was den Kindern aus privilegierten Schichten einen systemischen Startvorteil verschafft, den sich die Schule zunutze macht.
Wie kann man sich den "geheimen Lehrplan" konkret vorstellen?
Der geheime Lehrplan umfasst alles, was nicht explizit im Lehrplan steht, aber dennoch vermittelt wird, wie etwa Konkurrenzverhalten, Anpassungsdruck an institutionelle Strukturen sowie das Erlernen ungeschriebener gesellschaftlicher Verhaltensregeln.
Warum ist die Selbstreflexion für Lehrkräfte so entscheidend?
Lehrkräfte agieren oft unbewusst durch Vorurteile oder soziale Zuschreibungen. Eine aktive Selbstreflexion ist notwendig, um diese unbewussten Effekte zu erkennen und zu verhindern, dass sie zu einer Benachteiligung bestimmter Schülergruppen führen.
Was ist die Kernbotschaft für pädagogisch Tätige in dieser Arbeit?
Lehrpersonen sollen sensibilisiert werden, dass Bildungsgerechtigkeit bei der eigenen Person beginnt – durch die bewusste Minimierung von Vorurteilen und die kritische Hinterfragung des eigenen Bewertungshandelns.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2021, Der geheime Lehrplan und der Pygmalion-Effekt im Schulsystem Deutschlands, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1403474