In dem Beitrag wird ein Überblick über den Aufsatzunterricht in China gegeben und zwar über die unterrichteten chinesischen Aufsatzsorten im Kontrast zu deutschen sowie über die im Unterricht verwendeten Methoden. Wesentliche textlinguistische Unterschiede zwischen einem deutschen udn einem chinesischen Text werden erwähnt. Der Text verweist auf ausführlichere Publikationen der Autorin zum Thema.
Marianne Lehker
Zum Aufsatzunterricht in der Volksrepublik China
Lerninhalte sowie Lernweisen haben sich nicht nur historisch gewandelt, sondern unterscheiden sich auch in den verschiedenen Kulturen voneinander. Die Kenntnis solcher kultureller Unterschiede kann das Verständnis für das Lernverhalten ausländischer Schüler an deutschen Schulen verbessern, zur Reflexion über eigene historisch wie kulturell bedingte Unterrichtsinhalte und Lehr- und Lernweisen anregen sowie auf den eigenen Schreibunterricht befruchtend wirken. So plädiert Hornung (1997: 71) nach Versuchen mit drei verschiedenen methodisch-didaktischen Ansätzen dafür, beim Erlernen des Textschreibens eine Vielfalt von Lehrmethoden zu verwenden, um den individuellen Lernzugang und letztlich die Lernautonomie von Schreibern zu erhöhen.
„Zugänge zu Schreibprozessen, wie sie in fremden Schulsystemen üblich sind, bieten dem vorurteilsfreien Blick eine reiche Fundgrube zur Anregung der didaktischen Phantasie. Werden sie nicht einfach anekdotenhaft dem eigenen System eingepasst, sondern als didaktische Alternativen ernst genommen und praktiziert, bieten sie, das wäre die Hypothese, mehr Lernenden bessere Möglichkeiten, sich in der komplexen Welt des Schreibens von Texten zurechtzufinden.“ (72)
Aus diesen Gründen soll hier als Beispiel aus einer anderen Kultur über den Aufsatzunterricht in der Volksrepublik China berichtet werden.
Schule und Unterricht in China
Das chinesische Schulsystem folgt seit 1985 dem Schema 6-3-3-4. Das heißt, auf den obligatorischen Kindergartenbesuch, während dessen die Kinder bereits das Lesen und Schreiben erster Zeichen und Wörter in der lateinischen Umschrift Pin yin lernen, folgt in der Regel ab dem sechsten Lebensjahr der Besuch der sechsjährigen Grundschule gefolgt von der dreijährigen unteren Mittelschule. Anschließend kann die obere Mittelschule für drei Jahre besucht werden, bevor das normalerweise vierjährige Hochschulstudium begonnen werden kann. Der Übergang zwischen den einzelnen Stufen ist durch strenge Aufnahmeprüfungen geregelt. Zum Beispiel findet die Hochschulaufnahmeprüfung jeweils im Juli landesweit statt. 1994 nahmen gut 2,5 Millionen Bewerber an dieser mehrtägigen Prüfung teil. Demgegenüber standen 900.000 Studienplätze an circa 1.000 Hochschulen, die einem strengen Ranking unterliegen, zur Verfügung (Lehker 1997: 47).
Neben den allgemeinen Schulen existieren Schwerpunktschulen. Dieses sind Eliteeinrichtungen, die finanziell und personell besser ausgestattet sind und eine hohe Aufrückquote in die nächst höhere Schulkategorie aufweisen.
Für die ersten neun Schuljahre herrscht die allgemeine Schulpflicht, die aber vor allem auf dem Land nicht durchsetzbar ist. 1994 hatten 25,8%, bzw. davon abweichend angegeben 36,02% der chinesischen Gesamtbevölkerung eine neunjährige Schulbildung, 8,13% hatten die obere Mittelschule abgeschlossen und 2,05% wiesen ein mindestens zweijähriges Hochschulstudium vor (China aktuell 11/1994: 1120).
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Häufig gestellte Fragen
Wie unterscheidet sich der Aufsatzunterricht in China von dem in Deutschland?
Es gibt wesentliche textlinguistische Unterschiede in den Aufsatzsorten und den verwendeten Methoden, die stark durch die kulturelle Tradition geprägt sind.
Was ist das "Schema 6-3-3-4" im chinesischen Schulsystem?
Es beschreibt die Schulstufen: 6 Jahre Grundschule, 3 Jahre untere Mittelschule, 3 Jahre obere Mittelschule und in der Regel 4 Jahre Hochschulstudium.
Was ist "Pin yin" und welche Rolle spielt es beim Lernen?
Pin yin ist die lateinische Umschrift der chinesischen Zeichen. Kinder lernen sie bereits im Kindergarten, um den Einstieg in das Lesen und Schreiben zu erleichtern.
Wie wichtig sind Aufnahmeprüfungen in China?
Prüfungen sind extrem wichtig und regeln den Übergang zwischen allen Stufen, insbesondere die landesweite Hochschulaufnahmeprüfung im Juli ist entscheidend für die Zukunft der Schüler.
Was sind "Schwerpunktschulen" in der Volksrepublik China?
Dies sind staatlich geförderte Eliteschulen, die besser ausgestattet sind und eine besonders hohe Quote an Absolventen haben, die den Sprung an renommierte Hochschulen schaffen.
Warum ist die Kenntnis dieser Unterschiede für deutsche Lehrer relevant?
Sie fördert das Verständnis für das Lernverhalten ausländischer Schüler an deutschen Schulen und regt zur Reflexion über eigene didaktische Methoden an.
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- Dr. Marianne Lehker (Author), 2004, Zum Aufsatzunterricht in der Volksrepublik China, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/140252