Wie lassen sich Produktionsmodelle genau definieren? Woraus sind sie zusammengesetzt? Von welchen Faktoren hängt die Entwicklung erfolgreicher Produktionsmodelle ab? Lässt sich ein Brückenschlag zu Kapitalismusmodellen herstellen? Und wenn ja, in welcher Weise?
Um diesen und weiteren Fragen nachgehen zu können, soll in dieser Hausarbeit geklärt werden, was Produktionsmodelle und nationale Kapitalismen auszeichnet. Dabei wird ein Bezug zur Automobilindustrie hergestellt, um die theoretischen Ansätze zu konkretisieren. Auf diese Weise wird insgesamt die Klärung eines bestehenden oder nicht bestehenden Zusammenhangs zwischen Produktions- und Kapitalismusmodellen angestrebt. Demnach soll schließlich die Frage im Mittelpunkt stehen, warum ein oder kein Zusammenhang zwischen Produktions- und Kapitalismusmodellen besteht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Produktionsmodelle
2.1. Makroebene – Nationale Wachstumsmodi
2.2. Mesoebene – Governance-Kompromiss
2.3. Mikroebene – Profitstrategien und Komponenten von Produktionsmodellen
2.4. Divergierende Produktionsmodelle oder one best way?
3. Kapitalismusmodelle
3.1. Liberal market economies
3.2. Coordinated market economies
3.3. Überlegenheit eines Kapitalismusmodells?
4. Besteht ein Zusammenhang zwischen Produktions- und Kapitalismusmodellen?
4.1. Produktionsmodelle der Automobilindustrie in liberal market economies
4.2. Produktionsmodelle der Automobilindustrie in coordinated market economies
4.3. Produktionsmodelle und nationale Kapitalismen in Europa
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, ob ein systematischer Zusammenhang zwischen Produktionsmodellen von Unternehmen und den jeweiligen nationalen Kapitalismusmodellen existiert. Dabei wird analysiert, inwieweit die institutionellen Rahmenbedingungen eines Landes – verstanden als liberale (LME) oder koordinierte Marktökonomien (CME) – die Strategien von Automobilherstellern determinieren oder ob firmenspezifische Entwicklungen im Vordergrund stehen.
- Charakterisierung von Produktionsmodellen auf Makro-, Meso- und Mikroebene.
- Analyse des "Varieties of Capitalism"-Ansatzes nach Hall/Soskice.
- Gegenüberstellung von liberalen und koordinierten Marktökonomien.
- Fallstudien zur Automobilindustrie (Ford, Honda, Volkswagen).
- Diskussion der Divergenz- versus Konvergenz-Thesen in der Industrieökonomik.
Auszug aus dem Buch
3.1. Liberal market economies
Das Musterbeispiel liberaler Marktökonomien stellen die USA dar, dessen Institutionengefüge ausgeprägte Wettbewerbsvorteile für radikale Innovationen hervorbringt. Somit sollten sich Produktionsmodelle von Unternehmen vor allem auf die Entwicklung neuer Produkte und grundlegende Veränderungen im Produktionsprozess beziehen. Es treffen besonders Branchen der Spitzentechnik wie z. B. die Biotechnologie auf gute ökonomische Voraussetzungen. Wirtschaftliche Handlungen und Beziehungen spielen sich in LMEs im Wesentlichen auf freien Märkten ab. Sie sind durch hierarchische Strukturen und konkurrierenden Arrangements auf dem Markt gekennzeichnet, trotzdem sind sie nicht „fully mediated by market forces“ (Hall/Soskice 2001: 9).
Der gering entwickelte Kündigungsschutz liberaler Marktökonomien gibt Unternehmen die Möglichkeit eine „hohe Mobilität hochqualifizierter Arbeitnehmer“ (Panuescu/Schneider 2004: 36) einzufordern. Dadurch, dass Gewerkschaften nur eine untergeordnete Rolle innehaben, konnte sich eine ‚Hire and Fire’-Kultur durchsetzen. Kurzfristige Arbeitsbeziehungen sind die Regel. Infolgedessen sind Firmen aber auch in der Lage ihre Produktionsmodelle sich verändernden makroökonomischen Strukturen und Marktschwankungen schnell anzupassen. Somit können die unstabilen Löhne bei guter Marktlage und hoher Nachfrage des firmenspezifischen Produkts auch schneller steigen als in koordinierten Marktökonomien.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung definiert das Erkenntnisinteresse an der Beziehung zwischen Produktionsmodellen und Kapitalismusformen und führt die Automobilindustrie als zentralen Untersuchungsgegenstand ein.
2. Produktionsmodelle: Dieses Kapitel erläutert die komplexe Zusammensetzung von Produktionsmodellen anhand von drei Regulierungsebenen und diskutiert den Gegensatz zwischen dem „one best way“-Paradigma und divergenten Entwicklungen.
3. Kapitalismusmodelle: Hier wird der VoC-Ansatz vorgestellt, der Marktökonomien in liberale (LMEs) und koordinierte (CMEs) Typen klassifiziert und deren institutionelle Besonderheiten beschreibt.
4. Besteht ein Zusammenhang zwischen Produktions- und Kapitalismusmodellen?: Dieses Kapitel analysiert anhand der Beispiele Ford, Honda und der europäischen Situation, ob sich Produktionsstrategien tatsächlich direkt aus den institutionellen Rahmenbedingungen der Heimatländer ableiten lassen.
5. Resümee: Das Resümee fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Übereinstimmung zwischen nationalen Kapitalismusmodellen und den gewählten Produktionsstrategien der Unternehmen in der Realität nur bedingt nachweisbar ist.
Schlüsselwörter
Produktionsmodelle, Varieties of Capitalism, Liberal market economies, Coordinated market economies, Automobilindustrie, Governance-Kompromiss, Nationale Wachstumsmodi, Profitstrategien, Institutionelle Komplementarität, Pfadabhängigkeit, Fordismus, Hybridisierung, Marktwirtschaft, Wettbewerbsvorteile, Unternehmensstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die theoretische und empirische Verbindung zwischen nationalen Kapitalismusmodellen und den Produktionsstrategien von Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Produktionsmodells, die Theorie der "Varieties of Capitalism" (VoC) und deren Anwendung auf die globale Automobilindustrie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es zu klären, ob die Wahl eines Produktionsmodells zwangsläufig vom institutionellen Umfeld des Heimatlandes abhängt oder ob eine Autonomie unternehmerischer Entscheidungen besteht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch orientierte Hausarbeit, die bestehende Ansätze (Boyer/Freyssenet sowie Hall/Soskice) aufgreift und durch Fallbeispiele aus der Automobilindustrie auf ihre Validität hin prüft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Produktions- und Kapitalismusmodelle sowie deren vergleichende Anwendung auf spezifische Automobilhersteller.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Produktionsmodelle, LMEs, CMEs, institutionelle Einbettung, Wachstumsmodi und die kritische Analyse des "one best way"-Konzepts.
Warum wird gerade die Automobilindustrie als Fallbeispiel gewählt?
Die Automobilindustrie eignet sich aufgrund ihrer hohen Kapitalintensität, komplexen Wertschöpfungsketten und der globalen Reichweite hervorragend, um unterschiedliche Produktionslogiken zu verdeutlichen.
Zu welchem Fazit kommt die Autorin bezüglich der Kapitalismusmodelle?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass der VoC-Ansatz zwar nützlich ist, aber die Realität in ein zu starres binäres Schema zwingt, das die Komplexität und firmenspezifischen Spielräume unterschätzt.
- Quote paper
- Julia Krüger (Author), 2009, Produktionsmodelle und Varieties of Capitalism, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/139487