Thales von Milet – einer der sieben Weisen der Antike und von Aristoteles zum Vater der Philosophie erklärt – beobachtete einst, so die Legende, derart hingerissen den Sternenhimmel, dass er nicht darauf achtete, wo seine Füße hintraten und unversehens in eine Grube fiel. Eine thrakische Magd soll sich darüber köstlich amüsiert haben.
Die Anekdote nährt das Klischee des zerstreuten Philosophen: weltfremd, mit scheinbar unerheblichen Fragen und Problemen beschäftigt, vergisst er die Welt im Hier und Jetzt.
Das Image des Nutzlosen, Weltfremden hat die Philosophie bis heute nicht losbekommen. Zu Recht? Oder hat die Philosophie doch einen Nutzen? Wenn ja, wie weit reicht dieser? Bezieht er sich lediglich auf das Individuum oder auch auf ganze Gesellschaften?
Diese Fragen sollen im vorliegenden Essay diskutiert werden. Grundlagentext hierfür ist Max Horkheimers Aufsatz Die gesellschaftliche Funktion der Philosophie, anschließend wird auch auf weitere Sekundärliteratur eingegangen. Zum Schluss werde ich kurz meine eigene Meinung darlegen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2.1 Max Horkheimer: Die gesellschaftliche Funktion der Philosophie
2.2 Ottfried Höffe: Vom Nutzen des Nutzlosen
2.3 Norbert Blüm: Braucht die Politik Philosophie?
2.4 Mirecea Rebreanu: Die Bedeutung für den Einzelnen
3. Eigene Reflexion
4. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die grundlegende Frage nach dem gesellschaftlichen und individuellen Nutzen der Philosophie. Dabei steht die Analyse der gesellschaftskritischen Funktion gegenüber dem Vorurteil der Weltfremdheit im Zentrum, um zu klären, ob und inwiefern philosophisches Denken für den Einzelnen sowie für politische und kulturelle Prozesse unverzichtbar bleibt.
- Philosophie im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und kritischer Reflexion
- Die gesellschaftliche Funktion nach Max Horkheimer
- Bedeutung der Philosophie im Zeitalter von Globalisierung und Ökonomisierung
- Verhältnis zwischen philosophischem Denken und politischem Handeln
- Individueller Nutzen der Philosophie für Suchende und Zweifelnde
Auszug aus dem Buch
Die gesellschaftliche Funktion der Philosophie
Für Horkheimer ist diese Position zu eng gedacht. Seiner Meinung nach liegt die eigentliche gesellschaftliche Funktion der Philosophie in der Kritik des Bestehenden: „Das Hauptziel einer derartigen Kritik ist es zu verhindern, daß die Menschen sich an jene Ideen und Verhaltensweisen verlieren, welche die Gesellschaft in ihrer jetzigen Organisation ihnen eingibt.“ Dabei entfalte sie ein kritisches und dialektisches Denken, mit dem sie beharrlich versuche, Vernunft in die Welt zu bringen. Dass dies auch eine gefährliche Angelegenheit sein kann, weiß man spätestens seit Sokrates, der aufgrund seiner – so der Vorwurf – jugendgefährdenden Lehren zum Tode verurteilt wurde. „Sie [die Philosophie] ist unbequem, obstinat und zudem ohne unmittelbaren Nutzen, also wirklich eine Quelle des Ärgernisses. Es fehlt ihr an eindeutigen Kriterien und zwingenden Beweisen.“
Hauptmerkmal der echten Philosophen ist die Fähigkeit zu kritisieren. Kritik bedeutet für Horkheimer aber nicht eine bloße Ablehnung, sondern jene intellektuelle und schließlich praktische Anstrengung, die herrschenden Ideen, Handlungsweisen und gesellschaftlichen Verhältnisse nicht unreflektiert, rein gewohnheitsmäßig hinzunehmen; die Anstrengung, die einzelnen Seiten des gesellschaftlichen Lebens miteinander und mit den allgemeinen Ideen und Zielen der Epoche in Einklang zu bringen, sie genetisch abzuleiten, Erscheinung und Wesen voneinander zu trennen, die Grundlagen der Dinge zu untersuchen, sie also, kurz gesagt, wirklich zu erkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Philosophie als vermeintlich nutzlose Disziplin und Vorstellung der zentralen Fragestellung anhand historischer und aktueller Positionen.
2. Hauptteil: Detaillierte Auseinandersetzung mit verschiedenen Denkern (Horkheimer, Höffe, Blüm, Rebreanu), die den Nutzen der Philosophie für die Gesellschaft und den Einzelnen beleuchten.
3. Eigene Reflexion: Kritische Auseinandersetzung der Autorin mit den Thesen, insbesondere der Frage, warum sich Menschen oft von philosophischen Fragestellungen abwenden, und Bestätigung des Wertes philosophischen Denkens.
4. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur Fundierung der essayistischen Argumentation.
Schlüsselwörter
Philosophie, Nutzen, Horkheimer, Kritik, Gesellschaftskritik, Globalisierung, Ökonomisierung, Politik, Tugendlehre, Anthropologie, Individuum, Lebenshilfe, Bildung, Dialektik, Erkenntnis.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Der Essay befasst sich mit dem verbreiteten Klischee der Philosophie als weltfremder und nutzloser Disziplin und hinterfragt diesen Vorwurf kritisch.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die gesellschaftliche Relevanz der Philosophie, ihre Rolle als kritische Instanz, ihre Bedeutung in einer globalisierten Ökonomie sowie ihr Nutzen für den einzelnen Menschen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, welchen Nutzen die Philosophie tatsächlich hat und ob sich dieser primär auf das Individuum oder auf ganze Gesellschaften bezieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte, essayistische Analyse, in der sie Positionen maßgeblicher Denker einander gegenüberstellt und kritisch diskutiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Ansätze von Max Horkheimer, Ottfried Höffe, Norbert Blüm und Mircea Rebreanu detailliert auf ihren jeweiligen Beitrag zur Nutzwert-Debatte der Philosophie hin untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Gesellschaftskritik, Erkenntnis, Bildung, Ethik und Urteilsfähigkeit charakterisieren.
Wie bewertet Horkheimer die Rolle des Philosophen?
Für Horkheimer ist der Philosoph kein bloßer Diener der Wissenschaft, sondern eine kritische Instanz, die dazu anregt, gesellschaftliche Verhältnisse zu hinterfragen und nicht unreflektiert zu akzeptieren.
Warum fällt es vielen Menschen schwer, sich mit Philosophie zu beschäftigen?
Die Autorin argumentiert, dass philosophische Fragen anstrengend und unbequem sind und von den Menschen als irrelevant empfunden werden, da sie stark in ihren Alltag aus Arbeit und Familie eingebunden sind.
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- Jana Richter (Author), 2009, Hat die Philosophie einen Nutzen?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138503