Im Jahr 2008 hat sich aus der ursprünglichen Immobilienkrise in den USA eine Bankenkrise entwickelt. Eine Finanzmarktkrise, die eine weltweite Dimension erreicht hat. Die Krise ist bislang in ihrer internationalen Trageweite im Vergleich zu vergangenen Krisen beispiellos. Viele Experten meinen, dass diese Krise die schwerste Bankenkrise seit der Weltwirtschaftskrise 1929 sei. Der Internationale Währungsfonds schätzt den globalen Schaden momentan auf 4.000 Mrd. US-Dollar. Die Tendenz ist steigend.
Durch die Finanzmarktturbulenzen kam es zu einer Vertrauenskrise der Kreditinstitute untereinander. Diese veranlasste die Bundesregierung mit verschiedenen Maßnahmen, in den Finanzsektor einzugreifen. Es wurde eine rein qualitative Analyse durchgeführt, die das Kundenverhalten und das Verhalten von Banken auf mögliche Wettbewerbsverzerrungen hin untersuchte.
Das Ziel der Arbeit ist es, u.a. durch Experteninterviews herauszufinden sowie herauszuarbeiten, ob es in Deutschland durch die staatlichen Maßnahmen der Bundesregierung während der Finanzmarktkrise in den Finanzsektor, insbesondere bei Privatbanken, zu Wettbewerbsverzerrungen für Sparkassen und Genossenschaftsbanken kommen kann bzw. bereits gekommen ist.
Im 2. Kapitel werden die Entstehung der Bankenkrise von 1931 und die Entstehung der aktuellen Finanzmarktkrise sowie deren Auswirkungen beschrieben. Ein detaillierter Zeitablauf der aktuellen Finanzmarktkrise befindet sich im Anhang. Das 3. Kapitel gibt zunächst einen Überblick über wirtschaftspolitische Instrumente des Staates und über die Geldpolitik der EZB. Danach werden die aktuellen staatlichen Maßnahmen der Bundesregierung in den Finanzsektor 2008 bis Mitte 2009 betrachtet. Im Anschluss daran werden mögliche Wettbewerbsverzerrungen insbesondere für Sparkassen und Genobanken herausgearbeitet. Das 4. Kapitel beschreibt das Vorgehen und die Zielsetzung der durchgeführten Experteninterviews. Im Rahmen der Bachelorarbeit wurden Leitfadeninterviews mit Vorstandsmitgliedern geführt. Im Anschluss daran werden die Interviews durch eine qualitative vergleichende Inhaltsanalyse ausgewertet. Im 5. Kapitel erfolgt eine detaillierte Betrachtung der Aussagen der Experten im Hinblick auf Wettbewerbsverzerrungen für den Finanzsektor bzw. insbesondere für Sparkassen und Genobanken. In Kapitel 6 wird ein Fazit gezogen. Im Anschluss erfolgt ein Ausblick auf zukünftige Auswirkungen der Finanzmarktkrise.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Finanzmarktkrisen
2.1 Bankenkrise 1931
2.2 Finanzmarktkrise 2007 bis 2009
2.3 Vergleich Bankenkrise von 1931 und Finanzmarktkrise von 2007 bis 2009
3 Staatliche Eingriffe in den Finanzsektor
3.1 Möglichkeiten von staatlichen Eingriffen in den Finanzsektor
3.2 Staatliche Eingriffe in den Finanzsektor 2008 / 2009 in Deutschland
3.3 Mögliche Wettbewerbsverzerrungen durch die staatlichen Eingriffe in den Finanzsektor (2008 / 2009) in Deutschland
3.4 Mögliche Auswirkungen der staatlichen Eingriffe bei Privatbanken auf Sparkassen und Genossenschaftsbanken
4 Interviews mit Experten aus der Finanzwirtschaft
4.1 Experteninterviews: Theoretische Grundlagen
4.2 Zielsetzung der Experteninterviews
4.3 Leitfragebogen
4.4 Durchführung der Experteninterviews
4.5 Auswertung der Interviews
5 Ergebnisse der Experteninterviews im Hinblick auf Wettbewerbsverzerrungen
5.1 Wettbewerbsverzerrungen auf dem Finanzsektor
5.2 Wettbewerbsverzerrungen für Sparkassen und Genossenschaftsbanken
6 Fazit
7 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, ob staatliche Unterstützungsmaßnahmen der Bundesregierung während der Finanzmarktkrise 2008/2009 in Deutschland zu Wettbewerbsverzerrungen zulasten von Sparkassen und Genossenschaftsbanken geführt haben oder führen könnten. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die Auswirkungen staatlicher monetärer Hilfen und Garantien, die primär für systemrelevante Privatbanken bereitgestellt wurden.
- Analyse der Finanzmarktkrisen von 1931 und 2007-2009
- Untersuchung staatlicher Stabilisierungsmaßnahmen und deren ordnungspolitische Einordnung
- Erhebung des Kundenverhaltens im Kontext der Finanzkrise
- Untersuchung der Wettbewerbseffekte auf Sparkassen und Genobanken
- Empirische qualitative Analyse durch Experteninterviews mit Vorstandsmitgliedern
Auszug aus dem Buch
Bankenkrise 1931 in Deutschland
Der 11. Mai 1931 wird in der Literatur über die Bankenkrise von 1931 als Beginn einer Kette von Ereignissen datiert, welche den Zusammenbruch des deutschen Bankensektors zur Folge hatten. Es kam verstärkt zum Abzug von Kapital von ausländischen Gläubigern. Begünstigt durch politische Maßnahmen waren die Kundeneinlagen meist kurzfristig bei den Banken angelegt, wobei die Kredite insbesondere für die deutsche Wirtschaft langfristig vereinbart waren. Dies führte zu riskanten Einlagenportfolios der Banken in Deutschland. Darüber hinaus hielten die Großbanken große Aktienpakete, die im Laufe der Weltwirtschaftskrise erheblich an Wert verloren. Daher mussten von den KIs hohe Abschreibungen auf die Wertpapierbestände vorgenommen werden, was die Liquiditätssituation der Banken weiter verschärfte sowie die Eigenkapitalquoten verschlechterte. Am 11. Juli 1931 teilte der Vorstandsvorsitzende der Danatbank, Herr Jacob Goldschmidt, mit, dass die Bank am Montag, den 13. Juli 1931, geschlossen bleibt. Zuvor hatte die Reichsbank der Danatbank noch weitere Kredite gewährt, die eine Insolvenz der Bank hinausgezögert hatten. Die Schließung der Danatbank führte zu einem Kundenansturm, der sämtliche deutsche Banken erfasste. Daraufhin übernahm die Reichsregierung per Notverordnung vom 12. Juli 1931 die volle Garantieleistung für alle Einlagen der Danatbank und ordnete zugleich deren Liquidierung an. Das Kabinett erklärte den 14. und 15. Juli 1931 zu Bankfeiertagen, an denen der gesamte Zahlungsverkehr ruhte. Bereits am 15. Juli 1931 setzte die Reichsbank die Konvertibilität der Reichsmark aus und beendete damit den Goldstandard. Die Reichsmark war somit nicht mehr mit einer festgelegten Menge an Gold gedeckt.
Durch die Wirtschaftskrise und die Bankenkrise mussten die Großbanken erhebliche Einlangenabflüsse und dadurch bedingt hohe Verluste bewältigen. Die Reichsregierung sah sich gezwungen, mit staatlichen Geldern die Eigenkapitalbasis der KIs zu stärken und damit faktisch fast alle Großbanken zu verstaatlichen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Definiert die Ausgangslage der Finanzmarktkrise 2008, erläutert die Zielsetzung der Bachelorarbeit und gibt einen Überblick über das deutsche Bankensystem sowie relevante finanzwirtschaftliche Begriffe.
2 Finanzmarktkrisen: Beschreibt die Entstehung der Bankenkrise 1931 und der Finanzmarktkrise 2007-2009 und vergleicht deren historische Hintergründe, Auswirkungen und strukturelle Merkmale.
3 Staatliche Eingriffe in den Finanzsektor: Analysiert wirtschaftspolitische Instrumente des Staates, detailliert die spezifischen Maßnahmen wie den Finanzmarktstabilisierungsfonds (SoFFin) und beleuchtet die wettbewerbsrechtlichen Auswirkungen.
4 Interviews mit Experten aus der Finanzwirtschaft: Erläutert die methodische Vorgehensweise der qualitativen Experteninterviews mit Vorstandsmitgliedern und die darauf folgende Inhaltsanalyse.
5 Ergebnisse der Experteninterviews im Hinblick auf Wettbewerbsverzerrungen: Fasst die Erkenntnisse aus den Interviews zusammen, insbesondere hinsichtlich der Auswirkungen auf das Kundenverhalten und der Wettbewerbsverzerrungen zulasten öffentlich-rechtlicher und genossenschaftlicher Banken.
6 Fazit: Reflektiert die Untersuchungsergebnisse, bestätigt die aufgestellten Hypothesen und zieht ein Resümee über die staatlichen Interventionen.
7 Ausblick: Erörtert zukünftige Herausforderungen wie die Regulierung der Finanzmärkte, die Vermeidung von Kreditklemmen und den notwendigen Ausstieg aus staatlichen Fördermaßnahmen.
Schlüsselwörter
Finanzmarktkrise, Bankenkrise, staatliche Eingriffe, Wettbewerbsverzerrungen, SoFFin, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Bankensystem, Experteninterviews, Kundeneinlagen, Eigenkapital, Rettungspaket, Finanzsektor, Liquidität, Regulierung, Wettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen staatlicher Rettungsmaßnahmen für systemrelevante Privatbanken während der Finanzmarktkrise auf den Wettbewerb im deutschen Finanzsektor, insbesondere im Hinblick auf Sparkassen und Genossenschaftsbanken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die historische Einordnung der Finanzkrise 1931 im Vergleich zu 2008, staatliche Stabilisierungsmechanismen (SoFFin), das Kundenverhalten in Krisenzeiten und die Auswirkungen auf Wettbewerbsbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob staatliche Hilfen für einige Institute Wettbewerbsnachteile für andere Institutsgruppen, speziell Sparkassen und Genobanken, verursachen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Analyse, die auf Sekundärquellen und der Auswertung von Experteninterviews mit Vorstandsmitgliedern verschiedener Kreditinstitute basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Analyse staatlicher Eingriffe, eine Auswertung des Kundenverhaltens sowie eine detaillierte Auswertung von Expertenmeinungen zu Wettbewerbsverzerrungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Finanzmarktkrise, Bankenkrise, staatliche Eingriffe, Wettbewerbsverzerrungen, SoFFin, Finanzmarktstabilisierungsgesetz, Bankensystem, Experteninterviews, Kundeneinlagen, Eigenkapital.
Wie reagierten Kunden der Sparkassen auf die Finanzkrise?
Kunden zeigten ein deutlich erhöhtes Sicherheitsbedürfnis, was zu Mittelzuflüssen bei Sparkassen und Genobanken führte, bevor durch spätere staatliche Garantien wieder vermehrt Preisverhandlungen und Umschichtungen einsetzten.
Warum kritisieren Experten die Maßnahmen für Autobanken?
Experten sehen in der Unterstützung von Autobanken (wie der VW-Bank) einen Missbrauch der Rettungsfonds, da diese Banken primär als Absatzkanäle für Industrieunternehmen fungieren und nicht im klassischen Sinne systemrelevant seien.
Was bemängeln Sparkassenvertreter an den staatlichen Auflagen?
Sparkassenvertreter kritisieren, dass staatlich gestützte Privatbanken durch die Hilfen in der Lage sind, nicht-marktgerechte Zinskonditionen anzubieten, was den Wettbewerb zu Lasten der Sparkassen verzerrt.
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- Sabrina Karlem (Author), 2009, Die Finanzmarktkrise 2007 - 2009, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/138492