Stanišićs Werk "Wie der Soldat das Grammofon repariert" zeichnet sich dadurch aus, dass der Erzählprozess sprachlich kunstvoll konzipiert wurde. In dem Roman geht es hauptsächlich um Aleksandars Erinnerungen und Traumata, die in den 90er Jahren während und nach der Kriegszeit im Balkan entstehen. Der Autor verpackt die Erzählung sprachlich so, dass sie für mehrere Zielgruppen interessant sein könnte. Stanišićs moderner Schreibstil kann nicht nur für Liebhaber der Trümmerliteratur, die sich mehr Poesie wünschen, attraktiv sein, sondern auch für Jugendliche im 21. Jahrhundert, die durch die Digitalisierung kontinuierlich neue Wörter in ihr Vokabular aufnehmen.
Laut Maček werden die negativen Seiten des Balkans oft automatisch der osmanischen Herrschaft zugeschrieben. Davon ist in Stanišićs Roman allerdings nichts zu spüren. In seinem Werk sind kaum hasserfüllte Vorstellungen gegenüber anderen Völkern/Menschen zu beobachten, obwohl der Inhalt hauptsächlich von grausamen Kriegserfahrungen handelt. Die Erinnerungen und Kommentare stammen aus gutmütiger Perspektive und es sind nur wenige Szenen vorhanden, in denen Feindlichkeit zum Ausdruck gebracht wird. All die Erinnerungen und Traumata schmückt der Autor mit dem Einsatz von zahlreichen literarischen Mitteln, sodass der Inhalt für die Leser*innen ansprechender ist. Diese Arbeit untersucht, wie aus den Wunden des Protagonisten Wörter werden. Es geht um die Frage, wie Stanišić traumatische Ereignisse und den Umgang der Protagonisten mit solchen anhand von literarischen Mitteln in "Wie der Soldat das Grammofon repariert" inszeniert.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung: Annäherung an die Erzählperspektive
- Theoretische Hintergründe
- Krieg in Bosnien-Herzegowina und Stanišićs Darstellung des Balkan
- Die Bedeutung des Begriffs „Trauma“ und erschwerende Situationsfaktoren
- Literarische Mittel zur Beschreibung von traumatisierenden Ereignissen
- Analyse von literarischen Mitteln in "Wie der Soldat das Grammofon repariert"
- Die Drina und die Balkanmusik als Allegorien
- Kindliche Euphemisierung von Tod und Krieg
- Hemingway als Mittel zur Wortneuschöpfung
- Zerfall als Metapher: Allmähliche Auflösung des Selbst
- Vergleiche zur Beschreibung von Taubheit und Mutismus
- Fazit
- Literaturverzeichnis
- Primärliteratur
- Sekundärliteratur
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die literarische Inszenierung von traumatischen Ereignissen in Saša Stanišićs Roman "Wie der Soldat das Grammofon repariert". Im Mittelpunkt steht die Analyse der Erzählperspektive des Protagonisten Aleksandar, dessen Erinnerungen und Traumata aus der Kriegszeit im Balkan im Zentrum des Romans stehen. Die Arbeit analysiert die sprachlichen Mittel, die Stanišić einsetzt, um die traumatischen Erfahrungen des Protagonisten darzustellen und den Umgang mit diesen Ereignissen zu beleuchten.
- Die Darstellung des Krieges in Bosnien-Herzegowina und seine Auswirkungen auf den Protagonisten
- Die Bedeutung des Begriffs „Trauma“ und seine Relevanz für die Analyse des Romans
- Die Verwendung von literarischen Mitteln, um die traumatischen Erfahrungen des Protagonisten zu veranschaulichen
- Die Rolle der Sprache als Mittel zur Verarbeitung von Traumata
- Die Verbindung zwischen Kriegserfahrungen und der Gestaltung der Identität des Protagonisten
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Erzählperspektive des Romans ein und beleuchtet die Besonderheiten von Stanišićs sprachlicher Gestaltung. Kapitel 2 befasst sich mit den theoretischen Hintergründen des Romans, einschließlich der Darstellung des Krieges in Bosnien-Herzegowina, der Bedeutung des Begriffs „Trauma“ und erschwerenden Situationsfaktoren. In Kapitel 3 werden die literarischen Mittel analysiert, die Stanišić zur Beschreibung von traumatisierenden Ereignissen einsetzt.
Schlüsselwörter
Die Arbeit fokussiert sich auf die Themen Krieg, Trauma, Literatur, Sprache, Erinnerung und Identität im Kontext der postjugoslawischen Kriege. Weitere wichtige Schlüsselwörter sind: Balkanismus, Erzählperspektive, literarische Mittel, traumatisierende Ereignisse, Euphemismus, Allegorie, Metapher, Hemingway, Zerfall, Taubheit, Mutismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in Saša Stanišićs Roman "Wie der Soldat das Grammofon repariert"?
Der Roman thematisiert die Erinnerungen und Traumata des Protagonisten Aleksandar, die während des Bosnienkrieges in den 1990er Jahren entstanden sind.
Wie wird das Trauma im Roman literarisch inszeniert?
Stanišić nutzt kunstvolle sprachliche Mittel wie Allegorien (die Drina, Balkanmusik), Metaphern des Zerfalls sowie kindliche Euphemismen, um die Grausamkeit des Krieges darzustellen.
Welche Rolle spielt die Erzählperspektive für die Verarbeitung des Krieges?
Die Geschichte wird aus einer gutmütigen, oft kindlichen Perspektive erzählt, wodurch hasserfüllte Vorstellungen vermieden werden und der Fokus auf der individuellen Wundheilung durch Wörter liegt.
Was bedeutet "kindliche Euphemisierung" in diesem Kontext?
Es beschreibt den Versuch des jungen Protagonisten, den Tod und die Zerstörung des Krieges durch harmlose oder poetische Begriffe sprachlich greifbar und erträglicher zu machen.
Welche Bedeutung hat Hemingway für das Werk?
Hemingway dient im Roman als Mittel zur Wortneuschöpfung und als literarischer Bezugspunkt für die Auseinandersetzung mit Männlichkeit und Kriegserfahrung.
Wie wird der Identitätsverlust des Protagonisten dargestellt?
Durch Vergleiche zur Beschreibung von Taubheit und Mutismus sowie die Metapher der allmählichen Auflösung des Selbst wird der psychische Zerfall infolge des Traumas verdeutlicht.
- Quote paper
- Ilayda Can (Author), 2020, Inszenierung von traumatischen Ereignissen und dem Umgang der Protagonisten mit solchen in Saša Stanišićs "Wie der Soldat das Grammofon repariert", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1383290