Was ist Nachhaltigkeit in Bezug auf unternehmerisches Handeln und Kapitalgesellschaften und wie lassen sich entsprechende Bestrebungen im Unternehmen umsetzen?
Die Positionierung für mehr Klimaschutz, ja für mehr Nachhaltigkeit, prägt die öffentliche Debatte nach wie vor. Proteste, Bildungsveranstaltungen, Forschungsprojekte – das Engagement ist vielfältig. Auch Kapitalgesellschaften sind zur Positionierung angehalten und es stellt sich die Frage, ob und wie die Normen des Gesellschaftsrechts Mittel zum Zweck sein können, dem Wunsch nach nachhaltiger Unternehmensführung nachzukommen. In diesem Zusammenhang stellen sich auch Definitionsfragen. Das Ziel einer globalen, lebensbereichsübergreifenden nachhaltigen Entwicklung bringt für die einzelnen Bereiche auch Definitionsprobleme mit sich.
Inhaltsverzeichnis
- A. Einleitung und Hinführung zum Thema
- I. Die ,,aktivistische“ Aktionär:in (Shareholder Activism)
- II. Nachhaltigkeit (Sustainablity)
- III. Zielstellung
- B. Aktienrechtliche Grenzen und Möglichkeiten
- I. Ausübungsmöglichkeiten gesetzlicher Aktionär:innenrechte
- 1. Teilnahmerecht, § 118 Abs. 1 AktG
- 2. Ausübung von Stimm-, Frage- und Rederecht, §§ 131 ff. AktG
- a) Das Stimmrecht, §§ 12, 133 ff. AktG
- b) Das Rederecht, §§ 131 ff. AktG
- c) Tagesordnungspunkte zur Thematisierung von Nachhaltigkeitsthemen
- aa. Jahresabschluss
- bb. Verwendung des Bilanzgewinns
- cc. Entlastung der Verwaltungsmitglieder, § 120 AktG
- dd. Say on pay
- ee. Wahlen zum Aufsichtsrat
- ff. Nicht regelmäßig aufgesetzte Tagesordnungspunkte
- c) Auskunftsrecht, § 131 AktG
- 3. Gegenanträge & Wahlvorschläge zu Beschlussvorschlägen der Verwaltung, §§ 131 ff. AktG
- 4. Sonderrechte
- a. Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung, § 122
- b. Tagesordnungsergänzungsverlangen, § 122 Abs. 2 AktG
- c. Bestellung eines Sonderprüfers, § 142 ff. AktG
- II. ,,Engagements\", Öffentlichkeitsarbeit und Shareholder Ligitation
- III. Allgemeine Grenzen des Aktionismus
- 1. Rechtsmissbrauch
- 2. Schädigungsverbot, § 117 AktG
- 3. Gesellschaftsrechtliche Treuepflicht
- I. Ausübungsmöglichkeiten gesetzlicher Aktionär:innenrechte
- C. Bewertung und Perspektive
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese wissenschaftliche Prüfungsarbeit befasst sich mit dem Phänomen des Shareholder Activism und beleuchtet dessen Möglichkeiten und Grenzen im Kontext von Nachhaltigkeit. Der Fokus liegt dabei auf den aktienrechtlichen Rahmenbedingungen und den Möglichkeiten, die Aktionär:innen haben, um ihre Interessen in Bezug auf Nachhaltigkeit im Unternehmen zu vertreten.
- Aktionär:innenrechte im Aktiengesetz
- Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die Nachhaltigkeitsstrategie von Unternehmen
- Grenzen des Shareholder Activism durch gesetzliche Vorgaben und Rechtsprechung
- Bedeutung von „Engagements“ und Öffentlichkeitsarbeit
- Bewertung der Rolle des Shareholder Activism im Kontext von nachhaltiger Unternehmensführung
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik des Shareholder Activism und der Nachhaltigkeit ein. Sie definiert die Begriffe und erläutert die Zielstellung der Arbeit.
Kapitel B analysiert die aktienrechtlichen Grenzen und Möglichkeiten des Shareholder Activism. Es werden die verschiedenen gesetzlich verankerten Aktionär:innenrechte im Aktiengesetz betrachtet, wie beispielsweise das Teilnahmerecht, das Stimm-, Frage- und Rederecht sowie das Auskunftsrecht. Darüber hinaus werden Sonderrechte wie die Einberufung einer außerordentlichen Hauptversammlung oder die Bestellung eines Sonderprüfers behandelt.
Kapitel II beleuchtet die Bedeutung von „Engagements“, Öffentlichkeitsarbeit und Shareholder Ligitation für das effektive Durchsetzen von Nachhaltigkeitsinteressen durch Aktionär:innen.
In Kapitel III werden allgemeine Grenzen des Shareholder Activism, wie Rechtsmissbrauch, Schädigungsverbot und die gesellschaftsrechtliche Treuepflicht, diskutiert.
Schlüsselwörter
Die Arbeit befasst sich mit den Themen Shareholder Activism, Nachhaltigkeit, Aktienrecht, Unternehmensrecht, Aktionär:innenrechte, Stimmrecht, Rederecht, Auskunftsrecht, „Engagements“, Öffentlichkeitsarbeit, Shareholder Ligitation, Rechtsmissbrauch, Schädigungsverbot, Gesellschaftsrechtliche Treuepflicht, Corporate Social Responsibility, ESG-Kriterien.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter "Shareholder Activism"?
Shareholder Activism bezeichnet die aktive Ausübung von Aktionärsrechten, um Einfluss auf die Strategie und Führung eines Unternehmens zu nehmen, oft mit Fokus auf Nachhaltigkeit.
Welche rechtlichen Mittel haben Aktionäre laut Aktiengesetz?
Dazu gehören das Stimmrecht, das Rederecht, das Auskunftsrecht (§ 131 AktG) sowie Sonderrechte wie das Verlangen nach einer außerordentlichen Hauptversammlung.
Wie können Nachhaltigkeitsthemen in der Hauptversammlung adressiert werden?
Aktionäre können Fragen zum Jahresabschluss stellen, Gegenanträge zu Beschlüssen der Verwaltung einreichen oder die Entlastung des Vorstands kritisch hinterfragen.
Wo liegen die Grenzen des Aktionärsaktivismus?
Die Grenzen werden durch das Verbot des Rechtsmissbrauchs, das Schädigungsverbot (§ 117 AktG) und die gesellschaftsrechtliche Treuepflicht gesetzt.
Was bedeutet "Say on Pay" im Kontext der Nachhaltigkeit?
Es bezeichnet das Mitspracherecht der Aktionäre bei der Vorstandsvergütung, wobei zunehmend gefordert wird, diese an Nachhaltigkeitsziele (ESG-Kriterien) zu koppeln.
- Quote paper
- Leon Köhler (Author), 2022, Aktienrechtliche Möglichkeiten und Grenzen eines Sustainable Shareholder Activism, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1382127