Die Liebschaften und Intrigen der Götter bilden einen thematischen Schwerpunkt innerhalb der 15 Bücher der „Metamorphosen“ des Ovid, das in der bildenden Kunst so häufig rezipierte Werk der römischen Antike. Oft diente Ovid den Künstlern jedoch nur als Ausgangspunkt für ihre ganz eigene Interpretation der Sagen und Geschichten aus dem Altertum. In der vorliegenden Arbeit soll die Episode von der Liebesgöttin Venus und dem Kriegsgott Mars im Vordergrund stehen, deren Affäre von dem Sonnengott Sol entdeckt, und von Venus Ehemann Vulkan gerächt wird. Der Hauptschwerpunkt der Arbeit soll dabei auf Tintorettos Gemälde „ Vulkan überrascht Venus und Mars“ liegen ( Jacopo Tintoretto: Vulkan überrascht Venus und Mars, Öl auf Leinwand, 135 x 198 cm, um 1550-1555, München, Alte Pinakothek). In der Italienischen Renaissance fand man vor allem zwei Aspekte dieser Geschichte erheiternd: Einmal das Thema zweier, miteinander konkurrierender Männer, ein verbotener Liebhaber und ein betrogener Ehemann, die um die Gunst einer schönen Frau wetteifern. Zum anderen das Thema der Konfrontation des tapferen, aber zugleich auch zornigen, unberechenbaren und mitunter auch bösartigen Gott, als Teil seiner kriegerischen Natur mit der sanften und schönen Göttin der Liebe. In der folgenden Arbeit werde ich zunächst eine genaue Bildbeschreibung des Gemäldes vornehmen, um es anschließend mit dem ovidschen Text vergleichen zu können. Dabei soll erläutert werden, inwieweit der Künstler sich mit seinem Werk an die literarische Vorlage hielt oder sich von ihr entfernt hat. Es wird auch berücksichtigt, welche anderen bildthematischen und literarischen Einflüsse möglicherweise bei der Entstehung des Gemäldes mitgewirkt haben. Im Anschluss werde ich zusammenfassend versuchen, herauszustellen wie Tintorettos Werk Ovids Textpassage interpretiert haben könnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Bildbeschreibung
2.1. Technische Daten und Nutzung
2. 2. Stellung im Werk des Künstlers
2.3.Thematische Erfassung
2.4. Die Beschreibung des Bildes
2.5. Die Bildkomposition
2.6. Farbe und Licht
3. Bild-Text-Vergleich
3.1. Inhaltsangabe „Venus und Mars“ in Ovids „Metamorphosen“ .und Bildlichkeit des Textes
3.2. Vergleich des Gemäldes mit der ovidschen Episode als Textgrundlage
3.3. Weitere mögliche literarische und bildthematische Einflüsse auf ,,,,Tintorettos Gemälde
4. Zusammenfassung: Wie interpretiert das Bild den Text?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Gemälde „Vulkan überrascht Venus und Mars“ von Jacopo Tintoretto im direkten Vergleich mit der literarischen Vorlage aus Ovids „Metamorphosen“. Dabei soll analysiert werden, inwieweit der Künstler die antike Erzählung in seiner zeitgenössischen Interpretation parodiert, verfremdet und in einen bühnenartigen, humoristischen Kontext überführt.
- Analyse der bildlichen Darstellung der Götter-Episode im Vergleich zur Ovid-Vorlage.
- Untersuchung der humoristischen und parodistischen Elemente in Tintorettos Werk.
- Rolle der venezianischen Poligrafi und zeitgenössischer Theaterkontexte für die Bilddeutung.
- Symbolische Bedeutung von Gegenständen wie Spiegel, Vase und der versteckten Figuren.
- Vergleich von Komposition, Lichteinfall und Raumwirkung mit der literarischen Vorlage.
Auszug aus dem Buch
2.4. Die Beschreibung des Bildes
Der Betrachter blickt von schräg oben in einen Raum hinein. Zeitgenössische Details erinnern an ein venezianisches Schlafgemach des 16. Jahrhunderts, das wohl dem Haushalt eines gehobenen Handwerkers entstammen könnte. In diesem, unaufgeräumt wirkenden Zimmer befinden sich insgesamt vier Personen.
Links im Vordergrund steht ein mit Schnitzereien verziertes Bett, an der Wand ist ein Fenster mit eingelassenen Butzenscheiben zu sehen, auf der Fensterbank steht eine gläserne Vase. Im Hintergrund befindet sich eine weitere Wand mit Fenstern und in der linken Bildhälfte ein Durchbruch, der in einen zweiten, dunkleren Raum zu führen scheint. Bei genauerem Hinsehen erkennt man dort einen gemauerten Ofen.
Der Vordergrund des Gemäldes wird von einer Frauenfigur bestimmt, die die linke, vordere Bildhälfte ausfüllt. Die fast vollkommen entblößte Gestalt liegt auf dem mit zerwühlten Laken bestückten Bett. Ihren rechten Arm hat sie auf einem fein bestickten, goldgewirkten Kissen abgestützt, mit ihrer linken Hand, die sich über ihrem Kopf befindet, versucht sie in einer scheinbar dynamischen, überrascht wirkenden Geste, ihren entblößten Oberkörper mit dem Ende eines fast transparent aussehenden Tuches, das unter ihrem Körper ausgebreitet ist, zu bedecken. Ihr Schoss ist für den Betrachter nicht sichtbar, da er mit dem anderen Ende der Draperie verhüllt ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Götterliebschaften bei Ovid ein und definiert Tintorettos Gemälde als Untersuchungsobjekt der Arbeit.
2. Bildbeschreibung: Dieses Kapitel bietet eine detaillierte technische und visuelle Analyse des Gemäldes, einschließlich Provenienz, Bildkomposition und Farbwirkung.
3. Bild-Text-Vergleich: Hier wird der Inhalt des Ovid-Textes mit Tintorettos Darstellung gegenübergestellt und um externe literarische sowie bildthematische Einflüsse ergänzt.
4. Zusammenfassung: Wie interpretiert das Bild den Text?: Das Fazit fasst zusammen, wie Tintoretto den antiken Mythos durch humoristische Überhöhung und Verortung in der Gegenwart parodistisch interpretiert.
Schlüsselwörter
Tintoretto, Ovid, Metamorphosen, Venus, Mars, Vulkan, Ehebruch, Renaissance, venezianische Malerei, Bildbeschreibung, Mythologie, Parodie, Bild-Text-Vergleich, Interieur, Spiegelmotiv
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Gemälde „Vulkan überrascht Venus und Mars“ des Künstlers Jacopo Tintoretto und dessen Bezug zum antiken Text der Metamorphosen von Ovid.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die bildliche Transformation eines mythologischen Stoffs, die zeitgenössische Interpretation antiker Göttermythen und die satirisch-moralische Aufladung durch den Künstler.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Tintoretto die literarische Vorlage bewusst verändert, um eine humorvolle und parodistische Wirkung zu erzielen, die das Antike-Ideal seiner Zeit kritisch hinterfragt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine kunsthistorische Analyse, die eine Bildbeschreibung mit einem vergleichenden Textvergleich (Iconology/Ikonographie) verbindet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Bildbeschreibung, einen systematischen Vergleich mit dem Ovid-Text sowie eine Analyse externer Einflüsse wie zeitgenössischer Kupferstiche und literarischer Gattungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie Tintoretto, Ovid, Ehebruch, Mythologie, Bildkomposition und venezianische Renaissance.
Welche Bedeutung hat das Spiegelmotiv im Gemälde?
Der Spiegel fungiert nicht nur als Requisit, sondern dient als komplexes Symbol für Täuschung, Betrug und Verrat, das den Betrachter aktiv in das Geschehen miteinbezieht.
Inwiefern spielt der Kontext der „Poligrafi“ eine Rolle für die Interpretation?
Die Freundschaft zu den Poligrafi deutet darauf hin, dass Tintoretto gezielt gegen tradierte Ideale der Patrizier verstieß, indem er antike Götter menschlich-lächerlich darstellte.
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- Julia Horn (Author), 2007, „Venus und Mars“ in Ovids Metamorphosen und Jacopo Tintorettos „Vulkan überrascht Venus und Mars“ , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137648