Die vorliegende Ausarbeitung befasst sich mit dem Phänomen der Wissensgesellschaft und seinen Auswirkungen auf die Individuen dieser Gesellschaftsform. Die Bedeutung der sozialen Um- und Aufbrüche für den Einzelnen werden am Bespiel der Karriere des Kompetenzbegriffs herausgearbeitet. Die neuen Anforderungen die sich aus dem modernen Gesellschaftskonzept ergeben, bedeuten gleichzeitig auch eine neue Aufgabenstellung an soziale Institutionen, was in einem zweiten Teil der Arbeit berücksichtigt wird. Die Arbeit leitet ein, mit einer kurzen Definition des Begriffs „Wissensgesellschaft“, wie er im vorliegenden Zusammenhang schwerpunktmäßig ausgelegt wird. Wissen und Wissenserwerb werden im gesellschaftlichen Kontext analysiert. Auf diese thematische Einführung folgt eine knappe kritische Auseinandersetzung mit dem Credo der Wissensgesellschaft, dem Modell des „Lebenslangen Lernens“. Von diesem Modell ausgehend, beschreibt das nächste Kapitel den zukünftigen Arbeitnehmer der Wissensgesellschaft sowie die Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt. An diesem Beispiel soll die neue Anforderungsstruktur an den Einzelnen konkretisiert und besser erfassbar werden. Nachdem diese ersten Abschnitte der Arbeit mehr eine Zustandsbeschreibung bzw. Zukunftsvision der wissensgesellschaftlichen Verhältnisse darstellen, befasst sich der folgende Teil mit den notwendigen Voraussetzungen um den geschilderten Anforderungen an die Individuen gerecht zu werden. Das Schlüsselwort ist die Kompetenz. Immer stärker werden statt konkreter Fähigkeiten, Basiskompetenzen vom Einzelnen erwartet, die ihn flexibel und omnipotent einsatzfähig machen. Am Beispiel der Lernkompetenz soll diese Entwicklung nachvollzogen werden. Der letzte Teil der Arbeit behandelt schließlich die Rolle der sozialen Institutionen „Bildungssystem“ sowie „Soziale Arbeit“ im Kontext der Wissensgesellschaft. Es wird deutlich, wie sich in dieser neuen Gesellschaftsform auch die Anforderungen an die Stützpfeiler der Gesellschaft ändern. Bildung und Soziale Arbeit müssen ihr Selbstverständnis den neuen Aufgaben anpassen, um in Zukunft nicht von den gesellschaftlichen Entwicklungen überholt zu werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Wissensgesellschaft
3. Lebenslanges Lernen: Das Bildungsprinzip der Wissensgesellschaft
4. Der Arbeitnehmer in der Wissensgesellschaft
5. Lernkompetenz für die Wissensgesellschaft
6. Bildung in der Wissensgesellschaft
7. Fazit - Perspektiven für die Soziale Arbeit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Wissensgesellschaft und deren tiefgreifende Auswirkungen auf die Individuen, insbesondere im Hinblick auf Arbeitsanforderungen und die notwendige Anpassung sozialer Institutionen. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert dabei auf die neuen Kompetenzanforderungen an den Einzelnen sowie die daraus resultierenden Implikationen für die Soziale Arbeit.
- Strukturelle Merkmale und Definition der Wissensgesellschaft
- Das Leitbild des „Lebenslangen Lernens“ und seine Ambivalenz
- Wandel des Arbeitnehmers zum „Arbeitskraftunternehmer“
- Bedeutung von Lernkompetenz und Selbststeuerung
- Neue Anforderungen an Bildungssystem und Soziale Arbeit
Auszug aus dem Buch
4. Der Arbeitnehmer in der Wissensgesellschaft
Ausgehend von der Leitidee des lebenslangen Lernens verändern sich auch die Bedingungen und Anforderungen der Wissensgesellschaft an den Arbeitnehmer.
Arbeit und Beruf haben einen zentralen und prägenden Stellenwert im Leben von Menschen, sowohl als Beitrag zur sozialen wie auch zur persönlichen Identität. Arbeit bedeutet in erster Linie finanzielle Sicherung, aber auch gesellschaftliche Einbindung und einen sozialen Status. Sie dient der persönlichen Sinnerfüllung und garantiert gesellschaftliche Anerkennung. Ein „normales“ Leben ist heute ein berufstätiges.
Die Beschäftigungsbiographien der Arbeitnehmer haben sich über die Jahrhunderte stark verändert. Die sozial ungeregelte, hochgradig ausgebeutete Arbeitskraft des proletarischen Lohnarbeiters im Zeitalter der Industrialisierung, wird abgelöst durch das für uns bis heute leitende Modell des stark sozialstaatlich regulierten und nur gedämpft ausgebeuteten Arbeitnehmers. Mit einem verstärkt zu beobachtenden Paradigmenwechsel in der Arbeitswelt, wandelt sich zugleich das Bild des Arbeiters und damit auch die Anforderungen an seine Arbeitsleistung.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in das Thema Wissensgesellschaft ein, erläutert die Relevanz des Kompetenzbegriffs und skizziert die methodische Untersuchung der gesellschaftlichen Auswirkungen auf Individuen und Institutionen.
2. Die Wissensgesellschaft: Dieses Kapitel definiert Wissen als zentrale Ressource der modernen Gesellschaft und analysiert den Wandel von produktionsorientierten zu wissensbasierten Strukturen.
3. Lebenslanges Lernen: Das Bildungsprinzip der Wissensgesellschaft: Es wird das Modell des lebenslangen Lernens als gesellschaftliches Leitbild beleuchtet und dessen ambivalenter Charakter zwischen individuellen Entwicklungschancen und zunehmender materieller Unsicherheit diskutiert.
4. Der Arbeitnehmer in der Wissensgesellschaft: Das Kapitel beschreibt den Wandel des Beschäftigten zum „Arbeitskraftunternehmer“, der durch Globalisierung und Individualisierung gezwungen ist, seine Arbeit eigenverantwortlich und effizient zu gestalten.
5. Lernkompetenz für die Wissensgesellschaft: Hier werden die Voraussetzungen für erfolgreiches Handeln thematisiert, wobei insbesondere die Lernkompetenz als Schlüsselqualifikation zur Bewältigung ständiger Wissenszuwächse herausgearbeitet wird.
6. Bildung in der Wissensgesellschaft: Es wird diskutiert, wie sich das Bildungssystem und die Rolle des Lehrenden verändern müssen, um selbstinitiierte Lernprozesse und Persönlichkeitsbildung zu fördern.
7. Fazit - Perspektiven für die Soziale Arbeit: Das Fazit zieht Bilanz über die veränderte Rolle der Sozialen Arbeit, die sich zunehmend weg von reiner Defizitverwaltung hin zu aktivierenden und kompetenzfördernden Ansätzen entwickeln muss.
Schlüsselwörter
Wissensgesellschaft, Lebenslanges Lernen, Arbeitnehmer, Kompetenz, Lernkompetenz, Selbststeuerung, Soziale Arbeit, Humankapital, Globalisierung, Individualisierung, Bildungssystem, Arbeitskraftunternehmer, Autonomie, Wissenszuwachs, Transformation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Wissensgesellschaft als neue Gesellschaftsform und deren Konsequenzen für die Individuen sowie die Anforderungen an soziale Institutionen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen das lebenslange Lernen, den Wandel der Arbeitswelt, die Bedeutung von Lernkompetenz sowie die Neuausrichtung der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, den Kompetenzbegriff im Kontext der Wissensgesellschaft zu erörtern und aufzuzeigen, welche neuen Anforderungen sich daraus für den Einzelnen und die Soziale Arbeit ergeben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse und Literaturarbeit, um die aktuellen gesellschaftlichen Veränderungen und bildungstheoretischen Konzepte kritisch zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die Definition der Wissensgesellschaft, die Bedeutung des lebenslangen Lernens, die veränderten Arbeitsanforderungen, die Notwendigkeit von Lernkompetenz und den Wandel pädagogischer Institutionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Wissensgesellschaft, lebenslanges Lernen, Arbeitskraftunternehmer, Selbststeuerung, Kompetenzförderung und Soziale Arbeit.
Wie verändert sich die Rolle der Sozialen Arbeit konkret?
Die Soziale Arbeit entwickelt sich weg von einer kontrollierenden Instanz hin zu einem beratenden, aktivierenden System, das Klienten zur Selbstsorge und Autonomie befähigt.
Was versteht die Autorin unter dem „Arbeitskraftunternehmer“?
Der Begriff beschreibt einen Arbeitnehmertypus, der seine Arbeitskraft eigenverantwortlich auf dem Markt anbietet, sich ständig neu qualifizieren muss und den eigenen Lebenszusammenhang unter Effizienzgesichtspunkten organisiert.
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- Martina Schwarting (Author), 2008, Wissensgesellschaft - Zwischen Flexibilität und Unsicherheit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/137335