Der Habitus eines Individuums ist vereinfacht gesagt das Wesen bzw. das Erscheinungsbild eines Menschen und ist geprägt von sozialisatorischen Erfahrungen, auf deren Grundlage der Habitus bestimmt, aber auch eingegrenzt wird. In Bezug auf das Sportsystem macht sich dieser durch bestimmte Verhaltensmuster, wie z.B. bei Präferenzen bezüglich einer Sportart, dem Sportverständnis oder spezieller Bewegungsmuster bemerkbar. Demzufolge wären dem Verhalten im Kontext des Sports bereits strukturierte Handlungsoptionen auferlegt, was zur Folge hätte, dass sich soziale Strukturen manifestieren und ein diverser und somit individueller Zugang zum Sport verwehrt bleibt.
Die Digitalisierung sozialer Interaktionen auf sozialen Medien bietet nun einen neuen, digitalen Interaktionsraum, der für die Betrachtung der Genese sportiver Habitus interessant ist. Da sich der Habitus durch sozialisatorische Prozesse stetig entwickelt und dem sozialen Raum sozialisatorische Potenziale zugeschrieben werden, stellt sich die vorliegende Forschungsfrage: "Welche Bedeutung spielen soziale Medien bei der Genese sportiver Habitus im Kontext ubiquitärer Individualisierungsprozesse? Eine literaturbasierte Erörterung unter Berücksichtigung systemtheoretischer Ansätze." Nach einem theoretischen Einstieg für das Verständnis der wichtigsten Theorien und Phänomene wurden anschließend mithilfe systemtheoretischer Perspektiven Zusammenhänge zwischen den Systemen Sport und soziale Medien, in denen sich der Habitus verhält, hergestellt und erörtert. Die technischen Voraussetzungen für habituelle Transformationen durch das Nutzen sozialer Medien sind grundsätzlich gegeben. Dass diese Potenziale realisiert werden unterliegt jedoch einem komplexen Zusammenspiel verschiedener Faktoren, das sowohl hemmende als auch fördernde Impulse bei der Transformation sportiver Habitus bereitstellt, sodass folglich entweder die Reproduktion oder eine Transformation des Habitus erfolgt.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einführung
- 1.1. Erkenntnisinteresse
- 1.2. Relevanzanspruch
- 1.3. Forschungsstand
- 1.4. Aufbau
- 2. Theoretischer Hintergrund
- 2.1. Definition (sportiver) Habitus
- 2.2. (System-) Theorien zur Individualisierung im Sport
- 2.2. Definition soziale Medien
- 2.3. Soziale Medien als Instrument der Individualisierung
- 2.4. Sport im Kontext sozialer Medien
- 3. Erörterung
- 3.1. Methodik
- 3.2. Analyse der Forschungsfrage
- 3.3. Einfluss sozialer Medien auf den sportiven Habitus
- 3.4. Störfaktoren
- 4. Schlussteil
- 4.1. Fazit
- 4.2. Ausblick
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Genese sportiver Habitus im Kontext von ubiquitären Individualisierungsprozessen. Die Forschungsfrage lautet: „Welche Bedeutung spielen soziale Medien bei der Genese sportiver Habitus im Kontext ubiquitärer Individualisierungsprozesse? Eine literaturbasierte Erörterung unter Berücksichtigung systemtheoretischer Ansätze."
- Definition und Bedeutung des (sportiven) Habitus
- Theorien zur Individualisierung im Sport
- Soziale Medien als Instrument der Individualisierung und Plattform für die Interaktion im Sport
- Einfluss sozialer Medien auf die Entwicklung des sportiven Habitus
- Störfaktoren und Herausforderungen bei der habituellen Transformation durch soziale Medien
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1: Einführung: Diese Einleitung stellt das Erkenntnisinteresse und den Relevanzanspruch der Arbeit vor. Außerdem werden der Forschungsstand und der Aufbau der Arbeit skizziert.
Kapitel 2: Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel definiert den Begriff des (sportiven) Habitus und erörtert systemtheoretische Ansätze zur Individualisierung im Sport. Es beleuchtet die Bedeutung sozialer Medien als Instrument der Individualisierung und untersucht die Interaktion zwischen Sport und sozialen Medien.
Kapitel 3: Erörterung: Hier werden die Methodik und die Analyse der Forschungsfrage erläutert. Es wird der Einfluss sozialer Medien auf den sportiven Habitus untersucht und potenzielle Störfaktoren identifiziert.
Schlüsselwörter
Sportlicher Habitus, Individualisierung, soziale Medien, Systemtheorie, Digitalisierung, Sportverhalten, Distinktion, Habitus-Transformation, Störfaktoren.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter einem „sportiven Habitus“?
Der sportive Habitus umfasst das Erscheinungsbild, die Vorlieben für bestimmte Sportarten und die Bewegungsmuster eines Menschen, geprägt durch soziale Erfahrungen.
Welchen Einfluss haben soziale Medien auf das Sportverhalten?
Soziale Medien bieten digitale Räume für Interaktion und Selbstdarstellung, die bestehende sportliche Identitäten entweder reproduzieren oder durch neue Vorbilder transformieren können.
Was bedeutet „ubiquitäre Individualisierung“ im Sport?
Es beschreibt den Trend, dass Sport zunehmend losgelöst von traditionellen Vereinsstrukturen und stattdessen nach individuellen Bedürfnissen und digitalen Trends betrieben wird.
Wie hilft die Systemtheorie bei der Analyse von Sport?
Die Systemtheorie betrachtet Sport und soziale Medien als eigenständige Systeme, deren Wechselwirkungen die Entwicklung des individuellen Habitus beeinflussen.
Gibt es Störfaktoren bei der habituellen Transformation?
Ja, soziale Herkunft, finanzielle Mittel und bestehende soziale Strukturen können die durch digitale Medien angestoßenen Veränderungen bremsen oder verhindern.
- Citar trabajo
- Hermann C. Hermsen (Autor), 2023, Die Bedeutung sozialer Medien bei der Genese sportiver Habitus im Kontext ubiquitärer Individualisierungsprozesse, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1370790