Die Schülerinnen und Schüler sollen die politischen Standpunkte von Abgeordneten während der Beratung des Antrages der Linken mit dem Titel: "Die deutschen Kolonialverbrechen im ehemaligen Deutsch-Südwestafrika als Völkermord anerkennen und wiedergutmachen.", die am 1. März 2012 im Bundestag gehalten wurden, vergleichen und unter Rückgriff auf ihr Vorwissen eine eigenständige Beurteilung des Sachverhaltes vornehmen.
Inhaltsverzeichnis
I. Lernziele
a) Groblernziel
b) Feinlernziele
II. Sachanalyse
III. Didaktische Analyse
a) Einordnung in den Lehrplan und Stellung des Stundenthemas in der Unterrichtsreihe
b) Bedeutsamkeit des Themas für die Schülerinnen und Schüler
c) Schwerpunktsetzung und didaktische Reduktion
IV. Methodische Analyse
V. Geplanter Stundenverlauf
VI. Geplantes Tafelbild
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit entwickelt einen Unterrichtsentwurf für die Oberstufe, dessen zentrales Ziel die Förderung der Urteilskompetenz im Kontext des deutschen Kolonialismus ist. Basierend auf der kontroversen parlamentarischen Debatte zur Anerkennung des Völkermords an den Herero und Nama im Jahr 1904/05, sollen Schülerinnen und Schüler lernen, historische Prozesse multiperspektivisch zu bewerten und die Verknüpfung zwischen kolonialer Geschichte und heutiger politischer Verantwortung zu reflektieren.
- Historische Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus in Deutsch-Südwestafrika.
- Analyse und Vergleich politischer Standpunkte zur Einstufung als Genozid.
- Förderung der historischen Urteilskompetenz durch fachwissenschaftliche Quellen.
- Reflektion über das koloniale Erbe in der modernen deutschen Gesellschaft.
- Didaktische Reduktion komplexer politischer Debatten für den Geschichtsunterricht.
Auszug aus dem Buch
Die Bewertung von Kolonialverbrechen
Die Bewertung dieser Situation wird sowohl in der Geschichtswissenschaft als auch in der Politik von unterschiedlichen Standpunkten aus betrachtet. Die Frage, ob die Niederschlagung des Aufstandes der Herero und Nama im Jahr 1904/05 in Deutsch-Südwestafrika als Genozid betrachtet werden kann, ist bis heute nicht vollends geklärt.
Der größte Teil der Historiker, darunter fallen unter anderem Bley, Eckert, Marx, Melber, Speitkamp, van der Heyden, Zeller und Zimmerer, sehen deutliche Züge eines Völkermords. Durch den von der Regierung eigens für die Niederschlagung dieses Aufstandes eingesetzten General Lothar von Trotha, der zweifelsohne eine Vernichtungspolitik gegenüber der Herero und Nama betrieb, sehen die oben genannten Parteien einen Beweis für Beteiligung der deutschen Regierung an einem Völkermord. Dennoch gibt es auch Historiker, die zu diesem Thema eine differenziertere Position einnehmen. Bartholomäus Grill – Afrika-Korrespondent der Zeitschrift „SPIEGEL“ nimmt dazu folgende Stellung ein: „Der Vorwurf eines unter seiner Regie durchgeführten Völkermordplans der Reichsregierung lässt sich ebenso wenig erhärten, wie die These [die z.B. von dem Hamburger Historiker Jürgen Zimmerer], dass Deutschland damals einen Sonderweg eingeschlagen habe, der in den Faschismus mündete und im Holocaust gipfelte."
Zusammenfassung der Kapitel
I. Lernziele: Definition der fachlichen und methodischen Kompetenzen, die durch die Unterrichtssequenz bei den Schülerinnen und Schülern erreicht werden sollen.
II. Sachanalyse: Zusammenfassung der wissenschaftlichen Debatte zur Einordnung des Herero-Aufstandes als Völkermord unter Einbeziehung konträrer Positionen aus historischer und politischer Perspektive.
III. Didaktische Analyse: Begründung der curricularen Einbindung des Themas und Darstellung der Relevanz für die Lebenswirklichkeit der Lernenden sowie Erläuterung der didaktischen Schwerpunktsetzung.
IV. Methodische Analyse: Darstellung des geplanten Unterrichtsverlaufs unter Verwendung der Methode der Problemorientierung und der Analyse politischer Reden zur Förderung der Kritikfähigkeit.
V. Geplanter Stundenverlauf: Übersichtliche tabellarische Aufarbeitung der einzelnen Unterrichtsphasen mit Angabe von Inhalten, Lernzielen und eingesetzten Medien.
VI. Geplantes Tafelbild: Strukturierte Gegenüberstellung der politischen Argumentationen im Bundestag als Grundlage für das von den Schülern zu formulierende Werturteil.
Schlüsselwörter
Postkolonialismus, Herero-Aufstand, Genozid, Deutsch-Südwestafrika, Kolonialismus, Lothar von Trotha, historische Urteilskompetenz, Geschichtsdidaktik, Erinnerungskultur, parlamentarische Debatte, Völkerrecht, Namiba, Menschenrechte, Multiperspektivität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit umfasst einen schulpraktischen Unterrichtsentwurf, der sich mit der Aufarbeitung des deutschen Kolonialismus in Namibia und der Frage nach der Einstufung des Herero-Aufstandes als Genozid beschäftigt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind der deutsche Kolonialismus, die völkerrechtliche Einordnung von Kriegsverbrechen im frühen 20. Jahrhundert und die heutige politische Verantwortung gegenüber Namibia.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist die Entwicklung von Urteilskompetenz bei Schülerinnen und Schülern, befähigt durch die multiperspektivische Analyse kontroverser politischer Standpunkte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Methode der Problemorientierung und die kritische Analyse politischer Primärquellen aus parlamentarischen Debatten.
Was bildet den inhaltlichen Kern des Hauptteils?
Im Hauptteil werden die unterschiedlichen Wahrnehmungen des Herero-Aufstandes in Wissenschaft und Politik gegenübergestellt, insbesondere durch Reden von Abgeordneten des Deutschen Bundestages.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Postkolonialismus, Genozid, historische Urteilskompetenz, Multiperspektivität und kollektive Erinnerung.
Wie gehen die beteiligten Politiker mit dem kolonialen Erbe um?
Die Arbeit zeigt ein Spannungsfeld zwischen offiziellen Entschuldigungen, bereits geleisteter Entwicklungshilfe und der Forderung einer expliziten Anerkennung als Völkermord auf.
Welche moderne Relevanz hat das Thema für die Schule?
Es verknüpft historische Fakten mit aktuellen Debatten um Multikulturalität, Menschenrechte und internationale diplomatische Beziehungen.
- Arbeit zitieren
- Nina-Sophie Bank (Autor:in), 2020, Die Niederschlagung des Herero-Aufstands. Ein Genozid? (Unterrichtsentwurf Postkolonialismus, Geschichte Leistungskurs Klasse 13), München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1368190