Diese Arbeit soll der Forschungsfrage nachgehen, welche Interventionsmaßnahmen im Unterricht dazu beitragen können, das Fähigkeitsselbstkonzept zu fördern und es positiv zu bestärken.
„Lesen macht mir total viel Spaß.“ oder „Rechnen kann ich gar nicht.“ Aussagen wie diese werden von Schülerinnen und Schülern häufig im unterrichtlichen Kontext getätigt. Die Vermittlung eines positiven Selbstbilds gilt dabei nicht nur in der Schule, sondern auch in der familiären Erziehung als ein sehr wichtiges Ziel. Laut Petermann, Niebank und Scheithauer zählt es schon in der frühesten Kindheit zu den wichtigsten Entwicklungsaufgaben des Kindes ein Wissen über die eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften zu erlangen. Nur so kann sich das Kind selbst einschätzen, sich fordern oder zurücknehmen.
Auch in der Schule ist es wichtig, dass Kinder ihre eigenen akademischen Fähigkeiten einschätzen und diese für sich selbst und ihre Leistung nutzen. In der Schule sammeln die Schülerinnen und Schüler täglich neue Erfahrungen, die diese Fähigkeiten und die eigene Einschätzung beeinflussen. Dabei kann an den oben genannten Aussagen bereits erahnt werden, dass eine positive Einschätzung der eigenen Fähigkeiten zum schulischen Erfolg mehr beiträgt als eine negative Einschätzung.
Inhaltsverzeichnis
1. Das Fähigkeitsselbstkonzept in der Grundschule
2. Das Fähigkeitsselbstkonzept als Determinante der schulischen Leistungsentwicklung
2.1 Begriffsbestimmung des (Fähigkeits-)Selbstkonzepts
2.2 Das Selbstkonzeptmodell nach Shavelson
2.3 Determinanten des Fähigkeitsselbstkonzepts
2.4 Die Entwicklung des Fähigkeitsselbstkonzepts
2.5 Die Bedeutung des Fähigkeitsselbstkonzepts in Bezug auf die Lern- und Leistungsentwicklung in der Grundschule
3. Attributionen
3.1 Begriffsbestimmung der Attribution
3.2 Die Attributionstheorie nach Weiner
3.3 Auswirkungen von Attributionen auf das Fähigkeitsselbstkonzept
4. Zwischenfazit
5. Beispielhafte Interventionen zur Stärkung des Fähigkeitsselbstkonzepts
5.1 Bezugsnormorientierung und Feedbackgestaltung
5.2 Unterrichtsklima und Stereotype-Threat
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, wie das schulische Fähigkeitsselbstkonzept definiert ist, welche Faktoren dessen Entwicklung beeinflussen und mit welchen pädagogischen Interventionsmaßnahmen Lehrkräfte dieses positiv stärken können, um die Lern- und Leistungsentwicklung von Grundschülern zu fördern.
- Grundlagen des Fähigkeitsselbstkonzepts und des Shavelson-Modells
- Die Rolle der Attributionstheorie nach Weiner
- Einfluss von Leistungsrückmeldungen und Bezugsnormen
- Bedeutung des Unterrichtsklimas und des Stereotype-Threat-Phänomens
- Praktische Implikationen für professionelles Lehrkraftverhalten
Auszug aus dem Buch
5.1 Bezugsnormorientierung und Feedbackgestaltung
Gerade hat die Lehrkraft die letzte Mathematikklausur zensiert verteilt. Alle Schülerinnen und Schüler gucken voller Spannung in ihr Heft. Bei einigen macht sich große Freude breit, andere wirken enttäuscht oder traurig. Mehrfach kommt unter den Lernenden die Frage auf: „Und was hast du?“. Dies ist eine typische Situation, die sich stark auf das Fähigkeitsselbstkonzept auswirken kann: Der Vergleich mit anderen. Zunächst soll gezeigt werden, wie es zu diesen Vergleichen kommt.
Ein Schüler hat zwölf Aufgaben in der letzten Lernzielkontrolle richtig gelöst. Eine Schülerin springt im Sportunterricht 2,10 Meter weit. Beide Resultate der Schülerinnen und Schüler können gut oder schlecht sein. Was jedoch hier deutlich wird ist, dass beide Leistungen ohne weitere Angaben nicht beurteilt werden können. Für diese Beurteilung werden Bezugsnormen benötigt, also Standards oder Vergleichsprozesse, anhand derer die Leistung gemessen werden kann (Dickhäuser & Rheinberg, 2003). In den vergangenen Kapiteln wurde bereits die hohe Bedeutung des Vergleichs als Determinante des, auch akademischen, Selbstkonzepts herausgestellt. Hier soll genauer auf die Bedeutung der Bezugsnormorientierung im Unterricht eingegangen werden.
Das Beurteilen der Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler zählt zu den wichtigsten Aufgaben der Lehrkräfte (Dickhäuser, Janke, Praetorius & Dresel, 2017). Wie jedoch oben gezeigt wurde, reicht es nicht aus, die Leistung alleine zu beurteilen, sondern diese muss immer in Verbindung mit einem Maßstab, einer Norm, gesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Das Fähigkeitsselbstkonzept in der Grundschule: Einleitung in die Relevanz eines positiven Selbstbildes für den schulischen Erfolg und Formulierung der Forschungsfrage.
2. Das Fähigkeitsselbstkonzept als Determinante der schulischen Leistungsentwicklung: Theoretische Herleitung des Selbstkonzeptbegriffs, des Shavelson-Modells sowie der Faktoren, die dessen Entwicklung im Grundschulalter prägen.
3. Attributionen: Erläuterung der Ursachenzuschreibung für Erfolg und Misserfolg nach Weiner und deren Wechselwirkung mit dem Fähigkeitsselbstkonzept.
4. Zwischenfazit: Zusammenfassende Betrachtung der theoretischen Zusammenhänge zwischen Selbstkonzept, Schulleistung und Attributionsstilen.
5. Beispielhafte Interventionen zur Stärkung des Fähigkeitsselbstkonzepts: Konkrete Darstellung pädagogischer Handlungsoptionen durch Bezugsnormorientierung sowie die Vermeidung von Stereotype-Threat-Effekten.
6. Fazit: Reflektion über die Bedeutung der Lehrkraftverantwortung und die Anwendung der Erkenntnisse im Unterrichtsalltag.
Schlüsselwörter
Fähigkeitsselbstkonzept, Grundschule, Attributionstheorie, Bezugsnormorientierung, Stereotype-Threat, Schulleistung, Lernmotivation, Shavelson-Modell, Leistungsrückmeldung, Unterrichtsklima, Personenwahrnehmung, Selbstwirksamkeit, Interventionsmaßnahmen, Identitätsbildung, Lehrkraftverhalten
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Bedeutung des Fähigkeitsselbstkonzepts bei Grundschulkindern und analysiert, wie dieses durch gezieltes pädagogisches Handeln positiv beeinflusst werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die theoretischen Grundlagen des Selbstkonzepts, die Rolle von Attributionen, die Bedeutung von Bezugsnormen bei der Leistungsbeurteilung sowie der Einfluss des Unterrichtsklimas.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Lehrer durch spezifische Interventionsmaßnahmen ein positives und stabiles Fähigkeitsselbstkonzept bei ihren Schülern fördern können.
Welche wissenschaftlichen Methoden finden Anwendung?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die aktuelle psychologische Theorien, Modelle und empirische Studien zusammenführt, um fundierte Handlungsempfehlungen für den Unterricht abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Begriffsbestimmung, die Analyse von Einflussfaktoren wie Attributionen und die Darstellung konkreter Interventionsmöglichkeiten im praktischen Unterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Fähigkeitsselbstkonzept, Bezugsnormorientierung, Stereotype-Threat, Attribution, Schulleistung und Selbstwirksamkeit.
Warum spielt die Bezugsnorm eine solch kritische Rolle?
Die Bezugsnorm bestimmt, woran ein Kind seinen Erfolg misst; besonders die soziale Bezugsnorm kann bei leistungsstärkerem Vergleich zu einem Abfall des Selbstkonzepts führen.
Wie kann eine Lehrkraft den "Stereotype Threat" im Mathematikunterricht abmildern?
Durch die Vermeidung geschlechtsspezifischer Gruppeneinteilungen, das Aufbrechen von Stereotypen im Unterrichtsgespräch und die Unterstützung durch gezielte Tipps anstelle von reinem sozialen Vergleich.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2022, Stärkung des Fähigkeitsselbstkonzepts in Bezug auf die Lern- und Leistungsentwicklung im schulischen Unterricht. Beispielhafte Interventionsmaßnahmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1366467