Über die jugendliche Ausdrucksweise oder vielmehr die Existenz von Jugendsprache wird seit Jahrzehnten hitzig diskutiert und debattiert. Laien und Sprachwissenschaftler und diejenigen, die sich dafür halten, liefern sich unerbittliche Kämpfe, wenn es um die Erforschung der jugendlichen Sprache geht. Es lassen sich die unterschiedlichsten Herangehensweisen und Methoden zur Erfassung von Jugendsprache feststellen, doch bislang scheint der bahnbrechende Erfolg in dieser Kontroverse auszubleiben. Die Medien, besonders Rundfunk und Fernsehen, stellen sich auf ihre jugendliche Zielgruppe ein und benutzen endmadige (besonders schlechte) Ausdrücke von denen sicherlich jeder Jugendliche Goldminen (Ohrenschmalz) und Hummeltitten (Gänsehaut) bekommt. Ein vorzeigbares Beispiel stellt Viva dar; die Moderatoren schmeißen mit phaten (sehr guten) Ausdrücken um sich, dass sich so mancher Erwachsene einfach nur noch fremdschämen möchte. Eine Erklärung in der Süddeutschen Zeitung ist bezeichnend für den Musikkanal, in dessen Programm der Zuschauer teils vergeblich auf die versprochene Musik wartet. „Der Musikkanal Viva präsentiert sich seinen jugendlichen Zuschauern geradezu als mediales Über-Ich: Wir sind euer Fernsehen, eure Sprache, eure Farben und eure Musik heißt es in einer Pressemappe.“ (SZ 2004)
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2008- Fiktion oder Realität?
2.1 Von abbitchen bis Erzeugerfraktion: Auswertung der Beispiele 1 bis 7
2.2 Von Erzeugerfraktion bis Laugenbrezel: Auswertung der Beispiele 7 bis 12
2.3 Von natsen bis Zipfelzwicker: Auswertung der Beispiele 14 bis 20
3. Fazit
4. Literaturangaben
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der in Jugendsprachwörterbüchern, speziell dem PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2008, dokumentierten Sprache und dem tatsächlichen Sprachgebrauch von Jugendlichen, um festzustellen, inwieweit diese Werke die sprachliche Realität widerspiegeln.
- Analyse der morphologischen Strukturen jugendsprachlicher Begriffe
- Empirische Überprüfung des Bekanntheitsgrades ausgewählter Begriffe
- Untersuchung der Bedeutungskonvergenz zwischen Wörterbuch und Jugendalltag
- Diskussion über regionale Einflüsse und die Funktion von Jugendsprache zur sozialen Abgrenzung
Auszug aus dem Buch
Bauarbeiterdekolletee (PONS Wtb.: 20)
Das Bauarbeiterdekolletee, das eine Hose meint, die viel freie Sicht auf den Po lässt, war weitestgehend unbekannt unter den jugendlichen Teilnehmern, nur fünf Personen waren mit der richtigen Bedeutung des Lexems vertraut. Die Erklärungen der Jugendlichen waren folgende: „Arschritze“, „Poritze“ und „Poritze guckt raus“. Eine Teilnehmerin nutzt das Wort für einen „allgemein tiefen Ausschnitt“.
Bei der Betrachtung des Wortes stellt man fest, dass es aus zwei eigenständigen Wörtern besteht und somit eine Komposition ist. „Ein zweiter Typus der Lexembildung ist die Komposition oder Zusammensetzung. Sie unterscheidet sich von der Lexembildung durch Derivation darin, dass bei ihr zwei lexikalische Morpheme, zumeist freie Morpheme (einfache oder bereits zu Komplexen ergänzte), zusammentreten, dass zwei Stämme zusammengekoppelt werden. […] Man unterscheidet nach semantischen Gesichtspunkten die Kopulativ-Komposition von der Determinativ-Komposition. […] Bei der Determinativ-Komposition zeigt das Resultat [hingegen] einen klaren Unterschied zwischen den zwei Teilen […] “ (Linke/ Nussbaumer/ Portmann 2004: 69ff.)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung beleuchtet die langjährige Diskussion um Jugendsprache, die Rolle der Medien und die Entstehung von Jugendsprachlexika, wobei die Forschungsrelevanz und der geschichtliche Kontext aufgezeigt werden.
2. PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2008- Fiktion oder Realität?: In diesem Kapitel wird die methodische Herangehensweise zur Überprüfung der Wörterbuchbegriffe durch eine Umfrage sowie die morphologische Einordnung der untersuchten Begriffe detailliert dargelegt.
2.1 Von abbitchen bis Erzeugerfraktion: Auswertung der Beispiele 1 bis 7: Dieses Kapitel analysiert anhand ausgewählter Beispiele linguistische Wortbildungsprozesse wie Derivation und Komposition und vergleicht sie mit den Umfrageergebnissen der Jugendlichen.
2.2 Von Erzeugerfraktion bis Laugenbrezel: Auswertung der Beispiele 7 bis 12: Hier erfolgt eine Untersuchung weiterer Begriffe hinsichtlich ihrer tatsächlichen Verwendung durch die Zielgruppe sowie ihrer semantischen Bedeutung im Kontext von Internet- und Jugendsprache.
2.3 Von natsen bis Zipfelzwicker: Auswertung der Beispiele 14 bis 20: Die Analyse schließt mit der Untersuchung der verbleibenden Begriffe ab, wobei insbesondere die Herausforderungen der morphologischen Zuordnung und die soziale Funktion der Sprache thematisiert werden.
3. Fazit: Das Fazit stellt die Diskrepanz zwischen der im Wörterbuch suggerierten Fiktion und der tatsächlichen sprachlichen Realität gegenüber und betont die Bedeutung von Sprachvarietäten.
4. Literaturangaben: Dieses Kapitel führt sämtliche verwendeten Quellen und weiterführende Literatur zur sprachwissenschaftlichen Fundierung der Arbeit auf.
Schlüsselwörter
Jugendsprache, PONS Wörterbuch, Morphologie, Wortbildung, Derivation, Komposition, Sprachwandel, Empirie, Sprachvarietät, Identität, Soziolinguistik, Jugendsprachforschung, Alltagssprache, Bedeutungskonvergenz, Neologismen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob das PONS Wörterbuch der Jugendsprache 2008 tatsächlich die aktuelle Sprache von Jugendlichen widerspiegelt oder ob es sich eher um eine fiktive Darstellung handelt.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die morphologische Analyse von jugendsprachlichen Begriffen sowie die empirische Überprüfung ihrer Bekanntheit und Anwendung durch Jugendliche.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, durch eine Befragung zu ermitteln, inwieweit die dokumentierten Begriffe mit dem realen Sprachgebrauch der Zielgruppe übereinstimmen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine linguistische Analyse von Wortbildungsprozessen (Morphologie) mit einer empirischen Befragung, um einen Abgleich zwischen Wörterbuchinhalten und tatsächlicher Sprachverwendung vorzunehmen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden insgesamt 20 Begriffe aus dem PONS Wörterbuch morphologisch analysiert und mittels der Umfrageergebnisse auf ihre Nutzung und Bedeutung innerhalb der Jugendgruppe hin überprüft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Jugendsprache, Wortbildung, Sprachrealität, Empirie, morphologische Struktur und soziolinguistische Abgrenzung.
Welche Rolle spielt die Region bei der Verwendung von Jugendsprache laut dieser Arbeit?
Die Autorin stellt fest, dass regionale Unterschiede einen signifikanten Einfluss auf den Wortschatz haben, was eine umfassende Erfassung der Jugendsprache durch ein einzelnes Wörterbuch erschwert.
Warum weichen viele Ergebnisse von der Bedeutung im Wörterbuch ab?
Die Abweichungen liegen oft in der regionalen Varietät begründet, aber auch in einer bewussten Abgrenzung der Jugendlichen sowie in der Dynamik, dass manche Begriffe im Alltag anders oder gar nicht verwendet werden.
- Arbeit zitieren
- Jeannette Nedoma (Autor:in), 2008, Jugendsprache , München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136361