In der Einleitung „Differenz und Geschlecht“ zum gleichnamigen Sammelband geben Brigitta Hauser-Schäublin und Birgitt Röttger-Rössler eingangs einen Rückblick auf die Entwicklung der feministischen Perspektiven in der Ethnologie. Diese kritische Auseinandersetzung mit den Theorien der Geschlechterforschung dient ihnen vor allem dazu, sich von den bisherigen Erklärungsmodellen abzugrenzen und die Position des, von ihnen selbst vertretenen, Differenzansatzes zu veranschaulichen. Entsprechend dieser Reihenfolge möchte auch ich zunächst auf die Entwicklung feministischer Perspektiven in der Ethnologie eingehen, um über die Distanzierung von feministischen Thesen in der Ethnologie, den Bogen zur Erläuterung des Differenzansatz zu spannen.
Gemäß Hauser-Schäublins und Röttger-Rösslers Ausführungen entwickelte sich die ethnologischen Geschlechterforschung, ähnlich der Wandlung in Politik-, Kunst- oder Naturwissenschaften, von einem übergreifend geltenden Erklärungsmodel für Geschlechterrelationen, hin zu unterschiedlichen, im Widerspruch zueinander stehenden Erklärungsentwürfen, welche nur noch partikuläre Gültigkeit besitzen. Die Autorinnen sehen zwar den Ursprung der Geschlechterforschung in den „politisch motivierten Frauenbewegung westlicher Industriestaaten“, weisen jedoch explizit darauf hin, dass sich die Verbindung zwischen Geschlechterforschung und politischer Frauenbewegung zwar nicht vollends gelöst, zumindest jedoch gelockert habe.
Inhaltsverzeichnis
- Entwicklung feministischer Perspektiven in der Ethnologie
- Entstehung der „Anthropology of Women“
- Die These der universalen Dominanz des männlichen Geschlechts
- Kritik an der These der universalen Dominanz des männlichen Geschlechts
- Problematisierung des Begriffs „Geschlecht“
- Die Diskussion um Differenz
- Die Infragestellung der universellen Kategorie „Frau“
- Feministische Ansätze in der Anthropology of Women
- Der Differenzansatz
- Differenz zwischen den Geschlechtern (differences between)
- Differenz innerhalb der Geschlechter (differences within)
- Differenz innerhalb von Individuen
- Schluss
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Das Referat beleuchtet die Entwicklung feministischer Perspektiven in der Ethnologie und widmet sich insbesondere dem Differenzansatz. Es geht darum, die kritische Auseinandersetzung mit traditionellen Erklärungsmodellen für Geschlechterrelationen aufzuzeigen und die Position des Differenzansatzes zu veranschaulichen.
- Entwicklung der feministischen Perspektiven in der Ethnologie
- Kritik am „male bias“ und die Entstehung der „Anthropology of Women“
- Die These der universalen Dominanz des männlichen Geschlechts
- Die Diskussion um Differenz und die Infragestellung der Kategorie „Frau“
- Der Differenzansatz und seine verschiedenen Ebenen
Zusammenfassung der Kapitel
Entwicklung feministischer Perspektiven in der Ethnologie
Dieser Abschnitt beleuchtet die Entstehung der „Anthropology of Women“ als Reaktion auf den „male bias“ in der traditionellen Ethnologie. Die Kritik an der männlich verzerrten Perspektive und die Forderung nach einer stärkeren Berücksichtigung von Frauenperspektiven in der Forschung werden erläutert.
Die These der universalen Dominanz des männlichen Geschlechts
Hier wird die These der universalen Dominanz des männlichen Geschlechts, die in frühen feministischen Ansätzen der Ethnologie vertreten wurde, vorgestellt. Die Autorinnen diskutieren die Grundannahme, dass Frauen weltweit unterdrückt werden, und die damit einhergehende Suche nach einer umfassenden Erklärung für die Geschlechtersymmetrie.
Schlüsselwörter
Die zentralen Themen des Referats sind die Entwicklung feministischer Perspektiven in der Ethnologie, die Kritik am „male bias“, die These der universalen Dominanz des männlichen Geschlechts, die Diskussion um Differenz und die verschiedenen Ebenen des Differenzansatzes. Wichtige Begriffe sind „Anthropology of Women“, „Geschlechterrelationen“, „Differenzansatz“, „female bias“, „Geschlechterverhältnisse“, „Geschlechterforschung“, „feministische Perspektiven“ und „Ethnologie“.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das Hauptthema von „Differenz und Geschlecht“?
Das Dokument behandelt die Entwicklung feministischer Perspektiven in der Ethnologie und setzt sich kritisch mit bisherigen Erklärungsmodellen für Geschlechterrelationen auseinander, wobei der Fokus auf dem Differenzansatz liegt.
Was wird unter dem Begriff „Anthropology of Women“ verstanden?
Die „Anthropology of Women“ entstand als Reaktion auf den sogenannten „male bias“ in der traditionellen Ethnologie, um die Perspektiven von Frauen in der Forschung stärker zu berücksichtigen.
Was kritisiert der Differenzansatz in der Geschlechterforschung?
Der Differenzansatz stellt die universelle Kategorie „Frau“ infrage und untersucht stattdessen Differenzen zwischen den Geschlechtern, innerhalb der Geschlechter sowie innerhalb von Individuen.
Welche Rolle spielt die politische Frauenbewegung laut Hauser-Schäublin und Röttger-Rössler?
Die Autorinnen sehen den Ursprung der Geschlechterforschung zwar in der politisch motivierten Frauenbewegung, weisen jedoch darauf hin, dass sich die Verbindung zwischen Forschung und Politik mittlerweile gelockert hat.
Was besagt die These der universalen Dominanz des männlichen Geschlechts?
Diese frühe feministische These ging davon aus, dass Frauen weltweit unterdrückt werden, und suchte nach einer umfassenden Erklärung für diese globale Geschlechterasymmetrie.
- Arbeit zitieren
- Bisrat Wolday (Autor:in), 2003, Differenz und Geschlecht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13611