Laut einer Studie der Marktforschungsunternehmen Forrester Research und Durlacher Corporation Plc. steigt der Business-to-Business (B2B) Umsatz stark an1. Damit diese beeindruckende Entwicklung weiter anhält, müssen Lösungen eingesetzt werden, die Kommunikationsprozesse zwischen Geschäftspartnern fördern und effizient machen. Eine große Herausforderung ist dabei der zwischenbetriebliche, weil grenzüber-schreitende Austausch von Geschäftsdokumenten. Über diese Grenzen hinweg müssen Prozesse koordiniert und automatisiert werden. Ziel der Unternehmen ist es die Effizienz und Qualität der Prozesse zu steigern und die Kosten zu senken.
Eine Möglichkeit wie dies zu erreichen ist, ist die Vernetzung der Anwendungs¬systeme in den Unternehmen um Geschäftsprozesse über die Unternehmensgrenzen hinweg zu automatisieren. Kundenanfragen, Angebot, Auftrag, Lieferung, und Rechnung stellen viele Geschäftsdokumente dar, jedes dieser einzelnen Dokumente wird bei einem Wechsel des Anwendungssystems wieder neu erfasst, obwohl sie inhaltlich gleich sind. Solche Medienbrüche sind sehr unwirtschaftlich und fehler¬behaftet. Deshalb kann aus einer automatischen elektronischen Weitergabe und Verarbeitung der Dokumente und Daten Vorteile gezogen werden.
Um den bei der Abwicklung dieser Transaktionen entstehenden Koordinations¬aufwand zu verringern haben es sich zahlreiche Initiativen und Unternehmens¬kooperationen zur Aufgabe gemacht, Standards zu entwickeln, die Interoperabilität herstellen. Diese unterscheiden sich bezüglich ihres Ansatzes und ihres funktionalen Umfangs. Im Folgenden werde ich die verschiedenen Standards kurz vorstellen und auf in der Praxis erfolgreiche Lösungen eingehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Grundlagen und Begriffe
2.1 Medienbruch
2.2 Abgrenzung E-Business und E-Commerce
2.3 Anforderungen an E-Commerce
3 Standards im E-Commerce
3.1 Electronic Data Interchange (EDI)
3.2 Extensible Markup Language (XML)
3.2.1 SOAP
3.2.2 XML Common Business Library (xCBL)
4 In der Praxis eingesetzte Lösungen
4.1 SWIFT
4.2 UN/EDIFACT
4.3 RosettaNET
4.4 BMEcat und openTRANS
4.5 Electronic Business XML (ebXML)
4.6 Web Services und SOA
4.6.1 SOAP
4.6.2 WSDL
4.6.3 UDDI
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht Möglichkeiten zur Vermeidung von Medienbrüchen in grenzüberschreitenden Geschäftstransaktionen durch den Einsatz standardisierter elektronischer Datenaustauschverfahren. Das primäre Ziel ist es, durch die Analyse etablierter Standards und Technologien aufzuzeigen, wie die Effizienz gesteigert, Fehler reduziert und Prozesse zwischen Unternehmen automatisiert werden können.
- Grundlagen und Definitionen von Medienbrüchen sowie die Abgrenzung von E-Business und E-Commerce.
- Analyse klassischer EDI-Standards im Vergleich zu moderneren XML-basierten Lösungsansätzen.
- Detaillierte Betrachtung praxisrelevanter Lösungen wie SWIFT, UN/EDIFACT, RosettaNet und ebXML.
- Grundlagen der serviceorientierten Architektur (SOA) und der Einsatz von Web Services.
Auszug aus dem Buch
4.1 SWIFT
SWIFT steht für "Society for Worldwide Interbank Financial Telecommunications". Dabei hat SWIFT eine doppelte Bedeutung, zum einen steht SWIFT für den Namen der Gesellschaft die für Telekommunikation zwischen Banken weltweit sorgt, zum anderen wird SWIFT auch umgangssprachlich für das Netzwerk bzw. Standard zum elektronischem Datenaustausch zwischen Banken benutzt.
Über SWIFT werden also Nachrichten oder besser Transaktionen im Bankenumfeld ausgetauscht. Inhalt dieser Transaktionen sind zum Beispiel Überweisungsaufträge oder Wertpapier- und Devisenhandelsgeschäfte. Anfang 2005 gab es knapp 7500 Benutzer in 202 Ländern, die sich untereinander 9 Millionen Nachrichten am Tag schickten.
Dabei bietet SWIFT nicht nur den Standard wie diese Nachrichten aufgebaut sind sondern stellt auch die notwendige sichere Infrastruktur in Form eines Netzes zur Verfügung. Zu diesem Zweck betreibt SWIFT ein weltweites Leitungsnetz und zwei redundante Rechenzentren, OPC oder Operating Center genannt, in Europa und USA.
SWIFT basiert grundsätzlich auf dem EDI Standard. Zwischen den Teilnehmern wurden Vereinbarungen getroffen wie die auszutauschenden Daten (Nachrichten) aufgebaut sein sollen (Syntax) und welche Bedeutung einzelne Segmente haben (Semantik).
Jeder SWIFT-Teilnehmer hat eine eindeutige Kennung, den sogenannten BIC (Bank Identifier Code). Dieser hat 8 oder 11 Stellen und ist wie folgt aufgebaut:
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Bedeutung des B2B-Umsatzes und die Notwendigkeit, durch die Vermeidung von Medienbrüchen die Effizienz grenzüberschreitender Geschäftsprozesse zu steigern.
2 Grundlagen und Begriffe: Dieses Kapitel definiert den Begriff des Medienbruchs, grenzt E-Business von E-Commerce ab und erläutert die zentralen Anforderungen an integrierte E-Commerce-Prozesse.
3 Standards im E-Commerce: Es erfolgt eine Einführung in EDI als Basis der elektronischen Übertragung sowie die Erläuterung von XML als moderne, flexible Metasprache für den Datenaustausch.
4 In der Praxis eingesetzte Lösungen: Dieses Hauptkapitel bietet einen Überblick über verschiedene technologische Lösungen wie SWIFT, UN/EDIFACT, RosettaNet, BMEcat, openTRANS, ebXML sowie Web Services in einer SOA-Umgebung.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Entwicklung von EDI zu XML zusammen, bewertet die Vor- und Nachteile der verschiedenen Standards und betont den anhaltenden Bedarf an einheitlichen branchenübergreifenden Lösungen.
Schlüsselwörter
Medienbruch, E-Business, E-Commerce, Datenaustausch, EDI, XML, Geschäftsprozess, Automatisierung, Interoperabilität, SWIFT, UN/EDIFACT, RosettaNet, Web Services, SOA, Standardisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Vermeidung von sogenannten Medienbrüchen in grenzüberschreitenden Geschäftstransaktionen und analysiert, wie moderne IT-Standards die elektronische Zusammenarbeit zwischen Unternehmen effizienter gestalten.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themen sind der elektronische Datenaustausch (EDI), die Metasprache XML, verschiedene branchenspezifische und -neutrale Standards sowie die serviceorientierte Architektur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Leser über existierende Standards zu informieren, die dazu beitragen, den manuellen Aufwand beim Austausch von Geschäftsdokumenten zu reduzieren und dadurch Kosten zu senken.
Welche wissenschaftliche Methode liegt zugrunde?
Die Arbeit basiert primär auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die den aktuellen Stand der Technik und verschiedene Lösungsansätze für den elektronischen Geschäftsverkehr zusammenfasst.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil widmet sich einer detaillierten Vorstellung praktischer Lösungen, angefangen bei Finanzstandards wie SWIFT bis hin zu XML-basierten Frameworks wie ebXML und dem Konzept der Web Services.
Was charakterisiert die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch einen klaren Fokus auf die technologische Interoperabilität und die praktische Relevanz elektronischer Standards zur Prozessoptimierung aus.
Wie unterscheidet sich EDI von XML im Kontext dieser Arbeit?
Während EDI als klassischer, aber komplexer Standard für den strukturierten Datenaustausch beschrieben wird, bietet XML eine flexiblere, für Menschen lesbare und plattformunabhängige Basis für moderne Anwendungen.
Warum ist das Fazit für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) relevant?
Die Arbeit hebt hervor, dass die Reduzierung von Medienbrüchen gerade für KMUs von hoher Bedeutung ist, da sie zur signifikanten Kostensenkung und Wettbewerbsfähigkeit beitragen kann.
- Quote paper
- Murat Ertugrul (Author), 2009, Vermeidung von Medienbrüchen bei grenzüberschreitenden Transaktionen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136032