„Ja, ich will“. In diesen Worten wird auch heutzutage mitunter der größte Liebesbeweis gesehen, den sich ein Paar geben kann. Pflegt man schließlich hiermit, das bereits bestehende Zusammengehörigkeitsgefühl noch fester zu binden. Der Gang vor den Traualtar mag somit zuvorderst aus Gründen der Liebe geschehen. Doch das Versprechen alt miteinander zu werden, setzt nicht nur auf immaterielle Werte, sondern bezieht gleichfalls materielle ein. Die gegenseitige Hilfe in guten wie in schlechten Zeiten, im Heute wie im Morgen erstreckt sich daher nicht nur auf die der körperlichen und der seelischen. Ebenso umfasst sie die der finanziellen Absicherung. Und ist der Punkt der Finanzen erst einmal erreicht, ist es nicht mehr weit, bis sich die Frage um die Besteuerung dreht.
Jenem Drehen soll diese Seminararbeit an Schwung nehmen und die aktuelle Situation der Besteuerung von Eheleuten in Deutschland nachvollziehbar abbilden. Hierfür ist es von Nöten zunächst die Grundlagen des deutschen Einkommensteuersystems nachzuzeichnen. Ferner muss ein Verständnis um die Geschichte der deutschen Ehegattenbesteuerung aufgebaut werden. Allerdings nicht nur um zu erkennen von wo sie gekommen ist und welche Wege sie genommen hat, sondern vor allem um entscheiden zu können, welche Richtung sie zukünftig einschlagen soll. Diesen Aspekten geht Kapitel 2 nach.
In Kapitel 3 werden die ökonomischen Auswirkungen der aktuellen Besteuerung von Ehepaaren untersucht. Das Hauptaugenmerk richtet sich dabei auf die durch das Besteuerungsverfahren gesetzten Anreize. Speziell wie diese Einfluss auf die Entscheidung der innerehelichen Arbeitsteilung nehmen, wird hier diskutiert. Neben den theoretischen Ausführungen kommt aber auch die Praxis zur Sprache. Mit fundiertem Zahlenmaterial wird überprüft, inwieweit sich die Realität in Deutschland der Theorie verbunden fühlt.
Das sich daran anschließende Kapitel 4 stellt einige der im Umlauf befindlichen Vorschläge zur Reformierung der aktuellen Ehegattenbesteuerung vor. Wie im vorangegangenen Kapitel soll auch hier der Fokus auf den Anreizen liegen, die die Arbeitsteilung in der Ehe beeinträchtigen. Darauf aufbauend wird ein innerdeutscher Vergleich durchgeführt, welcher aufgrund der differierenden Steuersysteme der BRD und der ehemaligen DDR gezogen werden kann.
In der Schlussbetrachtung werden zu guter Letzt die wichtigsten Aussagen kurz und prägnant zusammengefasst, bevor diese Seminararbeit mit einem Fazit beendet wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Grundlagen zur Ehegattenbesteuerung in Deutschland
2.1. Das Einkommensteuersystem im Jahr 2009
2.2. Von der Haushaltungsbesteuerung zum Ehegattensplitting
3. Das Ehegattensplitting und seine ökonomischen Auswirkungen
3.1. Der Splittingeffekt
3.2. Die Begünstigung der Hausfrauenehe
3.3. Das Ehegattensplitting und die Realität in Deutschland
4. Die Reformvorschläge und Deutschland im Vergleich
4.1. Das Familiensplitting
4.2. Das Realsplitting
4.3. Die Individualbesteuerung
4.4. Deutschland vs. Deutschland
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit untersucht die ökonomischen Auswirkungen der Ehegattenbesteuerung in Deutschland, insbesondere das Ehegattensplitting, und analysiert dessen Anreizstrukturen hinsichtlich der innerfamiliären Arbeitsteilung und der Erwerbsbeteiligung von Frauen.
- Grundlagen des deutschen Einkommensteuersystems
- Analyse des Ehegattensplittings und des Splittingeffekts
- Einfluss der Besteuerung auf die Arbeitsteilung in der Ehe
- Vergleich historischer und aktueller Reformvorschläge
- Empirischer Vergleich der Erwerbssituation in West- und Ostdeutschland
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Splittingeffekt
Dieser Effekt resultiert zum Einen aufgrund der zweifachen Anwendung des Steuertarifes und der damit verbundenen doppelten Berücksichtigung des Abzugsbetrages. Dadurch wird die Wirkung der Progression gestreckt, weswegen es zu einer geringeren Steuerbelastung für Ehegatten kommen kann (Bundesministerium der Finanzen, 2005, S. 60). Nehmen wir an, dass unser Vorzeigepärchen unverheiratet ist und Peer die gesamten 79.000 € verdient. Peer würde damit in die 1. obere Proportionalzone fallen und könnte von seinem Steuerbetrag 8.064 € abziehen. Da Angela kein Einkommen hat, gilt es bei ihr auch nichts zu versteuern. Die Höhe der Steuerschuld entspräche 25.116 €.
Heiraten nun beide, würde das Einkommen beiden hälftig zugerechnet und versteuert werden. Dadurch kommt der zuvor ungenutzte Abzugsbetrag von Angela zur Geltung. Die Einkommensteuer würde 17.830 € betragen. Der Splittingeffekt ergebe in diesem Fall aber nicht die 90 €, sondern 7.286 €. Der zweite Grund für diesen Effekt ist daher von der Einkommensverteilung zwischen den beiden Ehepartnern abhängig.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Relevanz der Ehegattenbesteuerung ein und skizziert den Aufbau der Untersuchung von den Grundlagen bis zu Reformvorschlägen.
2. Die Grundlagen zur Ehegattenbesteuerung in Deutschland: Dieses Kapitel erläutert das deutsche Einkommensteuersystem des Jahres 2009 sowie die historische Entwicklung von der Haushaltsbesteuerung hin zum Ehegattensplitting.
3. Das Ehegattensplitting und seine ökonomischen Auswirkungen: Es werden die Wirkungsweise des Splittingeffekts und dessen Anreizwirkungen auf die Aufgabenteilung in der Ehe sowie die Erwerbsbeteiligung analysiert.
4. Die Reformvorschläge und Deutschland im Vergleich: Dieser Teil diskutiert verschiedene Reformmodelle wie Familiensplitting oder Individualbesteuerung und vergleicht die unterschiedlichen Erwerbssituationen in West- und Ostdeutschland.
5. Schlussbetrachtung: Das Kapitel fasst die wesentlichen Ergebnisse zusammen und ordnet das Ehegattensplitting in den größeren Kontext familienpolitischer Rahmenbedingungen ein.
Schlüsselwörter
Ehegattenbesteuerung, Ehegattensplitting, Einkommensteuer, Splittingeffekt, Hausfrauenehe, Erwerbsbeteiligung, Familiensplitting, Individualbesteuerung, Haushaltsbesteuerung, Progression, Arbeitsteilung, Deutschland, Ost-West-Vergleich, Kinderbetreuung, Steuergerechtigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ökonomischen Aspekte und Auswirkungen des deutschen Ehegattensplittings auf die Steuerlast von Paaren und deren Erwerbsentscheidungen.
Welches sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die theoretischen Grundlagen des Einkommensteuersystems, die Anreizstrukturen für die Arbeitsteilung innerhalb der Ehe und der Einfluss der Besteuerung auf die Erwerbsbeteiligung von Frauen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es, die aktuelle Situation der Ehegattenbesteuerung abzubilden und zu untersuchen, inwiefern das Splittingverfahren die Entscheidung zur innerfamiliären Arbeitsteilung beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden steuerrechtliche Grundlagen analysiert, mikroökonometrische Befunde aus der Literatur ausgewertet und anhand von Beispielrechnungen für ein Ehepaar die Auswirkungen verschiedener Veranlagungsarten illustriert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Mechanismus des Splittingeffekts, dessen Begünstigung der Hausfrauenehe und die daraus resultierenden negativen Anreize für die Erwerbstätigkeit von Ehefrauen detailliert untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich maßgeblich durch Begriffe wie Ehegattensplitting, Splittingeffekt, Erwerbsbeteiligung, Steuergerechtigkeit und Progressionszonen beschreiben.
Warum wird das Ehegattensplitting als "Ehestrafsteuer" kritisiert?
Historisch gesehen entstand dieser Begriff, weil bei zunehmender Erwerbstätigkeit von Ehefrauen die progressive Einkommensteuer zu einer Mehrbelastung führen konnte, sofern beide Partner in den höheren Progressionsstufen veranlagt wurden.
Welchen Einfluss hat das Ehegattensplitting auf die "Hold-up-Situation"?
Theoretisch fördert die Spezialisierung auf Hausarbeit durch das Splitting eine Abhängigkeit des weniger verdienenden Partners, da bei einer Scheidung das in der Ehe erworbene, haushaltsspezifische Humankapital am Arbeitsmarkt schwer verwertbar ist.
Wie unterscheidet sich die Situation in Ost- und Westdeutschland?
Durch die historisch bedingte Individualbesteuerung in der ehemaligen DDR zeigen sich bis heute Unterschiede in der Erwerbsbeteiligung, insbesondere bei Müttern, wobei das Angebot an Kinderbetreuung in Westdeutschland eine entscheidende Rolle spielt.
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- Marco Theiling (Author), 2009, Die Besteuerung von verheirateten Paaren in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135802