Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, wie die im Nachkriegszeitraum aufkommende sexuelle Liberalität bzw. das erstarkende Selbstbewusstsein der Frauen den männlichen Sittlichkeitsvorstellungen unterworfen wurde. Durch starke Verluste während des zweiten Weltkrieges und einer großen Anzahl von Kriegsgefangenen deutschen Soldaten, waren die in Deutschland befindlichen Frauen gezwungen, selbstständig und ohne Hilfe des Ehemannes für den Lebensunterhalt der Familie zu sorgen und den Widrigkeiten der Nachkriegsjahre zu trotzen. Dies führte zu einer steigenden Unabhängigkeit und einem wachsenden Selbstbewusstsein, welches jedoch alsbald den Vorstellungen des Mannes untergeordnet wurde.
Zur Beantwortung der Frage soll hierfür zunächst eine nähere Beschreibung des Begriffes der Sittlichkeit erfolgen, bevor daraufhin in Kapitel 2 dieser Arbeit der konkrete Zeitraum zwischen 1945-1949 betrachtet wird. Dabei wird zunächst das Eheleben damaliger Paare näher erläutert und der Umstand beschrieben, unter welch hastigen Bedingungen im Zuge des Krieges Ehen geschlossen wurden. Darauffolgend thematisiert dieser Abschnitt, mit welchen Widrigkeiten sich die Ehefrauen während der Abwesenheit des Mannes auseinandersetzen mussten sowie mit dem Konfliktpotenzial, welches die Heimkehr des Mannes aus dem Krieg und die beanspruchte Stellung als Familienoberhaupt mit sich brachte.
Der darauffolgende Abschnitt thematisiert den medialen Einfluss, konkret von Zeitschriften wie z.B. "Constanze", Musikstücken der damaligen Zeit, aber auch Film und Literatur, auf das erstarkende Selbstbewusstsein der Frauen. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem Umgang mit der Sehnsucht nach Liebe bzw. des Verlangens der Befriedigung von sexuellen Bedürfnissen. Gegenstand der Thematisierung ist zugleich auch der Eingang von (sexuellen) Liebesbeziehungen deutscher Frauen mit amerikanischen, in Deutschland stationierten, Soldaten sowie das vermehrte Auftreten sexuell übertragbarer Krankheiten.
Der Thematisierung von sexueller und körperlicher Gewalt, die Frauen in den Nachkriegsjahren erleiden mussten, folgt die Auseinandersetzung und Beschreibung von drei maßgeblichen Punkten, die dazu führten, dass die bestehende Unabhängigkeit der Frau abnahm und die Sittlichkeitsvorstellungen des sich in der Unterzahl befindenden Mannes weitestgehend durchgesetzt wurden. Die Arbeit schließt mit einem zusammenfassenden Fazit sowie der Beantwortung der eingangs aufgestellten Frage.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Der Begriff der Sittlichkeit
- Die Trümmerzeit
- Das Eheleben
- Mediale Einflüsse
- Sexueller Missbrauch
- Die Rückeroberung durch den Mann
- Fazit
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit analysiert, wie die wachsende sexuelle Liberalität und das steigende Selbstbewusstsein von Frauen im Nachkriegsdeutschland (1945-1949) den männlichen Sittlichkeitsvorstellungen gegenüberstanden. Im Zentrum der Untersuchung steht die Frage, wie diese Veränderungen im Kontext der Trümmerzeit die Geschlechterrollen und das Eheleben beeinflussten.
- Der Wandel des Sittlichkeitsbegriffs im Nachkriegsdeutschland
- Das Eheleben in der Trümmerzeit und die Herausforderungen des Wiederaufbaus
- Die Rolle der Medien und ihre Einflüsse auf die sexuelle Moral und das Selbstverständnis von Frauen
- Der Kampf um die Durchsetzung männlicher Sittlichkeitsvorstellungen und die Unterdrückung weiblicher Selbstständigkeit
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in das Thema ein und erläutert die Forschungsfrage. Kapitel 1 beleuchtet den Begriff der Sittlichkeit und seine Bedeutung im Kontext der Nachkriegszeit. Kapitel 2 untersucht die "Trümmerzeit" von 1945 bis 1949 und analysiert das Eheleben unter den schwierigen Bedingungen des Wiederaufbaus. Darin werden die Auswirkungen der Kriegsjahre auf die Ehepartner, die Rolle der Medien und die Strategien des Mannes zur Durchsetzung seiner Sittlichkeitsvorstellungen untersucht.
Schlüsselwörter
Sittlichkeit, Trümmerzeit, Nachkriegsdeutschland, sexuelle Liberalität, Selbstbewusstsein der Frauen, Eheleben, Medien, Geschlechterrollen, Wiederaufbau, Krieg, Kriegsgefangenschaft, Konfliktpotenzial.
Häufig gestellte Fragen
Welcher Zeitraum wird in dieser Arbeit untersucht?
Die Untersuchung konzentriert sich auf das Nachkriegsdeutschland zwischen 1945 und 1949.
Warum stieg das Selbstbewusstsein der Frauen in der Trümmerzeit?
Da viele Männer im Krieg gefallen oder in Gefangenschaft waren, mussten Frauen den Lebensunterhalt allein sichern und den Alltag eigenständig bewältigen.
Was bedeutete der Begriff "Sittlichkeit" in diesem Kontext?
Sittlichkeit bezog sich auf die moralischen und sexuellen Normen der Zeit, die oft dazu genutzt wurden, die neue weibliche Unabhängigkeit wieder männlichen Vorstellungen unterzuordnen.
Welchen Einfluss hatten Medien wie die Zeitschrift "Constanze"?
Medien thematisierten die Sehnsucht nach Liebe und sexuelle Bedürfnisse, was das erstarkende Selbstbewusstsein der Frauen widerspiegelte und beeinflusste.
Wie reagierten heimkehrende Männer auf die Unabhängigkeit ihrer Frauen?
Die Heimkehr führte oft zu Konflikten, da Männer ihre Stellung als Familienoberhaupt zurückforderten und versuchten, die Frauen wieder in traditionelle Rollen zu drängen.
- Quote paper
- Dominik Schuiskoi (Author), 2022, Sittlichkeit und Selbstbestimmung. Die Rolle der Frau im Nachkriegsdeutschland von 1945 bis 1949, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1357308