Die Logistik gewinnt in der Wirtschaft durch die weltweite Arbeitsteilung im Zuge der Globalisierung immer mehr an Bedeutung. Die Vielfältigkeit und die Komplexität der benötigten logistischen Dienstleistungen wachsen durch die räumlichen Unterschiede der Beschaffungs-, Produktions- und Absatzmärkte. Auch will jeder Markt zeitnah mit Produkten versorgt werden. Verzögerungen sind nicht akzeptabel. Wegen der Globalisierung entstehen zunehmend neue Konkurrenzsituationen zwischen Wirtschaftsunternehmen, so dass die Erhaltung der eigenen Wettbewerbsfähigkeit auf den relevanten Märkten existentielle Bedeutung erhält. Durch Fremdvergabe, Outsourcing, logistischer Dienstleistungen können die Unternehmen freie Kapazitäten schaffen, um sich wieder auf ihre eigenen Kernkompetenzen konzentrieren zu können. In dieser Arbeit sollen die Chancen und Risiken des Outsourcings logistischer Dienstleistungen für mittelständische Speditionsunternehmen herausgearbeitet werden. Für diese Analyse sollen unter anderem die Beweggründe für die Fremdvergabe der logistischen Dienstleistungen durch die Unternehmen der verladenden Wirtschaft untersucht werden. Ohne die Bereitschaft zur Fremdvergabe seitens dieser Unternehmen könnten die mittelständischen Speditionsunternehmen nicht von dem Outsourcingprozess profitieren. Zeitgleich zur Entwicklung dieser Arbeit liegt eine weltweite Wirtschaftskrise vor, die sich sehr intensiv im Zeitschriftenmarkt darstellt. Besonders in Bezug auf den Mittelstand ergibt sich derzeitig eine sensiblere Betrachtung der wirtschaftlichen Lage als in der Fachliteratur der zurückliegenden Jahre. Unter jeweils unterschiedlichen konjunkturellen Bedingungen scheinen Aussagen zum Thema Outsourcing ein unterschiedliches Gewicht zu bekommen. Zurückliegende unternehmerische Entscheidungen kommen dadurch erneut auf den Prüfstand und sollen im Zuge dieser Arbeit mit untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 Logistik – Begriff und Entwicklung
2.2 Spediteur – Begriff und Abgrenzung / Selbsteintrittsrecht
2.3 Die mittelständischen Speditionsunternehmen
2.3.1 Der Logistikmarkt im Zuge der Globalisierung
2.3.2 Qualitative und quantitative Abgrenzung
2.3.3 Die steigenden Anforderungen des Marktes
2.4 Outsourcing – Begriff und Entwicklung
3. Chancen und Risiken des Outsourcings logistischer Dienstleistungen
3.1 Die Unternehmen der verladenden Wirtschaft und die mittelständischen Speditionsunternehmen
3.1.1 Konzentration auf Kernkompetenzen
3.1.2 Unternehmensplanung: Eigenfertigungs- oder Fremdbezugsentscheidungen
3.1.2.1 Strategisch wichtige Anlässe / Chancen für den Mittelstand
3.1.2.2 Die Transaktionskosten als Hemmnis für die Fremdfertigung
3.1.3 Möglichkeiten der Prozessoptimierung – Einsparungspotenziale und Qualitätsvorteile
3.1.4 Die Anforderungen an die externen Logistikpartner
3.1.4.1 Die Basisdienstleistungen und Value Added Services
3.1.4.2 Die Logistikkonzepte 1PL bis 4PL
3.1.4.3 Die Kontraktlogistik: Komplettauslagerung von Logistikprozessen
3.2 Die mittelständischen Speditionsunternehmen und ihre nationalen und internationalen Agenten
3.2.1 Strukturanpassung in Zeiten des Abschwungs
3.2.1.1 Probleme im Transportsektor
3.2.1.2 Kosten auf dem Prüfstand
3.2.2 Optimale Beratung durch Verkehrsträgerneutralität
3.2.3 Effizienzsteigerung durch Outsourcing an Agenten
3.2.3.1 Kundenzufriedenheit und Kundenbindung
3.2.3.2 Erweiterung der Servicepalette – Schaffung von freien Kapazitäten
3.2.4 Kooperationen auf nationaler und internationaler Ebene
3.2.4.1 Globalisierung als Wachstumstreiber
3.2.4.2 Kooperationsarten
3.2.4.3 Chancen und Risiken in Kooperationen zwischen mittelständischen Speditionsunternehmen
3.2.4.4 Spediteursammelcontainer / Konkurrent der eigenen Partner
3.2.4.5 Das Wirkungsfeld der Outsourcingkette / Motivationsprinzip
4. Handeln unter Unsicherheit – Der Logistik-Vertrag
4.1 Die Prinzipal-Agent-Theorie als Herleitung
4.2 Agenturverträge in der Speditionsbranche
4.2.1 Die optimale Vertragsgestaltung
4.2.2 Vertragliche Abmachungen mit dem Logistikpartner
4.2.3 Outsourcing-Innovationspartnerschaft
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Diplomarbeit untersucht die strategische Bedeutung und die operativen Chancen sowie Risiken des Outsourcings logistischer Dienstleistungen speziell für mittelständische Speditionsunternehmen. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie diese Unternehmen durch gezielte Fremdvergabe und Kooperationen ihre eigene Wettbewerbsfähigkeit in einem durch Globalisierung und wirtschaftlichen Abschwung geprägten Marktumfeld sichern und ausbauen können.
- Strategische Bedeutung des Outsourcings für mittelständische Akteure
- Analyse der Chancen und Risiken bei Kooperationen und Agenturverträgen
- Bedeutung der Kernkompetenzkonzentration und Prozessoptimierung
- Einfluss der Kontraktlogistik und moderner Logistikkonzepte (1PL bis 4PL)
- Bewältigung von Unsicherheit durch optimale Vertragsgestaltung (Prinzipal-Agent-Theorie)
Auszug aus dem Buch
3.1.2.1 Strategisch wichtige Anlässe / Chancen für den Mittelstand
Die Anlässe für die Entscheidungen bezüglich der Eigenfertigung oder Fremdfertigung logistischer Dienstleistungen können zu verschiedenen Zeitpunkten in der Unternehmensplanung entstehen. Bereits bei der Gründung der Unternehmung oder situationsabhängig im Laufe der Zeit können die Entscheidungen notwendig sein. Auf der einen Seite könnte durch ein neues Produkt oder ein neu zu bearbeitender Markt ein neuer Bedarf an logistischen Dienstleistungen entstehen. Auf der anderen Seite könnten die in der Vergangenheit in Eigenfertigung erstellten logistischen Dienstleistungen zu keinen zufriedenstellenden Ergebnissen geführt haben und mögliche Alternativen der Fremdfertigung in Erwägung gezogen werden. Analysen müssen kontinuierlich durchgeführt werden, um frühzeitig auf Veränderungen des Marktes reagieren zu können und genügend Zeit für die Gegenüberstellung der Chancen und Risiken der Eigen- oder Fremderstellung logistischer Dienstleistungen zu haben. Eine erfolgreiche Umsetzung der Ergebnisse dieser Analysen kann jedoch nur in Unternehmen erfolgen, die bereit sind, Veränderungen in den betrieblichen Prozessen zu akzeptieren. Die Unternehmen, die dazu tendieren, das alte System aus Bequemlichkeit oder Betriebsblindheit beibehalten zu wollen, werden keine innovativen Änderungen in den logistischen Prozessen durchführen.
Die Möglichkeit, logistische Prozesse an externe Partner auszulagern, ist nicht nur den großen Konzernen der verladenden Wirtschaft vorbehalten. Gerade bei mittelständischen Unternehmen ist es besonders wichtig, dass sich die Geschäftsleitung auf die Kernkompetenzen konzentrieren und die durch die Fremdvergabe freien Kapazitäten zur Förderung und Entwicklung der primären Unternehmensbereiche nutzen kann. Durch die Vielzahl der Logistikanbieter am Markt haben auch die mittelständischen Unternehmen mittlerweile die Möglichkeit, passende Lösungen für ihre Probleme auf dem Markt einzukaufen. Die mittelständischen Speditionsunternehmen haben sich nicht nur auf die großen Konzerne der verladenden Wirtschaft eingestellt, da die Luft in diesen Bereichen sehr dünn ist und nicht viele Anbieter eine realistische Chance haben, durch die eigene Unternehmensgröße und die begrenzten Kapazitäten den Anforderungen der großen Konzerne gerecht zu werden. Basis- und Komplettlösungen für mittelständische Unternehmen bieten den mittelständischen Speditionsunternehmen Chancen, erfolgreich auf dem Logistikmarkt bestehen zu können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der wachsenden Bedeutung der Logistik durch Globalisierung und die Notwendigkeit, sich als mittelständisches Speditionsunternehmen den Chancen und Risiken des Outsourcings zu stellen.
2. Definitionen: Erläuterung grundlegender Fachbegriffe, der Rolle des Spediteurs, der Merkmale des Mittelstands sowie der Entwicklung des Outsourcing-Begriffs.
3. Chancen und Risiken des Outsourcings logistischer Dienstleistungen: Detaillierte Analyse der Kernkompetenzen, der Eigen- vs. Fremdfertigungsentscheidungen, Prozessoptimierungspotenziale sowie der Kooperationsformen auf nationaler und internationaler Ebene.
4. Handeln unter Unsicherheit – Der Logistik-Vertrag: Herleitung der Vertragsgestaltung durch die Prinzipal-Agent-Theorie und Untersuchung von Agenturverträgen sowie Innovationspartnerschaften.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung des Outsourcing-Themas als notwendiger Schritt zur Wettbewerbsfähigkeit und zur Teilhabe an globalen logistischen Netzwerken für den Mittelstand.
Schlüsselwörter
Logistik, Outsourcing, Speditionsunternehmen, Mittelstand, Kernkompetenz, Fremdvergabe, Globalisierung, Kontraktlogistik, Prozessoptimierung, Kooperation, Prinzipal-Agent-Theorie, Logistikvertrag, Wertschöpfungskette, Wirtschaftsabschwung, Wettbewerbsfähigkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der strategischen Relevanz des Outsourcings von Logistikdienstleistungen speziell für mittelständische Speditionsunternehmen im Kontext globaler Märkte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die Konzentration auf Kernkompetenzen, die Gestaltung von Kooperationen, die Anwendung von Logistikkonzepten von 1PL bis 4PL sowie die rechtliche Absicherung durch Logistikverträge.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Chancen und Risiken des Outsourcings zu analysieren, um mittelständischen Speditionen Wege zur Stärkung ihrer Wettbewerbsfähigkeit aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse, die Einbindung betriebswirtschaftlicher Theorien wie der Prinzipal-Agent-Theorie sowie den Transfer aktueller Branchenentwicklungen auf die Unternehmenspraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Beweggründe für Fremdvergaben durch die verladende Wirtschaft, die Notwendigkeit der Prozessoptimierung sowie die Bedeutung von vertraglichen Regelungen in unsicheren Marktlagen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Logistik, Outsourcing, Speditionsunternehmen, Kernkompetenz, Kooperation und Kontraktlogistik.
Welche Rolle spielt die Prinzipal-Agent-Theorie in diesem Kontext?
Sie dient dazu, die auftragsgebundene Beziehung zwischen Auftraggeber und Logistikdienstleister zu durchleuchten, insbesondere im Hinblick auf Informationsasymmetrien und das Risiko opportunistischen Verhaltens.
Was zeichnet die Kontraktlogistik als spezielles Modell aus?
Kontraktlogistik ist die dauerhafte Komplettauslagerung von Logistikprozessen, bei der der Logistikanbieter individuell maßgeschneiderte Lösungen für den Kunden entwickelt, was eine tiefe vertragliche Bindung erfordert.
Warum ist "Verkehrsträgerneutralität" für mittelständische Speditionen wichtig?
Sie ermöglicht es diesen Unternehmen, unabhängig von eigenen Fuhrparkkapazitäten immer den optimalen Verkehrsträger (LKW, Bahn, Schiff) für den Kunden auszuwählen, was die Beratungsqualität steigert.
Wie gehen mittelständische Unternehmen mit den Risiken einer exklusiven Kooperation um?
Sie versuchen, Risiken durch vertragliche Absicherung, offene Feedback-Kultur (Open-Book-Policy) und durch die Streuung auf mehrere Kunden oder Partner abzufedern.
- Arbeit zitieren
- Ralf Behrend (Autor:in), 2009, Outsourcing logistischer Dienstleistungen. Chancen und Risiken für mittelständische Speditionsunternehmen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135299