Die Einsicht ist unübersehbar gewachsen, dass qualifizierte Beratungen zum Aufgabenspektrum der Pflege gehören. Dies wird an Ergebnissen von Studien sowie an der Fülle von Veröffentlichungen zur Thematik Beratung deutlich. Die Publikationen signalisieren, dass das Thema in entfalteter und qualifizierter Weise in der Pflege eingetroffen ist und ein Klärungs- und Gärungsprozess durchlebt. Koch-Straube bezeichnet daher die Beratung in der Pflege als „Kind der Moderne“. Trotz des öffentlichen Aufkommens des Themas agiert die Beratungspraxis in der Pflege noch zufällig und unsystematisch.
Wenn man einen Blick in die Themenlandschaft der Pflege- und Patientenberatung wagt, wird einem schnell klar, dass wir einer Vielzahl von Definitionen, Formen, Methoden, Theorien, Ansätzen, Konzepten, Aufgaben, Zielen, Interventionsmöglichkeiten, Zielgruppen etc. gegenüberstehen. Eine entscheidende Frage ist, mit welchen methodischen Prinzipien Patienten in der Pflege beraten werden sollen und worauf es in der Beratung ankommt. Dabei nimmt ein bestimmter Aspekt, der als Ziel von Beratung im pflegerischen Kontext von vielen Experten ausgegeben wird, einen gewichtigen Teil ein: „Stärkung der Souveränität, Eigenverantwortung und Selbstbestimmung der Patienten im Sinne der Hilfe zur Selbsthilfe“. Dieses Ziel steht im krassen Gegensatz zu den bisherigen Beratungsbemühungen der Pflege.
Eine Antwort auf die oben gestellte Frage könnte das Selbstmanagement-Konzept von Kanfer et al. geben. Dieser Beratungsansatz ist ein Konzept der Psychotherapie. Obwohl Haslbeck und Schaeffer den Selbstmanagement-Ansatz von Kanfer et al. zur psychosozialen Versorgung und nicht prinzipiell zum Bereich der Pflege zählen , wagen wir dennoch den Untersuchungsversuch, anhand von chronischen Erkrankungen den Therapieansatz von Kanfer et al. inhaltlich der Pflege zuzuordnen.
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Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
1.1 Hinführung zur Thematik
1.2 Aufbau der Arbeit
2. DER SELBSTMANAGEMENT-ANSATZ VON KANFER ET AL.
2.1 Theoretische Grundlagen der Selbstmanagement-Therapie
2.1.1 Terminologie des Ansatzes
2.1.1.1 Definition des Ansatzes
2.1.1.2 Auffassungen, die nicht unter diesen Ansatz fallen
2.1.1.3 Grundannahmen des Ansatzes
2.1.1.4 Therapie: Wortverständnis und Funktion
2.1.2 Basisvariablen und -aspekte des Ansatzes
2.1.2.1 Selbstregulation und Selbstkontrolle
2.1.2.2 Rolle der Therapeut-Klient-Beziehung
2.1.2.3 Bedeutung von Therapiemotivation
2.1.2.4 Bedeutung von Verhaltensänderung
2.1.3 Makro-Perspektive: der Ansatz aus der übergeordneten Sicht
2.2 Das 7-Phasen-Modell der Selbstmanagement-Therapie
2.2.1 Phase 1: Schaffung günstiger Ausgangsbedingungen
2.2.2 Phase 2: Aufbau von Änderungsmotivation und vorläufige Auswahl von Änderungsbereichen
2.2.3 Phase 3: Verhaltensanalyse und funktionales Bedingungsmodell
2.2.4 Phase 4: Vereinbaren therapeutischer Ziele
2.2.5 Phase 5: Planung, Auswahl und Durchführung spezieller Methoden
2.2.6 Phase 6: Evaluation therapeutischer Fortschritte
2.2.7 Phase 7: Erfolgsoptimierung und Abschluss der Therapie
3. DIE ÜBERTRAGUNG DES SELBSTMANAGEMENT-ANSATZES IN DIE PFLEGE AM BEISPIEL CHRONISCH KRANKER
3.1 Besonderheiten von chronischen Erkrankungen
3.2 Elemente einer bedarfsgerechten Pflege chronisch Kranker
3.3 Überführungsmodalitäten zwischen den Kernpunkten von Kanfer et al., den Merkmalen von chronischen Krankheiten und den Komponenten einer bedarfsgerechten Pflege
4. SCHLUSSBETRACHTUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern der psychotherapeutische Selbstmanagement-Ansatz nach Kanfer et al. als Instrument für die pflegerische Betreuung und Beratung von chronisch erkrankten Menschen genutzt werden kann, um deren Autonomie und Selbstmanagement-Kompetenzen zu stärken.
- Theoretische Fundierung des Selbstmanagement-Modells von Kanfer et al.
- Detaillierte Analyse des 7-Phasen-Modells der Selbstmanagement-Therapie
- Charakterisierung der spezifischen Anforderungen und Belastungen chronisch erkrankter Menschen
- Diskussion der Übertragbarkeit psychotherapeutischer Ansätze in die pflegerische Versorgungspraxis
- Darstellung von Elementen einer bedarfsgerechten Pflege für Chroniker
Auszug aus dem Buch
2.1.2.4 Bedeutung von Verhaltensänderung
In der Selbstmanagement-Therapie sollen neue Fertigkeiten erworben werden. Dabei spielen lerntheoretische Vorstellungen eine Rolle. Es geht insbesondere um Verhaltensänderungen, d.h. um Lernen. Der Ansatz zielt also auf Verhaltensänderungen ab. Im Therapieprozess wird u.a. das Verhalten, das vom Klienten als Problem angesehen wird, durch zielführende und effizientere Lösungen ersetzt. Eine solche Veränderung des Verhaltens erfordert eine mühsame und schrittweise Aneignung neuer Verhaltensmuster, die durch Lernsituationen erleichtert werden.38
Um problematische Verhaltensmuster zu verändern und produktivere Strategien zu erwerben, ist vom Klienten nicht nur die Einsicht einer Veränderung wichtig, sondern auch, dass er Erfahrungen mit den neuen Verhaltensweisen macht. Neues Verhalten führt zu differenzierten und neuen Erwartungen in bestimmten Situationen, zur Bewältigung dieser unterschiedlichen Situationen, produziert neue Reaktionen in der Umgebung und führt zu einer Veränderung der Erwartungen. Desweiteren hängt die Verhaltensänderung auch von den Annahmen des Klienten ab: die Genesung, den Verlauf und die Veränderbarkeit seiner Verhaltensmuster etc.39
Im Selbstmanagement-Ansatz verlaufen Veränderungsprozesse nach einem bestimmten Schema ab. Man unterscheidet dabei 4 Stufen: Phase 1 die Überlegung, Phase 2 die Entscheidung, Phase 3 die Handlung und Phase 4 die Aufrechterhaltung des Verhaltens. Die einzelnen Phasen können vielfach durchlaufen werden. Dabei kommen in den ersten beiden Phasen eher verbale Methoden, in den letzten beiden Phasen eher handlungsorientierte Methoden zum Einsatz.40
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die wachsende Bedeutung der Beratung in der Pflege und die Zielsetzung, den Selbstmanagement-Ansatz von Kanfer et al. für den pflegerischen Kontext zu explorieren.
2. DER SELBSTMANAGEMENT-ANSATZ VON KANFER ET AL.: Umfassende theoretische Darstellung der Grundlagen, zentralen Variablen (wie Selbstregulation) und des 7-Phasen-Modells des therapeutischen Konzepts.
3. DIE ÜBERTRAGUNG DES SELBSTMANAGEMENT-ANSATZES IN DIE PFLEGE AM BEISPIEL CHRONISCH KRANKER: Analyse der Herausforderungen chronischer Erkrankungen und Prüfung, wie der Selbstmanagement-Ansatz zur Unterstützung Betroffener in der pflegerischen Praxis angepasst werden kann.
4. SCHLUSSBETRACHTUNG: Resümee über die Eignung des Ansatzes für die Pflege und Betonung der Notwendigkeit, das Konzept für die hiesige Praxis methodisch und inhaltlich weiter zu entwickeln.
Schlüsselwörter
Selbstmanagement-Therapie, Kanfer et al., Pflege, chronisch Kranke, Selbstregulation, Selbstkontrolle, Patientenberatung, therapeutische Allianz, Krankheitsbewältigung, Autonomie, Eigenverantwortung, 7-Phasen-Modell, Bedarfspflege, Verhaltensänderung, Pflegeberatung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser schriftlichen Ausarbeitung?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Untersuchung und praktischen Übertragbarkeit des Selbstmanagement-Ansatzes von Kanfer et al. in den pflegerischen Bereich, speziell mit Fokus auf die Versorgung chronisch erkrankter Menschen.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zentrale Themenfelder sind die Grundlagen der Selbstmanagement-Therapie, die spezifischen Anforderungen an die Lebensführung chronisch Kranker und die Möglichkeiten einer bedarfsgerechten pflegerischen Unterstützung zur Stärkung der Patientenautonomie.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, zu prüfen, inwieweit das psychotherapeutische Selbstmanagement-Konzept als Instrument in der Pflege genutzt werden kann, um Patienten bei der Bewältigung ihrer Krankheitssituation zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der systematisierenden Aufarbeitung des Kanfer-Modells sowie pflegewissenschaftlicher Konzepte zur chronischen Krankheit basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst der Ansatz von Kanfer et al. (Theorie und Phasenmodell) erläutert, anschließend die Merkmale chronischer Erkrankungen analysiert und schließlich eine Verknüpfung beider Bereiche unter Berücksichtigung pflegerischer Anforderungen vorgenommen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Ausarbeitung?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Selbstmanagement, Pflegeberatung, Chronische Erkrankung, Autonomie, Selbstregulation, therapeutische Allianz und Patientenorientierung.
Warum ist der Aspekt der "begrenzten Zeit" bei der Übertragung problematisch?
Da chronische Erkrankungen durch Dauerhaftigkeit gekennzeichnet sind, ist das Konzept des zeitlich begrenzten Therapieabschnitts aus dem psychotherapeutischen Modell nicht direkt auf die Pflege von Chronikern übertragbar, weshalb eine intervallartige Vorgehensweise diskutiert wird.
Welche Rolle spielt die Beziehung zwischen professioneller Pflegekraft und Patient?
Die Beziehung wird im Kontext der "therapeutischen Allianz" als zentraler Schlüssel für den Erfolg gesehen, wobei die Pflegekraft als Coach oder Begleiter fungiert, um die Eigenständigkeit des Patienten zu fördern.
- Citar trabajo
- Christian Kunow (Autor), Michael Kieper (Autor), Antje Borrasch (Autor), 2009, Das Selbstmanagement-Konzept von Kanfer et al., Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134811