Die Arbeit "Die christologischen Hoheitstitel und ihre Entfaltung bei den Synoptikern" ist eine Arbeit am Grenzgebiet zwischen Systematischer- und Biblischer Theologie.
Die zeitgenössische Theologie erfährt einen Wandel. Biblische- und Historische Theologie fungieren als Grundlagendisziplinen, die der Systematischen Theologie voraus gehen und von dieser akzeptiert werden müssen. "Jede christliche Theologie muss, wenn sie dem heutigen Menschen etwas sagen will, das Evangelium, die biblischen Schriften und den darin bezeugten, der Grund unseres Glaubens ist, zur Maßschnur haben, als norma normans non normata." (Zitat aus der Einleitung) Von daher gliedert sich diese Arbeit zunächst in einen systematischen Teil, in dem die christologischen Hoheitstitel, also jene Titel, mit denen Jesus von Nazareth sich selbst und/oder von anderen bezeichnet wird/wurde, herausgearbeitet werden, ihren Ursprung, ihren Sinn, ihre Verwendung und ihren heutigen Sinn und einen biblischen Teil, der das herausgearbeitete an den synoptischen Evangelien zeigen und bestätigen soll anhand der darin vorkommenden Christologie.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
A: Christologische Hoheitstitel.
1. Messias/Christus:
2. Menschensohn
3. „Sohn Gottes“ bzw. „der Sohn“
4. Kyrios
B: Die Christologie der Synoptiker
1. Das Markusevangelium
2. Das Matthäusevangelium
3. Das Lukasevangelium
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die neutestamentlichen Grundlagen der Christologie mit einem Fokus auf die Herkunft und Bedeutung der christologischen Hoheitstitel sowie deren spezifische Entfaltung in den drei synoptischen Evangelien.
- Analyse der zentralen christologischen Hoheitstitel (Messias, Menschensohn, Sohn Gottes, Kyrios)
- Untersuchung der judenchristlichen und hellenistischen Hintergründe dieser Titel
- Vergleichende Darstellung der Christologie im Markusevangelium
- Vergleichende Darstellung der Christologie im Matthäusevangelium
- Vergleichende Darstellung der Christologie im Lukasevangelium
Auszug aus dem Buch
1. MESSIAS/CHRISTUS:
Messias ist die gräzisierte Bezeichnung des hebräischen „maschiach“. Die LXX übersetzt dies mit Christos. Aufgrund seiner Zentralität und späterem Unverständnis über dessen Herkunft in der hellenistischen Gemeinde wurde dieser Titel zum Eigenname Jesu: „Wir haben es hier mit dem christologischen Titel zu tun. Schon im Neuen Testament wurde er gleichsam zum Kristallisationspunkt für andere wichtige christologischen Aussagen.“ Ursprünglich aus dem altisraelischen Königsritual stammend (Salbung), aber auch für die Oberpriester uns nachexilisch entsprechend für den Hohepriester verwendet, kursieren zur Zeit Jesu unterschiedliche Vorstellungen über den Messias.
Nach der Nathansweissagung (2 Sam 7,12-16) wird der Messias ein Nachkomme Davids sein. „Bei Deuterojesaja ist der Heilbringer der leidende Gottesknecht (42,1-7; 49,1-9; 50,4-9; 52,13-53,12) bei Daniel der Menschensohn (7,13); bei Zacharias finden sich zwei messianische Gestalten, ein königlicher und ein hohepriesterlicher Messias (4,11-14).“ Ähnliche Vorstellungen begegnen uns bei den in einer apokalyptischen Naherwartung lebenden Qumran-Essenern, die nach dem Tod des Lehrers der Gerechtigkeit für die Zukunft neben einem königlichen Messias auch einen priesterlichen Messias erwarteten: „Das bedeutete nichts anderes, als dass bei Beginn der Heilszeit als „Messias aus Aaron“ wieder ein legitimer Hoherpriester den Jerusalemer Tempelkult leiten und als „Messias aus Israel“ ihm ein König aus den Nachkommen Davids zur Seite stehen werde.
Beiden übergeordnet sollte ein „Prophet nach Art des Mose“ amtieren, durch den Gott die Tora ergänzende Gesetze erlassen konnte (1Q S IX,11; 4Q 175 Testimonia 1-20).“ Bedenkt man nun diese unterschiedlichen Messias Auffassungen, insbesondere die radikalen Ausprägungen ins politisch- militärische hinein, etwa in der „Kriegsregel“ der Qumran-Essener, oder bei radikalen jüdischen Religionsparteien, wie den Zeloten, verwundert es nicht, dass Jesus diesen Begriff nicht in den Mund genommen hat. Allerdings, und das zeigt seine Hinrichtung, die jetzt hier nicht eigens thematisiert werden kann, war es möglich aus dem Wirken Jesu einen (politischen) messianischen Anspruch herauszulesen.
Zusammenfassung der Kapitel
A: Christologische Hoheitstitel.: Dieses Kapitel analysiert die biblische Herkunft und die historische Bedeutung der Titel Messias, Menschensohn, Sohn Gottes und Kyrios im Kontext der frühjüdischen Vorstellungen und der urchristlichen Bekenntnisbildung.
1. Messias/Christus:: Der Abschnitt beleuchtet die Etymologie und die vielfältigen, teils politisch aufgeladenen Erwartungen an den Messias zur Zeit Jesu sowie dessen Neuinterpretation in der Urgemeinde.
2. Menschensohn: Es wird die schwierige Herleitung des Begriffes sowie dessen Funktion als Selbstbezeichnung Jesu für seine Rolle als eschatologischer Repräsentant Gottes und der Menschen untersucht.
3. „Sohn Gottes“ bzw. „der Sohn“: Dieser Teil betrachtet die Anknüpfungsfähigkeit des Titels an heidnische Mythologien für die Heidenmission und unterscheidet zwischen der nachösterlichen Bezeichnung und Jesu eigener „Abba“-Gebetserfahrung.
4. Kyrios: Hier wird der griechische Herrschaftstitel analysiert, der besonders im hellenistischen Christentum an Bedeutung gewann und die Erhöhung Jesu in messianische Machtstellung zum Ausdruck bringt.
B: Die Christologie der Synoptiker: Dieses Kapitel vergleicht die unterschiedlichen Schwerpunkte der Evangelisten Markus, Matthäus und Lukas bei der Verwendung der Hoheitstitel und der Darstellung der Person Jesu.
1. Das Markusevangelium: Der Fokus liegt auf der „Geheimhaltung“ der Messianität und der Christologie des „Vor-Gangs“, wobei Jesus primär als Sohn Gottes dargestellt wird.
2. Das Matthäusevangelium: Das Kapitel arbeitet das judenchristliche Profil des Matthäusevangeliums heraus, in dem Jesus als Erfüllung der messianischen Erwartungen Israels und als endzeitlicher Davidssohn präsentiert wird.
3. Das Lukasevangelium: Es wird die reichhaltige lukanische Christologie als Geschichtsschreibung untersucht, die das Heil für alle Menschen betont und Jesus sowohl als Sohn Gottes als auch häufig als Kyrios bezeichnet.
Schlüsselwörter
Christologie, Hoheitstitel, Messias, Menschensohn, Sohn Gottes, Kyrios, Synoptiker, Markusevangelium, Matthäusevangelium, Lukasevangelium, Urgemeinde, Heidenmission, Judenchristentum, Exegese, Auferstehung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der neutestamentlichen Christologie und untersucht, wie Jesus von seinen Zeitgenossen und der frühen Gemeinde durch verschiedene Hoheitstitel eingeordnet und verstanden wurde.
Welche sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Felder sind die historische Herkunft der Titel Messias, Menschensohn, Sohn Gottes und Kyrios sowie deren Transformation und Verwendung in den drei Evangelien von Markus, Matthäus und Lukas.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Bedeutung der christologischen Hoheitstitel zu schaffen, indem deren Ursprünge aufgezeigt und deren Funktion in der Verkündigung der Synoptiker analysiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf exegetische und historisch-kritische Methoden der modernen Theologie, um die biblischen Texte sowie deren Wirkungsgeschichte und Einordnung in den theologischen Fächerkanon zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine systematische Analyse der einzelnen Hoheitstitel und eine anschließende exegetische Untersuchung der spezifischen christologischen Akzente in den einzelnen synoptischen Evangelien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Christologie, Hoheitstitel, Synoptiker, Urgemeinde und Exegese charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die Verwendung des Titels „Sohn Gottes“ bei Lukas im Vergleich zu Paulus?
Während Paulus Jesus primär durch die Auferstehung als Sohn Gottes eingesetzt sieht, verlagert Lukas die Sichtweise weiter zurück bis zur wundersamen Geburt und betont die unmittelbare Gottesbeziehung Jesu.
Warum spielt der Kyrios-Titel eine so zentrale Rolle im hellenistischen Christentum?
Der Titel Kyrios diente als politischer und religiöser Herrschaftsbegriff, der es der jungen Kirche ermöglichte, die Erhöhung Jesu und seine gegenwärtige Machtstellung in einer griechisch geprägten Welt verständlich auszudrücken.
Warum wird im Markusevangelium oft vom „Messiasgeheimnis“ gesprochen?
Markus verwendet das Motiv der Geheimhaltung, um zu verhindern, dass die Messianität Jesu missverständlich rein als politisch-irdische Machtausübung fehlinterpretiert wird, anstatt sie mit dem Weg des Leidens zu verknüpfen.
Inwiefern ist das Matthäusevangelium judenchristlich geprägt?
Das Matthäusevangelium geht davon aus, dass seine Leser fest im jüdischen Kontext verwurzelt sind; es nutzt daher häufig alttestamentliche Erfüllungszitate, um Jesus direkt als den verheißenen Messias aus Davids Geschlecht auszuweisen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2009, Die christologischen Hoheitstitel und ihre Entfaltung bei den Synoptikern, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134765