Die eingangs gestellte Behauptung, Schweden tendiere zu politischer Unselbständigkeit, kann nur unter dem Aspekt der gewünschten Friedensbewahrung Berücksichtigung finden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitendes
2. Die Situation vor 1933
2.1.Nationalsozialistische „Machtergreifung“ in Deutschland
2.2.Entwicklung der deutsch-schwedischen Beziehung
3. Umbruchphase: Die Jahre 1934 bis 1937
3.1.Nordischer Mythos – Gespräche mit Hitler
3.2.Ab 1938: Wandel der Beziehung
4. Die ersten Kriegsmonate
4.1.Konzessionszwang im ersten Kriegsjahr
4.2.Paradigmenwandel
5. Auswertung
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die außenpolitische Entwicklung Schwedens während der Zwischenkriegszeit unter besonderer Berücksichtigung der schwedischen Neutralitätspolitik und des politischen Agierens gegenüber dem Deutschen Reich. Dabei wird untersucht, inwieweit Schweden durch eine kalkulierte „Nachgebe-Politik“ seine innenpolitische Stabilität und wirtschaftliche Wohlfahrt wahren konnte.
- Analyse der außenpolitischen Strategien Schwedens vor und während des Zweiten Weltkriegs.
- Untersuchung der innenpolitischen Situation und Regierungsbildung im Kontext internationaler Spannungen.
- Bewertung des deutsch-schwedischen Eisenerzhandels als zentralem Machtfaktor.
- Hinterfragung des Status der Neutralität unter dem Zwang geopolitischer Abhängigkeiten.
- Betrachtung der Rolle der schwedischen Presse im Verhältnis zum Nationalsozialismus.
Auszug aus dem Buch
3.1. Nordischer Mythos – Gespräche mit Hitler
Hitler verlor nie das Interesse an Schweden. Für ihn spielte „den nordiska rasmyten såtillvida en roll, att den avgjorde vilka folk, som kunde tänkas direkt ingå i framtidens storgermanska Tyskland.”28 In Hermann Rauschnings Buch Gespräche mit Hitler gibt Rauschning, ein Zeitgenosse Hitlers, in einem Kapitel Äußerungen Adolf Hitlers wieder, die der deutsche Reichskanzler im Frühjahr 1934 in Bezug auf Skandinavien und Schweden gemacht haben soll. Es gab eine „Nordische Gesellschaft“ mit Sitz in Lübeck, deren Aufgabe es war, kulturelle und persönliche Verbindungen Deutschlands zu den nordischen Staaten zu pflegen. Der Nationalsozialismus habe diese Gesellschaft wie alle derartigen gleichgeschaltet und benutzte den soliden Ruf der Vereinigung, um sich selbst in den Besitz wertvoller Verbindungen und Sympathien in den nordischen Nationen zu bringen, so Rauschning.29
Aus einem Organ wertvoller Kulturpflege sei allmählich ein Organ „gerissener Propaganda und krasser Spionage“ geworden, ohne dass die meisten Beteiligten im Reich wie im Norden von der Umwandlung etwas spürten. Die einfache, ernsthafte Wirklichkeit aber sah folgendermaßen aus: Hitler habe im Gespräch mit Rauschning gesagt, dass es in einem künftigen Krieg keine neutralen Staaten mehr geben werde. Die nordischen Staaten gehörten ebenso wie Belgien und die Niederlanden zu Deutschland. Käme es zu einem Krieg, so müsse einer der ersten Schritte die Besetzung Schwedens sein. Skandinavien könne weder dem russischen noch dem englischen Einfluss überlassen werden. Rauschning betont an dieser Stelle, dass Hitler nicht die Besetzung des ganzen Landes meinte, sondern lediglich die der wichtigsten Häfen und Wirtschaftspunkte, vor allem der Erzgruben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitendes: Einführung in die Zielsetzung der Arbeit, die schwedische Neutralitätspolitik sowie den historischen Kontext der Zwischenkriegszeit zu untersuchen.
2. Die Situation vor 1933: Analyse der Gründung des Völkerbundes, der internen politischen Kontroversen in Schweden und der wirtschaftlichen Bedeutung des Eisenerzhandels.
2.1.Nationalsozialistische „Machtergreifung“ in Deutschland: Betrachtung der innenpolitischen Stabilität Schwedens trotz der nationalsozialistischen Machtübernahme in Deutschland und der ideologischen Reaktionen in der schwedischen Presse.
2.2.Entwicklung der deutsch-schwedischen Beziehung: Untersuchung der „flexiblen Neutralität“ als handelspolitisches Mittel zur Sicherung der schwedischen Wirtschaft und Vermeidung von Konflikten.
3. Umbruchphase: Die Jahre 1934 bis 1937: Darstellung des Scheiterns des kollektiven Sicherheitssystems und der Versuche Schwedens, seine Landesverteidigung anzupassen.
3.1.Nordischer Mythos – Gespräche mit Hitler: Dokumentation von Hitlers Expansionsplänen hinsichtlich Schwedens und seiner strategischen Interessen an den schwedischen Eisenerzgruben.
3.2.Ab 1938: Wandel der Beziehung: Analyse der Verschärfung der deutsch-schwedischen Beziehungen im Vorfeld des Krieges durch zunehmende Aggression des NS-Regimes.
4. Die ersten Kriegsmonate: Untersuchung der schwedischen Bemühungen um ein nordisches Verteidigungsbündnis und die innenpolitische Konsolidierung durch eine Sammlungsregierung.
4.1.Konzessionszwang im ersten Kriegsjahr: Erörterung der Transitforderungen Deutschlands und des daraus resultierenden Kompromisses, der Schwedens Neutralitätsversprechen belastete.
4.2.Paradigmenwandel: Diskussion der widersprüchlichen Wahrnehmung der schwedischen Neutralität und der zunehmenden Zensurmaßnahmen aufgrund antideutscher Presseberichte.
5. Auswertung: Zusammenfassende Bewertung der schwedischen Politik, die als ein Handeln im nationalen Interesse bei gleichzeitiger Wahrung der friedlichen Wohlfahrt interpretiert wird.
Schlüsselwörter
Schweden, Neutralitätspolitik, Zwischenkriegszeit, Völkerbund, Nationalsozialismus, Eisenerzhandel, Per Albin Hansson, Nachgebe-Politik, Sammlungsregierung, Zweiter Weltkrieg, Außenpolitik, Transit, Nordische Staaten, Diplomatie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das außenpolitische Agieren Schwedens zwischen 1933 und den ersten Monaten des Zweiten Weltkriegs unter dem Aspekt der bewahrten Neutralität.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind die schwedische Neutralitätspolitik, das Verhältnis zum Deutschen Reich, der Eisenerzhandel sowie die innenpolitischen Auswirkungen der europäischen Sicherheitslage.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Analyse der schwedischen Außenpolitik vor dem Hintergrund, ob diese tatsächlich neutral war oder aufgrund strategischer Zwänge als „Nachgebe-Politik“ eingestuft werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung von Primärquellen, zeitgenössischen Darstellungen (wie Tingsten und Rauschning) und aktueller Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die politische Situation vor 1933, die Umbruchsjahre bis 1937, den Wandel der deutsch-schwedischen Beziehungen sowie die spezifischen Zugeständnisse Schwedens während der ersten Kriegsmonate.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Neutralität, Eisenerzlieferungen, Nationalsozialismus, Nachgebe-Politik und Sammlungsregierung maßgeblich geprägt.
Welche Rolle spielte die schwedische Presse in Bezug auf Deutschland?
Die Presse war ideologisch gespalten und kritisierte das NS-Regime teilweise scharf, was den schwedischen Gesandten in Berlin Sorgen über die deutsch-schwedischen Beziehungen bereitete und schließlich zu staatlicher Zensur führte.
Warum war das „Saltsjöbaden-Abkommen“ von Bedeutung?
Es diente als Grundlage für den sozialen Frieden auf dem Arbeitsmarkt, was zur innenpolitischen Stabilität Schwedens beitrug und den Aufbau des sozialdemokratischen Wohlfahrtsstaates ermöglichte.
- Arbeit zitieren
- Melanie Baschin (Autor:in), 2006, Außenpolitisches Agieren Schwedens in der Zwischenkriegszeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/134203