Diese Arbeit setzt sich mit der Figur Keie und seinem widersprüchlichen Charakter auseinander. Hierbei werden Szenen, die Keie charakterisieren, untersucht und auf seine Person hin interpretiert. Ambivalenzen sind jedoch nicht nur in Keie zu finden, sondern durchziehen die gesamten Romane. Dieser Thematik habe ich ein eigenes Kapitel gewidmet.
Da Keie das Amt des Truchsess am Artushof einnimmt und für die Einhaltung der Tugenden verantwortlich ist, beleuchte ich im zweiten Teil der Arbeit die wichtigsten Tugenden der Tafelrunde. Diese Tugenden dominieren das Leben der Ritter und bilden die Richtlinien für ihre Handlungen. Der vollkommenste Ritter ist Gawein, der die Gegenfigur Keies darstellt. Ein Vergleich zwischen den beiden unterschiedlichen Freunden bildet den Schluss dieser Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Figur Keie
1. Charakterisierung Keies im ,Erec'
2. Charakterisierung Keies im ,Iwein'
3. Charakterisierung Keies im ,Parzival'
4. Die Ambivalenz in den Romanen
5. Die Funktion der Keie-Figur am Hof und in den Romanen
III. Die Tugenden
1. Die Tugenden der Tafelrunde
2. Der tugendhafte und vorbildliche Gawein
3. Keie als Gegenfigur Gaweins
IV. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ambivalente Figur des Truchsess Keie in den Artusromanen von Hartmann von Aue und Wolfram von Eschenbach, um dessen widersprüchlichen Charakter zwischen Hofdienst, tugendhaftem Anspruch und realem Fehlverhalten zu analysieren.
- Analyse der literarischen Ausgestaltung von Keie im 'Erec', 'Iwein' und 'Parzival'
- Gegenüberstellung von Keies Fehlverhalten und den Idealen der Artusgesellschaft (Tafelrunde)
- Untersuchung der Funktion von Keies negativer Charakterisierung als Kontrastfigur zu Gawein
- Untersuchung der erzählerischen Intentionen sowie der Wirkung auf den zeitgenössischen Rezipienten
Auszug aus dem Buch
Charakterisierung Keies im ,Erec'
Der Roman ,Erec' von Hartmann von Aue thematisiert den Konflikt zwischen Minne und Ritterschaft. Auf einem Ausritt wird der Ritter Erec in Anwesenheit der Königin von einem Zwerg mit einer Peitsche geschlagen. Er zieht los, um seine êre zu verteidigen und lernt auf der âventiure die arme, aber schöne und tugendhafte Enite kennen und verliebt sich in sie. Nach der Hochzeit vernachlässigt Erec seine Pflichten, die er als Mitglied der Tafelrunde zu erfüllen hat. Statt tugendhaft zu handeln und âventiuren und den Ruhm der Tafelrunde zu vermehren, begeht er die Sünde des ,Verliegen'. Diese kann er nur mit Ruhmestaten wieder gutmachen. Deshalb begibt er sich auf den Weg, um Abenteuer zu bestehen und geläutert als Held an den Artushof zurückzukehren.
Nachdem Erec losgezogen ist, um sich zu rächen, sorgt sich die Königin Ginover um seinen Verbleib. Hierauf führt der Erzähler den Truchsess Keie in den Roman ein. Er hält mit seinem Freund Gawein Ausschau nach dem vermissten Ritter. Die Freundschaft zu Gawein, dem lebendigen Inbegriff aller ritterlichen Tugenden, stellt Keie in einen positiven Kontext dar. Wenn Gawein ein freundschaftliches Verhältnis zu Keie pflegt, dann kann dieser nicht von Grund auf schlecht sein.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des ambivalenten Charakters Keie ein und umreißt die methodische Herangehensweise anhand der ausgewählten Artusromane.
II. Die Figur Keie: Dieser Hauptteil analysiert detailliert Keies Auftreten und seine Charakterzüge in den drei Romanen, arbeitet seine Ambivalenz heraus und beleuchtet seine Rolle am Artushof.
III. Die Tugenden: Hier wird der Tugendbegriff der Tafelrunde definiert und Keie in Abgrenzung zum vorbildlichen Gawein als dessen notwendige Gegenfigur herausgearbeitet.
IV. Schluss: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt Keies ambivalente Stellung als sowohl negatives Vorbild als auch funktionaler Bestandteil der Artuswelt.
Schlüsselwörter
Keie, Truchsess, Artusroman, Hartmann von Aue, Wolfram von Eschenbach, Erec, Iwein, Parzival, Tafelrunde, Artushof, Tugend, Ambivalenz, Gawein, Minne, Literaturwissenschaft
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Figur des Truchsess Keie, der als widersprüchlicher und ambivalenter Charakter in den wichtigsten mittelhochdeutschen Artusromanen dargestellt wird.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Im Zentrum stehen die Konzepte von ritterlichen Tugenden, das Idealbild des Artushofes und die psychologische sowie funktionale Charakterzeichnung einer Figur, die zwischen negativen Eigenschaften und ihrer offiziellen Rolle am Hof schwankt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie die Ambivalenz Keies genutzt wird, um die Ideale der Tafelrunde kritisch zu spiegeln und narratologische Kontraste zu tugendhaften Rittern wie Gawein zu erzeugen.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Es handelt sich um eine literaturwissenschaftliche Analyse, die primär textkritische Methoden und eine interpretative Untersuchung der Originalquellen (Hartmann von Aue und Wolfram von Eschenbach) anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Charakterisierung Keies in den spezifischen Romanen ('Erec', 'Iwein', 'Parzival'), die Analyse seiner Ambivalenz sowie eine Gegenüberstellung mit dem Tugendkatalog der Artusrunde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben dem Namen der Hauptfigur 'Keie' sind 'Artusroman', 'Tafelrunde', 'Ambivalenz' und 'Tugenden' die zentralen Begriffe.
Warum fungiert Gawein als Gegenpart zu Keie?
Gawein wird im gesamten Kanon als Inbegriff aller ritterlichen Tugenden gezeichnet, was durch den direkten narrativen Kontrast die negativen Eigenschaften und das Fehlverhalten Keies noch deutlicher hervortreten lässt.
Welche Rolle spielt die Einordnung als 'Hofnarr'?
Die Arbeit diskutiert, inwiefern Keie eine Entlastungsfunktion am Hof übernimmt, indem er durch sein exzentrisches und provokantes Verhalten als Außenstehender das System der höfischen Ideale stabilisiert, statt es nur zu zerstören.
- Arbeit zitieren
- Linda Steinau (Autor:in), 2010, Die Figur Keie. Ein ambivalenter Charakter, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1337439