„Dividends are simply divine.. So lautet der Titel eines Beitrags über den Trend stetig wachsender Dividendenausschüttungen der US-Konzerne der US-amerikanischen Zeit-schrift „Business Week“. Allerdings genießt die Dividende weltweit einen höheren Stellenwert als in den USA. So liegt die USA bei einem Vergleich mit europäischen Län-dern mit ihrer Dividendenrendite von durchschnittlich 1,375 Prozent an letzter Stelle.
Einen starken Rückgang hatte die Dividendenrendite im Standard&Poor´s 500 Aktienindex von über 4 Prozent in 1990 auf fast 1 Prozent in 1999 zu verzeichnen. Diese starke Abnahme wurde auch durch das starke Wachstum des Aktienrückkaufvolumens beeinflusst. So stieg das Aktienrückkaufvolumen in den letzten 30 Jahren von 3,6 Mrd. US-Dollar in 1977 auf über 2.000 Mrd. USD in 2005. Trotzdem ist auch in den USA wieder ein Anstieg der Dividendenzahlungen zu verzeichnen. So zahlte die Microsoft Corporation erstmals 2004 eine Dividende von 16 Cents pro Aktie. Auch die Unter-nehmen aus dem Informationstechnologiebereich der S&P 500 Unternehmen erhöhten 2003 ihre Dividendenzahlungen um 95 Prozent gegenüber 2002. Somit erreichte auch die Dividendenrendite der S&P 500-Unternehmen im Juli 2008 erstmals wieder eine Höchstmarke von 2,49 Prozent seit Juni 1995. Insbesondere wird diese Entwicklung unterstützt durch Verabschiedung des Jobs and Growth Tax Relief Reconciliation Act of 2003, wonach Dividenden und Kursgewinne pauschal mit 15 Prozent besteuert wer-den. Jedoch stehen bei 34 Unternehmen im S&P 500 die Dividendenzahlungen auf der Kippe, da unter anderem General Motors, Motorola und die New York Times im Jahr 2007 mehr Dividenden zahlten, als dass sie freien Cashflow generierten. Laut Analysten können die Unternehmen diese Ausschüttungshöhen nicht lange beibehalten und wer-den ihre Dividenden in naher Zukunft kürzen. Dies ist eine Folge des mangelnden Wachstums der US-Wirtschaft.
Sicher ist, dass Unternehmen ihre erhöhten Dividendenzahlungen auch als Marketinginstrument nutzen, um weitere Aktionäre zu gewinnen und um somit Kurssteigerungen zu erzielen. Ob aber die Dividendenpolitik für den Unternehmenswert immer noch irrelevant ist, inwiefern sie von Steuern beeinflusst wird, ob sie die Asymmetrie der Informationen über zukünftige Erträge eines Unternehmens beeinflussen kann und somit Agency-Kosten reduziert und von welchen Parametern sie abhängt, wird in der folgenden Arbeit erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Aktuelle Trends des Ausschüttungsverhaltens in den USA
2 Rahmenbedingungen des US-amerikanischen Kapitalmarktes
3 Die Dividendenkontroverse
3.1 Irrelevanztheorem nach Modigliani/Miller
3.1.1 Annahmen des Modells
3.1.2 Beispiel zur Irrelevanz der Dividendenpolitik
3.1.3 Aufhebung unrealistischer Prämissen und erste Kritik
3.2 Die Irrelevanz der Dividendenpolitik im Fisher-Modell
4 Traditionelle Ansätze zur Relevanz der Ausschüttungspolitik
4.1 Dividenden und Steuern
4.1.1 Dividenden und deren Renditen im Rahmen des CAPM
4.1.2 Kursreaktionen am Ex-Tag
4.1.3 Zusammenfassung
4.2 Asymmetrische Informationsverteilung
4.2.1 Agency-theoretische Ansätze
4.2.1.1 Informationsasymmetrien zwischen Anteilseignern und Management
4.2.1.2 Informationsasymmetrien zwischen Eigenkapitalgebern
4.2.1.3 Informationsasymmetrien zwischen Eigen- und Fremdkapitalgebern
4.2.1.4 Empirische Evidenz und Schlussfolgerungen für die Dividendenpolitik
4.2.2 Signaling-Theorien
4.2.2.1 Informationswirkung der Dividenden
4.2.2.2 Grundlegende Modelle zum Signaling durch Dividenden
4.2.2.3 Signaling-Modelle zur Ausschüttungsentscheidung
4.2.2.4 Zusammenfassung und empirische Evidenz
4.3 Schlussfolgerungen aus der Dividendendiskussion
5 Empirische Überprüfung der ökonomischen Variablen, von denen ein Zusammenhang mit der Dividendenpolitik US-amerikanischer Unternehmen vermutet wird
5.1 Kennzahlen der Dividendenpolitik
5.2 Zusammenhang zwischen Dividendenzahlungen und Jahresüberschüssen eines Unternehmens
5.3 Überprüfung der Studie von Fama/French
5.3.1 Datenmaterial
5.3.2 Ergebnisse der Untersuchung
5.4 Zusammenhang zwischen Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen
6 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die strategische Relevanz der Dividendenpolitik für den Unternehmenswert am US-amerikanischen Kapitalmarkt. Dabei wird analysiert, inwieweit Dividenden zur Informationsübertragung genutzt werden, wie sie Agency-Konflikte beeinflussen und welche Rolle sie im Vergleich zu Aktienrückkäufen spielen.
- Analyse der Dividendenkontroverse (Irrelevanztheorem vs. Relevanzansätze)
- Untersuchung von Agency-Problemen und asymmetrischer Informationsverteilung
- Theorie und Praxis des Dividenden-Signalings
- Empirische Überprüfung von Unternehmensvariablen und Dividendenverhalten
- Vergleich von Dividendenzahlungen und Aktienrückkäufen als Ausschüttungsinstrumente
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Annahmen des Modells
Die These über die Irrelevanz der Dividendenpolitik von M/M wurde unter den Annahmen eines vollkommenen Kapitalmarktes, rational handelnder Investoren und vollständiger Sicherheit entwickelt. Obwohl diese Annahmen häufig wiederkehrende Elemente ökonomischer Modelle sind, erscheint es sinnvoll die einzelnen Kriterien für diese spezielle Umgebung zu definieren:
1. Auf vollkommenen Kapitalmärkten hat kein Käufer, Emittent oder Anbieter von Wertpapieren maßgeblichen Einfluss auf den Marktpreis. Folglich sind alle Marktteilnehmer Preisnehmer. Ebenso sind alle kursrelevanten Informationen kostenlos verfügbar und für jeden Marktteilnehmer gleichermaßen erhältlich. Desweiteren existieren keine Emissions- und Transaktionskosten. Außerdem werden Steuerunterschiede zwischen Kursgewinnen und Dividendeneinkommen oder einbehaltenen und ausgeschütteten Gewinnen ausgeschlossen.
2. Rationale Akteure handeln gewinn- bzw. nutzenmaximierend. Sie sind indifferent zwischen Dividendenzahlungen und steigenden Kursen ihrer Aktien.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Aktuelle Trends des Ausschüttungsverhaltens in den USA: Einleitender Überblick über die historische Entwicklung der Dividendenrenditen und den wachsenden Trend zu Aktienrückkäufen in den USA.
2 Rahmenbedingungen des US-amerikanischen Kapitalmarktes: Erläuterung der rechtlichen Grundlagen für US-Unternehmen, insbesondere hinsichtlich Ausschüttungsbeschränkungen und des Nennwertsystems.
3 Die Dividendenkontroverse: Theoretische Einführung in das Irrelevanztheorem von Modigliani/Miller und die Bedeutung der Dividendenpolitik im vollkommenen Kapitalmarkt.
4 Traditionelle Ansätze zur Relevanz der Ausschüttungspolitik: Detaillierte Analyse von Steuereffekten, asymmetrischer Informationsverteilung (Agency-Theorie) und Signaling-Theorien.
5 Empirische Überprüfung der ökonomischen Variablen, von denen ein Zusammenhang mit der Dividendenpolitik US-amerikanischer Unternehmen vermutet wird: Empirische Studie basierend auf US-Unternehmensdaten zur Ertragskraft, Unternehmensgröße und dem Verhältnis von Dividenden zu Aktienrückkäufen.
6 Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Diskussion der zukünftigen Entwicklung der Dividendenpolitik angesichts sich wandelnder wirtschaftlicher Rahmenbedingungen.
Schlüsselwörter
Dividendenpolitik, Ausschüttungspolitik, Modigliani-Miller, Irrelevanztheorem, Agency-Theorie, Asymmetrische Information, Signaling, Aktienrückkauf, Free-Cashflow, Unternehmenswert, Kapitalmarkt, Dividendenzahlungen, Steuerklientel, Investitionspolitik, US-Kapitalmarkt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Bedeutung der Dividendenpolitik für den Wert von Unternehmen am amerikanischen Aktienmarkt, unter Berücksichtigung theoretischer Modelle und empirischer Daten.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Dividendenkontroverse, Agency-Probleme, Signaling-Effekte sowie der Vergleich von Dividenden mit Aktienrückkäufen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die strategische Relevanz der Dividendenpolitik aufzuzeigen und zu klären, ob und wie diese den Unternehmenswert beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit kombiniert eine umfassende Literaturanalyse bestehender theoretischer Modelle mit einer empirischen Auswertung von Daten börsennotierter US-Unternehmen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Diskussion der Dividendenrelevanz (Steuern, Agency, Signaling) und die empirische Untersuchung von Unternehmensvariablen wie Ertragskraft und Unternehmensgröße.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Dividendenpolitik, Signaling, Agency-Theorie, Aktienrückkauf, Free-Cashflow und Unternehmenswert.
Welche Bedeutung haben Aktienrückkäufe im Dokument?
Aktienrückkäufe werden als zunehmend wichtige, flexible Ausschüttungsalternative zu klassischen Dividendenzahlungen dargestellt, die oft zur Kurspflege eingesetzt werden.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung zu den Signaling-Modellen?
Die Arbeit zeigt, dass die empirische Stützung der Signaling-Theorie bei Dividenden nicht eindeutig ist und die Signalwirkung oft hinter den Erwartungen der theoretischen Modelle zurückbleibt.
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- Veronika Weigand (Autor), 2008, Die Werterelevanz von Dividenden am amerikanischen Aktienmarkt, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133653