Jean – Jacques Rousseau (1712 – 1778) ist eine Schlüsselfigur der europäischen Aufklärung und auch gewaltiger Kritiker der bestehenden Verhältnisse in Gesellschaft, Staat und Religion seiner Zeit. Er gehört schon lange zu den Klassikern der Philosophie, der Pädagogik, der Literatur und vor allem der politischen Theorie, die den berühmten Contrat Social und die Theorie einer staatlichen Erziehung einschließt. Mit seinen Ideen zu einer staatlichen Erziehung stand er nicht alleine: Seine Denkweise gehörte in die jene große Bewegung der Verstaatlichung des Erziehungswesens, die das 18. Jahrhundert durchzog. In dem Entwurf einer Erziehung zum Staatsbürger stellt Rousseau eine Leitfrage, die sich über seine ganze Erziehungstheorie durchzieht: Wie erzieht man einen Staatsbürger, der im Sinne des Contrat Social zu patriotischen Gesinnung durch Gesetz und Sittlichkeit gelangt und den Allgemeinwillen über seine eigene Interessen platziert?
In der vorliegenden Hausarbeit soll diese Frage im Hauptteil revidiert und beantwortet werden: Zunächst wird die Person Jean – Jacques Rousseau in einem Exkurs über sein Leben und seine Werke vorgestellt. In Weiteren wird der Leser mit der Staatstheorie von Rousseau bekannt gemacht, die prägnant für das Verständnis der Theorie der Erziehung zum Staatsbürger erscheint. Als nächstes wird die Erziehungstheorie näher erläutert, die in drei Unterebenen aufgeteilt ist: Träger, Prinzipien und Zielsetzung der staatlichen Erziehung. Als letzten Punkt der Hausarbeit erhält der Leser einen Exkurs über die Unterschiede in der Charakterisierung von Citroyen und Bourgeois, den zwei sich gegenüberstehenden Protagonisten in der Rousseauschen Erziehungstheorie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hauptteil
2. 1 Jean – Jacques Rousseau
2. 1. 1 Leben
2. 1. 2 Werke
2. 2 Rousseaus Staatslehre
2. 3 Erziehung zum Staatsbürger
2. 3. 1 Träger der Erziehung
2. 3. 2 Prinzipien der Erziehung
2. 3. 3 Zielsetzung der Erziehung
2. 4 Gegenüberstellung von Citroyen und Bourgeois
3. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Diese Hausarbeit untersucht Rousseaus Theorie der staatlichen Erziehung mit dem Ziel, die Leitfrage zu beantworten, wie ein Staatsbürger erzogen werden kann, der das Allgemeinwohl über seine eigenen Interessen stellt. Dabei wird der enge Zusammenhang zwischen Rousseaus politischer Staatstheorie und seiner pädagogischen Erziehungslehre analysiert.
- Biografie und Werkgeschichte von Jean-Jacques Rousseau
- Grundlagen der Rousseauschen Staatslehre und des Gesellschaftsvertrags
- Struktur und Zielsetzung der Erziehung zum Staatsbürger
- Differenzierung zwischen den Typen Citoyen und Bourgeois
Auszug aus dem Buch
2. 3. 1 Träger der Erziehung
Als Handlungsbasis für eine staatliche Erziehung sieht Rousseau einen Staat im Sinne des Contrat Social vor, da es nur in dessen Rahmen möglich wäre Erziehung sinnvoll zu gestalten. Dieser ist durch Allgemeinwohl, die für alle verbindlichen Gesetze, politische Freiheit und Gesellschaft der Freien und Gleichen gekennzeichnet.
Der Staat ist demnach verpflichtet, die Aufgabe der Erziehung des Staatsbürgers auszurichten, die vor allem in der „Bildung der politischen Gefühle: Liebe zur Freiheit, zur Tugend, zum Gesetz“ besteht.
Im Economique Politique beschreibt Rousseau den Erzieher, den der Staat zur Erziehung seiner Staatsbürger einsetzt: Die Funktionen des Erziehers sollen dem übertragen werden, der „würdig alle anderen Funktionen“ erfüllt hat, d.h., einem in Ehren ergrauten Veteran. Dieser soll durch Vorbild und Autorität unterweisen.
In Considerations sur la Gouvernement de Pologne ändert sich das Bild des Erziehers : Hier wird er als ein jüngerer Staatsdiener beschrieben, der berufen ist, später noch weitere Stufen in der öffentlichen Hierarchie zu ersteigen, möglichst nicht verheiratet und durch Sitten, Redlichkeit und Intelligenz ausgezeichnet ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Relevanz Rousseaus als Aufklärer und Skizzierung der zentralen Fragestellung zur Erziehung des Staatsbürgers.
2. Hauptteil: Detaillierte Auseinandersetzung mit der Person, den Werken und der politischen sowie pädagogischen Lehre Rousseaus.
2. 1 Jean – Jacques Rousseau: Überblick über das Leben und das schriftstellerische Schaffen Rousseaus.
2. 1. 1 Leben: Biografische Eckdaten von der Herkunft in Genf bis hin zu den späten Lebensjahren.
2. 1. 2 Werke: Analyse der bedeutendsten Schriften wie Contrat Social und Emile hinsichtlich ihrer philosophischen Relevanz.
2. 2 Rousseaus Staatslehre: Erörterung des Konzepts der Republik und des Gemeinwillens (volonte generale) als Basis der staatlichen Ordnung.
2. 3 Erziehung zum Staatsbürger: Darlegung der theoretischen Ansätze, den Menschen durch staatliche Erziehung patriotisch zu formen.
2. 3. 1 Träger der Erziehung: Bestimmung der Rolle des Erziehers im Wandel der Rousseauschen Schriften.
2. 3. 2 Prinzipien der Erziehung: Untersuchung der Methoden, um das Individuum vollständig auf den Dienst am Staat auszurichten.
2. 3. 3 Zielsetzung der Erziehung: Definition des Hauptziels, das Menschsein und Bürgersein in den Dienst des Vaterlandes zu stellen.
2. 4 Gegenüberstellung von Citroyen und Bourgeois: Analyse der zwei gegensätzlichen Menschentypen in der Philosophie Rousseaus.
3. Schlussteil: Zusammenfassende Reflexion über die staatliche Erziehungstheorie und die Schwierigkeiten bei der Bearbeitung des umfangreichen Forschungsmaterials.
Schlüsselwörter
Jean-Jacques Rousseau, Staatsbürger, Erziehung, Contrat Social, Gemeinwille, Citoyen, Bourgeois, Staatstheorie, Aufklärung, Patriotismus, Gesellschaftsvertrag, Pädagogik, politische Bildung, Naturzustand, Freiheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Erziehungstheorie von Jean-Jacques Rousseau, speziell mit dem Ziel der Erziehung zum Staatsbürger im Kontext einer idealen Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Staatstheorie Rousseaus, die Rolle des Erziehers sowie die Transformation des Individuums vom privaten Menschen zum politisch engagierten Bürger.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, wie Rousseau die Erziehung konzipiert, um einen Staatsbürger zu formen, der das Gemeinwohl über persönliche Interessen stellt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse der Primärquellen (insbesondere Contrat Social und Emile) sowie relevanter Forschungsliteratur zur politischen Philosophie und Pädagogik.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in biografische Grundlagen, die Staatslehre, die spezifische pädagogische Umsetzung der Staatserziehung und den Vergleich zwischen Citoyen und Bourgeois.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gesellschaftsvertrag, Gemeinwille, Staatsbürgererziehung und Aufklärung geprägt.
Wie unterscheidet sich der "Citoyen" vom "Bourgeois" nach Rousseau?
Der Citoyen ist das aufgeklärte Idealbild eines Staatsbürgers, der mit dem Gemeinwillen identifiziert ist, während der Bourgeois den egozentrischen Menschen der bestehenden Gesellschaft darstellt.
Warum hält Rousseau eine staatliche Erziehung in seiner Zeit für schwierig?
Rousseau sieht in der damaligen Gesellschaft keine echten Vaterländer und keine wahren Bürger, was die Umsetzung einer idealen staatlichen Erziehung zu einem utopischen Unterfangen macht.
- Quote paper
- Alina Heberlein (Author), 2008, Erziehung zum Staatsbürger bei Jean-Jacques Rousseau, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/133295