Diese Arbeit behandelt die Auswirkungen der Techniken der Integrationsphase Sharing und Rollenfeedback auf die gesamte Gruppe, sowie die Untersuchung von mehrwertgenerierenden Faktoren, die Selbsterfahrungsprozesse ausgelöst durch die Teilnahme an einer psychodramatischen Selbsterfahrungsgruppe erhöhen können.
Die Forschungsergebnisse konnten aufzeigen, dass die Teilnehmer*innen durch die symbolisch-intermediäre Wirkung eines Protagonist*innenspiels zu Reflexionsprozessen angeregt und durch das aktive Teilen eines Erlebnisses (Sharing) einen kathartischen Effekt erfahren können. Wodurch das protagonist*innenzentrierte Spiel für alle Anwesenden einen Nutzen darstellen kann, sofern diese sich mit dem innewohnenden Gruppenthema identifizieren können. Das bedeutet, dass ähnlich wie im protagonist*innenzentrierten Spiel für Protagonist*innen, Beobachter*innen innere Anteile auf ein externes Medium (Gruppenspiel) projizieren, die dabei empfundenen Gefühle reflektieren und durch Sharing Handlungskatharsis erfahren können.
Im Rollenfeedback sind die Teilnehmer*innen in ihrer Position als Hilfs-Ich gefordert, eigene Gefühle von der zu spielenden Rolle zu trennen, wodurch die Fokussierung der Selbst- und Fremdwahrnehmung durch die Miteinbeziehung von Empathie eine reflexive Aufgabe darstellt und somit diesen Prozess fördern kann. Weiters kann durch die Ergebnisse geschildert werden, dass das Lernen durch Beobachten zwar in den Nachschlagewerken benannt wird, jedoch im Vergleich zur häufigen Benennung der Untersuchungsteilnehmer*innen nicht adäquat repräsentiert wird, da hier die Auswirkungen des Psychodramas auf die Gruppe nicht im Vordergrund stehen.
Inhaltsverzeichnis
- Zusammenfassung
- Abstract
- Abbildungsverzeichnis
- Tabellenverzeichnis
- 1. Einleitung
- 1.1. Präzisierung der Fragestellung
- 1.2 Überblick des Forschungsvorhabens
- 1.3 Vorgangsweise bei Literaturrecherche
- 2. Theoretische Grundlagen
- 2.1 Die Trias des Psychodramas
- 2.2 Protagonist*innenzentriertes Psychodrama
- 2.2.1 Soziometrie
- 2.2.1.1 Soziometrischer Test
- 2.2.2 Gruppentherapie
- 2.3 Strukturtheorien
- 2.3.1 Rollentheorie
- 2.3.1.1 Rollenentwicklung
- 2.3.2 Kreative Zirkel
- 2.3.2.1 Konzept der Spontaneität und Kreativität
- 2.3.2.2 Kulturkonserve
- 2.3.3 Das kulturelle Atom, Begegnung und Tele in der Soziometrie
- 2.3.3.1 Soziales Atom
- 2.3.3.2 Kulturelles Atom
- 2.3.3.3 Tele
- 2.4 Instrumente des Psychodramas
- 2.4.1 Die Bühne
- 2.4.2 Protagonist*in
- 2.4.3 Mitspieler*innen
- 2.4.4 Leitung
- 2.4.5 Die Gruppe
- 2.5 Intermediärobjekt
- 2.6 Psychodramatische Phasen
- 2.6.1 Erwärmungsphase
- 2.6.2 Aktionsphase
- 2.6.3 Integrationsphase
- 2.6.3.1 Sharing
- 2.6.3.2 Rollenfeedback
- 2.7 Selbstreflexion als Prozess der Selbsterfahrung im Psychodrama
- 2.7.1 Selbsterfahrung und Selbstreflexion, ein Vergleich beider Begriffe
- 2.8 Selbsterfahrung im Sinne des Forschungsvorhabens
- 2.8.1 Selbsterfahrung in der Ausbildung
- 2.8.2 Psychodramatische Gruppenselbsterfahrung
- 2.9 Stand der Forschung
- 2.9.1 Wissensstand der psychodramatischen Wirksamkeitsforschung – ein Rückblick
- 2.9.2 Psychodramatische Gruppenselbsterfahrung im Ausbildungskontext
- 2.9.3 Forschungsbelege psychodramatischer Gruppentherapie in nichtklinischen Populationen
- 2.9.4 Gruppenpsychotherapeutische Wirkfaktoren
- 2.9.4.1 Spezifische und unspezifische Wirkfaktoren
- 2.9.5 Forschungsbelege zu den Techniken des Psychodramas
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Forschungsarbeit analysiert die Auswirkungen von psychodramatischen Selbsterfahrungsgruppen im universitären Kontext, mit besonderem Fokus auf die Techniken der Integrationsphase, Sharing und Rollenfeedback. Es wird untersucht, wie diese Techniken die Reifungs- und Selbsterfahrungsprozesse der Teilnehmer*innen beeinflussen, insbesondere die Generierung von Selbstreflexionsprozessen. Die Studie geht darüber hinaus auf die Wirkfaktoren von protagonist*innenzentrierten Spielen, Rollenfeedback und Sharing ein und identifiziert Faktoren der Eigeninitiative, die den Mehrwert einer psychodramatischen Gruppenselbsterfahrung für zukünftige Teilnehmer*innen verbessern könnten.
- Einfluss der Integrationsphase auf Reifungs- und Selbsterfahrungsprozesse
- Generierung von Selbstreflexionsprozessen durch Sharing und Rollenfeedback
- Wirkfaktoren von protagonist*innenzentrierten Spielen, Rollenfeedback und Sharing
- Faktoren der Eigeninitiative für die Steigerung des Mehrwerts der Selbsterfahrung
- Anwendbarkeit der Ergebnisse im universitären Ausbildungskontext
Zusammenfassung der Kapitel
Die Arbeit beginnt mit einer Einleitung, die die Forschungsfrage präzisiert und einen Überblick über das Forschungsvorhaben gibt. Kapitel 2 widmet sich den theoretischen Grundlagen, indem es die Trias des Psychodramas, protagonist*innenzentriertes Psychodrama, Strukturtheorien, Instrumente des Psychodramas, psychodramatische Phasen, Selbstreflexion und Selbsterfahrung im Psychodrama sowie den aktuellen Stand der Forschung beleuchtet.
Schlüsselwörter
Psychodrama, Selbsterfahrung, Integrationsphase, Sharing, Rollenfeedback, Selbstreflexion, Gruppentherapie, universitärer Kontext, Ausbildung, Eigeninitiative, Wirkfaktoren, qualitative Inhaltsanalyse, MAXQDA.
Häufig gestellte Fragen
Was ist die "Integrationsphase" im Psychodrama?
Die Integrationsphase ist der abschließende Teil eines psychodramatischen Spiels, in dem Techniken wie Sharing und Rollenfeedback genutzt werden, um das Erlebte zu reflektieren.
Was versteht man unter "Sharing"?
Beim Sharing teilen die Gruppenmitglieder eigene ähnliche Erlebnisse mit dem Protagonisten. Dies wirkt kathartisch und stärkt das Gemeinschaftsgefühl.
Wie funktioniert das Rollenfeedback?
Teilnehmer, die als Hilfs-Ich eine Rolle gespielt haben, geben Rückmeldung über ihre Gefühle in dieser Rolle. Dies fördert die Selbst- und Fremdwahrnehmung.
Können auch Beobachter vom Psychodrama profitieren?
Ja, Beobachter können innere Anteile auf das Gruppenspiel projizieren und durch das Miterleben und anschließende Sharing eigene Reflexionsprozesse anstoßen.
Warum ist Selbsterfahrung im Studium wichtig?
In helfenden Berufen ermöglicht die psychodramatische Selbsterfahrung im Ausbildungskontext eine tiefere Reflexion der eigenen Rollen und fördert die persönliche Reife.
Was ist die "Trias" des Psychodramas?
Die Trias nach Moreno besteht aus Psychodrama, Soziometrie und Gruppenpsychotherapie als zusammenhängende methodische Einheiten.
- Quote paper
- Florian Hausegger (Author), 2022, Psychodramatische Gruppenselbsterfahrungen im universitären Ausbildungskontext, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1331639