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Das Böse im Menschen

Eine mögliche Erklärung aus der Sozialpsychologie

Title: Das Böse im Menschen

Term Paper (Advanced seminar) , 2008 , 20 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Stefanie Pokorny (Author)

Theology - Miscellaneous
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Tag für Tag sieht und hört man in den Medien von Gewalt, Brutalität, Mord. Die wenigen Meldungen, die über erfreuliche Dinge berichten, bleiben selten lange im Gedächtnis, doch an die bösen Geschehnisse erinnert man sich. Mit einer Mischung aus Ekel, völligem Unverständnis aber auch Faszination verfolgt man beispielsweise Bilder vom 11. September, Bilder aus Abu Ghraib und Bilder vom Irak Krieg. Das Böse scheint alltäglich und allgegenwärtig zu sein und man fragt sich, welche Menschen das sind, die solche grauenhaften Taten vollbringen können. Ganz automatisch ist man dazu geneigt, diesen Tätern gewisse Attribute zuzuschreiben, wie zum Beispiel mangelndes Unrechtbewusstsein, fehlende soziale Kompetenzen, hohe Gewaltbereitschaft, schlechtes Elternhaus oder sogar genetische Dispositionen. Die Ursache für böses Verhalten wird meist in der Persönlichkeit und im persönlichen Umfeld des Täters gesucht; doch was, wenn diese Erklärungen unzureichend sind? Was macht dann Menschen tatsächlich böse?
Dieser Frage hat sich ein Mann namens Philip George Zimbardo angenommen, der versucht, die Wurzeln des Bösen zu erklären. Zimbardo ist emeritierter Professor der Psychologie an der Stanford Universität in Kalifornien. Geboren 1933 in der Bronx, New York City kam er bereits als Kind mit viel Armut und Verbrechen in Berührung, was ihn schon damals dazu veranlasste, über die Ursache von Gewalt nachzudenken. Seinen Durchbruch erreichte Professor Zimbardo mit dem sogenannten Stanford Prison Experiment , das er 1971 an der Stanford Universität initiierte und durchführte. Mit diesem Versuch wollte er beweisen, dass Menschen, die böse handeln, nicht von Grund auf böse sind, sondern, dass der Ort, die Situation oder das System, in dem sie sich befinden, für böse Taten verantwortlich ist. Ganz konkret befasst er sich mit diesem Thema in seinem Buch „Der Luzifer-Effekt“. Da dieses Werk erst kürzlich erschienen, und die Forschungsliteratur zu diesem Thema daher sehr gering ist, ist „Der Luzifer-Effekt“ die Grundlage dieser Arbeit. In diesem Buch geht es vorrangig um eine detaillierte Beschreibung des SPEs, um die Analyse und Auswertung des daraus entstandenen Forschungsmaterials und ganz aktuell um etwaige Parallelen zum Folterskandal in Abu Ghraib.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. DIE FASZINATION DES BÖSEN

2. STANFORD PRISON EXPERIMENT

2.1. DIE IDEE DAHINTER

2.2. VORBEREITUNGEN

2.3. DURCHFÜHRUNG DES EXPERIMENTS

2.3.1 Ankunft

2.3.2 Erster Aufstand

2.3.3 Entlassung von #8612

2.3.4 Besuchsnachmittag

2.3.5 Entlassung von #819

2.3.6 Ein neuer Häftling kommt

2.3.7 Vorzeitiger Abbruch

2.4. PSYCHOLOGISCHE TAKTIKEN

3. WAS IST DER LUZIFER-EFFEKT?

4. PARALLELEN ZU WILLIAM GOLDINGS „HERR DER FLIEGEN“

4.1. HANDLUNG

4.2. UNTERSUCHUNG EINIGER TEXTSTELLEN

5. DIE FRAGE NACH DEN TÄTERN

Zielsetzung und Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die sozialpsychologischen Ursachen für menschliches Fehlverhalten und Grausamkeit, insbesondere im Kontext von situativen Gegebenheiten. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie ein System oder eine bestimmte Umgebung gewöhnliche Menschen dazu bewegen kann, böse oder sadistische Handlungen zu vollziehen, anstatt diese allein in der individuellen Persönlichkeit des Täters zu verorten.

  • Analyse des Stanford Prison Experiments (SPE) als psychologische Simulationsstudie.
  • Untersuchung von psychologischen Taktiken wie Dehumanisierung, Anonymität und Konformität.
  • Vergleichende Analyse des Luzifer-Effekts auf Grundlage von Philip Zimbardos Forschung.
  • Transfer der psychologischen Theorien auf die literarische Darstellung menschlichen Zerfalls in William Goldings „Herr der Fliegen“.
  • Reflexion über die Verantwortung bei der Entstehung des Bösen und die Rolle des „stummen Chors“.

Auszug aus dem Buch

2.3.7 Vorzeitiger Abbruch

Ursprünglich sollte das SPE zwei Wochen dauern; es wurde jedoch aus mehreren Gründen bereits nach sechs Tagen abgebrochen.

Zum einen nahmen die Demütigungen der Wärter gegenüber ihren Häftlingen ungeahnte Ausmaße an. Beleidigungen, Zählapelle, Liegestütze, persönliche Angriffe und unzählige Stunden in Isolierhaft waren nicht genug. Diese Quälereien gipfelten am Tag vor dem Abbruch in stark pornographische Aktionen. Die Wärter befahlen dem einen Teil der Gefangenen Kamelstuten, und dem anderen Teil Kamelbullen zu spielen. Nun sollten sie sich gegenseitig bespringen und den Geschlechtsverkehr vortäuschen, während die Wärter daneben standen und amüsiert dem grotesken Schauspiel beiwohnten. Dieses Bild war so absurd und erschreckend, dass Zimbardo und seine Kollegen, erleichtert über ihre Entscheidung, beschlossen, an dieser Stelle abzubrechen.

Zum anderen war es der Verdienst von Christina Maslach, dass die Studenten in diesem Experiment nicht noch weiter verharren mussten. An diesem besagten Tag bekam sie einen Toilettengang mit, bei dem die Häftlinge gemeinsam, verbunden mit Fußketten und mit Tüten auf den Köpfen in einer Reihe zur Toilette gebracht wurden, worauf Christina einen entscheidenden Satz zum Professor sagte: „Was du mit diesen Jungs machst, ist schrecklich!“ Diese Aussage war für Zimbardo ein harter Schlag, der ihn aus dem Experiment, von dem auch er und sein Handeln manipuliert wurden, zurück in die Realität holte.

Zimbardo verschwieg den Studenten zunächst, dass er seine Studie abbrechen wollte und befahl lediglich den Wärtern, die Häftlinge in der letzten Nacht ohne Zählapelle durchschlafen zu lassen; am nächsten Morgen wurden alle Studenten, jubelnd vor Freude, vorzeitig entlassen.

Zusammenfassung der Kapitel

1. DIE FASZINATION DES BÖSEN: Einführung in die Thematik der menschlichen Faszination für Gewalt und Vorstellung von Philip Zimbardo als Initiator des Stanford Prison Experiments.

2. STANFORD PRISON EXPERIMENT: Detaillierte Darstellung der Versuchsplanung, Durchführung und des Eskalationsprozesses innerhalb der Simulationsstudie sowie der Abbruchgründe.

3. WAS IST DER LUZIFER-EFFEKT?: Wissenschaftliche Erläuterung der Hypothese, dass situative Faktoren und Umgebungen den Charakter wandeln und zu bösem Handeln führen können.

4. PARALLELEN ZU WILLIAM GOLDINGS „HERR DER FLIEGEN“: Analyse literarischer Szenen aus Goldings Werk zur Identifikation von gruppendynamischen und deindividuierenden Prozessen, die den Erkenntnissen des SPE gleichen.

5. DIE FRAGE NACH DEN TÄTERN: Abschließende kritische Reflexion über die Verantwortlichkeit für das Böse, bei der nicht nur der Täter, sondern auch das System und passive Zuschauer betrachtet werden.

Schlüsselwörter

Stanford Prison Experiment, Zimbardo, Luzifer-Effekt, Sozialpsychologie, Dehumanisierung, Konformität, Anonymität, Gruppendynamik, Situationismus, Herr der Fliegen, Eskalation, Haftbedingungen, Machtrausch, moralische Verantwortung, psychische Belastung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit befasst sich mit den psychologischen Ursachen des Bösen, basierend auf dem Stanford Prison Experiment, und untersucht, wie Situationen das Verhalten von Menschen maßgeblich beeinflussen können.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Felder sind die Macht von Systemen und Situationen über das Individuum, die Dynamik zwischen Wärtern und Gefangenen sowie die Parallelen zwischen sozialpsychologischen Experimenten und fiktionaler Literatur.

Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?

Ziel ist es zu ergründen, warum gute Menschen unter bestimmten situativen Bedingungen böse Taten begehen, anstatt nur die individuelle Persönlichkeit des Täters als Ursache für Grausamkeit zu sehen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Literaturanalyse, primär basierend auf Philip Zimbardos Werk „Der Luzifer-Effekt“, sowie eine analytische Untersuchung von Textstellen aus William Goldings Roman „Herr der Fliegen“.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte chronologische Darstellung des Stanford Prison Experiments, die theoretische Herleitung des Luzifer-Effekts sowie den Transfer dieser Erkenntnisse auf die Handlung und Charaktere in Goldings Werk.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit ist geprägt durch Begriffe wie situative Kräfte, Dehumanisierung, Anonymität, soziale Konformität und die Frage nach der individuellen Schuld innerhalb einer systemisch manipulativen Umgebung.

Warum spielt die Kleidung der Teilnehmer im Experiment eine so entscheidende Rolle?

Die Kleidung diente der optischen Konformität und der Anonymisierung; sie half den Teilnehmern, ihre individuelle Identität zugunsten einer sozialen Rolle (Wärter oder Häftling) aufzugeben und damit Verantwortung für das eigene Handeln zu verschleiern.

Welchen Einfluss hatte der „stumme Chor“ laut der Arbeit auf die Entstehung des Bösen?

Der „stumm Chor“ – also diejenigen, die bei Misshandlungen zusehen, aber nicht intervenieren – leistet durch seine passive Duldung einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung und Aufrechterhaltung böser Strukturen.

Was unterscheidet das Verhalten von Ralph in „Herr der Fliegen“ von dem der anderen Jungen?

Ralph ist der Einzige, der seine zivilisierte Identität bewahrt und sich nicht der maskierten, triebgesteuerten Gruppendynamik unterwirft, weshalb er letztlich zum Außenseiter wird.

Welche Rolle spielt Christina Maslach beim Abbruch des Experiments?

Christina Maslach fungierte als kritisches Korrektiv von außen; ihre emotionale Reaktion auf die entwürdigende Behandlung der Gefangenen zwang Zimbardo, seine eigene Rolle und den Eskalationsgrad der Studie zu hinterfragen.

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Details

Title
Das Böse im Menschen
Subtitle
Eine mögliche Erklärung aus der Sozialpsychologie
College
University of Bamberg
Grade
1,3
Author
Stefanie Pokorny (Author)
Publication Year
2008
Pages
20
Catalog Number
V132918
ISBN (eBook)
9783640391851
Language
German
Tags
Zimbardo Luzifer-Effekt Prison Experiment Das Böse Herr der Fliegen Stanford
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Pokorny (Author), 2008, Das Böse im Menschen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132918
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