Als ich vor vielen Jahren den Film "Der Club der toten Dichter" des australischen Regisseurs Peter Weir zum ersten Male gesehen habe, hat er mich sofort gefangen genommen. Da ich selbst in einem Internat groß geworden bin, ist mir vieles bekannt vorgekommen oder war mir sogar sehr vertraut. In den Jahren danach ist mir der Film immer wieder begegnet und ich habe mich entsprechend des Lebensabschnitts und der eigenen Entwicklung, in ganz unterschiedlichster Form damit auseinandergesetzt. Auch heute noch übt der Film eine große Faszination auf mich aus, denn in ihm werden grundlegende Fragen, mit denen sich die Erzie-hungswissenschaften auseinandersetzen, angesprochen. Für mich stellt sich hier ganz zentral die Frage: Was ist Erziehung und welches Ziel wird mit ihr verfolgt? In der vorliegenden Arbeit möchte ich versuchen, mich mit dieser Frage auseinanderzusetzen und anhand des Buches (Buch zum Film) beispielhaft zu veranschaulichen, wie unterschiedlich Erziehung verstanden wer-den kann: Einmal als Weitergabe von Tradition, wobei hier der Begriff der Autorität eine Rolle spielt, oder als Erziehung hin zum Freidenker.
Dazu werde ich mich dem Erziehungsbegriff historisch nähern, seine Entwicklung aufzeigen und am Ende der Arbeit versuchen, die Dinge zu benennen, die in der Erziehung für mich von großer Wichtigkeit sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Begriff der Erziehung
2.1 In der Antike und dem Hellenismus
2.2 Im Mittelalter
2.2.1 Benedikt von Nursia und Thomas von Aquin
2.2.2 Karl der Große
2.3 In der Neuzeit
2.3.1 Martin Luther
2.3.2 Die Jesuiten
2.3.3 Johann Amos Comenius
2.4 Im Zeitalter der Aufklärung
2.4.1 John Locke
2.4.2 Immanuel Kant
2.4.3 Jean-Jacques Rousseau
2.4.4 Die Philanthropen
2.4.5. Johann H. Pestalozzi
2.5 In der deutschen Klassik (1800-1900)
2.5.1 Friedrich Wilhelm August Fröbel
2.5.2 Wilhelm von Humboldt
2.6 In der Zeit von 1900-1933
2.6.1 Die Reformpädagogik
2.6.1.1 Ellen Key
2.6.1.2 Berthold Otto und Georg Kerschensteiner
2.6.1.3 Maria Montessori
2.6.2 Die Jugendbewegung
2.7 Im Nationalsozialismus
2.8 In der Nachkriegszeit
2.8.1 In Ostdeutschland
2.8.2 In Westdeutschland
2.8.2.1 Exkurs: Wilhelm Dilthey
2.8.2.2 Exkurs: Herman Nohl
2.8.2.3 Exkurs: Wilhelm Flitner
2.8.2.4 Exkurs: Eduard Spranger
2.8.3 Theodor Litt
3. "Der Club der toten Dichter"
3.1 Die Leitidee der Akademie
3.1.1 Die Schüler
3.1.2 John Keating
3.1.3 Die Konflikte der Schüler mit den Eltern
3.1.4 Das "Erbe" John Keatings
3.2 Die verschieden Erziehungsstile in Welton
3.2.1 Autoritärer Erziehungsstil
3.2.2 Erziehungsstil von John Keating
4. Resümee
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Wesen von Erziehung in ihrer historischen Entwicklung vom Altertum bis in die 1960er Jahre und stellt diese Erkenntnisse in Bezug zu den im Film "Der Club der toten Dichter" dargestellten Erziehungsstilen. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie Erziehung definiert werden kann und welche Ziele – von der bloßen Traditionsvermittlung bis hin zur Erziehung zum Freidenker – mit ihr jeweils verfolgt werden.
- Historische Entwicklung des Erziehungsbegriffs
- Gegensatz zwischen autoritärer Erziehung und Förderung von Individualität
- Pädagogische Konzepte von der Antike bis zur Reformpädagogik
- Die Rolle der Schule als Ort der Reproduktion oder Innovation
- Analyse des "Clubs der toten Dichter" unter erziehungswissenschaftlichen Aspekten
Auszug aus dem Buch
3.1.2 John Keating
Mit der Einstellung des Lehrers John Keating, ändert sich das Leben der Schüler eklatant, denn Keating steht für eine andere Art Unterricht, für unorthodoxe Lehrmethoden, für eine Verpflichtung in der Gegenwart, für Ermutigung zum Fühlen, für einen Perspektivenwechsel, für ein Brechen mit Gewohnheiten, für Mut zum Unkonventionellen, für das Entdecken eigener Glaubenssätze und für das Infrage stellen von Autoritäten (vgl. Kiper, S. 76). Keating lässt die Schüler zum Beispiel nacheinander auf den Tisch steigen, um ihnen deutlich zu machen, dass es wichtig ist, die Welt immer auch von einem anderen Standpunkt aus zu betrachten, gerade auch dann, wenn man sich einer Sache besonders sicher ist (vgl. Kleinbaum, S. 61). Er macht ihnen deutlich, wie gefährlich Gleichförmigkeit ist, indem er sie im Hof in ihrer eigenen Art marschieren lässt und ihnen zeigt, wie schnell sich ihr Schritt den Schritten derer, die mitmarschieren, anpassen (vgl. Kleinbaum, S. 85).
Er vermittelt ihnen Gedichte, damit die Jugendlichen lernen, die Sprache und die Worte zu genießen, da Worte und Ideen die Kraft haben, die Welt zu verändern (vgl. Kleinbaum, S. 42). Für ihn ist die Poesie ein Instrument für jeden Einzelnen, seine Gefühle auszudrücken. Der Zentral- und Lehrsatz aber dieses Buches ist: "Carpe Diem" nutze den Tag! (http://de.wikipedia.org/wiki/Club_der_toten_Dichter). Keating will damit den Jugendlichen vermitteln, dass sie etwas Ungewöhnliches aus ihrem Leben machen sollen (vgl. Kleinbaum, S. 30), denn sonst sind sie irgendwann tot, ohne selbst je gelebt zu haben (vgl. Strunz, S. 92).
Mit diesem Lehrer Keating wird dem Kollegium der Welton-Akademie ein Gegenspieler gegenübergestellt (vgl. Kiper, S. 76). Er fordert nicht Anpassung, Unterwerfung, und Auswendiglernen, sondern Selbstdenken, Mut und eine eigene Meinung zu haben und diese auch zu vertreten. Nach seiner Meinung kann nur der, der Mut hat, eigene Erfahrungen zu machen, eine Persönlichkeit und ein reifer Mensch werden (vgl. Bosold, S. 2f.).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung motiviert das Thema durch die persönliche Faszination der Verfasserin für den Film "Der Club der toten Dichter" und skizziert das Ziel, den Erziehungsbegriff historisch herzuleiten und anhand des Films zu reflektieren.
2. Der Begriff der Erziehung: Dieses Kapitel liefert einen historischen Abriss der Pädagogik von der Antike über das Mittelalter und die Neuzeit bis in die Nachkriegszeit, wobei der Fokus auf der Wandlung des Erziehungsverständnisses liegt.
3. "Der Club der toten Dichter": Dieses Kapitel analysiert das konkrete Fallbeispiel des Romans bzw. Films in Bezug auf Schulkultur, Konflikte und unterschiedliche Erziehungsstile wie den autoritären Stil der Schulleitung versus den Ansatz von John Keating.
4. Resümee: Das Schlusswort resümiert die Bedeutung des "Führens oder Wachsenlassens" für die heutige Erziehung und betont die Wichtigkeit der Freiheit als Grundlage für individuelle Lebensqualität.
5. Literatur: Das Verzeichnis listet die verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Internetressourcen auf, die zur theoretischen Fundierung der Arbeit herangezogen wurden.
Schlüsselwörter
Erziehung, Bildung, Reformpädagogik, Individualität, Autorität, Schulpflicht, Tradition, Freidenker, Schule, Pädagogik, Jugendbewegung, Emanzipation, Carpe Diem, Unterricht, Menschenbild
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die historische Entwicklung des Erziehungsbegriffs und kontrastiert konservative Erziehungsmuster mit humanistischen Ansätzen, illustriert durch die fiktive Welton-Akademie aus "Der Club der toten Dichter".
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit behandelt die Geschichte der Pädagogik, die Rolle von Schule und Internaten, das Spannungsfeld zwischen Tradition und Innovation sowie die Entwicklung von Heranwachsenden zu mündigen Individuen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Erziehungsbegriff historisch zu fundieren und zu zeigen, dass Erziehung weit mehr als bloße Wissensvermittlung ist, nämlich die Begleitung zur Selbstbestimmung.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse pädagogischer Klassiker und Fachliteratur, um diese theoretischen Konzepte auf die filmische Darstellung im "Club der toten Dichter" anzuwenden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse (von der Antike bis 1960) und eine angewandte Untersuchung der Erziehungsstile (autoritär vs. fördernd) anhand des gewählten Filmbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Erziehung, Bildung, Reformpädagogik, Individualität, Autorität, Tradition und Selbstbestimmung.
Warum wählt die Autorin das Beispiel des "Clubs der toten Dichter"?
Das Beispiel dient dazu, die im theoretischen Teil erarbeiteten abstrakten pädagogischen Konzepte wie "Führen" und "Wachsenlassen" lebendig zu veranschaulichen und ihre praktische Relevanz zu demonstrieren.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle von Theodor Litt?
Theodor Litt dient als theoretischer Ankerpunkt, dessen Konzept des "Begleiters" anstelle eines bloßen "Führers" die Brücke schlägt zwischen notwendiger Tradition und notwendiger Freiheit des Schülers.
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- Heike Matejka (Author), 2006, Die Geschichte der Erziehung , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132889