Nach 16 Jahren unter Kanzler Kohl bedeutete die erste rot-grüne Regierung auf Bundesebene im Jahr 1998 eine Zäsur in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Die Koalition aus SPD und Bündnis 90/Die Grünen wurde dementsprechend mit hohen Erwartungen, aber auch einem gehörigen Maß an Skepsis konfrontiert. In der politischen und wissenschaftlichen Debatte wurde alsbald vom „rot-grünen Projekt“ gesprochen. Die frühzeitig zwischen den „Projektpartnern“ eintretenden Streitigkeiten verdeutlichten jedoch den Spannungsbogen einer Koalitionsbeziehung zwischen Merkmalen der Kooperation und des Konflikts. In dieser Studie wird der Frage nachgegangen, nach welchen Mustern Konflikte in der rot-grünen Bundesregierung gelöst wurden. Angeleitet durch den akteurszentrierten Institutionalismus werden dabei Entscheidungsprozesse im Konfliktmanagement zwischen Rot-Grün analysiert, um die Handlungsweisen dieses Regierungsbündnisses besser verstehen zu können. Anhand von drei Fallstudien – dem Atomausstieg, dem Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr sowie der Agenda 2010 – werden für den Zeitraum von 1998 bis 2003 solche Muster der Konfliktlösung herausgearbeitet und darüber hinaus weiterführende Erkenntnisse über das Konfliktmanagement in Koalitionen gewonnen.
Inhaltsverzeichnis
- Abkürzungsverzeichnis
- I. Einleitung
- 1. Untersuchungsgegenstand
- 2. Untersuchungsansatz
- 3. Quellenlage und Forschungsstand
- II. Die Regierungsparteien und ihre Koalitionsbeziehungen
- 1. SPD
- 2. Bündnis 90/Die Grünen
- 3. Koalitionsbeziehungen zwischen SPD und Bündnis 90/Die Grünen
- III. Fallstudien zur Konfliktlösung
- 1. Atomausstieg
- 1.1 Akteurskonstellationen
- 1.1.1 Bundesregierung
- 1.1.2 Koalitionsparteien
- 1.2 Interaktionsformen
- 1.2.1 Verlauf der Konfliktlösung
- 1.2.2 Analyse der Interaktionsformen
- 1.2.2.1 Hierarchische Steuerung
- 1.2.2.2 Verhandlungen
- 1.3 Zusammenfassung
- 1.1 Akteurskonstellationen
- 2. Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr
- 2.1 Akteurskonstellationen
- 2.1.1 Bundesregierung
- 2.1.2 Koalitionsparteien
- 2.2 Interaktionsformen
- 2.2.1 Verlauf der Konfliktlösung
- 2.2.2 Analyse der Interaktionsformen
- 2.2.2.1 Hierarchische Steuerung
- 2.2.2.2 Verhandlungen
- 2.3 Zusammenfassung
- 2.1 Akteurskonstellationen
- 3. Agenda 2010
- 3.1 Akteurskonstellationen
- 3.1.1 Bundesregierung
- 3.1.2 Koalitionsparteien
- 3.2 Interaktionsformen
- 3.2.1 Verlauf der Konfliktlösung
- 3.2.2 Analyse der Interaktionsformen
- 3.2.2.1 Hierarchische Steuerung
- 3.2.2.2 Verhandlungen
- 3.3 Zusammenfassung
- 3.1 Akteurskonstellationen
- 1. Atomausstieg
- IV. Schlussfolgerungen
- Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die vorliegende Studie analysiert die Konfliktlösungsprozesse in der rot-grünen Bundesregierung von 1998 bis 2003. Ziel ist es, Muster der Konfliktlösung in Koalitionsregierungen herauszuarbeiten und allgemeine Erkenntnisse über die Konfliktbewältigung in Regierungsbündnissen zu gewinnen.
- Analyse von Entscheidungsprozessen in der rot-grünen Koalition
- Identifizierung von Mustern der Konfliktlösung
- Untersuchung der Handlungsweisen von Regierungsbündnissen
- Bedeutung von Kooperation und Wettbewerb in Koalitionsbeziehungen
- Analyse der verschiedenen Handlungsebenen in einem Regierungsbündnis
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt den Untersuchungsgegenstand und den Untersuchungsansatz vor. Sie erläutert die Bedeutung von Koalitionsregierungen im politischen System Deutschlands und die Herausforderungen, die mit der Konfliktlösung in Koalitionsbündnissen verbunden sind. Die Quellenlage und der Forschungsstand werden ebenfalls beleuchtet.
Kapitel II befasst sich mit den Regierungsparteien SPD und Bündnis 90/Die Grünen und ihren Koalitionsbeziehungen. Es werden die programmatischen Gemeinsamkeiten und Unterschiede der beiden Parteien sowie die Herausforderungen der Zusammenarbeit in der Koalition beleuchtet.
Kapitel III präsentiert Fallstudien zur Konfliktlösung in der rot-grünen Koalition. Es werden die Entscheidungsprozesse in den Bereichen Atomausstieg, Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr und Agenda 2010 analysiert. Die Akteurskonstellationen, Interaktionsformen und die Analyse der Konfliktlösungsprozesse werden detailliert dargestellt.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen die Konfliktlösung in Koalitionsregierungen, die rot-grüne Bundesregierung von 1998-2003, Entscheidungsprozesse, Akteurskonstellationen, Interaktionsformen, Hierarchische Steuerung, Verhandlungen, Atomausstieg, Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr, Agenda 2010, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Politikwissenschaft, Regierungsbündnisse, Kooperation, Wettbewerb.
Häufig gestellte Fragen
Wie löste die rot-grüne Regierung interne Konflikte?
Die Konfliktlösung erfolgte meist über ein Muster aus hierarchischer Steuerung (Kanzlerautorität) und intensiven Verhandlungen zwischen den Koalitionspartnern SPD und Grünen.
Welche Rolle spielte der Atomausstieg in der Koalition?
Der Atomausstieg war ein zentrales „Projekt“, das tiefe programmatische Differenzen aufzeigte und komplexe Verhandlungen zwischen Regierung und Industrie erforderte.
Warum war der Afghanistan-Einsatz ein kritischer Punkt für Rot-Grün?
Der Einsatz stellte insbesondere die pazifistischen Grundwerte der Grünen auf die Probe und führte zu einer Zerreißprobe innerhalb der Partei und des Bündnisses.
Was war die Agenda 2010?
Ein umfassendes Reformpaket zur Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik, das unter Kanzler Schröder initiiert wurde und massiven internen sowie externen Widerstand auslöste.
Was ist akteurszentrierter Institutionalismus?
Ein politikwissenschaftlicher Ansatz, der untersucht, wie Akteure innerhalb institutioneller Rahmenbedingungen (wie einer Koalition) Entscheidungen treffen und Konflikte managen.
- Quote paper
- Christian Neusser (Author), 2005, Muster der Konfliktlösung in der rot-grünen Bundesregierung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/132256