In dieser Arbeit soll das Ziel verfolgt werden, einen oder mehrere Exklusionseffekte des Anerkennungsgesetzes vom April 2012 aufzudecken. Dabei werden ebenso die aufenthaltsrechtlichen Regelungen betrachtet, da eine getrennte Betrachtung vom Anerkennungsgesetz nicht zielführend ist.
In unserer Priorisierung soll der mangelnde Nutzen des Anerkennungsgesetzes durch Exklusionseffekte aufgezeigt werden. In der zweiten Priorität steht der Einfluss des Aufenthalts- beziehungsweise Asylgesetzes auf den Exklusionseffekt des Anerkennungsgesetzes. Dabei soll der Zweck verfolgt werden, eben diese Exklusionseffekte und deren Folgen darzustellen, um so dieses Problem deutlich zu machen und Handlungsempfehlungen ansprechen zu können.
Hinsichtlich der Reichweite unserer Fragestellung bezieht sich diese auf Gesetze, welche Asylsuchende und Migranten ohne Niederlassungserlaubnis betreffen. Ausgegrenzt werden bei dieser Betrachtung die Migranten, die durch ihren rechtlichen Status der einheimischen Bevölkerung hinsichtlich der Allokation von Privilegien gleichgestellt sind.
Die demografische Entwicklung der Bevölkerung in der Bundesrepublik Deutschland stellt nach derzeitigen Daten des statistischen Bundesamtes ein erhebliches Problem zur Deckung des zukünftigen Fachkräftebedarfes dar. Die Bevölkerung reduziert sich mit voranschreitender Zeit durch mangelnde Fertilität in Relation zu steigender Mortalitätsrate. Einwanderung beziehungsweise Migration wird dadurch zu einem immer wichtigeren Bestandteil, um einem zukünftig ausgeprägten Fachkräftemangel begegnen zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemlage und Fragestellung
1.2 Zielsetzung, Zweck und Reichweite der Fragestellung
1.3 Struktur der Arbeit
2. Exklusionstheorien
2.1 Die Irrelevanz der Exkludierten? – systemtheoretisches Paradigma
2.2 Soziale Schließung der Gesellschaft – handlungstheoretisches Paradigma
2.3 Organisational inkludierende Exklusion – devianztheoretisches Paradigma
2.4 „Die Anderen“ und stratifizierte Rechte – migrationspädagogisches Paradigma
3. Fachkräftemangel in Deutschland
3.1 Der demografische Wandel – Definition, Prognose und Herausforderung
3.2 Flüchtlinge und Migranten – Die Paradoxie zwischen Exklusion und Mangel
3.2.1 Wanderungsbilanz
3.2.2 Partizipation am Arbeitsmarkt
3.2.3 Fachkräftemangel, Vakanzzeiten und Folgen für Wirtschaft und Sozialsystem
4. Rechtliche Grundlagen
4.1 Das Grundgesetz
4.2 Das Asylverfahrensgesetz
4.2.1 Definition
4.2.2 Das Asylverfahren
4.3 Das Aufenthaltsgesetz
4.3.1 Befristete Aufenthaltserlaubnis
4.3.2 Niederlassungserlaubnis
4.3.3 Duldung
4.3.4 Blaue Karte EU
4.4 Das Anerkennungsgesetz
4.4.1 Gleichwertigkeitsfeststellung
4.4.2 Das Anerkennungsverfahren
4.5 Exkurs: Deutscher und Europäischer Qualifikationsrahmen
4.5.1 Der Europäische Qualifikationsrahmen
4.5.2 Der Deutsche Qualifikationsrahmen
4.6 Zusammenfassende Betrachtung
5. Exklusion durch Gesetze und deren Umsetzung
5.1 Oberflächliche Betrachtung
5.2 Exklusion im Wohlfahrtsstaat
6. Aktuelle Forderungen in der Flüchtlingsdebatte
7. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit das Anerkennungsgesetz und das dazugehörige Anerkennungsverfahren vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels zu Exklusions-effekten bei Migranten und Asylsuchenden führen.
- Theoretische Fundierung von Exklusion durch unterschiedliche soziologische Paradigmen.
- Analyse des Fachkräftemangels in Deutschland im Kontext des demografischen Wandels.
- Untersuchung der rechtlichen Barrieren durch das Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz.
- Bewertung der Wirkung des Anerkennungsgesetzes auf die Arbeitsmarktpartizipation.
- Diskussion aktueller gesellschaftspolitischer Forderungen zur Flüchtlingsdebatte.
Auszug aus dem Buch
2. Exklusionstheorien
Um das Phänomen der Exklusion in einer Gesellschaft begreifen zu können, bedarf es der Hinterlegung von theoretischen Überlegungen. Wie sich in der Einleitung gezeigt hat, ist die Bundesrepublik Deutschland mit vermehrten Flüchtlingsströmungen konfrontiert, mit denen es umgehen muss. Die Bundesrepublik Deutschland ist als Organisation zu verstehen, welche als Bestandteil des Systems der Gesellschaft Einfluss auf Exklusion und Inklusion nehmen kann. „[...] von Ausschluss zu sprechen führt dazu, Grenzsituationen zu verselbstständigen, die aber nur Sinn annehmen, wenn man sie in einen Prozess zurückversetzt. Unter Exklusion ist nämlich der Zustand all derer zu verstehen, die sich außerhalb der lebendigen sozialen Austauschprozesse gestellt sehen.“
Exklusion kann also nicht aus einer einzelnen Situation heraus entstehen, sondern stellt einen Prozess innerhalb eines sozialen Systems dar. Exklusion beschreibt dabei den Prozess des Ausschlusses in Bezug auf unterschiedliche Randgruppen. Die Reichweite unserer Fragestellung bezieht sich in dieser Arbeit auf die Exklusion von Migranten, in derer auch die Gruppe der Asylsuchenden inkludiert ist, da sie voneinander nicht zu trennen sind. Armut wird als Ursprungsdebatte zur Exklusion in der Wissenschaft identifiziert, was den Bezug nimmt auf den Wegfall der sozialen Identität durch den Verlust der Arbeit und somit dem Verlust der Partizipation an der wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebenswelt. Die Folge einer Exklusion ist jedoch unabhängig ihres Ursprungs sehr ähnlich. So beschreibt Bude die Exklusion implizit als Degradierung des sozialen Status. „Exklusion bezeichnet heute in den meisten Fällen Situationen, die eine Degradierung gegenüber einer früheren Position beinhalten.“ Wie im späteren Unterkapitel der migrationspädagogischen Perspektive erkennbar sein wird, ist diese Degradierung ebenso auf die Reichweite unserer Fragestellung anwendbar. Die Asylbewerber, also Migranten, die aus einer Notsituation heraus, ihr Heimatland verlassen mussten, unterwerfen sich einen organisational bestimmten Sozialstatus, da sie ihr früheres soziales und wirtschaftliches Gefüge aufgeben mussten. Der soziale Status eines Fremden, oder ‚die Anderen‘, wie Mecheril diese phänomenologische und gesellschaftliche Zuteilung beschreiben würde, impliziert zunächst eine Unterscheidung von Einheimischen und Ausländern. Die Degradierung erscheint somit zunächst vollkommen in der Separation der mehrheitlichen einheimischen Bevölkerung beziehungsweise Gesellschaft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Problemstellung, des Erkenntnisinteresses sowie des Aufbaus der Arbeit.
2. Exklusionstheorien: Theoretische Auseinandersetzung mit verschiedenen soziologischen Ansätzen (Systemtheorie, Handlungstheorie, Devianztheorie, migrationspädagogisches Paradigma) zur Erklärung von Exklusionsprozessen.
3. Fachkräftemangel in Deutschland: Analyse demografischer Daten und wirtschaftlicher Folgen, die einen Fachkräftemangel begründen und die Paradoxie zwischen Mangel und Exklusion von Migranten aufzeigen.
4. Rechtliche Grundlagen: Darlegung des rechtlichen Rahmens (Grundgesetz, Asylverfahrensgesetz, Aufenthaltsgesetz, Anerkennungsgesetz) sowie der Qualifikationsrahmen, die den Zugang zum Arbeitsmarkt für Migranten regeln.
5. Exklusion durch Gesetze und deren Umsetzung: Kritische Reflexion, wie die rechtlichen Rahmenbedingungen institutionell und praktisch Exklusions-effekte bei Migranten und Asylsuchenden hervorrufen.
6. Aktuelle Forderungen in der Flüchtlingsdebatte: Exemplarische Diskussion öffentlicher Vorschläge und Strategien zur besseren Integration von Flüchtlingen und Migranten sowie deren Grenzen.
7. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Fragestellung, ob das Anerkennungsverfahren zu einem Exklusionseffekt führt, sowie Ausblick auf Handlungsempfehlungen.
Schlüsselwörter
Exklusion, Inklusion, Fachkräftemangel, Migration, Asylverfahren, Arbeitsmarkt, Anerkennungsgesetz, Soziale Schließung, Demografischer Wandel, Aufenthaltsrecht, Migrationspädagogik, Systemtheorie, Identität, Partizipation, Qualifikationsrahmen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen des deutschen Anerkennungsverfahrens für ausländische Bildungsabschlüsse auf die Exklusionsrisiken von Migranten und Asylsuchenden vor dem Hintergrund des bestehenden Fachkräftemangels.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder umfassen soziologische Exklusionstheorien, die wirtschaftliche Lage in Deutschland bezüglich des demografischen Wandels sowie die komplexen rechtlichen Rahmenbedingungen des Ausländer- und Asylrechts.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Exklusionsmechanismen aufzudecken, die durch die bestehende Gesetzgebung entstehen, und aufzuzeigen, warum diese trotz des Bedarfs an Fachkräften die Integration am Arbeitsmarkt erschweren.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden verwendet?
Die Arbeit nutzt systemtheoretische, handlungstheoretische, devianztheoretische und migrationspädagogische Paradigmen, um das komplexe Verhältnis von Inklusion und Exklusion theoretisch zu untermauern.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Exklusionsbegriffe, eine Bestandsaufnahme des Arbeitsmarktes, die Analyse der relevanten Gesetze und eine kritische Diskussion aktueller politischer Forderungen.
Was sind die wesentlichen Schlüsselbegriffe?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Exklusion, Anerkennungsgesetz, Fachkräftemangel, Soziale Schließung und das Prinzip der "Anderen" innerhalb der Migrationsdebatte.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Staates bei der Exklusion?
Der Autor zeigt auf, dass der Staat durch seine organisatorischen Strukturen und rechtlichen Festlegungen (z. B. durch das Anerkennungsverfahren und den Aufenthaltsstatus) maßgeblich Exklusionsprozesse steuert oder behindert.
Welche Rolle spielen die "Anderen" laut dem migrationspädagogischen Paradigma?
Die Konstruktion "der Anderen" dient dazu, symbolische Grenzen zwischen Einheimischen und Migranten zu ziehen und gesellschaftliche Machtverhältnisse und Privilegien durch formelle und informelle Ausschlusspraktiken zu sichern.
Warum erschwert die Duldung eine Arbeitsmarktintegration?
Der Rechtsstatus der Duldung schließt Migranten oft von einer gesicherten Arbeitserlaubnis und von Integrationsmaßnahmen aus, was dazu führt, dass sie trotz vorhandener Qualifikationen exkludiert bleiben.
- Arbeit zitieren
- Norman Groth (Autor:in), 2015, Fachkräftemangel in Deutschland. Herausforderung der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1320833