„Es fällt auf, daß [sic!] von den ältesten bis zu den neuesten Theorien das Hören unter einer Mißachtung [sic!] leidet, die aus einer vielfältigen Mißbestimmung [sic!] oder Unterbestimmung erwächst.“ (WALDENFELS 1994, zitiert nach SCHMITZ 1998: 57)
Waldenfels formuliert hier mit seiner These eine scharfe Kritik. Ist sie aber auch auf die gesprächsanalytischen Theorien und Forschungsergebnisse anzuwenden?
Diese kurze Ausarbeitung soll den Blick auf die Rolle des Hörers, die Höreraktivitäten und damit auf das spezifische Rückmeldeverhalten lenken und der Frage nachgehen, inwieweit der Hörer und seine Aktivitäten in der linguistischen Gesprächsanalyse Berücksichtigung gefunden haben.
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Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Höreraktivität und Rückmeldeverhalten
- Die Rolle des Hörers
- Hörverstehensakttheorie und Rückmeldungsakte nach HENNE/ REHBOCK
- Rückmeldeverhalten
- Typen/ Arten von Rückmeldeverhalten
- Funktionen
- Fazit
- Anhang
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Ausarbeitung befasst sich mit der Rolle des Hörers in der Gesprächsanalyse und untersucht, inwieweit Höreraktivitäten und Rückmeldeverhalten in der linguistischen Forschung Berücksichtigung gefunden haben. Sie analysiert die Entwicklung des Forschungsfeldes und beleuchtet verschiedene Theorien und Ansätze zur Beschreibung von Höreraktivitäten.
- Die Rolle des Hörers in der Gesprächsanalyse
- Hörverstehensakttheorie und Rückmeldungsakte
- Typen und Funktionen von Rückmeldeverhalten
- Die Bedeutung von Höreraktivitäten für die Gesprächsorganisation und -steuerung
- Die Herausforderungen der Analyse von Höreraktivitäten
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt die Relevanz des Themas Höreraktivität und Rückmeldeverhalten in der Gesprächsanalyse dar und beleuchtet die historische Entwicklung der Forschung. Sie zeigt auf, dass Höreraktivitäten lange Zeit vernachlässigt wurden und erst durch die Arbeiten der amerikanischen Interaktionsforschung in den Fokus gerückt sind.
Das Kapitel "Die Rolle des Hörers" analysiert die verschiedenen Funktionen des Hörers im Gespräch und beleuchtet die komplexe Wechselwirkung zwischen Sprecher und Hörer. Es wird deutlich, dass der Hörer nicht nur passiv zuhört, sondern aktiv am Gespräch teilnimmt und durch Rückmeldungen den Gesprächsverlauf beeinflusst.
Das Kapitel "Hörverstehensakttheorie und Rückmeldungsakte nach HENNE/ REHBOCK" stellt die Theorie von Henne und Rehbock zur Hörverstehensakttheorie und Rückmeldungsakten vor. Es wird erläutert, wie Höreraktivitäten als "Rückmeldungsakte" verstanden werden können und welche Funktionen sie im Gespräch erfüllen.
Das Kapitel "Rückmeldeverhalten" beschäftigt sich mit den verschiedenen Typen und Funktionen von Rückmeldeverhalten. Es werden verschiedene Arten von Rückmeldungen vorgestellt und ihre Bedeutung für die Gesprächsorganisation und -steuerung erläutert.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen Höreraktivität, Rückmeldeverhalten, Gesprächsanalyse, Hörverstehensakttheorie, Rückmeldungsakte, Gesprächsorganisation, Gesprächsführung, Interaktionsforschung, Sprachwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Was versteht man unter Höreraktivität in der Gesprächsanalyse?
Höreraktivität umfasst alle verbalen und nonverbalen Signale, mit denen ein Hörer dem Sprecher signalisiert, dass er zuhört, versteht oder emotional Anteil nimmt.
Ist der Hörer im Gespräch passiv?
Nein, die moderne Linguistik betrachtet den Hörer als aktiven Teilnehmer, der durch sein Rückmeldeverhalten den Verlauf und die Steuerung des Gesprächs maßgeblich beeinflusst.
Was sind Rückmeldungsakte nach Henne und Rehbock?
Es sind spezifische sprachliche Handlungen (z.B. „mhm“, „ja“, Kopfnicken), die den Erfolg des Hörverstehens bestätigen und den Sprecher zum Fortfahren animieren.
Welche Funktionen hat das Rückmeldeverhalten?
Zu den Funktionen gehören die Kontaktpflege, die Bestätigung der Aufmerksamkeit, die Steuerung des Rederechts und die Signalisierung von Zustimmung oder Ablehnung.
Warum wurde das Hören in der frühen Forschung vernachlässigt?
Ältere Theorien konzentrierten sich primär auf die Produktion von Sprache (den Sprecher), während das Hören fälschlicherweise als rein rezeptiver, automatischer Prozess angesehen wurde.
Welchen Beitrag leistete die amerikanische Interaktionsforschung?
Sie rückte die wechselseitige Abhängigkeit von Sprecher und Hörer in den Fokus und entwickelte Methoden zur Analyse von Rückmeldesignalen (Back-channeling).
- Quote paper
- Annika Singelmann (Author), 2008, Höreraktivität und Rückmeldeverhalten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131659