Angehenden Lehrer*innen wird es stetig mit auf den Weg gegeben, dass das Ziel, hin zu einem erfolgreichen Unterricht, abhängig ist von mehreren Faktoren. Einer dieser Faktoren ist die Art und Weise, wie die Lehrenden den Unterricht gestalten und sich selbst im Unterricht, aber auch im schulischen Alltag präsentieren und verhalten. Hierzu zählen sowohl Unterstützungsmethoden welche Lehrende hinzuziehen, als auch in welcher Form diese in das gesamte Unterrichtssetting integriert und positioniert werden. Nicht zuletzt folgt sodann der Hinweis, dass ‚guter Unterricht‘ abhängig ist von den Beziehungen, die Lehrer*innen den Schülern*innen gegenüber und von ihnen ausgehend pflegen. Letztlich bleibt der Kern immer eine gemeinsame Vertrauensbasis zwischen Lehrer*in und Schüler*innen, die für ein gelingendes Unterrichtssetting erarbeitet, etabliert und erhalten bleiben sollten. Ergo wird ausgehend von der Qualität der Beziehung zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen die Qualität des Unterrichts direkt mitgetragen und gestaltet.
Insbesondere ist der Bereich der (effektiven) Klassenführung, eine jener Dimensionen, die international, insbesondere jedoch im anglo-amerikanischen Raum, vermehrt aber auch seit längerem im Kontext einer qualitativ hochwertigen Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehung besondere Beachtung erfahren hat. Während das Konstrukt der Klassenführung insbesondere im deutschsprachigen Raum zumeist in Kompetenzmodellen eingruppiert wird und sowohl in Theorie als auch in Empirie als Steuerungsleistung von Lehrer*innen aufgefasst wird, welche lediglich die Maximierung von „echter Lernzeit“ als Ziel verfolgt. Die anglo-amerikanischen Konzeptionen verstehen effektives Classroom-Management hingegen viel mehr als wechselseitig gestaltete, belastbare Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehung, welche durch Beziehungsarbeit die Leistung der Schüler*innen verbessern und Störungen, schülerseitig intrinsisch motiviert, inhibieren könne.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vertrauen
2.1 Assoziationen
2.2 Überzeugungen
2.3 Was ist Vertrauen? – Grundverständnis
2.4 Definition – Was ist Vertrauen?
3. Classroom-Management und Klassenführung
3.1 Assoziationen
3.2 Überzeugungen
3.3 Was ist Classroom-Management – Grundverständnis
3.4 Definition – Was ist Classroom-Management / Klassenführung
3.4.1 Motivation
3.4.2 Emotionen
3.4.3 Wohlbefinden
3.4.4 Lehrer*innen-Schüler*innen-Beziehung
4. „Classroom-Management Based On Trust“ – Zusammenhänge von Vertrauen und effektiver Klassenführung, oder Erfolgreiche / effektive Klassenführung eine Frage des Vertrauens?
4.1 Exkurs: Antinomien im pädagogischen Handeln nach Helsper (2016)
5. Fazit
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zusammenspiel von Vertrauen und Classroom-Management zur Steigerung der Qualität von Lehr-Lern-Prozessen. Zentral ist dabei die Forschungsfrage, inwieweit eine vertrauensbasierte pädagogische Lehrer-Schüler-Beziehung eine notwendige Voraussetzung für eine erfolgreiche und effektive Klassenführung darstellt.
- Bedeutung und Definition von Vertrauen im pädagogischen Kontext
- Analyse von Classroom-Management als beziehungsorientiertes Konstrukt
- Einfluss von Motivation, Emotionen und Wohlbefinden auf den Lernerfolg
- Pädagogische Antinomien nach Helsper (2016) als Herausforderung im Lehrerhandeln
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
In der heutigen Zeit wird es angehenden Lehrer*innen stetig mit auf den Weg gegeben, dass das Ziel, hin zu einem guten Unterricht abhängig ist von mehreren Faktoren. Einer dieser Faktoren ist die Art und Weise, wie die Lehrenden den Unterricht gestalten und sich selbst im Unterricht, aber auch im schulischen Alltag präsentieren und verhalten. Als Schlagworte seien hier, Lehrerkompetenzen und Lehrerhandeln genannt (Künsting et al., 2009; Lipowsky, 2006; Lotz & Lipowsky, 2015) . Hierzu zählen folglich sowohl, welche Unterstützungsmethoden Lehrende hinzuziehen, als auch in welcher Form diese in das gesamte Unterrichtssetting integriert und positioniert werden. Nicht zuletzt folgt sodann der Hinweis, dass ‚guter Unterricht‘ abhängig ist von den Beziehungen, die der Lehrer*innen den Schülern*innen gegenüber und von ihnen ausgehend pflegt. Hierzu gibt es diverse Vorschläge, Methoden und Wege, wie ein*e Lehrer*in dies am einfachsten, oder am geschicktesten anstellen solle.
Letztlich zielt der Kern dieser Vorschläge, Methoden und Wege immer auf eine gemeinsame Vertrauensbasis zwischen Lehrer*in und Schüler*innen und die soziale Eingebundenheit im schulischen Kontext ab, die für ein gelingendes Unterrichtssetting erarbeitet, etabliert und erhalten bleiben sollten. Ergo wird ausgehend von der Qualität der Beziehung zwischen Lehrer*innen und Schüler*innen die Qualität des Unterrichts direkt mitgetragen und gestaltet. Als After-Effect-Variable dieser Beziehung, sind auch die direkte Beeinflussung von Lehrer*innen- und Schüler*innengesundheit, Wohlbefinden und Leistungsbereitschaft, respektive -ergebnisse international erforscht, empirisch belegt und diskutiert (u.a. Cornelius-White, 2007; Riley, 2010; Siwek-Marcon, 2021; Wubbels et al., 2015).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Relevanz von Lehrerkompetenzen und Beziehungsqualität für guten Unterricht und führt in die Fragestellung zur Vertrauensbasis ein.
2. Vertrauen: Analysiert den Begriff Vertrauen aus erziehungswissenschaftlicher Perspektive, erörtert Assoziationen und Überzeugungen und erarbeitet ein Grundverständnis.
3. Classroom-Management und Klassenführung: Untersucht das Konstrukt Klassenführung, räumt mit falschen Grundüberzeugungen auf und beleuchtet motivationale und emotionale Faktoren des Lernens.
4. „Classroom-Management Based On Trust“ – Zusammenhänge von Vertrauen und effektiver Klassenführung, oder Erfolgreiche / effektive Klassenführung eine Frage des Vertrauens?: Verknüpft die beiden Themenfelder des Vertrauens und der Klassenführung und bietet einen Exkurs zu den Antinomien im pädagogischen Handeln.
5. Fazit: Fasst die Ergebnisse zusammen und bestätigt die Relevanz der Beziehungsqualität als Schlüssel für eine erfolgreiche, vertrauensbasierte Klassenführung.
Schlüsselwörter
Vertrauen, Classroom-Management, Klassenführung, pädagogische Beziehung, Lehrer-Schüler-Interaktion, Motivation, Emotionen, Wohlbefinden, Unterrichtsqualität, Antinomien, Lehrerhandeln, Kompetenzmodell, professionelles Handeln, Schulerfolg, Lernklima.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen Vertrauen und effektivem Classroom-Management als fundamentale Elemente für gelingenden Unterricht und eine positive Lehrer-Schüler-Beziehung.
Welche Themenfelder sind zentral?
Im Zentrum stehen die Konzepte des Vertrauens, der Klassenführung, moderner Lehr-Lern-Theorien sowie die professionelle Identität der Lehrperson im Spannungsfeld pädagogischer Antinomien.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Erarbeitung eines prozessualen Vertrauensverständnisses, das auf die Unterrichtspraxis projiziert wird, um Strategien für eine erfolgreiche Beziehungsgestaltung im Klassenzimmer zu entwickeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine hinterfragende Rekonstruktion theoretischer und empirischer Ansätze sowie eine systematische Literaturanalyse, um ein integriertes pädagogisches Verständnis zu schaffen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung von Vertrauen und Klassenführung, mündet in deren Verknüpfung unter dem Titel „Classroom-Management Based On Trust“ und erläutert die Herausforderungen durch pädagogische Antinomien.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Vertrauen, Klassenführung, Beziehungsqualität, Lehrer-Schüler-Interaktion, professionelles Handeln und pädagogische Antinomien.
Was bedeutet das „transaktionale Modell“ nach Raufelder in diesem Kontext?
Es dient dazu, die Bedeutung von subjektiver Wahrnehmung und Rückmeldeprozessen in der Lehrer-Schüler-Interaktion zu verdeutlichen, bei der das Handeln beider Akteure durch soziokulturelle Schemata geprägt ist.
Welche Rolle spielen die Antinomien nach Helsper für das Lehrerhandeln?
Sie beschreiben die unausweichlichen, widersprüchlichen Erwartungen an den Lehrerberuf, wie etwa die Balance zwischen notwendiger Distanz und emotionaler Erreichbarkeit, die durch reflexives Handeln bewältigt werden müssen.
- Arbeit zitieren
- Julian Bug (Autor:in), 2022, Classroom-Management Based on Trust. Zusammenhänge von Vertrauen und effektiver Klassenführung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1313011