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Favelas - Städtische Armut, Nachbarschaften und Wohnformen

Title: Favelas - Städtische Armut, Nachbarschaften und Wohnformen

Term Paper , 2006 , 16 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Viktoria Dell (Author)

Sociology - Habitation and Urban Sociology
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Die erste Favela wurde in Rio de Janeiro Ende des neunzehnten Jahrhunderts gegründet (vgl. Füchtner 1991: 127). Diese Siedlung entstand nach einem Canudo - Feldzug und die Überlebenden, die vom Kriegsministerium in Rio de Janeiro nach Unterkünften forderten, ließen sich derweil auf dem Hügel Morro da Providencia [übers. Berg der Vorsehung] nieder. Dort errichteten sie schon bald provisorische Hütten, erbaut aus Holz und Blech. Schon bald wurde die Ansiedlung in Morro da Favela getauft im Andenken an die Favela – Pflanze im Kriegsgebiet bei Canudos, wo Hunger und Entbehrung herrschten (vgl. Füchtner 1991: 127). Im Jahr 1920 wurden in dieser Favela 839 Hütten gezählt. Im Jahr 1920 wurde sie allerdings angesichts einer Grippeepidemie zerstört (vgl. Füchtner 1991: S. 139; Barretto: 14). Von da an wurden alle Siedlungen favela genannt, die auf unbenutzten Grundstücken nahe bei den Städten erbaut wurden und die den Ansiedlern nicht gehörten. Mit der Zeit wuchsen die Elendsbehausungen bis zu 1.000 pro Jahr. 1940 wurden 65.317 solcher Behausungen gezählt, 1949 waren es bereits 89.635 (vgl. Füchtner 1991: S. 127f). Bis in die 1920er Jahre hinein waren die Favelas von geringer Bedeutung, erst danach entwickelten sie sich rasch. Grund dafür war die Veränderung des Binnenmarktes. Die Industrialisierung begann sich in den Städten auszubreiten und die Wirtschaft wuchs, sodass in den Städten viele staatlich geförderte Arbeitsplätze entstanden. Dem zufolge wanderten viele Menschen vom Land in die Stadt, weil sie dort auf ein besseres Leben hofften (vgl. Füchtner 1991: 23). Solche Menschen werden auch als peasants in the city bezeichnet, da sie ihre Lebensgewohnheiten vom Land weiterhin in der Stadt betreiben (vgl. Happe 2002: 141). Um 1940 lebten noch 68,8% der Bevölkerung Brasiliens auf dem Land. Im Jahr 1980 waren es bereits nur noch 33,3% aufgrund der Wanderung in die Stadt.

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Inhaltsverzeichnis

0. Einleitung

1. Definition „Favela“

2. Elendsbehausungen in Brasilien

3. Gründe für die Entwicklung von Favelas

3.1 Der Städtewuchs durch Favelas

4. Vorstellung einiger Favelas

5. Die Anti – Favela – Maßnahmen

6. Einige statistische Daten

7. Probleme und Nöte der Favelados

8. Die Kinder in einer Favela

9. Bedeutung der Favelas für den Staat

9.1 Wohnverhältnisse

9.2 Bildungsverhältnisse

9.3 Gesundheit

10. Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese Arbeit untersucht das Phänomen der Favelas in Brasilien, um die Entstehungsursachen, die Lebensbedingungen der dort ansässigen Bevölkerung sowie die Auswirkungen auf den brasilianischen Staat und die städtische Entwicklung aufzuzeigen.

  • Historische Entwicklung von Wohnformen in brasilianischen Städten
  • Sozioökonomische Gründe für die Landflucht und Favelabildung
  • Staatliche Maßnahmen gegen Favelas und deren soziopolitische Auswirkungen
  • Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit und Bildung
  • Die spezifische Situation von Kindern und Jugendlichen in Favelas

Auszug aus dem Buch

3. Gründe für die Entwicklung von Favelas

Die erste Favela wurde in Rio de Janeiro Ende des neunzehnten Jahrhunderts gegründet (vgl. Füchtner 1991: 127). Diese Siedlung entstand nach einem Canudo - Feldzug und die Überlebenden, die vom Kriegsministerium in Rio de Janeiro nach Unterkünften forderten, ließen sich derweil auf dem Hügel Morro da Providencia [übers. Berg der Vorsehung] nieder. Dort errichteten sie schon bald provisorische Hütten, erbaut aus Holz und Blech. Schon bald wurde die Ansiedlung in Morro da Favela getauft im Andenken an die Favela – Pflanze im Kriegsgebiet bei Canudos, wo Hunger und Entbehrung herrschten (vgl. Füchtner 1991: 127). Im Jahr 1920 wurden in dieser Favela 839 Hütten gezählt. Im Jahr 1920 wurde sie allerdings angesichts einer Grippeepidemie zerstört (vgl. Füchtner 1991: S. 139; Barretto: 14). Von da an wurden alle Siedlungen favela genannt, die auf unbenutzten Grundstücken nahe bei den Städten erbaut wurden und die den Ansiedlern nicht gehörten. Mit der Zeit wuchsen die Elendsbehausungen bis zu 1.000 pro Jahr. 1940 wurden 65.317 solcher Behausungen gezählt, 1949 waren es bereits 89.635 (vgl. Füchtner 1991: S. 127f).

Bis in die 1920er Jahre hinein waren die Favelas von geringer Bedeutung, erst danach entwickelten sie sich rasch. Grund dafür war die Veränderung des Binnenmarktes. Die Industrialisierung begann sich in den Städten auszubreiten und die Wirtschaft wuchs, sodass in den Städten viele staatlich geförderte Arbeitsplätze entstanden. Dem zufolge wanderten viele Menschen vom Land in die Stadt, weil sie dort auf ein besseres Leben hofften (vgl. Füchtner 1991: 23). Solche Menschen werden auch als peasants in the city bezeichnet, da sie ihre Lebensgewohnheiten vom Land weiterhin in der Stadt betreiben.

Zusammenfassung der Kapitel

0. Einleitung: Hinführung zum Thema, Beschreibung der Forschungsabsicht zur Untersuchung von Entstehung, Alltag und Wohnformen in Favelas.

1. Definition „Favela“: Abgrenzung des Begriffs Favela als informelle Elendsbehausung und Hinweis auf die soziologische Zusammensetzung der Bewohner.

2. Elendsbehausungen in Brasilien: Historischer Rückblick auf Wohnformen wie Arbeitersiedlungen und Bienenkörbe (corticos) im Kontext der Industrialisierung.

3. Gründe für die Entwicklung von Favelas: Analyse der Ursprünge und der durch Landflucht und Industrialisierung bedingten Ausbreitung von informellen Siedlungen.

3.1 Der Städtewuchs durch Favelas: Untersuchung der rasanten Urbanisierung brasiliens und der damit verbundenen Herausforderungen an die Stadtplanung.

4. Vorstellung einiger Favelas: Exemplarische Darstellung unterschiedlicher Favela-Typen und deren Entwicklungsprozesse.

5. Die Anti – Favela – Maßnahmen: Überblick über staatliche Versuche zur Räumung, Umsiedlung und Disziplinierung der Bewohner.

6. Einige statistische Daten: Bereitstellung demografischer Eckdaten zu Geschlechterverteilung und Altersstrukturen innerhalb der Favelas.

7. Probleme und Nöte der Favelados: Darstellung der sozioökonomischen Schwierigkeiten, darunter Armut, Arbeitslosigkeit und Gewalt.

8. Die Kinder in einer Favela: Analyse der prekären Lebensverhältnisse von Kindern und der Gefahr des Abrutschens in die Kriminalität oder Straßenarmut.

9. Bedeutung der Favelas für den Staat: Untersuchung des Einflusses der Siedlungen auf die staatliche Infrastruktur und die unreguläre Wirtschaft.

9.1 Wohnverhältnisse: Analyse der tatsächlichen Wohnbedingungen und der sozialen Interaktion der Bewohner.

9.2 Bildungsverhältnisse: Aufzeigen der Bildungsdefizite und Hindernisse für den Zugang zu formeller Bildung.

9.3 Gesundheit: Darstellung der prekären medizinischen Versorgung und der hygienischen Missstände.

10. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Bedeutung der Favelas als fester Bestandteil des brasilianischen Alltags und Ausblick auf die zukünftige Entwicklung.

Schlüsselwörter

Favelas, Brasilien, Stadtentwicklung, Elendsbehausungen, Urbanisierung, Landflucht, Soziale Probleme, Wohnverhältnisse, Armut, Arbeitslosigkeit, Bildungsdefizite, Gesundheitsversorgung, Infrastruktur, Soziale Kontrolle, Favelados

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Arbeit analysiert das Phänomen der Favelas in Brasilien, betrachtet deren historische Entstehung, die Lebensrealität der Bewohner und die Auswirkungen staatlicher Eingriffe.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Fokus stehen die Gründe für das Städtewachstum, die sozioökonomische Lage der Favelados, staatliche Anti-Favela-Maßnahmen sowie Bildungs- und Gesundheitsfragen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, zu verstehen, wie die Bewohner mit ihrer Wohnsituation zurechtkommen und welche Komplikationen ihren Alltag in einem historisch und sozioökonomisch schwierigen Kontext prägen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine literaturbasierte Analyse soziologischer Studien und historischer Gegebenheiten zu den Wohnformen und der Lebenssituation in brasilianischen Favelas.

Was umfasst der Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen, statistische Daten, Untersuchungen zu spezifischen Problemlagen wie Arbeitslosigkeit, Gesundheit, Bildung sowie eine Bewertung der Wohnverhältnisse.

Welche Schlüsselbegriffe sind zentral?

Die Arbeit charakterisiert sich primär über die Begriffe Favelas, Urbanisierung, soziale Ungleichheit, Marginalisierung und staatliche Stadtplanung.

Warum ziehen die Menschen den Favelas gegenüber anderen Wohnformen wie corticos den Vorzug?

Favelas werden oft aufgrund der Mietfreiheit bevorzugt, während städtische Mietkasernen (corticos) vergleichsweise hohe Kosten bei ähnlich schlechten Lebensbedingungen verursachen.

Welchen Einfluss hatten die sogenannten Arbeiterparks (parques proletários)?

Diese wurden in den 1940er Jahren als Disziplinierungsinstrumente genutzt, um Bewohner durch soziale Erziehung zu "bessern", entwickelten sich jedoch über die Zeit teilweise selbst zu legalen Favelas.

Wie hat sich die Haltung der brasilianischen Regierung gegenüber den Favelas historisch gewandelt?

Die Haltung reichte von Zerstörung und Zwangsräumung über Umerziehungsversuche bis hin zur Duldung und teilweisen Infrastrukturanbindung nach dem Ende der Diktatur.

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Details

Title
Favelas - Städtische Armut, Nachbarschaften und Wohnformen
College
University of Münster
Grade
2,3
Author
Viktoria Dell (Author)
Publication Year
2006
Pages
16
Catalog Number
V131269
ISBN (eBook)
9783640381524
ISBN (Book)
9783640381678
Language
German
Tags
Elendsbehausungen / Elendsviertel Favelas städtische Armut Arbeitersiedlungen Verarmung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Viktoria Dell (Author), 2006, Favelas - Städtische Armut, Nachbarschaften und Wohnformen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/131269
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