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Narzisstische Persönlichkeitsstörungen in der Schule

Title: Narzisstische Persönlichkeitsstörungen in der Schule

Examination Thesis , 2009 , 104 Pages , Grade: 1,5

Autor:in: Tobias Goldschmidt (Author)

Pedagogy - Pedagogic Psychology
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Das Thema Narzissmus (Selbstliebe) gewinnt in einer Zeit, die gekennzeichnet ist durch die Entfremdung des heutigen Menschen, zunehmend an Bedeutung. Um den Charakter unserer heutigen westlichen Gesellschaft zu verstehen, kann es sinnvoll sein sich klar zu machen, dass sich die Gesellschaft zwischen dem Frühkapitalismus und der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts tiefgreifend verändert hat: Der Frühkapitalismus war Zwischenstadium zwischen dem Feudalismus des Mittelalters und dem heutigen Kapitalismus und war gekennzeichnet dadurch, dass das Geld und das Privateigentum von Produktionsmitteln gegenüber dem Besitz an Grund- und Boden an Bedeutung gewonnen hatte. (vgl. Der Brockhaus multimedial 2007)
Fromm spricht (vgl. 1976, S. 23) vom „Marketing- Charakter“, als er den heutigen westlich, kapitalistisch orientierten Menschen beschreibt. Dieser erlebe sich selbst als Ware und den eigenen Wert als Tauschwert. Der Mensch werde zur Ware, auch auf dem Persönlichkeitsmarkt. Das oberste Ziel des „Marketing- Charakters“ sei die vollständige Anpassung. Menschen diesen Typus hätten nicht einmal ein Ich. Der moderne Mensch habe kein Selbst, keinen Kern und kein Identitätserleben. Fromm spricht deshalb auch von einer „Identitätskrise“ der modernen Gesellschaft. Karl Marx habe diesen Menschentypus einst mit dem Begriff des „entfremdeten Charakters“ beschrieben, der seiner Arbeit, sich selbst, seinen Mitmenschen und der Natur entfremdet sei. (vgl. Fromm, 1976, S. 23)
Röhr verwendet (vgl. 1999, S.155) den Begriff der „narzißtischen [sic] Gesellschaft“ und beschreibt Fromms „Marketing- Charakter“ als einen in seinem Selbstwertgefühl schwachen Menschen. Fast alle Menschen in den westlichen Industrienationen hätten Probleme mit ihrem Selbstwertgefühl. Kennzeichen dieses Typus seien Maßlosigkeit sowie eine ausbeuterische Haltung sich selbst und anderen gegenüber. Dazu gehörten auch der rücksichtslose und selbstsüchtige Umgang mit den Rohstoffen der Erde, die Zerstörung der Umwelt und der exzessive Abbau von Rohstoffen. Das Ziel in unserer heutigen technischen Zivilisation sei die klare, emotionslose Betrachtung einer Sachlage. Damit einher gehe eine übersteigerte Intellektualität und eine Geringschätzung von Gefühlen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Der Mythos des Narzissus

1.1 Die griechische Sage

1.2 Interpretationen des Mythos

1.3 Darstellungen des Narzissus in der Kunst

1.3.1 „Narziss“ von Caravaggio

1.3.2 „Metamorphose des Narziss“ von Salvador Dali

1.3.3 „Echo und Narziss“ von John William Waterhouse

2 Freuds Narzissmus- Begriff

2.1 Primärer Narzissmus

2.2 Sekundärer Narzissmus

3 Die narzisstische Persönlichkeitsstörung

3.1 Was ist eine Persönlichkeitsstörung?

3.2 Was heißt narzisstisch? Was ist Narzissmus?

3.3 Zur Entstehung des gesunden Narzissmus

3.4 Zur Entstehung des pathologischen Narzissmus

3.5 „Charakterzüge“ des Narzissten

3.6 Grandiosität und Depression

3.7 Narzissmus und Destruktivität

3.8 Narzissmus uns mangelhafte Gefühlsintensität

3.9 Pathologischer Narzissmus und Sucht

3.10 Heilung der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

4 Diagnostik der narzisstischen Persönlichkeitsstörung

4.1 Diagnostische Kriterien nach „DSM“

4.2 Diagnostische Kriterien nach „ICD“

5 Psychische Abwehrmechanismen des Narzissten

5.1 Der Abwehrmechanismus der „Spaltung“

5.2 Der Abwehrmechanismus der „primitiven Idealisierung“

6 Der Gefühlsbaum – ein Modell

7 Narzisstische Persönlichkeitsstörungen in der Schule

7.1 Narzisstische Störungen in der Schule und „Mobbing“

7.2 Der narzisstisch beeinträchtigte Schüler

7.3 Der Narzisst in der Rolle des Lehrers

7.4 Herausforderung für Pädagogik, Erziehungswissenschaft und Schule

7.5 Narzissmus und Sozialisation

7.6 Schule als Erfahrungsprozess

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Diese wissenschaftliche Hausarbeit untersucht die narzisstische Persönlichkeitsstörung und deren Auswirkungen auf den schulischen Kontext, indem sie die psychologischen Grundlagen und Abwehrmechanismen mit dem pädagogischen Alltag in Verbindung bringt und Strategien für einen Umgang mit dieser Störung an Schulen diskutiert.

  • Psychologische Herleitung und Begriffsdefinition des Narzissmus
  • Entwicklungspsychologische Aspekte bei der Entstehung des gesunden und pathologischen Narzissmus
  • Klinische Diagnostik und psychische Abwehrmechanismen (Spaltung, Idealisierung)
  • Phänomene wie Grandiosität, Depression und Destruktivität
  • Rolle von Lehrern und Schülern sowie Mobbing-Dynamiken in der Schule

Auszug aus dem Buch

1.1 Die griechische Sage

Der Terminus „Narzissmus“ hat seinen Ursprung in der griechischen Mythologie: „Narziss“ ist die Translation des griechischen Wortes „Nárkissos“ und die Translation des lateinischen Wortes „Narcissus“ und meint den schönen griechischen Jüngling Narzissus. Dieser ist der Sohn des Flussgottes Cephisus und der Liriope, einer Nymphe. Die Bezeichnung der narzisstischen Selbstwertstörung gehe auf diesen griechischen Jüngling zurück (vgl. Asper, 1986, S. 93). Narzissus sei ein schöner Jüngling gewesen, der sich in sein eigenes Spiegelbild im Wasser verliebte, vor Sehnsucht danach dahinschwand und schließlich in die Blume Narzisse verwandelt wurde. Ovid, ein römischer Dichter, geboren 43 v. Chr., gestorben 17 n. Chr., habe die griechische Überlieferung mit der Sage von Echo verbunden und im dritten Buch seiner Metamorphosen² beschrieben (vgl. ebd., 1986, S. 93).

Ovid nach sei der Jüngling das Produkt einer Vergewaltigung: Cephisus, der Flussgott, habe die Nymphe Liriope, Narzissus Mutter, in sein „gewundenes Flussbett“ (vgl. Ovid, Vers Nr. 343) gelockt aus dem sie nicht mehr entfliehen konnte und habe sie dort vergewaltigt (vgl. Asper, 1986, S. 96). In der Folge habe Liriope dann das Kind Narzissus geboren. Nach dessen Geburt habe man einen Seher namens Theiresias befragt, ob das Kind ein langes Leben haben werde, woraufhin dieser entgegnete, dass er sehr alt werde, unter der Voraussetzung, dass er sich selbst niemals kennen lernt und dass er sich selbst fremd bleibt (vgl. Asper, 1986, S. 94). Diese Vorhersage des Sehers spielt bereits auf die sich entwickelnde psychische Problematik des Narzissus an, worauf jedoch erst später genauer eingegangen werden soll.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die zunehmende Bedeutung des Themas Narzissmus im Kontext der gesellschaftlichen Entfremdung und definiert das Ziel der Arbeit, einen Schulbezug zur narzisstischen Persönlichkeitsstörung herzustellen.

1 Der Mythos des Narzissus: Dieses Kapitel erläutert den mythologischen Ursprung des Begriffs Narzissmus anhand der griechischen Sage und deren künstlerische sowie tiefenpsychologische Interpretation.

2 Freuds Narzissmus- Begriff: Hier wird die psychoanalytische Fundierung des Narzissmusbegriffs durch Sigmund Freud in Bezug auf den primären und sekundären Narzissmus dargelegt.

3 Die narzisstische Persönlichkeitsstörung: Dieses zentrale Kapitel analysiert die klinischen Aspekte der Störung, von ihrer Entstehung über die typischen Charakterzüge, wie Grandiosität und Depression, bis hin zu Suchtgefahren und Heilungsansätzen.

4 Diagnostik der narzisstischen Persönlichkeitsstörung: Dieses Kapitel vergleicht die diagnostischen Kriterien der Störung gemäß den internationalen Systemen DSM und ICD.

5 Psychische Abwehrmechanismen des Narzissten: Es werden die zentralen Abwehrmechanismen des Narzissten, namentlich die „Spaltung“ und die „primitive Idealisierung“, theoretisch eingeordnet.

6 Der Gefühlsbaum – ein Modell: Kapitel 6 stellt das Modell des „Gefühlsbaums“ zur Visualisierung der emotionalen Struktur und Blockaden vor.

7 Narzisstische Persönlichkeitsstörungen in der Schule: Das Kapitel überträgt die narzisstische Problematik auf den schulischen Raum, thematisiert Mobbing-Dynamiken und das Verhalten von Schülern und Lehrern.

8 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die Notwendigkeit, emotionales Lernen als integralen Bestandteil schulischer Bildung zur Mündigkeit zu etablieren.

Schlüsselwörter

Narzissmus, narzisstische Persönlichkeitsstörung, Selbstwertgefühl, Identitätskrise, Schule, Mobbing, Spaltung, Idealisierung, Psychoanalyse, Gefühlsblockaden, Sucht, Grandiosität, Depression, Pädagogik, Sozialisation.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Phänomen des Narzissmus im Kontext der modernen Gesellschaft und insbesondere in seinem Auftreten, Wirken und der Bewältigung innerhalb der Institution Schule.

Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?

Die zentralen Felder umfassen tiefenpsychologische Grundlagen des Narzissmus, klinische Störungsbilder, diagnostische Klassifikationen sowie pädagogische Herausforderungen, insbesondere in Bezug auf Mobbing und die Gestaltung von Lernprozessen.

Welches ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das primäre Ziel ist es, die „narzisstische Persönlichkeitsstörung“ wissenschaftlich zu untersuchen und einen konkreten Schulbezug herzustellen, um zu klären, inwieweit diese Störung den Schulalltag prägt und was pädagogisch dagegen unternommen werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer systematischen theoretischen Aufarbeitung und Diskussion psychologischer und soziologischer Fachliteratur, ergänzt durch die Analyse von Modellen (wie dem „Gefühlsbaum“) und diagnostischen Systemen (DSM/ICD).

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des Mythos, die historische und psychoanalytische Entwicklung des Narzissmusbegriffs, die klinische Symptomatik und Diagnostik sowie die spezifische Anwendung auf die Schule, inklusive Mobbing und Lehrerverhalten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Narzissmus, Selbstwertgefühl, Identitätskrise, Schule, Mobbing, Spaltung, Idealisierung und psychische Abwehrmechanismen.

Welche Rolle spielen Abwehrmechanismen für das Verständnis narzisstischer Störungen in dieser Arbeit?

Abwehrmechanismen wie die „Spaltung“ und die „primitive Idealisierung“ sind zentral, da sie erklären, wie Narzissten ihre Realitätswahrnehmung verzerrten, um ihr fragiles Selbstwertgefühl vor Kränkungen zu schützen.

Inwiefern beeinflusst der narzisstische Typus das Auftreten von Mobbing in der Schule?

Der Autor diskutiert, dass sowohl Opfer- als auch Täterrollen bei Mobbing mit narzisstischen Persönlichkeitsstrukturen korrelieren können, wobei insbesondere die Ich-Schwäche oder ein übersteigertes Anspruchsdenken problematische Dynamiken in der Klassengemeinschaft befeuern.

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Details

Title
Narzisstische Persönlichkeitsstörungen in der Schule
College
Karlsruhe University of Education
Grade
1,5
Author
Tobias Goldschmidt (Author)
Publication Year
2009
Pages
104
Catalog Number
V130871
ISBN (eBook)
9783640365456
ISBN (Book)
9783640365623
Language
German
Tags
Narzisstische Persönlichkeitsstörungen Schule
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Tobias Goldschmidt (Author), 2009, Narzisstische Persönlichkeitsstörungen in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130871
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