Die Phraseologie im engeren Sinne definiert Palm (1995: 1) wie folgt:
"[D]ie Phraseologie ist die Wissenschaft oder Lehre von den festen Wortverbin-dungen einer Sprache, die in System und Satz Funktion und Bedeutung einzelner Wörter (Lexeme) übernehmen können."
Die Festigkeit der phraseologischen Wortverbindungen, auf die ich mich im weiteren Verlauf mit dem Terminus „Stabilität“ beziehen werde, wird in dieser Definition als erste grundlegende Eigenschaft genannt.
Und dennoch kann man in der Zeitungs- und Werbesprache immer wieder Variationen von Phraseologismen beobachten, deren Grundform dem Leser dabei jedoch immer präsent ist (oder zumindest sein sollte).
Steht die Fähigkeit zur Veränderung bei gleichzeitigem Bezug zum Original nicht im Widerspruch zu einem elementaren Kriterium für phraseologische Konstruktionen - der Stabilität?
Um diese Frage klären zu können, werde ich im ersten Hauptteil meiner Arbeit zunächst einige Fakten über die Stabilität von Phraseologismen zusammentragen: Welche Faktoren begünstigen sie? Welche Eigenschaften machen eine phraseologische Wortverbindung stabil? Welche Arten der Stabilität gibt es?
Im zweiten Hauptteil werde ich genauer auf die Fähigkeit der Phraseologismen zur Modifikation eingehen. Dabei erkläre ich zunächst, welcher Unterschied zwischen usuellen und okkasionellen Varianten besteht. Anschließend gehe ich der Frage nach, welchen Zweck okkasionelle Varianten in der Zeitungs- und Werbesprache erfüllen, um abschließend zu beschreiben, auf welche Weise Phraseologismen verändert werden können ohne den Bezug zur Grundform zu verlieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Hauptteil
2.1 Das Kriterium der Stabilität
2.1.1 Stabilitätsfaktoren
2.1.2 Eigenschaften der Stabilität
2.1.3 Arten der Stabilität
2.1.3.1 Phonologische Stabilität
2.1.3.2 Morphologische Stabilität
2.1.3.3 Syntaktische Stabilität
2.1.3.4 Lexikalisch-semantische Stabilität
2.2 Variation von Phraseologismen
2.2.1 Varianten
2.2.2 Modifikationen
2.2.2.1 Funktion von Modifikationen
2.2.2.2 Zeichenbedingte Voraussetzungen für die Modifikation
2.2.3 Arten der Modifikation
2.2.3.1 Ambiguierung der Lesart im unmodifizierten Phraseologismus
2.2.3.2 Erweiterung
2.2.3.3 Veränderung struktureller Merkmale
2.2.3.4 Semantische Substitution
2.2.3.5 Paronymische Substitution
3 Schluss
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der Stabilität von Phraseologismen und deren kreativer Variabilität in der französischen und deutschen Sprache, mit besonderem Fokus auf journalistische Texte und Werbesprache.
- Grundlagen der Stabilität und Fixiertheit phraseologischer Wortverbindungen.
- Unterscheidung zwischen usuellen Varianten und okkasionellen Modifikationen.
- Die aufmerksamkeitsheischende Funktion von Modifikationen in Schlagzeilen.
- Semantische und paronymische Strategien zur Modifikation von Phrasemen.
- Bedingungen für den Erhalt des Wiedererkennungswertes trotz struktureller Abwandlung.
Auszug aus dem Buch
2.2.2.1 Funktion von Modifikationen
Modifizierte Phraseologismen treten häufig in (gesprochenen oder geschriebenen) Texten auf. In Zeitungsartikeln finden sie durchaus auch im laufenden Artikel Verwendung, doch haben sie einen speziellen Effekt in Überschriften oder Werbeschlagzeilen, welche mit einem einzigen Satz oder auch nur ein paar Wörtern die Aufmerksamkeit des potenziellen Rezipienten auf sich lenken müssen, damit sich dieser eingehender auf den Text einlässt. Zeitungs- oder Zeitschriftenartikel verfolgen das Ziel, mit einer Schlagzeile einen Artikel „an den Mann zu bringen“, der gelesen werden will. Auch Werbeanzeigen – ebenfalls in Zeitungen oder Zeitschriften, oder aber auf Plakaten, Werbetafeln, im Fernsehen oder Rundfunk (eben überall dort, wo eine breite Masse angesprochen werden kann) – nutzen das Mittel modifizierter Phraseologismen, um die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Sie wollen dem Leser oder Hörer ihr Produkt vorstellen und erreichen, dass dieser sich durch den weiteren Kontext (etwa durch Text oder Bebilderung) für das Produkt zu interessieren beginnt, damit er es am Ende kauft.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Phraseologie im engeren Sinne ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, inwieweit die Stabilität phraseologischer Konstruktionen mit der beobachtbaren Variation in Zeitungs- und Werbesprache vereinbar ist.
2 Hauptteil: Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung des Stabilitätsbegriffs sowie eine detaillierte Analyse der verschiedenen Möglichkeiten, Phraseologismen für kreative Zwecke zu modifizieren.
3 Schluss: Das Fazit bestätigt, dass Stabilität und Variabilität als komplementäre Kategorien fungieren und Modifikationen primär der Informationsverdichtung sowie der Steigerung der Aufmerksamkeit dienen, sofern der Bezug zur Grundform gewahrt bleibt.
Schlüsselwörter
Phraseologie, Stabilität, Variabilität, Modifikation, Idiomatizität, okkasionelle Varianten, Werbesprache, Sprachwissenschaft, Französisch, Deutsch, Semantik, Substitution, Wortverbindung, Fixiertheit, Informationsverdichtung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Phänomen, dass feste Wortverbindungen (Phraseologismen), die eigentlich durch Stabilität gekennzeichnet sind, in bestimmten Kontexten wie der Werbung oder im Journalismus gezielt verändert werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von Stabilität, die Differenzierung von usuellen Varianten und okkasionellen Modifikationen sowie die Untersuchung der Effekte, die durch gezielte sprachliche Abwandlungen erzielt werden.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu klären, ob die Fähigkeit zur Modifikation im Widerspruch zum Kriterium der Stabilität steht und welchen Zweck solche Veränderungen in der praktischen Sprachverwendung erfüllen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine theoretische Literaturanalyse und kontrastive Untersuchung, indem sie Beispiele aus dem Französischen und Deutschen anhand bestehender phraseologischer Ansätze (z.B. nach Palm, Sabban und Kavalkovà) analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt zunächst die Faktoren und Arten der Stabilität, um anschließend verschiedene Arten der Modifikation – wie Erweiterungen sowie semantische und paronymische Substitutionen – an zahlreichen Sprachbeispielen zu erläutern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Phraseologie, Stabilität, Modifikation, Idiomatizität, okkasionelle Varianten, Werbesprache und Informationsverdichtung.
Was unterscheidet eine „etablierte Variante“ von einer „Modifikation“?
Etablierte Varianten sind im Lexikon als reproduzierbare Einheiten gespeichert, während Modifikationen (oder okkasionelle Varianten) nur für einen konkreten, einmaligen Anlass in einem bestimmten Kontext erzeugt werden.
Warum ist der „Bezug zur Grundform“ so entscheidend bei der Modifikation?
Damit der Rezipient das kreative Spiel mit der Sprache versteht, muss die Grundform erkennbar bleiben. Geht dieser Bezug verloren, wird der Ausdruck meist als fehlerhaft oder unverständlich wahrgenommen.
Welche Rolle spielt die „Bildhaftigkeit“ bei modifizierten Phraseologismen?
Die Bildhaftigkeit ist ein Hauptcharakteristikum, das den Wiedererkennungswert steigert und es dem Leser ermöglicht, sich die Inhalte besser zu merken sowie eine Vertrautheit mit dem beworbenen Produkt aufzubauen.
- Quote paper
- Silke Stadler (Author), 2009, Stabilität und Variabilität von Phraseologismen anhand französischer und deutscher Beispiele, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130860