Die Kenntnisse über die Biografie und den Lebenslauf Oswalds von Wolkenstein sind auf einem relativ guten Stand. Dies ist nicht nur die Meinung Anton Schwobs, einer der großen und bedeutenden Oswald-Forscher. In seiner Publikation zur Historischen Realität und literarischen Umsetzung am Beispiel der ‘Gefangenschaftslieder’ versucht er die Rolle dieser historischen Realität in den Liedern neu zu überprüfen. Da er damit, ebenso wie mit seiner ausführlichen Biografie Oswalds von Wolkenstein, einen wesentlichen und oft verwendeten Beitrag zur Forschung erarbeitet hat, stützt sich auch meine Arbeit zu einem großen Teil auf die von Schwob erarbeiteten Fakten und Thesen. Zu Beginn, nach einer kurzen, allgemeinen Einführung zur Tradition in der mittelalterlichen Dichtung, werde ich dem Zusammenhang von Realität und literarischer Fiktion in den Liedern Oswalds von Wolkenstein auf den Grund gehen. Es ist selbstverständlich, dass wir Oswalds Lieder nicht wie eine Autobiografie lesen können, dennoch hat die Forschung bei diesem außergewöhnlichen Dichter allen Grund zu der Annahme, dass er wichtige, historisch reale Stationen seines Lebens in seinen lyrischen Texten verarbeitet hat.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Zur Tradition in der mittelalterlichen Dichtung
- Oswalds Dichtung – zwischen Realität und literarischer Fiktion
- Die ‘Gefangenschaftslieder’ Oswalds von Wolkenstein
- Kl. 1: Ain anefangk
- Kl. 23: Es ist mir vil leid
- Kl. 26: Ich bin ein armer man
- Kl. 2: Ich bin ein armer man
- Fazit
- Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, wie Oswald von Wolkenstein in seinen Liedern die Grenze zwischen historischer Realität und literarischer Fiktion verwischt. Sie analysiert die ‘Gefangenschaftslieder’ Oswalds und untersucht, inwieweit er biografische Fakten in seine Lyrik integriert und welche Rolle die Tradition der mittelalterlichen Dichtung dabei spielt.
- Das Verhältnis von Biografie und literarischer Stilisierung in Oswalds Liedern
- Die Rolle der Tradition in der mittelalterlichen Dichtung
- Die Analyse der ‘Gefangenschaftslieder’ und deren Bezug zur historischen Realität
- Die Intentionen Oswalds in seinen Liedern
- Die Bedeutung der Quellenlage für die Interpretation von Oswalds Werk
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung führt in die Thematik der Arbeit ein und stellt die Forschungsfrage nach dem Verhältnis von Realität und literarischer Fiktion in den Liedern Oswalds von Wolkenstein. Sie beleuchtet die Bedeutung der historischen Quellenlage und die Rolle der Tradition in der mittelalterlichen Dichtung. Das Kapitel ‘Zur Tradition in der mittelalterlichen Dichtung’ beleuchtet die Besonderheiten der mittelalterlichen Dichtung und die Bedeutung von Tradition und Nachahmung. Es wird die Frage aufgeworfen, inwieweit Oswald von Wolkenstein in seinen Liedern originell war oder ob er traditionelle Muster aufnahm und variierte. Das Kapitel ‘Oswalds Dichtung – zwischen Realität und literarischer Fiktion’ analysiert die Rolle der Biografie in Oswalds Liedern und untersucht, inwieweit seine Lyrik als autobiografisch verstanden werden kann. Es wird die Frage nach dem Verhältnis von Realität und Dichtung im Fall Oswalds von Wolkenstein diskutiert und die Bedeutung der Quellenlage für die Interpretation seiner Werke hervorgehoben. Die Kapitel ‘Die ‘Gefangenschaftslieder’ Oswalds von Wolkenstein’ analysieren die ‘Gefangenschaftslieder’ Oswalds von Wolkenstein im Detail. Es werden die einzelnen Lieder Kl. 1, Kl. 23, Kl. 26 und Kl. 2 untersucht und deren Bezug zur historischen Realität sowie die Intentionen Oswalds in diesen Liedern analysiert.
Schlüsselwörter
Die Schlüsselwörter und Schwerpunktthemen des Textes umfassen Oswald von Wolkenstein, ‘Gefangenschaftslieder’, mittelalterliche Dichtung, Tradition, Biografie, literarische Fiktion, Realität, historische Quellen, Interpretation, Analyse, Minne, Minnelied, Stilisierung, Minnekonzepte, autobiografische Züge, Erlebnisdichtung, Quellenlage, historische Fakten, künstlerische Gestaltung, poetische Wahrheit, biografische Wahrheit, traditionelle Formen, Minnesang, Minnemotiv, Identifikationsangebot, höfisches Publikum, biografische Kontur, öffentlicher Anschlag, Tatsachenbericht, Dichtung, warhait, Dichterfähigkeiten, Selbstbewusstsein, realer Stoff.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Oswald von Wolkenstein?
Oswald von Wolkenstein war ein bedeutender spätmittelalterlicher Dichter, Komponist und Politiker, dessen Werk oft autobiografische Züge trägt.
Was sind die „Gefangenschaftslieder“?
Dies sind Lieder (z. B. Kl. 1, Kl. 23), in denen Oswald seine realen Erfahrungen in Gefangenschaft literarisch verarbeitet und stilisiert.
Kann man Oswalds Lieder als Autobiografie lesen?
Nicht im modernen Sinne. Obwohl er reale Lebensstationen nutzt, sind die Texte stark von der mittelalterlichen Dichtungstradition und literarischer Fiktion geprägt.
Welche Rolle spielt die Tradition im Minnesang bei Oswald?
Oswald steht zwischen der Nachahmung traditioneller Muster und einer für seine Zeit außergewöhnlichen Subjektivität und Realitätsnähe.
Welcher Forscher ist für die Oswald-Forschung zentral?
Die Arbeit stützt sich maßgeblich auf die Thesen und Fakten von Anton Schwob, einem der bedeutendsten Experten für Oswald von Wolkenstein.
- Quote paper
- Manja Lübeck (Author), 2008, Historische Realität und literarische Umsetzung bei Oswald von Wolkenstein am Beispiel der Gefangenschaftslieder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130504