Ist die Partnerwahl ein 'Random Mating' (R. KLEIN), dem Bild in der römischen Mythologie entsprechend, in dem Amor seine Pfeile mit verbundenen Augen verschießt?
Sicher nicht. Daß bei der Partnerwahl eine Vielzahl beispielsweise kognitiver und behavioristischer Selektionsmechanismen greifen, ist aus der sozialpsychologischen Attraktivitäts- und Sexualitätsforschung bekannt. Inwieweit auch heute noch normative Schranken oder gar strukturelle Besonderheiten des Partnermarktes die Freiheit bei der Partnerwahl einschränken, soll in der vorliegenden Arbeit untersucht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Fragestellung und Einordnung in den aktuellen Theoriediskurs
2. Forschungsstand
3. Datensatz und Vergleich mit amtlichen Daten
3.1. Grundgesamtheit des Familiensurveys und Grundgesamtheit der amtlichen Statistik
3.2. Vergleich der Surveydaten mit der amtlichen Statistik
3.3 Gründe für die Abweichungen und weitere Einschränkungen der Repräsentativität
4. Deskriptiver Teil
4.1. Grundlagen der Untersuchung
4.2. Auswahl der Grundgesamtheit
4.3. Univariate Verteilung der Altersabstandsvariablen
4.4. Verschiedene Aspekte des Altersabstands
5. Bivariate Analyse
5.1. Grundsatzentscheidungen
5.2. Forschungslogik und Hypothesenableitung
5. 3. Ergebnisse der bivariaten Analyse
6. Multivariate Analyse
6.1. Anwendungsvorausetzungen und Transformation der Prädiktoren
6.2. Regressionsmodelle und Interpretation der Ergebnisse
7. Zusammenfassung
9. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht auf Basis empirischer Daten, inwieweit die traditionelle Norm des "ungleichen Paares" – charakterisiert durch einen älteren Mann und eine jüngere Frau – in modernen Partnerschaften noch Bestand hat oder sich im Zuge zunehmender Individualisierung auflöst.
- Empirische Analyse des Altersabstands in Paarbeziehungen.
- Überprüfung soziologischer und normativer Erklärungsmodelle zur Partnerwahl.
- Untersuchung des Einflusses von Bildungsstand, Alter und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen auf die Altersdifferenz.
- Vergleich der Determinanten für Partnerwahl zwischen Frauen und Männern.
Auszug aus dem Buch
1. Fragestellung und Einordnung in den aktuellen Theoriediskurs
Partnerwahl Mitte der neunziger Jahre: Immer noch geprägt von uralten Mustern? Er muß und will größer, älter und stark sein, sie muß und will kleiner, jünger und hübsch sein? Welche Bedeutung haben Merkmale wie Körpergröße, Attraktivität, Alter, Bildung und ökonomische Situation? Ist die Norm des ungleichen Paares, verbunden mit Rollenzuweisung und Machtgefälle, nicht vielmehr überholt?
In dieser Arbeit wollen wir uns auf eine der genannten Normen konzentrieren: Gegenstand einer empirischen Analyse soll der Altersunterschied in Paarbeziehungen sein. Es soll untersucht werden, ob die Norm der jüngeren Partnerin, respektive des älteren Partners, tatsächlich noch uneingeschränkte Gültigkeit hat oder in der Auflösung begriffen ist und inwieweit die Beobachtungen soziologich begründet werden können. Dieser Forschungsbericht ist Ergebnis unserer einsemestrigen Arbeit zu dieser Fragestellung.
Die aktuelle Entwicklungsrichtung fortgeschrittener Wohlfahrtsstaaten wie der Bundesrepublik Deutschland ist durch hochkomplexe, interdependente Tendenzen in den verschiedensten Lebensbereichen gekennzeichnet: innovative Formen der Arbeitsteilung, Flexibilisierung von Arbeits-, Frei- und Rentenzeiten, anhaltende Bildungsexpansion, immer umfassendere Risikenabsicherung durch sozialstaatliche Transferleistungen, emanzipatorische Fortschritte in Politik und Rechtssprechung, aufbrechende Normen- und Wertstrukturen, um nur einige zu nennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Fragestellung und Einordnung in den aktuellen Theoriediskurs: Einführung in die Thematik der Partnerwahl unter Berücksichtigung gesellschaftlicher Individualisierungstendenzen.
2. Forschungsstand: Überblick über sozialpsychologische und soziologische Erklärungsansätze für altersendogame Paarbeziehungen.
3. Datensatz und Vergleich mit amtlichen Daten: Vorstellung der Datenbasis des Familiensurveys von 1988 und Validierung durch Vergleich mit amtlichen Statistiken.
4. Deskriptiver Teil: Univariate Analyse des Altersabstands sowie Untersuchung soziodemografischer Zusammenhänge.
5. Bivariate Analyse: Untersuchung von Zusammenhängen zwischen der Altersabstandsvariablen und verschiedenen Prädiktoren in getrennten Stichproben für Männer und Frauen.
6. Multivariate Analyse: Durchführung von Regressionsmodellen zur Identifikation der stärksten Einflussgrößen auf die Altersdifferenz.
7. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse und Diskussion der Erklärungskraft der untersuchten Modelle.
9. Literatur: Verzeichnis der in der Arbeit zitierten Quellen.
Schlüsselwörter
Altersendogamie, Partnerwahl, Familiensurvey, soziologische Erklärungsansätze, Individualisierung, Altersabstand, Regressionsanalyse, Heiratsverhalten, Sozialisation, Rollenorientierung, demografische Faktoren, Bildungsstand, Partnerselektion.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der empirischen Untersuchung von Altersunterschieden in Paarbeziehungen und der Frage, ob traditionelle Muster der Partnerwahl noch Bestand haben.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die soziologische Erforschung der Partnerwahl, den Einfluss von Bildung und Alter auf die Altersdifferenz sowie die Überprüfung von normativen und strukturellen Erklärungsmodellen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist zu analysieren, ob die Norm, wonach Männer älter und Frauen jünger sind, in der Gesellschaft der neunziger Jahre noch gilt oder ob sie durch gesellschaftlichen Wandel abgelöst wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer empirischen Analyse unter Verwendung des Datensatzes des Familiensurveys 1988, wobei univariate, bivariate und multivariate statistische Verfahren wie Regressionsanalysen zum Einsatz kommen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst den theoretischen Rahmen, die deskriptive Auswertung der Daten, die bivariate Analyse zur Hypothesenprüfung sowie die multivariate Regressionsanalyse zur Identifikation der stärksten Prädiktoren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Altersendogamie, Partnerwahl, Familiensurvey, Individualisierung, Altersabstand und Regressionsanalyse.
Welche Rolle spielt der Schulabschluss bei der Partnerwahl?
Die Ergebnisse zeigen, dass für Männer mit höherem Schulabschluss der Altersabstand zur Partnerin tendenziell sinkt, während der Schulabschluss bei der Partnerselektion von Frauen keine signifikante Rolle spielt.
Was unterscheidet die männliche von der weiblichen Stichprobe in den Ergebnissen?
Es zeigt sich eine deutlich geringere Erklärungskraft der Modelle für die Frauenstichprobe, was darauf hindeutet, dass die Partnerwahl bei Frauen möglicherweise individuelleren oder psychologischen Mustern folgt als bei Männern.
Warum wird der "Altersabstand" als abhängige Variable verwendet?
Da der Altersabstand ein zentrales Merkmal für die Untersuchung der Norm des "ungleichen Paares" ist, dient er als Indikator, um zu prüfen, welche soziologischen Faktoren die Wahl des Altersunterschieds beeinflussen.
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- Privatdozent Dr. Sven Schneider (Author), 1995, Altersunterschiede in Paarbeziehungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/130321