Diese Arbeit behandelt die Gründung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und ihre Voraussetzungen. Doch was ist eigentlich eine Wirtschafts- und Währungsunion? Hierbei handelt es sich um einen Zusammenschluss von Staaten zu einem Wirtschaftsraum. Es ist nicht von Relevanz, ob dieses Gebiet von einer einheitlichen Hoheitsgewalt gesteuert wird oder durch reine Koordination der Wirtschaftspolitiken der einzelnen Mitgliedstaaten funktioniert.
Der Begriff setzt sich aus zwei Teilen zusammen: der Wirtschaftsunion und der Währungsunion. Unter einer Währungsunion ist ein einheitlicher Markt zu verstehen, in dem Personen-, Waren-, Dienstleistungen und Kapital frei verkehren können. Die Beteiligten betreiben eine gemeinsame Wirtschaftspolitik.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Zeitlicher Überblick und Einordnung des Themas
3 Theoretische Ansätze und Begriffserklärungen
3.1 Die (europäische) Wirtschafts- und Währungsunion
3.2 Die Dilemmaspiel- Situation
3.3 Der rationale Institutionalismus
4 Methode und Vorgehensweise
5 Analyse
5.1 Zeitpunkt 1 - Beginn der 70er Jahre: Die Zeit vor und während des Werner Plans
5.2 Zeitpunkt 2: Die Zeit nach Scheitern des Werner- Plans
6 Diskussion der Ergebnisse
7 Antwort auf die Fragestellung und Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Gründe für das anfängliche Scheitern der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion in den 1970er Jahren im Vergleich zu ihrem späteren Erfolg. Dabei wird analysiert, wie sich die Voraussetzungen im Zeitverlauf verändert haben, wobei der rationale Institutionalismus als theoretischer Rahmen dient, um die Verschiebung von einer Dilemmaspiel-Situation hin zu neuen, kooperationsfördernden Strukturen zu erklären.
- Rationaler Institutionalismus als Analyseraster
- Die europäische Wirtschafts- und Währungsunion (WWU)
- Spieltheoretische Modelle (Dilemmaspiel, Rambospiel)
- Vergleich der Zeitpunkte "Werner-Plan" und "EWS"
- Konflikt zwischen Ökonomen und Monetaristen
Auszug aus dem Buch
3.3 Der rationale Institutionalismus
Nach Annahme des rationalen Institutionalismus machen Institutionen es möglich, das beschriebene Gefangenendilemma der Staaten aufzulösen.
“By and large, they [the historical institutionalists] define them as the formal or informal procedures, routines, norms and conventions embedded in the organizational structure of the polity or political economy. They can range from the rules of a constitutional order or the standard operating procedures of a bureaucracy to the conventions governing trade union behaviour or bank-firm relations” (A. Hall und C.R. Taylor 1996, S. 938).
Dies tun sie, indem sie für „Erwartungssicherheit bezüglich des Verhaltens der jeweils anderen“ (Eissler 1999, S. 19) sorgen, die jeweiligen Partner durch sie gemeinsam festlegen, „was unter kooperativem - und unkooperativem Verhalten zu verstehen ist“ (Eissler 1999, S. 19–20) und zuletzt Kontrollmechanismen möglich machen, „die es den Akteuren erlaub[en], etwaige Regelbrüche frühzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren“ (Eissler 1999, S. 20). Durch diese Vorteile kann sich die Dilemma- Situation in eine Richtung entwickeln, in der kooperative Strategien an Attraktivität gewinnen (vgl. Eissler 1999, S. 20) und damit Dilemmaspiel-Situationen auflösen.
Damit eine Institution entstehen kann (in unserem Fall die europäische Wirtschafts- und Währungsunion), müssen jedoch einige Rahmenbedingungen erfüllt sein. Zunächst gilt es die notwendige Bedingung zu bestimmten: „Institutionen entstehen nur (…) in problematischen sozialen Situationen“ (Eissler 1999, S. 20). Darüber hinaus müssen zumindest einige hinreichende Bedingungen erfüllt sein:
I. Langer Schatten der Zukunft: Die potenziellen Kooperationspartner müssen davon ausgehen, dass die Kooperation nicht nur einmalig, sondern auch in der Zukunft von Vorteil sein wird. „Denn mit jeder Wiederholung steigt der Mehrgewinn, der aus gegenseitiger Kooperation im Vergleich zur gegenseitigen Kooperationsverweigerung erzielt werden kann“ (Eissler 1999, S. 21).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion ein und formuliert die Forschungsfrage nach den Ursachen für das anfängliche Scheitern und den späteren Erfolg ihrer Einführung.
2 Zeitlicher Überblick und Einordnung des Themas: Dieses Kapitel liefert eine chronologische Übersicht relevanter Ereignisse, wie den „Werner-Plan“ und die Etablierung des EWS, um den Untersuchungshorizont abzustecken.
3 Theoretische Ansätze und Begriffserklärungen: Hier werden zentrale Begriffe definiert und theoretische Grundlagen, insbesondere der rationale Institutionalismus sowie die spieltheoretische Dilemmaspiel-Situation, erläutert.
4 Methode und Vorgehensweise: Das methodische Kapitel beschreibt den Vergleich von zwei Zeitpunkten, um die veränderten Voraussetzungen für den Gründungsprozess der WWU aufzudecken.
5 Analyse: Der Hauptteil analysiert die historischen Phasen unter Anwendung der rationalen Institutionalismus-Theorie und untersucht die Rolle der Akteure (Bundesbank vs. EWS-Teilnehmer).
6 Diskussion der Ergebnisse: Hier werden die Erkenntnisse zusammengeführt und interpretiert, wie die Transformation der Interessenkonstellation die WWU ermöglichte.
7 Antwort auf die Fragestellung und Fazit: Das Fazit beantwortet die Forschungsfrage, indem es das Scheitern auf Konflikte und die Dilemmaspiel-Situation zurückführt, die durch neue Institutionen überwunden wurden.
Schlüsselwörter
Wirtschafts- und Währungsunion, WWU, Rationale Institutionalismus, Europäisches Währungssystem, EWS, Werner-Plan, Spieltheorie, Dilemmaspiel, Rambo-Situation, Monetaristen, Ökonomen, Konvergenz, Geldwertstabilität, Integration, Kooperation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historischen Versuche zur Gründung einer europäischen Wirtschafts- und Währungsunion und untersucht, warum ein erster Anlauf scheiterte, während ein späterer Versuch erfolgreich war.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Untersuchung konzentriert sich auf die europäische Währungspolitik, theoretische Konzepte des rationalen Institutionalismus und spieltheoretische Ansätze zur Erklärung zwischenstaatlicher Kooperation.
Welches ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die veränderten Rahmenbedingungen und Interessenkonstellationen aufzudecken, die einen Einfluss auf den erfolgreichen Gründungsprozess der WWU hatten.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Untersuchung verwendet?
Es wird eine vergleichende Analyse von zwei spezifischen Zeitpunkten (Beginn der 70er Jahre während des Werner-Plans und die Zeit nach dessen Scheitern) durchgeführt, wobei der rationale Institutionalismus als theoretischer Analyserahmen dient.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Modelle (wie das Dilemma-Spiel) auf die Handlungen der Staaten übertragen und die Entwicklung vom Werner-Plan über das EWS bis hin zu den Konflikten zwischen Ökonomen und Monetaristen detailliert untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind die WWU, EWS, Rationale Institutionalismus, Spieltheorie sowie verschiedene Akteurskonstellationen wie die Rambo-Situation.
Wie unterscheidet sich die Dilemmaspiel-Situation von der "inversen Rambospiel-Situation"?
Beim Dilemmaspiel sind sich Akteure unsicher über das Verhalten des Gegenübers, was oft zu Nicht-Kooperation führt. Bei der inversen Rambo-Situation hingegen bestimmen wirtschaftliche Stärke oder Schwäche die Verhandlungsmacht und zwingen Akteure zu einer bestimmten, ungleichen Kooperationsform.
Warum war der "Werner-Plan" nach Ansicht des Autors nicht erfolgreich?
Er scheiterte vor allem an einem Mittelkonflikt zwischen Ökonomen und Monetaristen sowie einer schwierigen Ausgangslage, die durch eine klassische Dilemmaspiel-Situation für die beteiligten Staaten gekennzeichnet war.
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- Anonym (Author), 2018, Die Schaffung der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion. Gründe für das anfängliche Scheitern und den anschließenden Erfolg, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1302031