In der vorliegenden Hausarbeit soll Jean de Lérys Reisebericht „Histoire d’un voyage fait en la terre de brésil“, Titel der für diese Arbeit verwendeten deutschen Ausgabe: „Brasilianisches Tagebuch 1557“, dahingehend untersucht werden, wie die brasilianischen Ureinwohner von de Léry dargestellt werden. Der Schwerpunkt der Analyse liegt dabei auf der Beschreibung der indigenen Kultur und Lebensweise der Tupinambá und wie der Autor diese bewertet.
Das Zeitalter der Entdeckungsreisen, welches Ende des 15. Jahrhunderts mit der Entdeckung Amerikas durch Kolumbus eingeläutet wurde, brachte eine Fülle von Reisebeschreibungen in die Neue Welt hervor.
Hatte zuvor bereits Marco Polos Ende des dreizehnten Jahrhunderts veröffentlichter Bericht über seine getätigten Chinareisen eine große Resonanz gefunden und die europäische Sicht auf den Fernen Osten maßgeblich beeinflusst, fanden die ersten Briefe und Berichte von Christoph Kolumbus und Amerigo Vespucci, welche den europäischen Lesern die Fremdartigkeit des amerikanischen Kontinents und seiner Ureinwohner vermittelten, weitaus größere Beachtung, was insbesondere in der Vielzahl der im 16. und 17. Jahrhundert erschienenen Reiseberichte europäischer Autoren über Amerika zum Ausdruck kam, welche die allmähliche politische und mentale Kolonialisierung der Neuen Welt dokumentieren.
Die Ureinwohner Lateinamerikas wurden vor diesem Hintergrund entweder als grausame und unzivilisierte „Barbaren“ dargestellt oder erschienen als „edle Wilde“, die friedlich in ihrer paradiesischen Umgebung leben.
Bei den Verfassern der Reiseberichte handelte es sich unter anderem um deutsche Landsknechte in Diensten der spanischen und portugiesischen Konquistadoren wie Hans Staden oder Ulrich Schmidl, deren Berichte zu den bekanntesten Werken der Reiseliteratur der Frühen Neuzeit gezählt werden sowie um französische Geistliche, die ihre Reisen im Zuge von Kolonisationsunternehmungen in der Karibik und Südamerika dokumentierten.
Zu diesen Autoren gehörte der calvinistische Missionar Jean de Léry, der zwischen 1556 und 1558 an der ersten französischen Koloniegründung in Brasilien beteiligt gewesen ist und dessen Aufzeichnungen zu den umfangreichsten und bedeutendsten ethnologischen Studien des 16. Jahrhunderts zählen.
Inhaltsverzeichnis
- 1. Einleitung
- 2. Der historische Kontext des Reiseberichts
- 2.1. Zur Biografie Jean de Lérys
- 2.2. Das französische Kolonisierungsunternehmen in Brasilien
- 3. Konstruktionen des Fremden in europäischen Reiseberichten über Lateinamerika
- 4. Die Darstellung der Ureinwohner Brasiliens in Jean de Lérys Reisebericht
- 5. De Lérys Werk im Kontext der europäischen Reiseliteratur über Lateinamerika im 16. Jahrhundert
- 6. Fazit und Ausblick
- 7. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Diese Hausarbeit befasst sich mit der Darstellung der brasilianischen Ureinwohner im Reisebericht „Histoire d'un voyage fait en la terre de Brésil“ von Jean de Léry, einem französischen calvinistischen Missionar, der im 16. Jahrhundert an der ersten französischen Koloniegründung in Brasilien teilgenommen hat. Der Fokus liegt auf der Analyse der Beschreibung der indigenen Kultur und Lebensweise der Tupinambá und der Bewertung dieser durch den Autor.
- Analyse der Darstellung der brasilianischen Ureinwohner durch Jean de Léry
- Beschreibung der indigenen Kultur und Lebensweise der Tupinambá
- Bewertung der Ureinwohner durch de Léry im Kontext seiner Zeit
- Einordnung des Werkes in die europäische Reiseliteratur des 16. Jahrhunderts
- Bedeutung der Reiseliteratur im Rahmen der europäischen Expansion
Zusammenfassung der Kapitel
Im ersten Kapitel wird der historische Kontext der Reiseberichte der Frühen Neuzeit skizziert, wobei die Bedeutung von Reiseberichten für die europäische Sicht auf die Neue Welt und ihre Ureinwohner hervorgehoben wird. Das zweite Kapitel widmet sich der Biografie von Jean de Léry und der Beschreibung des französischen Kolonisierungsunternehmens in Brasilien. Kapitel drei analysiert die Konstruktionen des Fremden in europäischen Reiseberichten des 16. Jahrhunderts. Im vierten Kapitel steht die Darstellung der Ureinwohner Brasiliens in de Lérys Reisebericht im Vordergrund. Das Kapitel fünf ordnet dieses Werk in den Kontext der europäischen Reiseliteratur über Lateinamerika im 16. Jahrhundert ein.
Schlüsselwörter
Reisebericht, Jean de Léry, Tupinambá, Ureinwohner, Brasilien, Kolonisierung, europäische Expansion, Fremde, Reiseliteratur, ethnologische Studie.
Häufig gestellte Fragen
Wer war Jean de Léry?
Jean de Léry war ein französischer calvinistischer Missionar, der im 16. Jahrhundert an einer Koloniegründung in Brasilien teilnahm und einen bedeutenden Reisebericht verfasste.
Wie werden die Tupinambá in Lérys Bericht dargestellt?
Léry beschreibt ihre Kultur und Lebensweise sehr detailliert und schwankt in seiner Bewertung oft zwischen der Sicht auf „Barbaren“ und „edle Wilde“.
Was war das Ziel der französischen Kolonie in Brasilien?
Die „France Antarctique“ sollte eine französische Präsenz in Südamerika etablieren, scheiterte jedoch nach wenigen Jahren an internen Konflikten und portugiesischem Widerstand.
Welche Rolle spielten Reiseberichte in der Frühen Neuzeit?
Sie waren essenziell für die europäische Wahrnehmung der „Neuen Welt“ und dienten der mentalen sowie politischen Kolonialisierung Amerikas.
Wie unterscheidet sich Léry von anderen Autoren wie Hans Staden?
Während Staden als Landsknecht oft aus der Perspektive eines Gefangenen schrieb, verfasste Léry als Geistlicher eine der ersten umfangreichen ethnologischen Studien.
- Quote paper
- Roderick Fabian (Author), 2022, Die Darstellung der Ureinwohner Lateinamerikas in europäischen Reiseberichten der Frühen Neuzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1301531