Vorliegend handelt es sich um ein Essay über den Paradigmenwechsel in der Wahrnehmungstheorie von der Aufklärung zur Romantik anhand der Novelle "Das Marmorbild" von Joseph von Eichendorff. So wie der junge Edelmann Florino seine Verblüffung über den nächtlichen Eindruck der toskanischen Frühlingslandschaft mit den Worten „[…] wie ist da alles so verwandelt“ emphatisch schildert, so lässt sich auch der Paradigmenwechsel hinsichtlich der Perspektive und Kategorisierung der Wahrnehmung von der Epoche der Aufklärung zur Romantik anhand dieser lyrischen Strophe beschreiben: als eine fundamentale Veränderung der Wahrnehmung.
Lag noch in der Aufklärung die Prämisse auf der Vernunft als das Erkenntnis konstatierende Moment – mithin ist auch die Wahrnehmung von einer analytisch-logischen Konsequenz geprägt- so tritt diese analytische Qualität in der Wahrnehmungstheorie der Romantik zunehmend in den Hintergrund, ja, sie schwindet zu Gunsten einer subjektiven, individuellen Weltanschauung, in der die Wahrnehmung des Einzelnen an Wert und Gewicht gewinnt."
Inhaltsverzeichnis
- ,,... Wie ist da alles so verwandelt\" - (Ästhetische) Wahrnehmung in Eichendorffs Novelle „Das Marmorbild“
- Wahrnehmungswandel in der Romantik
- Die Statue als Faszinosum - Florinos Begegnung mit der Venus
- Der Wandel der Realitäten - Eine „Wahrnehmungsverschiebung“
- Sprachlicher Ausdruck des Wahrnehmungswandels
- Die Verschränkung von Mythischem und Wirklichem
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Der Text analysiert die (ästhetische) Wahrnehmung in Joseph von Eichendorffs Novelle „Das Marmorbild“ und untersucht, wie sich der Paradigmenwechsel in der Wahrnehmungstheorie von der Aufklärung zur Romantik in der Novelle niederschlägt.
- Die Veränderung der Wahrnehmung von einer rationalen zu einer subjektiven und sinnlichen Erfahrung
- Die Rolle des Auges und der Sinne in der romantischen Wahrnehmung
- Die Verschränkung von Kunst, Philosophie und Literatur in Eichendorffs Novelle
- Die Bedeutung von Statuenbelebung und die ästhetische Erfahrung von Kunst
- Der Wandel der Realitäten und die Verwirrung des Protagonisten durch sinnliche Eindrücke
Zusammenfassung der Kapitel
Der Text untersucht den Wandel der Wahrnehmung in Eichendorffs Novelle „Das Marmorbild“, indem er den Fokus auf die Begegnung des Protagonisten Florino mit einer Venusstatue legt. Durch die sinnliche Erfahrung der Statue erleben die Sinne eine neue Bedeutung und die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Diese Wahrnehmungswandel wird durch die Sprache und die Erzähltechnik des Textes deutlich, welche eine subjektive und individuell gefärbte Realität widerspiegeln. Der Text beleuchtet auch den Einfluss der Romantik auf die ästhetische Wahrnehmung und die Verbindung von Kunst, Philosophie und Literatur, die in der Novelle zum Ausdruck kommt.
Schlüsselwörter
Der Text befasst sich mit den Themen der Wahrnehmung, der Romantik, der Ästhetik, der Statuenbelebung, der Verschmelzung von Realität und Fantasie, der sinnlichen Erfahrung, der Literaturanalyse, der Erzähltechnik und der Kunsttheorie.
Häufig gestellte Fragen
Was ist der zentrale Paradigmenwechsel von der Aufklärung zur Romantik?
Der Fokus verschiebt sich von einer analytisch-logischen Vernunft hin zu einer subjektiven, individuellen und sinnlichen Wahrnehmung der Welt.
Wie wird dieser Wandel in Eichendorffs „Das Marmorbild“ deutlich?
Durch die Figur Florio, der die Welt als „verwandelt“ wahrnimmt, wobei die Grenzen zwischen Realität, Traum und mythischer Erscheinung verschwimmen.
Welche Bedeutung hat die Venusstatue in der Novelle?
Die Statue dient als Faszinosum und Auslöser für Florios Verwirrung. Sie steht für die ästhetische Erfahrung von Kunst, die im romantischen Sinne „lebendig“ werden kann.
Welche Rolle spielen die Sinne in der romantischen Wahrnehmung?
Die Sinne (insbesondere das Auge) gewinnen an Wert und Gewicht gegenüber der reinen Ratio; sie ermöglichen eine tiefere, oft magische Verbindung zur Natur und Kunst.
Wie drückt sich der Wahrnehmungswandel sprachlich aus?
Eichendorff nutzt eine lyrische, atmosphärische Sprache, die Stimmungen und subjektive Eindrücke über die objektive Beschreibung der Wirklichkeit stellt.
Was bedeutet die „Verschränkung von Mythischem und Wirklichem“?
In der Romantik werden antike Mythen (wie die Venus) in die zeitgenössische Landschaft integriert, sodass der Protagonist nicht mehr sicher zwischen realen Begegnungen und übernatürlichen Erscheinungen unterscheiden kann.
- Citation du texte
- Julia Lucas (Auteur), 2009, Joseph von Eichendorffs Novelle „Das Marmorbild“. Paradigmenwechsel in der Wahrnehmungstheorie von der Aufklärung zur Romantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1301152